Aus der kirchlichen Hülle und Fülle
Begebenheiten aus dem Leben von Alfredo Kardinal Ottaviani († 1979), zum Anlaß der 114. Wiederkehr seines Wiegenfestes. Geschehen während des Zweiten Vatikanums: Der Kardinal versuchte, die Problematik der Liturgiekonstitution aufzuzeigen, aber…
(kreuz.net) Der folgende Text ist einem Vortrag des im September verstorbenen großen Kenners des Zweiten Vatikanums, Michael Davies, entnommen.

In der ersten Sitzung des Zweiten Vatikanums fragte Alfredo Kardinal Ottaviani während der Debatte über die Liturgiekonstitution: „Planen jene Väter eine Revolution?“ Der Kardinal war zu diesem Zeitpunkt bereits alt und schon halb blind. Deswegen sprach er ohne Vorlage über ein Thema, das ihn tief bewegte.

„Versuchen wir eigentlich, im christlichen Volk Verwunderung auszulösen oder vielleicht sogar einen Skandal, dadurch daß wir Veränderungen in einen ehrwürdigen Ritus einführen, der sich während so vieler Jahrhunderte bewährt hat und uns nun so vertraut ist? Der Ritus der heiligen Messe sollte nicht so behandelt werden, als wäre er ein Stück Stoff, das je nach der Laune jeder neuen Generation verändert werden kann.“

Der alte Kardinal war so beunruhigt über das revolutionäre Potential der Konstitution, daß er seine festgesetzte Sprechzeit von zehn Minuten überschritt. Grund dafür war natürlich auch, daß er, aufgrund seines schlechten Sehvermögens, keinen vorbereiteten Text hatte. Auf ein Zeichen des niederländischen Kardinals Bernardus Joannes Alfrink († 1987), des Vorsitzenden der Sitzung, schaltete ein Techniker nach Ablauf der zehnminutigen Redezeit – mitten im Satz – dem sprechenden Ottaviani das Mikrophon ab. Kardinal Ottaviani mußte gedemütigt an seinen Platz zurückgehen. Die Konzilsväzer klatschten fröhlich Beifall.

Alfredo Kardinal Ottaviani wurde am 29. Oktober 1890 in Rom geboren und 26 Jahre später dort zum Priester geweiht. 1953 erhielt er die Kardinalswürde. Erst 9 Jahre später empfing er die Bischofsweihe. Er war bis 1968 Pro-Prefekt des Heiligen Offiziums, der späteren Glaubenskongregation. Am 3. August 1979 starb er im Vatikan.
      
