Mons. Mixa
Augsburger Paragraphenreiter
Im Bistum Augsburg dürfen sich Priester liturgisch fast alles erlauben – es sei denn, sie möchten eine korrekte Übersetzung der Wandlungsworte benützen.
© Latin-Mass-Society.org
(kreuz.net, Augsburg) In der jüngsten Ausgabe des diözesanen Amtsblatts heißt es:

„Aus gegebenem Anlaß wird darauf hingewiesen, daß gemäß Canon 846 Paragraph 3 des Kirchenrechtes bei der Feier der Sakramente die von der zuständigen Autorität gebilligten liturgischen Bücher getreu zu beachten sind und deshalb niemand eigenmächtig etwas hinzufügen, weglassen oder ändern darf – vergleiche Sacrosanctum Concilium 22 Paragraph 3.“

Diese Bestimmung gilt – so das Amtsblatt – insbesondere für die Einsetzungsworte bei der heiligen Wandlung.

Daher sei es strikt untersagt die Formulierung „mein Blut, das für euch und für alle vergossen wird“ durch andere Formulierungen zu ersetzen.

Was hat Generalvikar Josef Heigl – der für das Amtsblatt verantwortlich zeichnet – mit „irgendwelchen anderen Formulierungen“ gemeint?
Die bischöfliche Amtspostille
zielt auf diejenigen Priester, welche die von Rom verordnete wörtliche Übersetzung der Konsekrationsworte „pro multis“ mit „für viele“ bereits vor der offiziellen Änderung des Meßbuches vollziehen möchten.


Mit Sicherheit nicht den liturgischen Wildwuchs, der auch im Bistum Augsburg seit Jahrzehnten wuchert und den das Bistum mit gewohnter Routine unter den Teppich gekehrt hat und weiter kehrt.

Vielen Zelebranten ist keine Textstelle im Meßbuch zu schade oder heilig genug, um nicht etwas vermeintlich Besseres einzufügen, Aktuelleres zu ergänzen oder anscheinend Überholtes wegzulassen.

Ein aktueller Fall im scheinbar vorbildlichen Bistum Augsburg war eine multireligiöse Feier der „Lebenshilfe e.V. Augsburg“ am Förderzentrum Brunnenschule in Königsbrunn.

Königsbrunn befindet sich im Landkreis Augsburg.

Über die Feier wird in der neuesten Ausgabe der Vereinsnachrichten berichtet.

Pfarrer Bernd Weidner zelebrierte in liturgischen Gewändern und gemeinsam mit dem örtlichen Vorbeter der islamischen Gemeinde in dieser Schule ein christlich-islamisches Erntedankfest.

Der Imam verkündete den christlichen Schülern die islamische Glaubenslehre und erklärte, daß es zwischen den Glaubensgemeinschaften kaum Unterschiede gebe.

Zum Abschluß der mit Gebet und Gesang gestalteten Feier wurde – so der Bericht –, „noch das Brot gesegnet und in die einzelnen Klassenverbände verteilt“.

Anscheinend hat das Bistum Augsburg nichts gegen synkretistische Kultakte, bei denen aus Bibel und Koran gelesen, das christliche und das islamische Glaubensbekenntnis gebetet, Allah und der Dreifaltige Gott gleichgesetzt und interreligiöse Kommunionspendungen simuliert werden.

Während solche skandalöse Auswüchse von Ordinariatsseite ignoriert werden, fährt man gegenüber einem sogenannten konservativen Übereifer einen unnachgiebigen Kurs.

Haarscharf zielt die bischöfliche Amtspostille auf diejenigen Priester, welche die von Rom verordnete wörtliche Übersetzung der Konsekrationsworte „pro multis“ mit „für viele“ bereits vor der offiziellen Änderung des Meßbuches vollziehen möchten.

Hintergrund für die bistumsweite Abmahnung ist offenbar der vorauseilende Gehorsam eines Priesters, der sofort umgesetzt hat, was weltweit, und damit auch im Bistum Augsburg, in absehbarer Zeit umzusetzen ist.

Gemäß der römischen Gottesdienstkongregation wird die Wiederherstellung der Wandlungsworte bei der nächsten Übersetzung des Römischen Missale erfolgen, welche die Bischöfe und der Heilige Stuhl für den Gebrauch in den verschiedenen Ländern zulassen werden.

