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Freitag, 2. März 2007 16:29
Selbstmitleid statt Erlösung
Die Erlösungstheologie des ökumenischen Jugendkreuzweges erlöst uns von dem Erlöser Jesus Christus. Von Hubert Hecker.
Bildtafel des ökumenischen Jugendkreuzwegs 2006 der Künstlerin Hetty Krist
Bildtafel des ökumenischen Jugendkreuzwegs 2006 der Künstlerin Hetty Krist
(kreuz.net) Der Kreuzweg der Jugend wird in Deutschland seit Ende der 50er Jahre gebetet.

Sein Ursprung war der Katholikentag 1958 in Berlin. Damals stand die Welt unter dem Eindruck des aggressiven Kommunismus.

Der Führer der Sowjetunion, Nikita Chruschtschow († 1971), drohte mit Raketen gegen die Hauptstädte Westeuropas.

65.000 Katholiken beteten in dieser Zeit im Berliner Olympiastadion den Kreuzweg. In der Folgezeit wurde diese Initiative in die Pfarreien getragen.

Bald begann der ‘Bund der Deutschen Katholischen Jugend’ oder die ‘Arbeitsstelle für Jugendseelsorge’ der Deutschen Bischofskonferenz Beimaterialien zu publizieren.

Im Jahr 1972 schloß sich die ‘Arbeitsgemeinschaft der evangelischen Jugend’ der Aktion an.

In dieser Zeit wurden die Texte immer flacher. Die Theologie immer dünner, die Christologie arianisch.

Ein Tiefpunkt an politischer Banalisierung war der Jugendkreuzweg des Jahres 1992.

Zu seinem Programm wurde trotzig die neomarxistische Befreiungstheologie gewählt.

Diese stellt Jesus als kämpferisches Vorbild hin, wobei sich der Mensch durch Kampf und Befreiung von „sündigen Strukturen“ selber erlösen müßte.

Im Jahr 1992 traten in der Siebten Kreuzwegstation kriegerische Landarbeiter auf. Eine Textprobe:

„Ernesto: Jesus sagt dem Vater, er gebe ihm das Leben zurück, das er von ihm empfangen habe. Kein Tod kann von irgend etwas erlösen. Was uns erlöste oder befreite ist seine Botschaft. Und sein Tod diente dazu, daß diese Botschaft die Welt erschütterte.

Maria: Jesus kam, um für die Armen zu sterben und machte damit eine Prophezeiung wahr. Er kam, um den Armen zu helfen, sich zu befreien. Mit seinem Tod wollte er den Armen Kraft und Mut geben.“

So offen wird die Ablehnung des Erlösungstodes Christi später nicht mehr proklamiert. Aber die Tendenz bleibt.

Der Mensch Jesus ist in seinem Leiden mit allen leidenden Menschen solidarisch. Er gibt dadurch eine diffuse Hoffnung auf irgendeine Besserung der politischen Zustände.

Zur Sechsten Station des Jugendkreuzweges heißt es im Textheft des Jahres 2005: „Gekreuzigte, Erhängte, Erschlagene. Jesus teilt das Leid der anderen. Viele teilen sein Leid.“

Christus ist einer unter vielen. Viele leiden genauso wie er.

Im richtigen kirchlichen Kreuzweg heißt es bei jeder Station: „Wir beten dich an, Herr Jesus Christus, und preisen dich. Denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.“

Eine Erlösungs-Theologie kennen die Jugendkreuzwege nicht.

Auch im letztjährigen Kreuzweg wird der Erlöser durchgehend als gewöhnlicher Mensch hingestellt. Die Bezeichnungen „Christus“ oder „Herr“ findet man in den Beitexten nicht.

Grundlage dieses Kreuzweges sind vier Bildtafeln, welche die Künstlerin Hetty Krist ursprünglich für die Frankfurter Liebfrauenkirche schuf.

Auch diese Bilder werden nach dem erwähnten Strickmuster interpretiert: „Die Ohnmachtserfahrungen heutiger Menschen sind mit der Leidensgeschichte Jesu eng verbunden“ – so das Textheft auf Seite 5.

Auf einem Bild finden sich um das dornengekrönte Haupt Jesu leidende Menschen sowie schützende Hände.

Die Künstlerin hat dazu handschriftliche Deutungen eingefügt: „Mater misericordia“ „Weint um Euch und Eure Kinder“, „Sein Leid ist unsere Schuldenlast“.

Diese Worte unterschlägt oder verdreht das Textheft.

Kardinal Ratzinger schrieb zur Achten Station: „Am Leiden des Sohnes sehen wir, welchen Ernst die Sünde hat, wie sie ausgelitten werden muß, um überwunden zu werden. Vor der Gestalt des leidenden Herrn endet die Banalisierung des Bösen. Auch zu uns sagt er: Weinet nicht über mich, weint über euch.“

Dagegen bleibt der Jugendkreuzweg in sentimentalem Selbstmitleid stecken: „Jesus weint mit ihnen. (…) Er ist ihnen nahe in ihrer Verzweiflung. Sie bleiben nicht allein“ – die leidenden Menschen.

