Schweiz
Abt Martin Werlen betreibt Welttheater
Das Leben kostet Geld. Aber muß man deshalb die eigene Glaubwürdigkeit riskieren? Von Dr. Lukas Brühwiler-Frésey
Das große Welttheater von Calderon de la Barca († 1681) wird auf dem Klosterplatz Einsiedeln aufgeführt
Das große Welttheater von Calderon de la Barca († 1681) wird auf dem Klosterplatz Einsiedeln aufgeführt
(kreuz.net) „Was Herr Vasella mit seinem Vermögen macht, ist seine private Angelegenheit.“

Das erklärte der Abt der Schweizer Benediktinerabtei Einsiedeln, Mons. Martin Werlen, am 2. Februar in einem Interview.

Daniel Vasella (53) ist Vorsitzender von Geschäftsleitung und Verwaltungsrat des schweizerischen Pharmakonzerns ‘Novartis’.

Vasella bezieht ein 21-Millionen-Franken-Jahresgehalt. Das sind 16 Millionen Euro. Er ist auch Wirtschaftsberater des Klosters Einsiedeln.

Der Abt unterschätzt mit seiner Aussage Stellung und Funktion der Novartis und seines CEO Daniel Vasella.

Unterschätzen dürfte er ferner die Medienpartnerschaft des jährlich auf dem Einsiedler Klosterplatz aufgeführten Welttheaters mit der Schweizerischen Boulevard-Zeitung ‘Sonntagsblick’.

Auf der Website des Welttheaters gelangt man über drei Mausklicks auf die Pornoseiten der Tageszeitung ‘Blick’.

Der ‘Katholischen Volkspartei’ mißfällt es, wenn sich katholische Würdenträger Allianzen bedienen, die im Licht der katholischen Sozialethik mit großen Vorbehalten zu betrachten sind.

Wegen seiner monopolistischen Generika-Politik und den üblen Auswirkungen in der Dritten Welt erhielt der Novartis-Konzern zum Beispiel von der Organisation „Erklärung von Bern“ eine Erwähnung „für übles Firmenverhalten“.

Das 21.1 Millionen Franken – effektiv: 30 Millionen Franken – schwere Abzockergehalt des Katholiken Vasella ist heute in der Schweiz Gegenstand ernsthafter politischer Auseinandersetzungen, unter anderem bei der Revision des Aktienrechts und bei zwei Volksinitiativen.

Darauf sollte sich ein Abt einlassen. Die katholische Soziallehre tut es auch.

Eigentum ist gemäß katholischer Lehre sozialgebunden und somit keine private Angelegenheit, zumal Novartis börsennotiert und damit eine öffentliche Gesellschaft ist.

Das Ziel des echten Wettbewerbs besteht darin, „übermäßige Gewinne einzelner Unternehmen einzudämmen“. Zurschaustellung von Reichtum ist „ebenso empörend wie skandalös“.

Solche Dinge kann man im ‘Kompendium der Soziallehre der Kirche’ nachlesen.

Ähnliches gilt auch für Franz Humer – den zweiten Wirtschaftsberater des Abtes von Einsiedeln.

Humer ist CEO des Pharmakonzerns Roche und wird jährlich mit 16.695 Millionen Franken – über 10 Millionen Euro – entlohnt.

Der Konzern schwimmt zurzeit in 17 Milliarden Nettoliquidität und weiß nicht, wohin mit dem Geld.

Das Kloster Einsiedeln will eine Eliteschule eröffnen. Im Hinblick darauf sollten die in der Öffentlichkeit erscheinenden Gesichter für die Zielgruppen einer solchen Bildungseinrichtung – die Jugendlichen – Vorbildfunktion einnehmen.

Das ist ein anerkanntes Gesetz der Public Relations-Beratungspraxis.

Glaubt sich der Abt mit seinen Beratern wirklich auf dem richtigen Weg?

Dieselbe Frage stellt sich auch zum Welttheater.

Das Welttheater findet auf dem Klosterplatz statt, den der Abt zurzeit mit Spenden neu pflastern will.

Warum braucht man für das Welttheater eine Medienpartnerschaft mit dem Link zu einer so skandalösen und pornographischen Zeitung wie dem ‘Sonntagsblick’?