In den nächsten ein bis zwei Jahren haben die Bischofskonferenzen – etwas verbindlicher heißt es im römischen Text: „werden die Bischofskonferenzen gebeten“ –, den Gläubigen zur Vorbereitung auf die wörtliche Übersetzung die notwendigen Katechesen zu halten.

Doch im Augsburger Ordinariat hofft man offensichtlich, daß es am Ende vielleicht doch noch anders kommt. Oder zugespitzter formuliert: Wer hat am Ende den längeren Atem, ein 80jähriger Papst oder Generalvikar Heigl und seine 26 deutschen Amtsbrüder.

Folgerichtig läßt der Generalvikar im Amtsblatt schreiben, daß das Verbot ungeachtet der in der Presse veröffentlichten Meinung gelte, daß die Einsetzungsworte bei der Revision des deutschen Meßbuchs „möglicherweise“ geändert würden.

Möglicherweise? Davon kann im Schreiben der Gottesdienstkongregation keine Rede sein. Das Ordinariat scheint auf die Methode „relativieren und für dumm verkaufen“ zu setzen.

Nicht umsonst hat man den Priestern im Bistum Augsburg den vollen Wortlaut des Schreibens der Gottesdienstkongregation bis heute offiziell vorenthalten.

An glatte Desinformation grenzt die ergänzende Mitteilung im Amtsblatt, daß die deutsche Bischofskonferenz eine Entscheidung für das neue Meßbuch zu treffen habe, die dann verbindlich und rechtskräftig in Kraft gesetzt werde.

In Wahrheit hat die Bischofskonferenz in Sachen Meßbuch eigenmächtig gar nichts zu entscheiden.

Sie hat vielmehr auszuführen und kann anschließend vom Ausgeführten in den diözesanen Amtsblättern berichten.

Rechtskraft erlangt das neue Missale allein durch eine Approbation des römischen Papstes.
      
