17:58:00 | Montag, 19. Februar 2007
Das Leben kostet Geld. Aber muß man deshalb die eigene Glaubwürdigkeit riskieren? Von Dr. Lukas Brühwiler-Frésey

Das
große Welttheater von Calderon de la Barca († 1681) wird auf dem Klosterplatz Einsiedeln aufgeführt
(kreuz.net) „Was Herr Vasella mit seinem Vermögen macht, ist seine private Angelegenheit.“
Das erklärte
der Abt der Schweizer Benediktinerabtei Einsiedeln, Mons. Martin Werlen, am 2. Februar in einem Interview.
Daniel Vasella (53) ist Vorsitzender von Geschäftsleitung und Verwaltungsrat des schweizerischen Pharmakonzerns
‘Novartis’.
Vasella bezieht ein 21-Millionen-Franken-Jahresgehalt. Das sind 16 Millionen Euro. Er ist
auch Wirtschaftsberater des Klosters Einsiedeln.
Der Abt unterschätzt mit seiner Aussage Stellung und
Funktion der Novartis und seines CEO Daniel Vasella.
Unterschätzen dürfte er ferner die Medienpartnerschaft
des jährlich auf dem Einsiedler Klosterplatz aufgeführten Welttheaters mit der Schweizerischen Boulevard-Zeitung
‘Sonntagsblick’.
Auf der Website des Welttheaters gelangt man über drei Mausklicks auf die Pornoseiten
der Tageszeitung ‘Blick’.
Der ‘Katholischen Volkspartei’ mißfällt es, wenn sich katholische Würdenträger
Allianzen bedienen, die im Licht der katholischen Sozialethik mit großen Vorbehalten zu betrachten sind.
Wegen seiner monopolistischen Generika-Politik und den üblen Auswirkungen in der Dritten Welt erhielt
der Novartis-Konzern zum Beispiel von der Organisation „Erklärung von Bern“ eine Erwähnung „für übles
Firmenverhalten“.
Das 21.1 Millionen Franken – effektiv: 30 Millionen Franken – schwere Abzockergehalt
des Katholiken Vasella ist heute in der Schweiz Gegenstand ernsthafter politischer Auseinandersetzungen,
unter anderem bei der Revision des Aktienrechts und bei zwei Volksinitiativen.
Darauf sollte sich ein
Abt einlassen. Die katholische Soziallehre tut es auch.
Eigentum ist gemäß katholischer Lehre sozialgebunden
und somit keine private Angelegenheit, zumal Novartis börsennotiert und damit eine öffentliche Gesellschaft
ist.
Das Ziel des echten Wettbewerbs besteht darin, „übermäßige Gewinne einzelner Unternehmen einzudämmen“.
Zurschaustellung von Reichtum ist „ebenso empörend wie skandalös“.
Solche Dinge kann man im ‘Kompendium
der Soziallehre der Kirche’ nachlesen.
Ähnliches gilt auch für Franz Humer – den zweiten Wirtschaftsberater
des Abtes von Einsiedeln.
Humer ist CEO des Pharmakonzerns Roche und wird jährlich mit 16.695 Millionen
Franken – über 10 Millionen Euro – entlohnt.
Der Konzern schwimmt zurzeit in 17 Milliarden Nettoliquidität
und weiß nicht, wohin mit dem Geld.
Das Kloster Einsiedeln will eine Eliteschule eröffnen. Im Hinblick
darauf sollten die in der Öffentlichkeit erscheinenden Gesichter für die Zielgruppen einer solchen Bildungseinrichtung –
die Jugendlichen – Vorbildfunktion einnehmen.
Das ist ein anerkanntes Gesetz der Public Relations-Beratungspraxis.
Glaubt sich der Abt mit seinen Beratern wirklich auf dem richtigen Weg?
Dieselbe Frage stellt sich auch
zum Welttheater.
Das Welttheater findet auf dem Klosterplatz statt, den der Abt zurzeit mit Spenden neu
pflastern will.
Warum braucht man für das Welttheater eine Medienpartnerschaft mit dem Link zu einer
so skandalösen und pornographischen Zeitung wie dem ‘Sonntagsblick’?
Es mag verlockend sein, mit den
Großen dieser Welt Partnerschaften zu pflegen. Doch gewinnt der Katholizismus mit einem solchen Theater
an Profil?
Gleicht euch nicht zu sehr dieser Welt an, meint die ‘Katholische Volkspartei’ – und denkt
dabei nicht zuletzt an das Welttheater von Calderon de la Barca.
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Bokrug † 17:55:51 | Freitag, 31. August 2007
#11
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Morus 05:07:18 | Dienstag, 20. Februar 2007
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Hoffnung 22:54:43 | Montag, 19. Februar 2007
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Desperatus † 22:22:19 | Montag, 19. Februar 2007
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Genoveva 18:14:48 | Montag, 19. Februar 2007