Hauptsache die Kirche wird nicht als Kirche verwendet
In der Ostschweizer Stadt St. Gallen gibt es eine reformierte Kirche zu kaufen. Interessenten wollen darin ein Café, eine Wohnanlage oder ein Kulturzentrum einrichten. Keine Chance hatte der Kaufwunsch der Priesterbruderschaft Pius X. Sie hätte die Kirche als Kirche weitergeführt. Das Angebot wurde aus ökumenischen Gründen abgelehnt.
(kreuz.net, Zürich) In der Ostschweizer Stadt St. Gallen kann man die evangelisch-reformierte Kirche
St. Leonhard kaufen. Da die Reformierten in der Schweiz nicht anders als die Katholiken an einem galoppierenden
Mitgliederschwund leiden, wird die Kirche nicht mehr benötigt.
Nach Berichten des St. Galler Tagblatts
habe die Kirchgemeinde bisher drei mögliche Käufer gefunden. Ein Interessent möchte eine Wohnung und
ein Café einrichten, der andere Kulturanlässe durchführen.
Es habe noch einen dritten ernsthaften
Interessenten gegeben: die Priesterbruderschaft St. Pius X. Die Priesterbruderschaft wurde von Erzbischof
Marcel Lefèbvre gegründet und ist der traditionellen katholischen Liturgie und Glaubenslehre verpflichtet.
Die Anfrage der Priesterbruderschaft St. Pius X. habe man einstimmig abgelehnt, sagte eine Vertreter
der protestantischen Kirche in St. Gallen. Aus ökumenischen Gründen. Man habe Rücksicht auf die katholische
Kirche in der Stadt genommen und wollte die einheimischen Katholiken nicht vor den Kopf stoßen.
Katholische
Laien in der Stadt St. Gallen bedauern in diesem Zusammenhang, daß sich die Protestanten aus Rücksicht
auf die katholische Kirche bei der Volksabstimmung vor zwei Jahren nicht auch gegen die Fristenregelung
gestellt hätten. Diese mangelnde ökumenische Solidarität sei ihnen freilich von den Katholiken nicht
übelgenommen worden.
Die Priesterbruderschaft erhielt auch darum einen Korb, weil die geplante Nutzung
der Kirche als Gotteshaus nicht den Vorstellungen der Kirchgemeinde entsprochen hätte. Für diese stünde
eine kulturelle Nutzung im Vordergrund. Auf die Anfrage werde unter keinen Umständen zurückgekommen,
selbst wenn die Priesterbruderschaft mehr Geld bieten würde. Geld stehe nicht im Zentrum. Die künftige
Nutzung sei wichtig.
Im Kanton St. Gallen ist die Priesterbruderschaft bereits in Oberriet an der Vorarlberger
Grenze und in Wil präsent. In Wil wurden im August 2003 eine Kirche und eine Privatschule gebaut. Auch
das gegen den Trend der Zeit. Denn in der Schweiz hat man sich weniger an Neueröffnungen als an Schließungen
von katholischen Schulen gewöhnt.
Email-Adressen der Empfänger
8 Lesermeinungen
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
Guter Beitrag Marcellus Bravo Marcellus – sehr guter Beitrag. Hätte ich ihn geschrieben, stünde da,
dass ich sehr wohl Pius X. sehr hoch achte und wie P (Schreibweise vergessen) unten schreibt: daß sich
die Priesterbruderschaft St. Pius X. der überlieferten Glaubenslehre und der überlieferten Liturgie
verpflichtet weiß, was heute nicht hoch genug einzuschätzen ist. Bruno-Maria Schulz
@FSSPX Es zeugt eher von der Qualität von kreuz.net, daß nicht expressis verbis von der „schismatischen“
Priesterbruderschaft St. Pius X. die Rede ist. Jeder möge sich sein eigenes Urteil bilden. Die große
Frage, die viele Kirchenrechtler unterschiedlich beantworten, lautet: Ist eine orthodoxe Priesterbruderschaft,
die den Römischen Papst ausdrücklich anerkennt, schismatisch, wenn sie sich dem Papst in wesentlichen
Weisungen nicht fügt, also eine hundertprozentige Unterordnung unter die aktuelle päpstliche Jurisdiktion
ablehnt? Die Frage ob Schismatiker ja oder nein ist umstritten, und darum ist es gut, daß dies in einem
römisch-katholischen Bericht nicht einseitig „geklärt“ wird.