23 Lesermeinungen
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
Kommentar schreiben
#23   Fragezeichen   13:26:36 | Donnerstag, 22. Februar 2007
„Deutscher Ritus“
Nun, in meinem Bistum versucht man, Protest gegen eine genaue Übersetzung der Allgemeinen Einführung zu züchten. Wörtlich: „Der deutsche Sprachraum hatte immer einen eigenen Ritus, und das soll auch so bleiben.“
Schade, dass heute jeder x-beliebige Pfarrer sein eigener Papst sein will…
Redaktion benachrichtigen
#22   amicus_crucis   20:15:17 | Mittwoch, 21. Februar 2007
@ wsxyz
Darin stimme ich nun Ihnen zu. Ich würde mir sehr wünschen, dass man sich an die Bestimmungen, etwa die Allgemeine Einführung in das Messbuch oder die Instruktion „Redemptionis sacramentum“, hält und dies auch effizient eingefordert wird. Es wäre ein Dienst an der Einheit der Kirche.
Redaktion benachrichtigen
#21   wsxyz   19:06:05 | Mittwoch, 21. Februar 2007
@amicus
Ich stimme Ihnen zu.
Nur, warum ist es, dass nur genau die Änderung, die sowieso bald kommt, ausdrücklich verboten wird; und alle andere Änderungen stillschweigend hingenommen werden?
Redaktion benachrichtigen
#20   Ydefix   17:50:43 | Mittwoch, 21. Februar 2007
zur gefälligen Kenntnisnahme:
ein Zitat aus dem Burch „Die Liturgiereform“. Der Kirchenzerstörer und abgefallene Kardinal Annibale Bugnini schreibt (S.15/16):
„…wenn die wenigen Katholiken („rari nantes“) sich am Sonntag versammeln, oder sich gemeinsam mit ihren Glaubensbrüdern zusammenfinden zu einer ökumenischen Feier, oder wen sie an Fronleichnam in den Gärten der italienischen Botschaft in andächtiger Prozession, in verschiedenen Sprachen begeistert singend und betend dahinziehen, dann spürt man, was diese Riten aussagen, bewirken und festigen: die Gnade kommt auf die Gläubigen herab und macht aus den vielen einen Leib, ein Herz, eine Seele.“ [schwarze Unterl. durch mich]
Die verschiedenen Konfessionen werden ein Leib, ein Herz, eine Seele usw…
Will noch jemand erntshaft bezweifeln, dass dieser Bugnini ein Freimaurer war ?? Die „neue Messe“ wurde gezielt geschaffen, um die Einheit der katholische Kirche zu zerstören!
Redaktion benachrichtigen
#19   amicus_crucis   17:32:19 | Mittwoch, 21. Februar 2007
Unglaubwürdig.
Der Artikel ist lächerlich. Er und einige Lesermeinungen dazu zeigen das ganze Tradi-Dilemma: Das eigenmächtige Verändern der Texte des Messbuches, zumal des Hochgebetes, zumal der Wandlungsworte, ist schlicht und einfach unerlaubt. Meinungen tun nichts zur Sache, hier geht es um das Faktum. Auch „vorauseilender Gehorsam“ ist Ungehorsam. Wer mit zweierlei Maß misst, macht sich unglaubwürdig.
Redaktion benachrichtigen
#18   freddie schenk   17:29:29 | Mittwoch, 21. Februar 2007
SEHR INTERESSANT
Die Redaktion hat soeben still und leise den „Artikel“ „Auf einem Auge blind“ über den angeblichen Predigtskandal um Pfarrer Harald Fischer in Kassel sowie alle dazu geposteten Leserbeiträge vom Netz genommen.
Die Konsequenz, diesen hanebüchenden Unsinn zu entfernen sei ausdrücklich begrüßt; die Art und Weise, das ohne Kommentierung zu tun, zeugt von der „Aufrichtigkeit“ der Macher dieser Internetseite. :'(
Redaktion benachrichtigen
#17   HeinrichvonOfterdingen   12:01:00 | Mittwoch, 21. Februar 2007
Liebe Genoveva,
nun aber soll doch eine Änderung der Wandlungswort bereits in Vorbereitung sein. ALSO: Was solls!
Redaktion benachrichtigen
#16   Hacki   11:56:17 | Mittwoch, 21. Februar 2007
der Heigl hat eigentlich recht,
denn der NOM (Bugnini-Ritus) ist so verkehrt, daß die richtige Übersetzung gar nicht hineinpasst.
Eine Verbesserung des NOM würde alles nur noch viel schlimmer machen.
Redaktion benachrichtigen
#15   Don Camillo   10:12:49 | Mittwoch, 21. Februar 2007
Die Kirche lebt…
aber besser ohne Rubrizisten (wenn sie das dann nur auch wären, aber selbst davon verstehen sie nichts…)
Redaktion benachrichtigen
#14   Genoveva   00:31:07 | Mittwoch, 21. Februar 2007
Bo = Bischöfliches Ordinariat
Aus gegebenem Anlaß wird darauf hingewiesen, daß gemäß Canon 846 Paragraph 3 des Kirchenrechtes bei der Feier der Sakramente die von der zuständigen Autorität gebilligten liturgischen Bücher getreu zu beachten sind und deshalb niemand eigenmächtig etwas hinzufügen, weglassen oder ändern darf – vergleiche Sacrosanctum Concilium 22 Paragraph 3
Das bezieht sich eindeutig auf die liturgischen Bücher im Allgemeinen.
Redaktion benachrichtigen
#13   Sulpicius   00:27:01 | Mittwoch, 21. Februar 2007
Jo mei,…
… d’Heigl, auch so a Karrierist…