„O Herr, was du erduldet, ist alles unsre Schuld“, singt das Passionslied.

Der Jugendkreuzweg zeigt mit dem Finger auf die anderen: „Das Böse (…) preßt ihm die Dornenkrone in die Haut.“

Das selbstmitleidige Resümee der Passion Christi lautet: „Jesus wird zum Spiegelbild der geschundenen Kreatur.“

Im Bild-Text von Hetty Krist wird von Schuld gesprochen und die Sünde bildlich angezeigt, zum Beispiel durch einen Menschen in der Fruchtblase.

Doch der Beitext der bischöflichen Jugendpastoralstelle verdreht das Verbrechen der Kinderabtreibung in ein angebliches Getriebensein der mörderischen Mutter:

„Jesus sieht die Opfer an: Das junge Mädchen, das aus Verzweiflung ihr Kind abtreiben ließ“.

Auch in diesem Jahr wurde an dem Kreuzweg-Konzept keine Kurskorrektur vorgenommen.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 25 Lesermeinungen:
Sonntag, 1. April 2007 19:21
Lutheraner: Solschenizyn trifft Jesus
Alle Schriftsteller, die über das Gefängnis schrieben, ohne
darin gesessen zu haben, hielten es für ihre Pflicht, Mitgefühl
für die Gefangenen zu bekunden und das Gefängnis zu verdammen.
Ich habe dort lange genug gesessen, ich habe dort meine Seele großgezogen. Ich wiederhole unbeirrt: Sei gesegnet Gefängnis,
daß du in meinem Leben gewesen bist!

Alexander Solschinizin, Dissident

Gesellschaft und Strafjustiz entwickeln sich Seite an Seite. Ist die Gesellschaft gut, sind die Gefängnisse leer, ist sie verdorben, füllen sich die Gefängnisse; dann zieht sie jeden aus dem Verkehr, der ihre Sünden anprangert, denn das wird strafbar.

Für das Mitleid anderer prangert weder jemand die Ungerechtigkeit an, noch würde er dafür ins Gefängnis gehen.
Vielmehr ist es die schlechte Gesinnung der Gesellschaft, die ihn hinein wirft, damit er dort für ihre Verbrechen büßt.
Montag, 5. März 2007 15:30
Offenbarung und Erscheinung sind keine deckungsgleichen Begriffe, denn die Schöpfung ist wegen ihres Werdens eine z. Zt. noch unvollkommene Offenbarung des Schöpfers.

Wäre die SChöpfung vollkommen, wäre unsere Aufgabe als Mitarbeiter Christi (so Paulus) erfüllt, d. h. wir hätten den unserer Vollendung im Herrn vorbehaltenen Zustand der Vollkommenheit erreicht!
Sonntag, 4. März 2007 15:12
kreuzi: homosexuelle propaganda
schade das die medien in der brd nichts zu den finanzgebaren, der homosexuellenmafia veröffentlichen. lobby-, medienarbeit muss schließlich nicht gering finanziert werden. wo kommen denn die gelder her in den homosexuellen propagandakassen?
Sonntag, 4. März 2007 12:43
Lorenz: Hallo Jörg,
die Geschöpfe selbst könne meinee erachtens nur als unvollständige Offenbarung ihres Schöpfers anmgesehen werden. In den Geschöpfen, in ihrem Gedanken und Worten und Werken vor allem, ist wahrscheinlich auch nicht alles göttlich. Daneben ist zu bedenken, dass Offenbarung und Erscheinung (Epiphanie) nicht völlig deckungsgleiche Begriffe sind.
Samstag, 3. März 2007 23:25
HarroMeyer: Die Profilsucht gehort halt dazu
Der hl. Hieronimus hat soviel dazu getan, dass er selbst schreibt „die Nachwelt wird mich einen großen Fälscher nennen“, der Luther hat vieles in seinem Sinne übertragen, warum soll man den heutigen Schreiberlingen das verwehren, wenn sie sich dazu berufen fühlen? Immerhin kann die Anpassung an den Zeitgeist auch ein Vorteil sein. Hauptsache: Es wird nachvollzogen. Beim Kommentator lief das natürlich ins Leere.
Samstag, 3. März 2007 21:34
Jörg Guttenberger, Köln: Epiphanie Gottes
Was haben Sie an den Ausführungen JPII auszusetzen? Genauso, wie jedes Kunstwerk eine Offenbarung über das Wesen des Künstlers ist, ist jeder Mensch und die gesamte Schöpfung einne Offenbarung des Schöpfers!
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