Polen
Es ist an der Zeit, die Täter zu verfolgen
In Polen zeigt man mit dem Finger auf Priester, die unter dem Druck krimineller kommunistischer Agenten zusammenbrachen. Von den Häschern spricht niemand.
© Alexander Johmann, Creative Commons License
(kreuz.net) Am Montag veröffentlichte der Priester der Erzdiözese Krakau, Hw. Tadeusz Isakowicz-Zaleski, sein fast 600seitiges Buch „Priester im Angesicht der Sicherheitsdienste“.

Der Autor erwähnt 130 Priester, von denen ungefähr dreißig Priester – darunter auch vier Bischöfe – als Informanten der kommunistischen Geheimpolizei bezeichnet werden.

Hw. Isakowicz-Zaleski wurde selber zweimal von den kommunistischen Häschern des Geheimdienstes gefoltert.

Er ist der Auffassung, daß die Kirche das Problem der Kollaboration bekennen und bereuen müsse.

Ansonsten werde das vor allem einen Schatten auf jene große Mehrheit des Klerus werfen, die der Geheimpolizei widerstand.

Der größte Teil des Buches von Hw. Isakowicz-Zaleski beschreibt Priester, die sich dem Druck der Geheimpolizei nicht beugten.

Nur im letzten Abschnitt geht es um jene Kleriker, die zusammenbrachen und kollaborierten.

Das Buch beruht auf Nachforschungen im Archiv der kommunistischen Geheimpolizei.

Als Kollaborateur wird der ehemalige Erzbischof von Posen, Mons. Juliusz Paetz (72), bezeichnet.

Mons. Paetz trat bereits im März 2002 nach einem riesigen Medienskandal wegen homosexueller Unzucht zurück.

Er wurde im März 1978 als Informant mit dem Decknamen „Fero“ angeheuert. Damals arbeitete er in Rom im engsten Umfeld von Papst Paul VI.

Die geheimpolizeilichen Kontakte brachen ab, als Mons. Paetz im Jahr 1983 nach Polen zurückkehrte und dort Bischof von Lomza – im Nordosten des Landes – wurde.

Am Montag abend dementierte Mons. Paetz die Beschuldigungen.

Der Bischof von Tarnow in Südpolen, Mons. Wiktor Skworc (58), wurde im Jahr 1979 erpreßt, mit der Geheimpolizei zusammenzuarbeiten.

Die Polizei fand in seinem Wagen große Mengen von Lebensmitteln, beschuldigte ihn des Schwarzhandels und drohte, die Angelegenheit als Vorwand für eine antikirchliche Kampagne zu benützen.

Der junge Priester beugte sich den Erpressungen. Er erhielt den Decknamen „Dabrowski“ und informierte den Geheimdienst bis 1989 über die Haltung von Kirchenvertretern zum Regime.

Ein anderer Prälat, der im Buch von Hw. Isakowicz-Zaleski beschuldigt wird, ist der Bischof von Rzeszów, Mons. Kazimierz Górny.

Nicht alle Kleriker, die in den Unterlagen der Geheimpolizei geführt werden, waren wirkliche Kollaborateure.

Der Erzbischof von Allenstein, Mons. Wojciech Ziemba (65), stimmte einer Kollaboration nie zu.

Trotzdem wurde er von den Kommunisten unter dem Decknamen „Wojtek“ registriert, nachdem er im März 1979 um einen Reisepaß angefragt hatte.

Der damalige Priester wurde von den kommunistischen Häschern zwei Jahre lang unter Druck gesetzt. Er beugte sich aber nie.

Inzwischen haben alle 46 polnischen Diözesen Kommissionen eingerichtet. Diese sollen mögliche Verbindungen zwischen dem niederen Klerus und der Geheimpolizei überprüfen.

Am vergangenen Montag erklärte der Erzbischof von Danzig, Mons. Tadeusz Goclowski, daß die kommunistischen Agenten, welche die Priester erpreßten und einschüchterten ebenfalls zur Verantwortung gezogen werden sollten:

„Das ist ein dramatischer Augenblick, weil wir ständig die Opfer, aber nie jene im Auge haben, die sie verfolgten.“
      
6 Lesermeinungen
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#6   stat crux   16:03:54 | Donnerstag, 1. März 2007
@Murx
Continuons le bon combat? Für mich klingt Michel de Marchiset eher nach „Micky Maus“.
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#5   thaumaturgos   15:51:39 | Donnerstag, 1. März 2007
jaja die liberalken cerici
…die der sexuellen Revolution nahestehen …
der gutste bischof wird ja hoffentlich nicht im illegfalen kinder- und mädchenhandel sich seine whg verdient haben
und es freut, dass gerade Sie hier wissen, wer was besitzt und wieviel es gekostett hat … Sie haben sicher den römischen kataster bemüht um die verhältnisse zu checken …
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#4   möchtegern-kathole   20:30:21 | Mittwoch, 28. Februar 2007
wird man …
… eines Tages auch jene Kleriker anklagen, die sich zusammen mit diesen Staaten absprechen und deren Verbrechen – vorallem die Abtreibung – decken?
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#3   Karl Murx   18:22:29 | Mittwoch, 28. Februar 2007
Auch Wojtyla genoß einst als polnischer Priester allergrößte Reisefreiheiten
Nach dem Fall Wielgus muß man sich fragen, warum?
Es geht hier gar nicht um die moralischen Aspekte, die ständig von allen Seiten beschworen werden. Entscheidend ist, daß genau wie im Falle der Stasi-Akten auch, Archive als politische Altlasten existieren, die sich hervorragend instrumentalisieren lassen.
Entscheidend ist hierbei, daß Ratzinger als Mann der Neo-Cons, der Neil Bush sehr nahesteht, politisch von allen Seiten erpressbar wird, wie der Fall Wielgus gezeigt hat. Es ist anzunehmen, daß Putin eine vollständige Kopie aller Unterlagen von klerikalen Kooperateuren vorliegt und sie nutzen weiß. Jemand, der sich für Hintergründe interessiert, sollte lieber von diesem Dossier www.virgo-maria.org/…glise_concilaire.pdf Gebrauch machen, als die Moralsau durchs Dorf zu treiben.
Gut, es ist auf französisch und manch einem Provinzler hier wird die Kost zu anspruchsvoll sein. Irgendeiner wird es schon lesen.
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#2   Carina   15:21:30 | Mittwoch, 28. Februar 2007
Vorschnell
Die FAZ schreibt in einem Beitrag zu Priester-/Bischofsspitzeln in der ehemaligen Tschechoslowakei richtig: „Die tschechische Bischofskonferenz warnte in einer Stellungnahme vor vorschnellen Verurteilungen. Es sei merkwürdig, dass die Gesellschaft einerseits ehemalige Kommunisten und Angehörige des Staatssicherheitsdinestes in hohen Positionen dulde, andererseits aber ein ‘aggressives Medien-Interesse’ an Leuten an den Tag lege, die – wie die katholischen Priester – hauptsächlich dem Druck und der Erpressung durch den StB zum Opfer gefallen seien.“ FAZ Mi., 28. Febr. 2007, Seite 5
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#1   Athanasius   13:15:07 | Mittwoch, 28. Februar 2007
Nach Angaben
wohnt Mons. Julius Paetz, der ehemalige Erzbischof von Posen, heute in Rom in einem Appartement, sein Eigentum, mit einer Wert von über 1.5 Millionen EUR. Ich wußte nicht, daß auch liberale linke Kleriker die der sexuellen Revolution nahestehen solche Summen aufbringen konnten. Ist man in Polen und im Raum Großpolen-Wartheland so reich?
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