Protestantismus
Dasselbe Trauerspiel
Protestantische Kulturschaffende warnen vor einem „Zerfleddern der bestehenden Gottesdienstformen“. Sie fürchten ein Abwandern zu den Katholiken.
Amtseinführung einer neuen Pfarrerin in einer bayerischen evangelischen Gemeinde
Amtseinführung einer neuen Pfarrerin in einer bayerischen evangelischen Gemeinde
(kreuz.net, Berlin) Berliner Intellektuelle sorgen sich um die Liturgie der evangelischen Gemeinschaft.

Deshalb schrieben die Kulturschaffenden dem Vorsitzenden der ‘Evangelischen Kirche Deutschland’, Bischof Wolfgang Huber, einen dreiseitigen Brief.

Das berichtete die Berliner Tageszeitung ‘Tagesspiegel’.

Verfasser ist der ehemalige leitende Mitarbeiter im Umweltbundesamt, Jan Schmitt-Tegge.

20 weitere prominente Berliner unterzeichneten den Text – darunter der Filmregisseur Wim Wenders, die frühere Theaterdirektorin Nele Hertling, Kulturmanager Peter Raue, die Schauspielerin Jutta Lampe und der Publizist Michael S. Cullen.

Anlaß für das Schreiben waren frustrierende Erfahrungen mit den Weihnachtsgottesdiensten.

Albernheiten statt Weihnachtsbotschaft

Am Heiligen Abend haben die Unterzeichner „Musical statt Gottesdienst“ erlebt: „Albernheiten statt Weihnachtsbotschaft, keine Predigt, nichts“.

Die Kirche müsse sich auf ihre Botschaft und auf die Spiritualität besinnen und etwas gegen das „Zerfleddern der bestehenden Gottesdienstformen“ tun – fordern die Intellektuellen:

„Sitzt unsere Kirche nicht dem grandiosen Irrtum auf, man müsse nur ‘zeitgemäß’ sein, um die Gläubigen zu halten? Ist nicht das Gegenteil richtig?“

Es gebe nichts Zeitgemäßeres, nichts Aktuelleres als die Botschaft der Bergpredigt – heißt es im Brief weiter:

„Sind die evangelische Kirche und ihre ordinierten Vertreter nicht willens oder nicht mehr in der Lage, diese Botschaft zu vermitteln?“

Die Unterzeichner fragen ferner, wo der evangelische Bischof Huber die Menschen hinschicke, welche die Weihnachtsbotschaft hören wollen und sich von ihrer Kirche Trost, Sinn und Inhalte erhoffen: „In das Theater des Westens?“

Das Ende der Evangelischen?

Die Kulturschaffenden vermissen die Stimme der evangelischen Gemeinschaft auch in aktuellen Wertedebatten.

Ausgerechnet die Evangelischen, die den Werte-Konservatismus im besten Sinne erfunden hätten, schlössen sich von dieser Debatte aus.

Wenn sich die beobachtete Entwicklung fortsetze, würden immer mehr Menschen zum Katholizismus übertreten – befürchten die Unterzeichner des Briefes.

Weiters kritisieren sie, daß sich die evangelische Gemeinschaft zu viele Gedanken um Strukturreformen, die Zusammenlegung von Landeskirchen, Taufquoten oder Qualitätsmanagement mache. Das seien Formalien: „Wo bleiben die Inhalte?“

Briefschreiber Schmitt-Tegge fragt sich, ob die evangelische Gemeinschaft unter diesen Umständen noch lange Bestand haben kann.

Die Antwort von Bischof Huber

Der protestantische Bischof Huber antwortete in einem 14zeiligen Schreiben.

Schmitt-Tegge nannte die Antwort „mehr als dürftig“. Huber erklärte in seiner Antwort allgemein, „den Klagen, die an mich gelangen, nachzugehen“.

Vor dem ‘Tagesspiegel’ beschwichtigte Huber, den Brief „sehr ernst“ genommen zu haben: „Es ist doch klar, daß die Frage nach der Qualität von Gottesdiensten für mich zentral ist.“

Er habe aber so knapp geantwortet, weil er schnell reagieren wollte.
      
