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Samstag, 8. Januar 2005 13:19
Kardinal Meisner relativiert
Das Presseamt der Erzdiözese Köln bezieht Stellung zu den Vorwürfen, Kardinal Meisner hätte in seiner Predigt den Holocaust verharmlost. Meisner: „Wenn ich geahnt hätte, daß mein Verweis auf Hitler mißverstanden hätte werden können, hätte ich seine Erwähnung unterlassen. Es tut mir leid, daß es dazu gekommen ist.“
(kreuz.net, Köln) Das Presseamt des Erzbistums Köln stellt sich in einer Pressemitteilung vom 8. Januar der Kritik an Kardinal Meisners Predigt zum Fest Epiphanie durch Paul Spiegel, den Präsident des „Zentralrats der Juden in Deutschland“. Der Wortlaut der Predigt sei verkürzt zitiert und aus dem Zusammenhang gerissen worden. Dadurch gewann man den Eindruck, „dem Kardinal ginge es allein um einen Vergleich von kriminellen Taten.“

Paul Spiegel hatte den Vergleich des Holocausts mit der Kinderabtreibung hart kritisiert und erklärt, er habe absolut kein Verständnis für Äußerungen, bei denen Abtreibung und Sterbehilfe mit den Verbrechen des Naziregimes gleichgesetzt würden. Er forderte Kardinal Meisner auf, sich unverzüglich von diesem Vergleich zu distanzieren.

Der Erzbischof von Köln meinte angesichts der Kritik: „Wenn ich geahnt hätte, daß mein Verweis auf Hitler mißverstanden hätte werden können, hätte ich seine Erwähnung unterlassen. Es tut mir leid, daß es dazu gekommen ist.“ Er werde, so Meisner weiter, den Hinweis auf Hitler in der Predigtdokumentation tilgen lassen.

Tatsächlich, berichtigte das Presseamt, habe Kardinal Meisner an wenigen Beispielen klar gemacht: „Wo sich Menschen zum Herrn über das Leben machen, verlieren andere das Leben.“ Die Kritik unterstelle dem Kardinal, daß der Mord an Juden im Zweiten Weltkrieg relativiert worden sei.

Kardinal Meisners Absicht sei es gewesen, in einem Vergleicht mit der heutigen Zeit klarzustellen, daß Verfehlungen am menschlichen Leben geschehen sind, die sich darauf zurückführen ließen, „daß sich Menschen zum Herrn über das Leben machen“. Heute, erklärte das Presseamt der Erzdiözese, bestehe fast kollektiv die Annahme, der Mensch könne über das Lebensrecht ungeborener Kinder entscheiden.

In seiner Predigt am 6. Januar hatte Kardinal Meisner folgende Worte an die Gläubigen gerichtet, die daraufhin die Kritik der veröffentlichten Meinung hervorriefen:

„Mein Leben, mein Herz, mein Leib gehört nicht mir. Es ist sein [= Gottes] Eigentum. Ich kann über mein eigenes Leben und über das Leben anderer nicht verfügen. Ich kann es immer nur dankend empfangen. Es ist bezeichnend: Wo der Mensch sich nicht relativieren oder eingrenzen läßt, dort verfehlt er sich immer am Leben: zuerst Herodes, der die Kinder von Bethlehem umbringen läßt, dann unter anderem Hitler und Stalin, die Millionen Menschen vernichten ließen, und heute, in unserer Zeit, werden ungeborene Kinder millionenfach umgebracht. Abtreibung und Euthanasie heißen die Folgen dieses anmaßenden Aufbegehrens gegenüber Gott. Das sind nicht soziale Probleme, sondern theologische. Hier kommt das erste Gebot ins Spiel: ‘Du sollst keine fremden Götter neben mir haben’“.
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Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 28 Lesermeinungen:
Montag, 21. März 2005 10:04
franco.felice: Kardial Meisner erntet wirklich Kritik von K Lehmann?
Im Gegensatz zu jenen, die der Papst in seinem Buch „Erinnerung und Identität“ ohne Schnörkel ansprach, bewundere ich ausdrücklich ihn, Kardinal Meisner und Rabbi Friedman.