9 Lesermeinungen
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#9   Laurentius2   14:20:37 | Montag, 31. Oktober 2005
@Didimus Empfehlungen und vatikanische Einordnung als innerkirchlich
Die Kirche empfiehlt auch meines Wissens, freitags ein Opfer zu bringen, jeden Tag in die Messe zu gehen, jede Woche zu beichten (so jüngst unser Papst). Aber sie erlaubt den Besuch der Heiligen Messe (mit Kommunion ) bei Schismatikern nur in absoluten Notfällen. Die Äußerungen Ratzingers und Perls zu den Piusmessen sind aber gruzndsätzlich und nicht auf Ausnahmen bezogen !
Ein zweites Argumnet/bzw.Frage an Didimus:
Wie kommt es, daß die Pius-Problematik von einer päpstlichen Kongregation bearbeitet wird, die für inner(!!)-kirchliche Sachfragen zuständig ist und nicht bei Kardinal Kaspers Kongregation (ökumenische Fragen –--> schismatische Orthodoxie) ?
Bitte erläutern und etwas weniger wuchtig mit dem Schismaknüppel rumwirbeln …
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#8   Didimus   13:59:24 | Donnerstag, 27. Oktober 2005
@Laurentius2
Das hieße ja, das die Piusleute, die das V2 ja ablehnen bzw. als wenig verbindliches Pastoralkonzil klassifizieren, doch schismatisch sind.
Richtig!
Was die Sonntagspflicht angeht, so sagt die katholische Kirche meines Wissens, daß sie im strengen Sinn jemand auch bei der Piusbruderschaft erfüllt, da diese zwar unerlaubt aber gültig die Messe feiern. Die Kirche empfiehlt jedoch, das in der Regel nicht zu tun. Ich verstehe das so, daß nur jemand seine Sonntagspflicht durch eine FSSPX-Messe erfüllen soll, wenn es absolut nicht anders geht.
Bin aber auch offen für Korrekturen, falls in kirchlichen Dokumenten anderes steht.
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#7   Laurentius2   13:52:32 | Donnerstag, 27. Oktober 2005
@Didimus
ich frage ganz ehrlich: Ist das wirklich so ?
Das hieße ja, das die Piusleute, die das V2 ja ablehnen bzw. als wenig verbindliches Pastoralkonzil klassifizieren, doch schismatisch sind.
Dann wiederum verstehe ich nicht, warum mir Kardinal Ratzinger offiziell erlaubt, meine Sonntagspflicht ab und zu (andere regelmäßig) bei diesen Schismatikern zu erfüllen ??? Das hinkt doch !!??
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#6   Didimus   13:34:01 | Donnerstag, 27. Oktober 2005
Das Zweite Vaticanum
war ein ökumenisches Konzil, hat also Lehrautorität. Daß es nach dem Willen von Papst Johannes XIII. keine Lehrverurteilungen aussprechen sollte und (auch) pasotral ausgerichtet war, hebt seine Autorität nicht auf. Vor allem die beiden dogmatischen Konstitutionen können Anspruch auf Glaubensgehorsam erheben. Die Pastoralkonstitution ist eher situationsbezogen (ähnlich wie Quanta Cura). Die Welt, die in den 60er Jahren „die Welt von heute“ war, ist heute die Welt von gestern. Hier ist im einzelnen zu überprüfen, wie dies auf die heutige Situation angewandt werden kann. Ähnliches gilt für die Dekrete und Erklärungen. Zum Beispiel ist das Dekret über die sozialen Kommunikationsmittel teilweise schon heute überholt.
Es kann und darf über einzelne Sätze des letzten Konzils theologisch gestritten werden. Auch kann das kirchliche Lehramt bestimmte Äußerungen modifizieren oder exakter darlegen. Das Zweite Vaticanum aber in Bausch und Bogen als „Pastoralsynode“ abzulehnen ist sicherlich nicht katholisch.
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#5   Laurentius2   13:09:52 | Donnerstag, 27. Oktober 2005
@thaumaturgos / pastorales oder dogmatisches Konzil ?
Die grundlegende Frage ist und bleibt, ob dieses Konzil ein dogmatisches war, dann ist seine Negierung in der Tat nicht katholisch – oder ob es ein pastorales war, dann darf man es wie jede große Pastoralsynode auch ablehnen, ohne sich von der Kirche zu entfernen.
Soweit ich informiert bin, hat Johannes XXIII. es als ein pastorales definiert, oder ?
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#4   thaumaturgos   11:09:35 | Mittwoch, 1. Juni 2005

aber im gegensatz zu schismatischen marcellus hat a. card. ottaviani das konzil ANERKANNT! kiritische meinung soll ja nicht ausgeschlossen sein, aber es ist schon ein unterschied ob die rechtmässigkeit des konzils bestritten wird!!!!
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#3   Dolfus   20:32:04 | Dienstag, 30. November 2004
Der letzte Römer
Paul VI. wären seine großen Verzweiflungen der späten 1970er angesichts der furchtbaren Kirchenkrise wohl erspart geblieben, hätte er auf diesen großen römischen Cardinal gehört.
Viele Konzilsgeistler dreschen darum immer noch auf diesen großen Cardinal herum.
Wenn die Kirche einst wieder in bessere Zeiten eingetreten ist, wenn der Konzilsgeist endlich tot ist, wird Ottaviani jene Würdigungen für seine hellsichtigen Analysen erhalten, die er verdient.
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#2   joergx2000   10:24:32 | Dienstag, 2. November 2004
Beitrag zu Kard.Ottaviani
Bei www.unavoce.de/ ist von Kard Ottaviani
sein Antwortschreiben ( Mitte 1969 ) an Papst Paul VI erschienen als dieser die Neue Messe im März 1969 ankündigte.Der Deutsche Titel trägt den Namen „Kurze kritische Untersuchung“. Sehr lesenswert und aufschlußreich was der damalige Pro-Präfekt des Heiligen Offiziums zum NovusOrdoMissae sagt… Und vielen Dank für diesen Artikel. Dem liberalen Clan im Vatikan ist dieser Name bis heute ein Greul. Wie man sieht war Erzbischof Lefebvre nicht der einzige Konzilegegner
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#1   ottaviani   17:40:20 | Montag, 1. November 2004
Semper idem
ich freue mich daß hier einmal ein artikel über mein großes Forbild Kardinal Ottaviani gebracht wird sein Motto Semper idem habe ich mir zu eigen gemacht der glaube kann eben nur semper idem sein
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