18:21:09 | Donnerstag, 1. März 2007
„JederR ist in der Taufe zum Priester, Propheten und König, zur Priesterin, Prophetin und Königin gesalbt!“ Von Lutz Deister.

Amtseinführung einer Pastoralreferentin in den Niederlanden.
(kreuz.net, Limburg) Im Bistum Limburg existieren rund 360 Kirchengemeinden.
Sie werden derzeit von 120
Pfarrern betreut. Von ihnen ist ein Drittel älter als sechzig Jahre.
Seit dem letzten Jahr sind alle
Pfarreien der Diözese in 89 sogenannte „Pastorale Räume“ zusammengefaßt, die von einem priesterlichen
Leiter geführt werden.
Es ist absehbar, daß jeder Priester in einigen Jahren jeweils einen Pastoralen
Raum mit durchschnittlich vier Pfarreien betreuen muß.
Trotz dieses eklatanten Priestermangels handhabte
der inzwischen resignierte Bischof Franz Kamphaus die Aufnahme von Priestern aus anderen Diözesen nur
sehr restriktiv.
Als der Erzbischof von Krakau anbot, ihm zehn junge polnische Priester zu überstellen,
lehnte Bischof Kamphaus ab. Seine fadenscheinige Begründung: Die polnischen Priester würden nicht in
das Bistum Limburg passen.
Einige überlastete Priester aus dem Bistum waren über diese Absage empört.
Noch dramatischer als der Priestermangel ist der Schrumpfungsprozeß in den Gemeinden.
Aus dem bischöflichen
Visitationsbericht für den Bistumsbezirk Limburg – ein weitgehend ländlich strukturierter Raum – ergibt
sich, daß die Katholikenzahl dort in den letzten zehn Jahren um 5,5 Prozent gesunken ist – bei einer
um vier Prozent gewachsenen Bevölkerung.
Dramatisch ist die Abnahme der Gottesdienstbesucher um fast
30 Prozent.
Taufen gingen um 25 Prozent und Trauungen um 40 Prozent zurück.
Als Reaktion auf diese
„dramatische Entwicklung“ empfahl Bischof Kamphaus neben einigen bewahrenden Elementen den Weg der pastoralen
Modernisierung weiterzuschreiten.
Wie diese Modernisierung aussehen könnte, haben zwanzig Synodalmitglieder
bei einer Studienfahrt nach Frankreich studieren können.
Unter der Leitung von Frau Dr. Hadwig Müller
von ‘Missio Aachen’ bekam die Gruppe in den französischen Diözesen Auxerre und Poitiers „Lust zu Veränderungen“ –
wie Frau Müller in ihrer Präsentation vor Synodalen darlegte.
Frau Müller interpretiert den Niedergang
der Kirche in den beiden französischen Bistümern – wie bei Modernisten gewohnt – als Chance zu Neuem
und Besserem:
„Interessiert am Neuen, das sich in dem radikalen Wandel von Gesellschaft und Kirche ankündigt
und damit schöpferisch befähigt werden, in der ‘Ex-Kulturierung des Katholizismus’ eine Chance zu erkennen.“
Nach solchem Geraune ist man nicht überrascht, daß die Missio-Frau den angeblichen „Pastoralen Aufbruch“
im Bistum Poitiers als postmodern-progressives Vorbild für deutsche Diözesen empfiehlt.
Die kirchlichen
Gemeinschaften nähmen ihren „Ausgang von den Initiationssakramenten“:
„JederR ist in der Taufe zum Priester,
Propheten und König, zur Priesterin, Prophetin und Königin gesalbt!“
Auf dieser theologischen Basis würden die „christlichen Gemeinden, in Verantwortung für die Mission,
versehen mit Ämtern für ihren Dienst, die Kirche“ aufbauen.
Für die Ortsgemeinden gelte:
„Gemeinschaft
leben ohne Priesterzentrierung“, durch „bischöflich beauftragte LaiInnen“ (sic!) in einer „équipe d’animation
des base“ geführt.
Es leidet nicht nur der Inhalt, sondern auch die deutsche Sprache:
„VerantwortlicheR
für Verkündigung beziehungsweise Liturgie und Diakonie wird benannt, VerantwortlicheR für Pastoral
und Finanzen gewählt.“
Die katholische Ortsgemeinde wird von besagtem Animationsteam „geleitet“ und
von einem Priester „begleitet“.
Der Bischof von Poitiers, Mons. Albert Rouet, zeigte sich gegenüber
diesen synodalen Ab-, Auf-, Um- und Durchbrüchen mit Schlips und Aufgeschlossenheit.
Auch der Bischof
von Limburg zeigte sich an der synodalen Mitwirkung von Laien interessiert. Doch soweit wie in Frankreich
ist man auf dem synodalen Weg noch nicht gekommen.
Zwar zählt der ehemalige Präsident der Limburger
Diözesanversammlung, Dr. Hans-Peter Röther, die Limburger „Synodalordnung zu den fortschrittlichsten
in ganz Deutschland“. Dennoch sind im Bistum Limburg noch keine LaiInnen als Priesterinnen, Prophetinnen
und Königinnen gesalbt worden.
Von 1996 bis 2003 kämpfte Röther während seiner Amtszeit mit feinen
und unfeinen Mitteln „um den Erhalt und den Ausbau unserer progressiven Ordnung“, bei der die Laien einen
„Auftrag zur gleichberechtigten Mitarbeit“ hätten.
Dem Präsidenten schwebte eine „dialogisch-partnerschaftliche
Kirche“ vor, bei der die Laien-Gremien auf allen Ebenen und in gleicher Augenhöhe mit den Amtsträgern
„gemeinsame Entscheidungen“ fällen sollten.
Schon bei seinem Amtsantritt im Jahre 1996 erklärte Röther,
daß die Pfarrgemeinderäte „die Ideen und gemeinsam als richtig erkannten Ziele nicht an der Reaktion
des Pfarrers oder der Hauptamtlichen messen“ könnten.
Auch auf Bistumsebene sollte sich der Bischof
„mutig“ für eine „dialogische Bistumsleitung“ einsetzen.
Der SPD-Politiker Röther wollte auch auf der
weltkirchlichen Ebene dem „Papst und der Kurie in Rom wirkliche Kollegialität in der Leitung der Gesamtkirche“
lehren:
„Es soll nicht ein totalitäres System Entscheidungen treffen, sondern ich wünsche mir einen
gemeinsamen, partnerschaftlichen Prozeß.“
Begründung? – „Schließlich weht der Heilige Geist, wo er
will. Ich sehe nicht ein, warum er nur bei Amtsträgern wehen soll.“
Zum Kreuzfest 2002 erklärte Röther
in der Limburger Kirchenzeitung, daß die gegenwärtige Struktur der Kirche ein „autoritäres Regime“
nach der „Praxis diktatorischer Staaten“ sei. Dieses vertrete „absolutistische Rechtsansprüche“ und sei
letztlich ein „totalitäres System“.
Die römischen Vorgaben bei der Ernennung von Bischöfen, der Besetzung
theologischer Lehrstühle oder bei der Entscheidung über die Schwangerschafts-Konfliktberatung seien
unerträgliche Einmischungen in die Belange und Rechte der Ortskirche.
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