Aus diesem Grunde schrieb ich an Dr. Spiegel; der mir in Manier, die für mich an Idiolatrie grenzt, antwortete, mit Kardinal Lehmann vereinbart zu haben, es dürfe nicht relativiert werden. (Wo haben die denn das her?)

Cribbio! Wenn wirklich ein solches Arrangement bestehen sollte, wüßte ich schon gar nicht, wieso Christen überhaupt Kardinal Lehmann unterstehen sollten.

Die heutigen Christen sind in Deutschland vielleicht zahlenmäßig weniger, dem diametral gegenüberstehend jedoch kritischer geworden. Es reicht nicht mehr aus, wie in der CDU nur den Kürzel anzuführen und wie Helmut Kohl trotz Abtreibung in seinen blühenden Landschaften jahrzehntelang munter weiter zu regieren. Die Kirche, die früher so gerne auf Seiten der Mächtigen stand, hat in jenem Papst, den Beck und Westerwelle angreifen wollten (!!), den Wandel gut verstanden. Die Christen, unter ihnen auch manche, die im III. Reich gelitten haben und verfolgt wurden, während nach dem Kriege den Verursachern und Peinigern über die Rattenlinie geholfen wurde, auch. Sie lassen sich nicht erneut in etwas handeln, das man eventuell und wenn auch nur entfernt mit einem neuen Konkordat relativieren könnte.

Kardinal Lehmann ließ seinen Kollegen im Regen stehen.

Gott schütze die Ungeborenen und ihren Fürsprecher Kardinal Meisner.

Franco
Donnerstag, 20. Januar 2005 21:01
GerdEric: Lieber Werner Uttermann
>>Wenn der Mensch sich als absolut sieht, wenn er meint, er sei der Beherrscher von Leben und Tod, wenn er keinen Gott anerkennt und deshalb Gottesgebote auch nicht befolgt, dort verfehlt er sich immer am Leben.

Herodes hat sicherlich nicht vergessen, wem er seine Macht verdankte, dem römischen Kaiser…
und doch kannte auch er Gott, er liess auch grosszügig für Gott bauen (was aber seine Untertanen ihm nicht zu Gute hielten, zu Recht)
Die sonstigen Verfehlungen (die sittlichen) passieren auch so manchem Kirchenmann.

>> Dann spricht Kardinal Meisner Beispiele der Verfehlungen an von Mensche an: zuerst Herodes, der die Kinder von Bethlehem umbringen läßt, dann unter anderem Hitler und Stalin, die Millionen Menschen vernichten ließen, und heute, in unserer Zeit, werden ungeborene Kinder millionenfach umgebracht.“ Es ist unverständlich für mich, wie gebildete Leute, wie Herr Paul Spiegel, Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, öffentlich losschreien, aber damit auch aufzeigen, dass sie nicht in der Lage waren, warum auch immer, diese Äußerungen Kardinal Meisners richtig zu verstehen.

Leider war der Kardinal nicht in der Lage zu erkennen, dass er andere Beispiele hätte nehmen können, als zB ein Bischof in Südfrankreich selbst Hand anlegte gegen die Albingenser, und alles töten liess, und seine es katholische Söldner, für die die Albingenser zuvor das Leben ausgehandelt haben, oder Kinder.

>> Große Hast in den Reaktionen, lässt oft solche Fehler aufkommen, aber auch das Verständnis von sich selber, man sei sehr wichtig und alle Welt höre darauf was man sagt, kann solche Verstehensfehler begünstigen, meine ich. Also: Nicht der Kardinal muss sich entschuldigen, sondern Herr Paul Spiegel.

weil er sich zu Recht aufregte?

>> Eine Schande für die DBK ist es, dass sie sich so wachsweich aus der Affäre zieht. Mehr Mut unseren Bischöfen. Je schwächer der Mut um so weniger Gläubige. Hirten müssen sich gemeinsam den Wölfen entgegenstellen!

