09:40:10 | Mittwoch, 28. Februar 2007
In Polen zeigt man mit dem Finger auf Priester, die unter dem Druck krimineller kommunistischer Agenten zusammenbrachen. Von den Häschern spricht niemand.
(kreuz.net) Am Montag veröffentlichte der Priester der Erzdiözese Krakau, Hw. Tadeusz Isakowicz-Zaleski,
sein fast 600seitiges Buch „Priester im Angesicht der Sicherheitsdienste“.
Der Autor erwähnt 130 Priester,
von denen ungefähr dreißig Priester – darunter auch vier Bischöfe – als Informanten der kommunistischen
Geheimpolizei bezeichnet werden.
Hw. Isakowicz-Zaleski wurde selber zweimal von den kommunistischen Häschern
des Geheimdienstes gefoltert.
Er ist der Auffassung, daß die Kirche das Problem der Kollaboration bekennen
und bereuen müsse.
Ansonsten werde das vor allem einen Schatten auf jene große Mehrheit des Klerus
werfen, die der Geheimpolizei widerstand.
Der größte Teil des Buches von Hw. Isakowicz-Zaleski beschreibt
Priester, die sich dem Druck der Geheimpolizei nicht beugten.
Nur im letzten Abschnitt geht es um jene
Kleriker, die zusammenbrachen und kollaborierten.
Das Buch beruht auf Nachforschungen im Archiv der kommunistischen
Geheimpolizei.
Als Kollaborateur wird der ehemalige Erzbischof von Posen, Mons. Juliusz Paetz (72), bezeichnet.
Mons. Paetz trat bereits im März 2002 nach einem riesigen Medienskandal wegen homosexueller Unzucht
zurück.
Er wurde im März 1978 als Informant mit dem Decknamen „Fero“ angeheuert. Damals arbeitete er
in Rom im engsten Umfeld von Papst Paul VI.
Die geheimpolizeilichen Kontakte brachen ab, als Mons. Paetz
im Jahr 1983 nach Polen zurückkehrte und dort Bischof von Lomza – im Nordosten des Landes – wurde.
Am
Montag abend dementierte Mons. Paetz die Beschuldigungen.
Der Bischof von Tarnow in Südpolen, Mons.
Wiktor Skworc (58), wurde im Jahr 1979 erpreßt, mit der Geheimpolizei zusammenzuarbeiten.
Die Polizei
fand in seinem Wagen große Mengen von Lebensmitteln, beschuldigte ihn des Schwarzhandels und drohte,
die Angelegenheit als Vorwand für eine antikirchliche Kampagne zu benützen.
Der junge Priester beugte
sich den Erpressungen. Er erhielt den Decknamen „Dabrowski“ und informierte den Geheimdienst bis 1989
über die Haltung von Kirchenvertretern zum Regime.
Ein anderer Prälat, der im Buch von Hw. Isakowicz-Zaleski
beschuldigt wird, ist der Bischof von Rzeszów, Mons. Kazimierz Górny.
Nicht alle Kleriker, die in den
Unterlagen der Geheimpolizei geführt werden, waren wirkliche Kollaborateure.
Der Erzbischof von Allenstein,
Mons. Wojciech Ziemba (65), stimmte einer Kollaboration nie zu.
Trotzdem wurde er von den Kommunisten
unter dem Decknamen „Wojtek“ registriert, nachdem er im März 1979 um einen Reisepaß angefragt hatte.
Der damalige Priester wurde von den kommunistischen Häschern zwei Jahre lang unter Druck gesetzt. Er
beugte sich aber nie.
Inzwischen haben alle 46 polnischen Diözesen Kommissionen eingerichtet. Diese
sollen mögliche Verbindungen zwischen dem niederen Klerus und der Geheimpolizei überprüfen.
Am vergangenen
Montag erklärte der Erzbischof von Danzig, Mons. Tadeusz Goclowski, daß die kommunistischen Agenten,
welche die Priester erpreßten und einschüchterten ebenfalls zur Verantwortung gezogen werden sollten:
„Das ist ein dramatischer Augenblick, weil wir ständig die Opfer, aber nie jene im Auge haben, die sie
verfolgten.“
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Carina 15:21:30 | Mittwoch, 28. Februar 2007