9 Lesermeinungen
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#9   No Comment   14:39:16 | Dienstag, 13. Februar 2007
Ganz egal, was
die ev. Staatskirche für Verrenkungen unternimmt: Ihr Konzeopt ist seit 1918 „erledigt“; ein Teil der Prot. wird freikirchlich, der Rest wird katholisch, gerade WEIL niemand mehr Rückkehrökumene fordert.
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#8   Ydefix   10:08:00 | Dienstag, 13. Februar 2007
In der Tat:
Das Grundproblem der Unterzeichner besteht darin, dass sie einfach behaupten, Jesus Christus hätte mehrere Kirchen gegründet. Sie sollten deshalb einmal in Mt. 16,18 nachlesen.
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#7   Seminarist   19:20:27 | Montag, 12. Februar 2007
Evangelischer Kultdienstablaufplan
Berliner Intellektuelle sorgen sich um die Liturgie der evangelischen Gemeinschaft.
Seit wann gibt es bei protestantischen Denominationen eine Liturgie?
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#6   stimme der vernunft †   16:52:00 | Montag, 12. Februar 2007
@kurti
ich hab gestern ne stille Messe im Radio gehört.
Als ich mich nach 90 Minuten gewundert hatte, dass sie gar so lang dauert, hab ich dann festgestellt dass nur der Sender ausgefallen war.
Ist aber ein sehr spirituelles Erlebnis, so ne stille Messe.
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#5   e.seif.   14:37:00 | Montag, 12. Februar 2007
brief?
ich habe das gleiche problem mit dem brief, habe ihn auch nich gefunden…bitte um den link…
vielen dank
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#4   ttoni   11:44:12 | Montag, 12. Februar 2007
wo ist der brief?
ich habe den brief im internet gesucht, fand ihn aber nicht. ich bitte um den link
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#3   PietroParente   10:52:35 | Montag, 12. Februar 2007
Zustimmung
Gewagt, gewagt… und doch gewonnen.
Nachher wird man zum Ergebnis kommen, dass von einer „evangelischen Liturgie“ nicht mehr die Rede sein kann.
Dennoch, ob die Unterzeichner dieses Briefes, die „Berliner Prominenz“, auch vor und nach dem 24. Dezember noch einen Platz in einer der Kirchenbänke Berlins einnehmen oder handelt es sich um eine punktuelle Kritik, die tatsächlich nur auf den 24. Dezember bezogen ist???
Schlimm genug: Das schöne Essen mit der Familie, der prächtig geschmückte Tannenbaum, einfach das stimmungsvolle Ambiente und dann das: Eine verhunzte Liturgie. Wird hier nicht offenbar, was an dem Manifest deutscher „Prominente“ zur alten Messe (vielleicht zu Unrecht) kritisiert worden ist – Der Wunsch nach der Schönheit der Liturgie oder ist man tatsächlich nur gewillt, den nächsten Heiligen Abend stimmungsvoll durch eine sich in den Rahmen einfügende Liturgie zu verschönern.
Hoffen wir, dass die Unterzeichner des Briefes an „Bischof“ Huber nicht nur am Heiligen Abend in der Kirche zu sehen sind und ihre Kritik nicht nur ein äußerliches Anliegen ist, sondern ein innerer, tiefer Wunsch , die Verkündigung voranzubringen!!!
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#2   Kurti   10:28:31 | Montag, 12. Februar 2007
Messe
Gestern habe ich eine Messe im Radio gehört. Aus der Gemeinde Warmbronn bei Leonberg. Der Pfarrer predigte auch gegen eine angebliche Drohbotschaft und sagte Jesus habe sich bei der Naherwartung des Gottesreichs geirrt und zudem seien die Worte der drohbotschaft nachträglich in die Evangelien geschreiben worden, das habe die Bibelwissenschaft festgestellt.
Die Messe war die halbe Zeit von Orgelgedudel unterbrochen. so lahme und ungeistliche Pfarrer sind auch bei der kath. Kirche und diese predigen morgens auch ab und an noch im Radio. Man kann das Geschwätz nicht mehr hören.
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#1   möchtegern-kathole   09:55:05 | Montag, 12. Februar 2007
mir hat mal …
… ein Protestant gesagt: prinzipiell sei das katholische wohl schon das richtige – aber aus dem einen Sauhaufen nur deshalb auszutreten, um Mitglied eines anderen zu werden, das wäre dann doch keine Lösung.
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