19:41:16 | Donnerstag, 22. Februar 2007
Die Liturgiereform hat auch positive Ergebnisse gezeitigt: „Doch die negativen Wirkungen überwiegen und haben viel Verwirrung gestiftet“ – erklärt der Sekretär der Gottesdienstkongregation.

Alte Messe in Großbritannien
© Latin-Mass-Society.org(kreuz.net, Vatikan) Der Sekretär der Gottesdienstkongregation, Erzbischof Albert Ranjith Patabendige
(59), erachtet die Liturgiereform als mißglückt.
Das erklärte er vor der englischsprachigen Monatszeitung
‘Inside the Vatican’.
Bilanz der LiturgiereformDie nachkonziliare Liturgiereform habe das erwartete
Ziel einer spirituellen und missionarischen Erneuerung der Kirche nicht erreicht – bedauert der Erzbischof.
Es gebe auch positive Ergebnisse: „Doch die negativen Wirkungen überwiegen und haben viel Verwirrung
gestiftet.“
„Die Kirchen sind leer geworden, liturgischer Wildwuchs steht an der Tagesordnung und die
wahre Bedeutung dessen, was gefeiert wird, ist verdunkelt.“
Mons. Ranjith glaubt nicht, daß die geleerten
Kirchen des Westens nur auf den sogenannten Säkularismus zurückzuführen sind.
Eine Ursache des Niederganges
sieht der Erzbischof in einer tiefen Glaubenskrise, die mit unsinnigen liturgischen Experimenten und Neuerungen
gekoppelt wurde.
Man müsse sich fragen, ob der Reformierungsprozeß korrekt gehandhabt worden sei.
Der Kurienkardinal Guiseppe Antonelli († 1993) habe in seinen Tagebüchern festgehalten, daß einige liturgische
Änderungen nach dem Zweiten Vatikanum ohne viel Nachdenken und willkürlich durchgesetzt worden seien.
Später seien sie akzeptierte Praxis geworden und hätten sich auf viele andere Gebiete verbreitet.
Kniende MundkommunionAls Beispiel nennt Erzbischof Ranjith die
Handkommunion. Der Heilige Stuhl habe
sich vor ihrer Anerkennung nicht lange besonnen. Das Zweite Vatikanum habe einen solchen Zugang zu liturgischer
Reform niemals befürwortet.
Handkommunion

Long-García/CATHOLIC SUN, Lizenz: Creative Commons
Speziell
warnte der Kurienerzbischof vor der Einführung der stehenden Handkommunion in Asien.
Sie widerspreche
der dortigen Kultur. Erzbischof Ranjith nennt einige Beispiele aus anderen Religionen.
So würden sich
auch Buddhisten zur Anbetung auf den Boden werfen. Moslems zögen ihre Schuhe aus, bevor sie eine Moschee
betreten. Der König von Thailand oder der Herrscher von Japan würden als Zeichen des Respekts auf den
Knien begrüßt.
Die Kirche stehe in vielen asiatischen Ländern mit der Einführung der stehenden Handkommunion
allein auf weiter Flur. Die Gläubigen würden bei solchen Entscheidungen nicht gefragt.
Irrwege der
LiturgiereformErzbischof Ranjith warnt auch vor ökumenischen Gottesdiensten. Sie würden in manchen
Ländern an die Stelle der Sonntagsmesse treten.
Es gebe Fälle, wo Priester in verschiedenen
Verkleidungen
und Seite an Seite mit protestantischen Pastoren die Messe lesen würden.
Das sei völlig inakzeptabel
und stelle ein „schweres Vergehen“ dar.
Man müsse bei der Feier der Neuen Messe ernst bleiben: „Ich
kann als Priester nicht darüber träumen, was ich am nächsten Tag bei der Messe tun werde: zum Altar
hinaufgehen und mit allen möglichen neuen, selbstgeschaffenen Rubriken und Handlungen zelebrieren.“
Der Erzbischof warnt, daß das Geheimnis der Eucharistie oft mißverstanden worden sei. Das habe dem liturgischen
Mißbrauch Tür und Tor geöffnet.
Manche würden die Messe als Bankett und Gemeinschaftsmahl erklären.
Das sei eine wichtige Erwägung. Der Opfercharakter der Eucharistie sei entscheidender.
Der Erzbischof
bedauert im Interview ferner eine wachsende Tendenz, den Priester zu laisieren und die Laien zu klerikalisieren.
Als Beispiele nennt er die Laienpredigt und die Kommunionspendung durch Laien, obwohl der Priester unbeschäftigt
im Presbyterium sitzt.
Freigabe der Alten Messe?Erzbischof Ranjith äußerte sich auch zur Alten Messe.
Der Ruf nach der Wiederherstellung des überlieferten Ritus werde lauter.
Führende Persönlichkeiten
hätten kürzlich in verschiedenen Zeitungen sogar einen öffentlichen
Appell für die Alte Messe veröffentlicht:
„Der Heilige Vater wird – ich bin mir sicher – davon Notiz nehmen und entscheiden, was das Beste für
die Kirche ist.“
Es geht nach Ansicht von Erzbischof Ranjith weniger um die juridischen Strukturen zur
Umsetzung dieser Freigabe, sondern um die „pastorale Haltung“.
„Werden die Bischöfe und Priester Bitten
um die Alte Messe ablehnen und auf diese Weise eine juridische Struktur notwendig machen, durch welche
eine Entscheidung des Papstes durchgesetzt werden kann? Muß es auf diese Weise gehen?“
Ein Veröffentlichungsdatum
oder der Inhalt des erwarteten
Motu Proprio seien bis jetzt unbekannt.
Die Entscheidung liege beim Heiligen
Vater.
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