20:14:35 | Sonntag, 18. Februar 2007
Seit mehr als einem Vierteljahrhundert präsentiert ein bekannter Priester aus Deutschland seine Predigt zum Faschingssonntag in Reimen. Heute widmete er sich der „Gesundheitsreligion“.

Hw. Roland Breitenbach bei einer früheren Faschingsmesse
(kreuz.net, Schweinfurt) Der Pfarrer von St. Michael in Schweinfurt, Hw. Roland Breitenbach (71), reimte
zur heutigen Sonntagsmesse eine Büttenpredigt.
Schweinfurt liegt 40 Kilometer nordöstlich von Würzburg.
Pfarrer Breitenbach hält seit über 25 Jahren an den Faschingssonntagen
Narrenmessen.
Er schreibt –
mit schweigender Zustimmung des Würzburger Bischofs Friedhelm Hofmann – jede Woche ein eigenes Meßformular.
Der Text wird per Email vorab an mehrere hundert Interessenten gesendet. Im letzten sogenannten „Liturgieletter“
verbreitete er auch seine diesjährige Büttenpredigt.
Das Thema lautete „Mein Gott, die Gesundheitsreligion!“
Nach der Predigt spielte die Jugendgruppe „Funtasy“ das Werk „Imagine“ vom englischen Musiker John Lennon
(† 1980).
Das närrische Treiben und die Büttenrede lockten viele Schaulustige an. Die Kirche war bis
über den letzten Platz gefüllt.
Büttenpredigt: „Mein Gott, die Gesundheitsreligion“Pfarrer Breitenbach
erklärt in Reimen, daß sich um die „richtige Religion“ Priester und Gelehrte streiten:
„Christentum?
Gab’s zu lange schon.
Buddhismus? Nichts als alte Werte.
Im Terror der Islam versinkt.“
Der neue Stern
am Himmel sei die Gesundheitsreligion. Als „Priesterin in dem Verein“ narrt Hw. Breitenbach die deutsche
Gesundheitsministerin Ulla Schmidt.
„Sie schuf die Gesundheitsreform,
ihr ritueller Einsatz war enorm.
Drum konnte sie es nicht verwinden,
und zählt es zu den schwersten Sünden,
daß weder Kassen, Arzt noch
Arbeitsbienen
zur Verehrung sind erschienen.
Wer möcht’ auch unter Pleitegeiern
mit dieser spröden Preußin
feiern?“
Gesund in der Gesundheitsreligion sei nur wer gut betucht oder nicht allseits untersucht – zitiert
Hw. Breitenbach den griechischen Heilgott Asklepios –.
Der Pfarrer hält der Gesundheitsreligion den
Schutz durch die Heiligen entgegen:
„Gegen Schmerzen half der Mönch Eustach.
Blasiussegen für den Hals.
Sankt Klara, die half ebenfalls,
wenn wer vom Fieber arg betroffen.
Apollonia, die ließ hoffen,
wenn
irgendwo ein ‘Werdich’ plagte.
Gabriel, wie schon Maria sagte,
beseitigt Kinderlosigkeit.“
Früher hätten
Gebet und Kerzen und Wallfahrten nach „Mariä Schmerzen“ sowie Wadenwickel heiß oder kalt und ein Spaziergang
durch den Wald ausgereiht. Heute heiße es –„fast bist du schon hie: Magnetresonanztomographie“.
Hw.
Breitenbach reimt beispielhaft eine Fülle von alltäglichen Untersuchungen aneinander: „Ultraschall sei
nicht vergessen, selbstverständlich Blutdruckmessen,
Röntgen, ein Katheder wird geschoben, einmal unten,
einmal oben“.
Sündteuer sei die Gesundheitsreligion, baue sich Kathedralen aus Stahlbeton: „Kein Wunder,
wenn selbst im Sonntagsblatt, trotz Bischofswort und Hofgesang, Gesundheit hält den ersten Rang.“
„Statt
über Frömmigkeit, Gebet,
es um Gesunderhaltung geht.
Die Frohe Botschaft: Halleluja!
Endlich sind Knoblauchpillen
da.
Das ist Gesundheit, die man riecht,
auch wenn die Umgebung siecht:
Garantie für langes Leben,
danach
sollt ihr Christen streben.“
Die Sünder wollten wie die Frommen nicht zu schnell in den Himmel kommen –
weiß der Büttenprediger: lieber fröhlich, dafür recht spät, am allerliebsten auf Rezept.
Wer ständig
auf Gesundheit trinke, sehr bald in teurer Sucht versinke:
Drum fordere die Gesundheitsreligion Gehorsam
im gestrengen Ton: „Heilfasten anstatt der Fastenzeit, zu Opfern sei man stets bereit.“
Am frühen Morgen
laute das Gebot: ein paar Gramm Quark mit Knäckebrot: „Aerobic gibt’s dann kurz nach acht, kein Blick
in die Zeitung wird gemacht.“
Um zehn könne eins nicht schaden: die Wallfahrt zum Naturkostladen – um
Gesundheit einzukaufen, mit dem Auto, statt zu laufen.
Zur Mittagsstund werde von Kloß und Schweinebraten
abgeraten: „Krank ist, wer den Unsinn glaubt.“
„Von einem hat man mir berichtet,
der tagaus, tagein verzichtet,
um die Gesundheit zu bewahren:
Er wurd’ vom Traktor überfahren.“
Bei den Jüngern der Gesundheitsreligion
sei der Arzt für das ewige Leben zuständig:
„Entsprechend wird der Mediziner, zum religiösen Kultusdiener.
Die ewige Glückseligkeit, hält der Psychotherapeut bereit.“
Hw. Breitenbach lieferte auch drei Gedanken
von Doktor Luther: „Die Arznei erzeugt nur Kranke, traurig macht die Rechenkunst, Sünder schafft der
Priester Zunft.“
Schließlich gibt der Büttenprediger sein Rezept als Pfarrer:
„Einmal täglich Gottvertrauen,
nicht dauernd auf die Waage schauen.
Zweimal beten, früh und zur Nacht
Struktur wird in den Tag gebracht.
Dreimal täglich herzhaft essen,
Wein vor’m Zubettgehn nicht vergessen.
Viermal am Tage fröhlich lachen.
Fünfe auch mal grad sein lassen.
Sex, zwar ist’s nicht mein Metier –
genießt in Lieb’, so lang es geht.
Siebenmal sollt ihr vergeben,
so erleichtert ihr das Leben.“
Hw. Breitenbach reimt abschließend, daß
Gott uns in der Hand halte, ob wir gesund sind oder krank:
„Laßt uns Narren sein und Christen, von Gott
geliebte Optimisten.“
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