Es mag verlockend sein, mit den Großen dieser Welt Partnerschaften zu pflegen. Doch gewinnt der Katholizismus mit einem solchen Theater an Profil?

Gleicht euch nicht zu sehr dieser Welt an, meint die ‘Katholische Volkspartei’ – und denkt dabei nicht zuletzt an das Welttheater von Calderon de la Barca.
      
13 Lesermeinungen
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#13   Bokrug †   17:55:51 | Freitag, 31. August 2007
Pflegeverbände fordern Ende der Sparwut
NOTSTANDSREPORT
Pflegeverbände fordern Ende der Sparwut
Von Jan Müller und Severin Weiland
Bettlägerige werden nicht umgebettet, Demenzkranke unterversorgt, viele bekommen zu wenig zu essen und zu trinken – trotzdem hat sich die Situation der Pflegebedürftigen verbessert. Verbände fordern jetzt eine rasche Reform und mehr Geld.
www.spiegel.de/…,1518,503174,00.html
www.artfond.de/geldseite.htm
www.vergessene-buecher.de
www.freiwirte.de
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#12   sacerdos helveticus   21:27:57 | Mittwoch, 21. Februar 2007
Sancta simplicitas?
Bei dem übrigens im Internet zugänglichen Text Hürlimanns handelt es sich um einen Text autobiographischen Charakters.
Sollte der Autor darin übertrieben haben, um vielleicht mehr Anerkennung für seine pubertären Bubenstreiche zu, die das Heilige verhöhnten, zu erhalten, , so lässt dies ebenso die Einstellung in keinem guten Licht erscheinen und macht auch nicht für die Inszenierung des Welttheaters geeigneter.
Bei der Inszenierung eines Stückes wie des Welttheaters, sollte man gläubige und praktizierende Katholiken berücksichtigen und nicht Autoren, die den Ruhm der Welt erhalten und meinen, sie müssten Calderon „umschreiben“ (behutsame Anpassungen sind natürlich bei einem Barockstück möglich, aber kein unnötiges Aktualisieren und verhöhnen der kirchlichen Moral).
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#11   ora   18:30:01 | Mittwoch, 21. Februar 2007
O sancta simplicitas!
Wer natürlich ein fiktives Werk als Quelle für eine Biographie heranzieht und nicht merkt, dass das Überhöhungen späterer Zeiten sind, dem kann ich auch nicht zumuten, dass er noch offen an das neue Stück herangehen wird. Da dieses also bereits vorverurteilt ist, habe ich hier noch eine Aufgabe bei allfälliger Arbeitslosigkeit: Auf dem Klosterplatz wird es sicher noch andere Veranstaltungen geben als das Welttheater. Da können sich die Herren doch zusammentun und Akten anlegen. Vielleich ist Abt Werlen ja froh über solch sachlichen und bestens recherchierten Hintergrundsinformationen… ;-)
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#10   Genoveva   12:25:00 | Dienstag, 20. Februar 2007
Der Typ gefällt mir …
… eine Papierschwalbe mit einem Nietzschetext während des Sonntagshochamtes durch die Kuppel zu werfen.
Das ist ein Bubenstreich auf einem erstaunlich hohen Niveau!
Die spätpubertierenden Herrschaften, die sich in diesem Forum von morgens bis nachts an den Themen „Homosexualität“ und „Pornographie“ aufg…, hätten das Zettelchen sicher „handfester“ beschriftet …
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#9   sacerdos helveticus   10:04:18 | Dienstag, 20. Februar 2007
Verantwortung des Klosters
Natürlich ist die Klosterschule nicht für alle ihre Abgänger verantwortlich und für das, was diese aus ihrem Leben machen.
Man hätte aber nicht Herrn Hürlimann zur Ausarbeitung des Textes (er hat nach eigenen Aussagen Calderon „umgeschrieben“) heranziehen müssen.
Man wollte wohl halt einen bekannten Autoren haben. Ein weniger bekannter aber gläubiger Autor wäre m.E. besser gewesen.
Das Kloster ist auch im Verein „Welttheater“ vertreten und stellt ja den Klosterplatz für die Aufführungen zur Verfügung.
