09:39:01 | Freitag, 9. Februar 2007
Die Übersetzung von „pro multis“ in den Wandlungsworten muß in jeder Lateinstunde „für viele“ lauten – anerkennt ein deutscher Exeget. Dennoch hält er „für alle“ die „sachlich richtige“ Wiedergabe des Textes.
(kreuz.net, Wuppertal) Der Wuppertaler Bibelwissenschaftler Thomas Söding sprach sich kürzlich gegen
die korrekte Übersetzung von
‘pro multis’ in den Wandlungsworten der Heiligen Messe aus.
Söding ist
Mitglied des vatikanischen Beratungsgremiums ‘Internationale Theologenkommission’ und Vorsitzender des
Bibelwerkes im Bistum Münster.
Er äußerte sich vor der ökumenischen Wochenzeitschrift ‘Christ in
der Gegenwart’.
Für Söding birgt die korrekte Übersetzung von ‘pro multis’ „Zündstoff“: „Feiert die
Kirche die Eucharistie nicht mehr für alle Menschen? Zieht sie sich auf den Kreis der Rechtgläubigen
zurück?“
Ferner sei die zeitliche Verquickung der vatikanischen Erklärung mit der erwarteten Freigabe
der Alten Messe „unglücklich“.
Die Traditionalisten seien nicht davor „zurückgeschreckt“, die Gültigkeit
der „vatikanischen Liturgie“ zu bezweifeln.
Sie behaupteten, die Wendung „für alle“ sei eine Häresie.
Dieser Vorwurf sei Unsinn. Das habe auch der Präfekt der Liturgiekongregation, Francis Kardinal Arinze,
in seinem
Schreiben, das die korrekte Übersetzung von „pro multis“ anordnet, klargestellt.
Die „beschworene
Gefahr“ von der Irrlehre des Heilsautomatismus – Allerlösungslehre – betrachtet Söding als schwächstes
Argument für die korrekte Übersetzung.
Stärker wiege der Wunsch nach einer wörtlichen Widergabe der
biblischen Quellentexte und der Römischen Liturgie.
Söding gesteht zu, daß die Römische Messe die
Formulierung „pro multis“ verwendet: „Was in jeder Lateinstunde nur mit ‘für viele’ wiedergegeben werden
dürfte“.
Er gibt zu, daß „für alle“ im Lateinischen „pro omnibus“ heißt. Das finde sich in keiner
römischen Liturgiequelle.
Der Exeget gesteht ferner ein, daß das Kelchwort in den Evangelien von Markus
und Matthäus „das ist mein Blut, vergossen
für viele“ laute.
Doch er will die Sprache des Neuen Testaments
„genau verstehen“. Dabei beruft er sich unter anderem auf den inzwischen überholten protestantischen
Theologen Joachim Jeremias († 1979).
Dieser hatte 1959 behauptet, daß das Wort „viele“ im Hebräischen,
Aramäischen und Bibelgriechischen eine einschließende Bedeutung besitze: „die nicht zu zählenden Vielen,
die große Schar – alle“.
Es gäbe angeblich in den semitischen Sprachen – das Neue Testament ist auf
Griechisch geschrieben – keine rechte Entsprechung zum Plural „alle“.
Jeremias Argumente sind seit längerem
widerlegt. Söding anerkennt, daß ihm die „neuere Forschung“ nicht ungeteilt zustimmt.
Dennoch: „Entscheidend
ist die Fülle“ – insistiert Söding.
„Für alle“ sei die sachlich richtige Wiedergabe des biblischen
Textes. Sie entspreche auch am besten dem Sinn der Eucharistie.
„Für viele“ werfe dagegen im heutigen
Deutsch Fragen auf, die angeblich im ursprünglichen Zusammenhang nicht existiert hätten.
Man müsse
mühsam erklären, was gemeint – und vor allem, was nicht gemeint ist.
Die vom Vatikan angeordnete wörtliche
Übersetzung werde Zweifel aufkommen lassen: „Wird das Opfer etwa nicht mehr ‘für alle’, sondern nur
noch ‘für viele’ dargebracht? Das kann doch nicht wahr sein, wird aber so verstanden werden.“
Die Geladenen
zum Gastmahl der ewigen Herrlichkeit seien nicht wenige, sondern „unendlich viele“, nämlich alle.
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