Unser Wissen und Verstand ist mit Finsternis umhüllet Mir fällt eigentlich nur diese Liedzeile aus dem
Lied „Liebster Jesu, wir sind hier“ ein, wenn ich lese, daß ein Cafe oder ein Komödienstadel eher für
eine ehemalige Kirche geeignet sein sollen, als die zweckgemäße Nutzung. Wie verirrt und verwirrt und –
bitte, liebe Leser, verzeiht mir den Ausdruck- wie bescheuert werden diese geistig umnachteten Menschenhirne
denn noch ? Statt froh zu sein, daß eine Kirche weiterhin als solche verwendet wird, gibt man sich ideologischen
Spitzfindigkeiten hin. Rücksicht auf die ortsansässige katholische Gemeinde- na daß ich nicht lache:
wer die Schweizer Verhältnisse kennt, wird nur mehr schwer Katholiken finden, die noch im richtigen Sinne
katholisch sind. Ich bin kein Pius X- Gläubiger, aber was gäbe es für größere Gnade als das Meßopfer
aller Zeiten mitfeiern zu dürfen? Wenn ich ganz ehrlich wäre ( das bin ich aber nicht), dann müsste
ich feststellen, daß die missa tridentina die Höchstform der Anbetung Gottes darstellt und der novus
ordo ( wenn er unter Ausnutzung sämtlicher positiver Möglichkeiten gefeiert würde) steil dagegen abfällt.
Aber wir erleben bei uns ja nur mehr Showmaster, die mit ihren Pastoralassistentinnen vorne herumhüpfen
und vor lauter Schwachsinn und Blödheit gar nicht mehr wissen, welchen Schrott sie verzapfen. Anbetung,
Verehrung Gottes und der Heiligen- absolute Fehlanzeige- dafür aber Küsschen, Händchen halten, Zettelchen
ausfüllen und unsäglich dummdreiste Pseudotheologie ertragen- so sieht es aus: Und das ist kein Gejammer,
sondern Realität.
Das Foto der Kirche? – Nun ja… Kreuznetler werden vielleicht den St. Galler Dom kennen. Von ihnen auch
zu erwarten, dass ihnen das Aussehen der St. Galler Leonhardskirche bekannt ist, ist wohl etwas garfield
verlangt. Jedenfalls keine Barockkirche mit Zwiebelturm. Da hat sich der Bildredaktor wohl beim Googeln
verhauen. Unter uns: Es handelt sich bei der Leonhardskirche um eine neugotische Architektur. Tja, Bilder
sind manchmal Glückssache, aber diesmal wären die Kreuznetler mit einer Foto des ehrwürdigen Berner
Münsters etwas näher an den optischen Tatsachen gelegen. Trotzdem gut, dass das Thema eine Meldung wert
war. Vielleicht stimmt es doch den einen oder andern nachdenklich, dass es da noch eine Gemeinschaft gibt,
die gerne Kirchen kaufen möchte, und dies für nichts weniger als zum Zweck, darin eine überlieferte
katholischen Liturgie zu feiern. Unglaublich, was denen einfällt! Einen solch schönen Kulturraum tatsächlich
WEIHEN zu wollen…
Die Haltung der Piusbruderschaft Die Kritik über das Fehlen von Angaben der offiziellen Haltung der Piusbruderschaft
ist insofern berechtigt, weil die Bruderschaft von sich aus sehr darauf bedacht ist, ihre Haltung gebenüber
dem Heiligen Stuhl klar und konkret kund zu tun. Das sachliche Erwähnen dieser offiziellen Stellung der
Piusbruderschaft mindert nicht die ehrliche Hochschätzung der Bemühungen der Piusbruderschaft, sondern
nimmt deren Haltung aufmerksam ernst. In echter Ökumene
@Pelagius Zuerst: Ich war noch nie auch nur in der Nähe einer Pius X Kirche. Trotzdem finde ich, daß
ein Bericht über die Pius-Bruderschaft nicht notwendigerweise das Wort „Schismatiker“ enthalten muß.
Ich sehe dieses Wort nie in Zusammenhang mit der Orthodoxen Kirche.
Ergänzung Der Bezug zur Enzyklika Mortalium animos drängt sich zwar in diesem Zusammenhang nicht gerade
auf (vgl. ottavianis Beitrag), doch handelt es sich zweifelsohne um betrübliche Vorgänge. Zu der löblichen
Berichterstattung von kreuz.net könnte noch angemerkt werden, daß sich die Priesterbruderschaft St.
Pius X. der überlieferten Glaubenslehre und der überlieferten Liturgie verpflichtet weiß, daß es aber
darüber hinaus noch ein gewisses Problem gibt. Jede mittelmäßige und schlechte Tageszeitung hätte
das (in vermutlich nicht ganz korrekter Formulierung) erwähnt. kreuz.net hat diesen Punkt offensichtlich
vergessen…