Hürlimann war in seinen letzten Jahren an der Klosterschule im sogenannten „Atheistenklub“, einer Art Geheimgruppe. Zu seiner Mutprobe gehörte es, in den Dachstuhl aufzusteigen, eine Papierschwalbe mit einem Nietzschetext während des Sonntagshochamtes durch die Kuppel zu werfen, so dass die Papierschwalbe dann während des Hochamtes in die Kirche hinabschwebte.
Auch verbrannten sie die „Kutten“ ähnlich den Kutten der Mönche, die die Klosterschüler zu jener Zeit noch trugen.
Hürlimann berichtet selber davon.
Immerhin soll die Version 2007 Veränderungen gegenüber jener von 2000 enthalten, da Hürlimann alles überarbeitet.
Wer weiss, ob man sich in Salzburg, wo der „Jedermann“ (ein etwa vergleichbares Stück) gegen wird auch solch grosse Freiheiten gegenüber dem Original erlaubt wie in Einsiedeln?
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#8   ora   08:10:57 | Dienstag, 20. Februar 2007
Danke
Danke, sacerdos helveticus, für den Hinweis, die Klostergemeinschaft haben damals den Text diskutiert: das spricht für sie! Auch Calderdon wurde zu seiner Zeit heftig diskutiert: Das spricht für das Stück. Ich finde es trotzdem nicht dem Evangelium gemäss, wenn man vom Welttheater her – möge man nun damit einverstanden sein oder nicht – den Link hin bis zur Pornographie findet. Das zeugt meines Erachtens von perverser Fantasie. Und: Machen Sie wirklich die Klosterschule für all Ihre Abgänger verantwortlich? Hoffentlich gehen Sie mit sich nicht ähnlich hart ins Gericht.
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#7   Morus   05:07:18 | Dienstag, 20. Februar 2007
Sirilo: Edel sei der Mensch und gut
Wenn die Piusbruderschaft dem Welttheater folgen wollte und eine Partnerschaft mit einem Medienkonglomerat unterhalten würde, das auf seiner Website ein Pornoprogramm unterhält, wäre es um die Bruderschaft geschehen. Dann würden ihr die Gläubigen auch davonlaufen, wie sie der Konzilskirche davonlaufen.
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#6   sacerdos helveticus   23:28:21 | Montag, 19. Februar 2007
Naivität!
Ora schrieb:
[kursiv]Der Splitter im Auge des Abtes Mit Befremden habe ich den Artikel von Dr. Brühwiler gelesen. Was soll dieser Angriff auf einen Prälaten unserer Kirche – und dies mit Unwahrheiten? Wer auf die Homepage des Welttheaters geht, wird bald merken, dass dahinter eine Gesellschaft steht, die vom Kloster unabhängig ist. Die Kulisse des Klosters befindet sich ja auch auf den Bieflaschen Einsiedelns, doch daran scheint sich Herr Brühwiler nicht zu stören…
Das „Einsiedler Welttheater“ ist durchaus nicht so unabhängig vom Kloster, wie ora behauptet.
Bereits die letzte Aufführung vor vielleicht 8 Jahren erregte grosses Aufsehen.
Der Text nach Calderon (grosser spanischer Autor des Barock, das Welttheater steht in der Tradition der „Mysterienspiele des Mittelalters) wurde von Thomas Hürlimann verhunzt.
Hürlimann, ein zeitgenössischer Schweizer Autor ist ein Absolvent der Einsiedler Klosterschule. Er ist eher Agnostiker als Katholik. Sein Text hat damals auch im Konvent zu Diskussionen geführt.
Im damaligen Text wurde zum Beispiel das Verbot empfängnisverhütender Mittel durch die Kirche ins Lächerliche gezogen.
Auch 2007 zeichnet wieder Hürlimann für den Text verantwortlich
P. Kassian, ein Konventuale und ehemaliger Lehrer Hürlimanns gab sich dazu her, eine wichtige Rolle im Stück zu spielen.
Ausserdem finden die Aufführungen des Welttheaters auf dem Klosterplatz, der der Abtei gehört, statt.
2000 war jedoch noch der Vorgänger Abt Werlens verantwortlich, aber jetzt er !