Wie soll ich denn das verstehen?
wer sind denn Deiner Meinung nach die Wölfe?
Interessiert mich doch sehr.
Und bedenkte, es wird schon im NT vor den falschen Hirten gewarnt.
Samstag, 15. Januar 2005 00:25
Tomasino: Wer vernebelt in Deutschland das Sprachverständnis?
Lesen wir doch noch mal die Aussage in der Predigt von Kardinal Meissner genau: „Wo der Mensch sich nicht relativieren und eingrenzen läßt, dort verfehlt er sich immer am Leben: zuerst Herodes, der die Kinder von Bethlehem umbringen läßt, dann unter anderem Hitler und Stalin, die Millionen Menschen vernichten ließen, und heute, in unserer Zeit, werden ungeborene Kinder millionenfach umgebracht.“ Es ist darin nie die Rede davon, die einzelnen Ereignisse zueinander in Beziehung zu setzen (zu relativieren*). Der Schwerpunkt liegt in der Relativierung und Eingrenzung des Menschen. Das soll heißen: Wenn der Mensch sich als absolut sieht, wenn er meint, er sei der Beherrscher von Leben und Tod, wenn er keinen Gott anerkennt und deshalb Gottesgebote auch nicht befolgt, dort verfehlt er sich immer am Leben. Dann spricht Kardinal Meisner Beispiele der Verfehlungen an von Mensche an: zuerst Herodes, der die Kinder von Bethlehem umbringen läßt, dann unter anderem Hitler und Stalin, die Millionen Menschen vernichten ließen, und heute, in unserer Zeit, werden ungeborene Kinder millionenfach umgebracht.“ Es ist unverständlich für mich, wie gebildete Leute, wie Herr Paul Spiegel, Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, öffentlich losschreien, aber damit auch aufzeigen, dass sie nicht in der Lage waren, warum auch immer, diese Äußerungen Kardinal Meisners richtig zu verstehen. Große Hast in den Reaktionen, lässt oft solche Fehler aufkommen, aber auch das Verständnis von sich selber, man sei sehr wichtig und alle Welt höre darauf was man sagt, kann solche Verstehensfehler begünstigen, meine ich. Also: Nicht der Kardinal muss sich entschuldigen, sondern Herr Paul Spiegel.
Eine Schande für die DBK ist es, dass sie sich so wachsweich aus der Affäre zieht. Mehr Mut unseren Bischöfen. Je schwächer der Mut um so weniger Gläubige. Hirten müssen sich gemeinsam den Wölfen entgegenstellen!
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*)relativieren = „etwas, das als absolut gilt, in seiner Bedingtheit aufweisen“ (v. Kienle, Fremdwörterlexikon)
Dienstag, 11. Januar 2005 15:41
Johannes: Kardinal Meisner – Ein Fels in der Brandung Deutschlands
Seiner Eminenz Kardinal Meisner gehört unser uneingeschränkter Dank, daß er die Verfehlungen der Menschen aufzeigt. Und hierzu sind auch natürlich die Beispiele – alle Beispiele – unserer Geschichte notwendig.
Dienstag, 11. Januar 2005 08:48
LivingWater: Spiegel hat Hitler reingewaschen
Eines hat Herr Spiegel nun erreicht: Adolf Hitler, bisher als Massenverbrecher in einer Linie mit Stalin, Pol Pot und anderen Ganoven, auch von Kardinal Meisner in einer Reihe mit anderen Massenverbrechern genannt, ist nun reingewaschen. Niemand darf es mehr wagen, ihn zusammen mit anderen Verbrechern zu nennen, somit wird sich das Andenken an seine Verbrechen verflüchtigen, es dauert möglicherweise nicht mehr lange, dann weiß man zwar noch, daß da viele Juden umgebracht wurden, aber von wem? Das ist dann aus dem Bewußtsein gestrichen. Herrn Spiegel sei Dank.
Sonntag, 9. Januar 2005 23:55
turk: http://www.bayernpartei.de/
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