Redaktion benachrichtigen
#12   Frasim   00:19:29 | Mittwoch, 21. Februar 2007
@Genoveva
Augsburger BO, was ist das??
In diesem Artikel sind übrigens die Wandlungsworte gemeint, die können pro Messe nicht hundert Mal alternativ verwendet werden… Sie meinen wohl eher den gesamten Messkanon, oder?!
Redaktion benachrichtigen
#11   Genoveva   23:52:07 | Dienstag, 20. Februar 2007
Witzig sind sie schon im Augsburger BO
Ich bin Augsburger Diözesanin und mein Pfarrer nimmt pro Messe ungefähr 100 „alternative Übersetzungen“ vor.
„Wir bitten Dich, Herr, schau nicht auf unsere Fehler und Schwächen, sondern auf den guten Willen so vieler“
Redaktion benachrichtigen
#10   Frasim   23:41:10 | Dienstag, 20. Februar 2007
Hoppla…
Also ich kenne in Augsburg mindestens einen Priester, der garantiert nicht „…für alle…“, sondern in jeder Messe „…pro multis…“ sagt!
:-D :-P
Redaktion benachrichtigen
#9   Gotthard   23:22:43 | Dienstag, 20. Februar 2007
@turk
Empfohlen werden kann durchaus, bis zur amtlichen Korrektur der Konsekrationsworte in deutscher Sprache diese in lateinischer Sprache zu sprechen.
eine sehr gute Empfehlung…
gib doch bitte eine Rückmeldung der gemeinde, in der dieser „alterung“ eingeführt wurde.
Redaktion benachrichtigen
#8   turk   23:14:04 | Dienstag, 20. Februar 2007
Absurde Geschichte
Empfohlen werden kann durchaus, bis zur amtlichen Korrektur der Konsekrationsworte in deutscher Sprache diese in lateinischer Sprache zu sprechen.
Redaktion benachrichtigen
#7   Gotthard   23:09:54 | Dienstag, 20. Februar 2007
@johann
gegen einen Misthaufen kann man nicht anstinken.
Ich bitte doch einfach um Argumente und Fakten.
Redaktion benachrichtigen
#6   Johann Orth   22:57:54 | Dienstag, 20. Februar 2007
Nebelbomben? Nein:
Stinkbomben!
Für den Kerl gilt: gegen einen Misthaufen kann man nicht anstinken.
Redaktion benachrichtigen
#5   Heggi   22:54:22 | Dienstag, 20. Februar 2007
Gotthard…
wirft wieder Nebelbomben!
Redaktion benachrichtigen
#4   Rodolfo Panetta   22:49:09 | Dienstag, 20. Februar 2007
„Relativieren und für dumm verkaufen“
Das ist die Methode, welche die Modernisten in Deutschland schon lange praktizieren. Sogar die Tötung ungeborener Kinder wollten sie innerkirchlich so lange wie möglich mit allerlei Tricks beibehalten.
Redaktion benachrichtigen
#3   Gotthard   22:45:50 | Dienstag, 20. Februar 2007
Wunschdenken
Rechtskraft erlangt das neue Missale allein durch eine Approbation des römischen Papstes.
Ein Messbuch wird von der zuständigen Bischofskonferenz approbiert (Approbatum Imprimatur) …
…und von der zuständigen Gottesdienstkongregation bestätigt (Confirmatum).
Vorauseilender Gehorsam war doch noch nie geliebt auf dieser Seite!
Messbuch-Genauigkeit wird doch immer gefordert und als Non-Plus-Ultra dargestellt.
Veränderungen an den Wandlungsworten gemessen am Messbuch sind doch wohl der allerschwerste Missbrauch… und eine sehr privatisierte Form der Liturgie.
Redaktion benachrichtigen
#2   Hacki   22:35:01 | Dienstag, 20. Februar 2007
Pfarrer Bernd Weidner hat sich somit aus der kath. Kirche selbst exkommmuniziert.
Er gilt als aber bei „Heigl“ als Vorzeigepfarrer, die Königsbrunner Pfarreiengemeinschaft (ca.15.000Seelen)ist sehr „lebendig“ und „ökumenisch“.
Ausgegrenzt sind nur die „Zeugen Jehowas“ und die Leute von der örtlichen Traditionalistenkapelle.
Redaktion benachrichtigen
#1   Graf von Galen   22:27:49 | Dienstag, 20. Februar 2007
Wider VII
Zu meiner Freude hatte auch ich das Glück in
einem deutschen Marienwallfahrtsort noch 2006
bei einer NOM auf deutsch „für viele“ und nicht
„für alle“ zu vernehmen.
Redaktion benachrichtigen
Weiterlesen:
EucharistieExeget weiß es besser als der Text Handkommunion in PolenPäpstlich verpaßte Anpassung ‘pro multis’Kalvinismus oder Allerlösung? ‘pro multis’Exegese oder Arroganz? HostiendiebstahlEine Frucht der Handkommunion Eucharistie‘Pro multis’ wird in deutschen Meßbüchern zukünftig richtig übersetzt LainpredigtVerboten – und gleich wieder eingeführt Halloween-MesseLiturgisches Umerziehungslager Liturgische TexteEine einheitliche Regelung EucharistieErlaubt Kardinal Kasper den Protestanten den Kommunionempfang? HostienversteigerungEin unvergeßliches Andenken für Sammler und Liebhaber LiturgiemißbrauchDie Affen hingen von der Decke Auch ein GottesdienstEin Familien-Godi EucharistieÖkumenische Fronleichnamsprozession LiturgieStandrechtlich statt kniefällig
RSS Feed  •  News Ticker  •  Kontakt  •  Impressum
© CC-BY-NC-SA 2012 kreuz.net