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#5   Hoffnung   22:54:43 | Montag, 19. Februar 2007
Das gab es schon des öfteren
Z.B: einer der Hauptsponsoren des Weltjugendtagsprogrammes des Bistums Aachen war das Pharmaunternehmen Grünethal. Abgesehn von seiner wohlbekannten Conterganvergangenheit, ist das Unternehmen einer der großen Anti-Baby-pillen Hersteller.
Die an den Kirchen im Bistum Aachen gehissten Flaggen zum Weltjugendtages waren zudem mit dem Katholischen Werbeslogan „Volks und Raiffeisenbanken“ geschmückt.
Das zum Inhalt.
Dies zur Überschrift:
Das Leben kostet Geld. Aber muß man deshalb die eigene Glaubwürdigkeit riskieren? Von Dr. Lukas Brühwiler-Frésey
Nein, Herr Brühler-Frésey. Um seine Glaubwürdigkeit zu verliehren reicht es schon sich als Christ (Christus-nachfolger) zu bezeichnen und katholisch zu sein. o^/
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#4   Desperatus †   22:22:19 | Montag, 19. Februar 2007
Börse
zumal Novartis börsenkotiert ist
Das ist gut, gut, gut. Echte Freudsche Leistung.
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#3   Sirilo   21:45:25 | Montag, 19. Februar 2007
Würden die Herren Vasella und Humer…
…von ihrem Reichtum die SPPX unterstützen, dann würde Kreuz.net das lobenswert und edel finden. Da sie aber ein Kloster der „Konzilskirche“ fördern, sind sie böse Kapitalisten…
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#2   ora   20:41:46 | Montag, 19. Februar 2007
Der Splitter im Auge des Abtes
Mit Befremden habe ich den Artikel von Dr. Brühwiler gelesen. Was soll dieser Angriff auf einen Prälaten unserer Kirche – und dies mit Unwahrheiten? Wer auf die Homepage des Welttheaters geht, wird bald merken, dass dahinter eine Gesellschaft steht, die vom Kloster unabhängig ist. Die Kulisse des Klosters befindet sich ja auch auf den Bieflaschen Einsiedelns, doch daran scheint sich Herr Brühwiler nicht zu stören. Anscheinend ist uns nicht mehr die Bibel heilig, sondern der Blick, den man zitieren darf, als würde er das Evangelium verkünden. Und schliesslich der Link zur Pornographie: Wittert da nicht jemand einen Splitter, ohne an die Aussage Jesu zu denken, zuerst den eigenen Balken zu erkennen?
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#1   Genoveva   18:14:48 | Montag, 19. Februar 2007
Viel Wind um nichts – und keine Ahnung von Soziallehre
Ein Blick auf die Website des einsiedler Welttheaters belehrt einen, daß von von „Pornoseiten“ keine Rede sein kann. Die Betreibergesellschaft hat eine Medienpartnerschaft mit dem „Blick“ – und dessen Homepage ist – etwas verglichen mit der deutschen Bild – ein Muster an Jugendfreiheit.
Offensichtlich mißfällt es einigen Leuten, daß es in der Schweiz Menschen gibt, die viel verdienen, dazu noch katholisch sind und ihr Geld und ihre Zeit dafür einsetzen, eine kirchliche Veranstaltung zu fördern. Da verstehe einer die Welt.
Das merkwürdige Genäsel über die Nicht-Privatheit von Eigentum ist irreführend. Die katholische Soziallehre lehret das Recht auf Privateigentum. Dieses unterliegt natürlich grundsätzlich der Verpflichtung zum sozialen Einsatz.
Einen offenbar unbescholtenen Manager als „Abzocker“ zu bezeichnen, halte ich für unverschämt. Er bezieht ein hohes Gehalt. In einer AG zahlt er sich das nicht selbst aus, sondern es wird ihm von anderen zugestanden – er wird es wohl wert sein.
Mir persönlich ist ein sehr gut verdienender Vorstandsvorsitzender, der öffentlich zu seinem Katholisch-Sein steht auf jeden Fall lieber als so mancher normal-verdienende Sesselpfurzer, der sich in seiner kirchlichen Amtsstube die neuesten liturgischen Gags und ihre Propagierung ausdenkt.
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