In der Diözese Ajaccio gehen die Rechnungen nicht auf
Der neue Bischof der korsischen Diözese Ajaccio hat beschlossen, die polizeilichen Fahndungsbehörden einzuschalten, um Klarheit über die finanzielle Situation seiner Diözese zu gewinnen.
(kreuz.net, Paris) Nach einer Meldung der eher konservativen französischen Tageszeitung „Le Figaro“ hängt
der Haussegen in der Katholischen Kirche Korsikas schief. Korsika ist eine Mittelmeerinsel im Norden von
Sardinien. Politisch gehört die Insel zu Frankreich, kulturell ist sie italienisch orientiert. Napoleon
Buonaparte stammte aus Korsika.
Der neuernannte Bischof von Ajaccio, Mons. Jean-Luc Brunin (53), will
sich einsetzen, möglicherweise abgezweigte Diözesangelder wieder zurückzugewinnen. In Frankreich herrscht
eine scharfe Trennung von Kirche und Staat, die auch dazu geführt hat, daß die französische Kirche
sehr arm ist. Mons. Brunin hat seine Diözese im vergangenen Juli übernommen. Bei seiner Ankunft hat
der neue Bischof, wie es das Kirchenrecht bei der Übernahme einer Diözese vorsieht, eine Rechnungsprüfung
durchführen lassen.
Die Untersuchungen sind immer noch im Gang. Die ersten Unregelmäßigkeiten und
Abzweigungen sind aber bereits festgestellt worden. Sie betreffen beträchtliche Geldsummen. Eine strafrechtliche
Untersuchung liegt darum im Bereich des Möglichen.
Der neue Bischof von Ajaccio ist von Lille im Norden
Frankreichs nach Korsika gekommen, während der Vorgängerbischof, Mons. André Lacrampe, von Papst Johannes
Paul II. zum Erzbischof von Besançon unweit der Nordschweizer Grenze ernannt worden ist.
Die Unregelmäßigkeiten
betreffen den korsischen Diözesanverein, der vom jeweiligen Bischof präsidiert wird. Der Diözesanverein
verwaltet das Gesamtvermögen der Kirche auf der Insel. Er ist nach dem Gesetz über die Trennung von
Kirche und Staat aus dem Jahre 1905 organisiert und besteht aus 15 Mitgliedern, sowohl Laien als auch
Klerikern.
Die gegenwärtig laufenden Untersuchungen betreffen die Jahre zwischen 1995 und 2004. In dieser
Zeit soll besagter Diözesanverein mit den Spenden der Gläubigen nicht besonders sorgfältig umgegangen
sein. Es geht dabei nicht nur um Geld, sondern auch um Grundstücke, Wohnungen und Häuser. Es scheint,
daß Spenden auch dazu verwendet wurden, um Operationen zu finanzieren, die nur im entferntesten etwas
mit der Kirche zu tun hatten. Der neue Bischof hat sich aber bisher gehütet, Namen von möglichen Schuldigen
zu nennen.
Unregelmäßigkeiten betreffen auch den Grund- und Häuserbesitz der Diözese. Ein beträchtlicher
Teil dieses Besitzes der Diözese sei verkauft worden, um laufende Spesen zu decken. Bisher sollen die
Untersucher nicht festgestellt haben, daß Güter der Diözese zu Spottpreisen verschleudert worden wären.
Der neue Bischof hat einen sofortigen Verkaufsstop für Immobilien der Diözese verhängt. Diese Maßnahme
soll auch dem inzwischen entstandenen Mißtrauen der Gläubigen entgegenwirken.
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