10:05:02 | Mittwoch, 28. Februar 2007
Wer nach vierzig Jahren der sogenannten liturgischen Erneuerung immer noch an die gezielten Lügen der ‘Liturgischen Institute’ glaubt, ist selber schuld. Ein Kommentar.

Alte Messe im Bistum Trier
(kreuz.net, Schweiz) Das Schweizerische ‘Liturgische Institut’ in Freiburg hat jüngst seinen Senf zur
Freigabe der römischen Meßliturgie dazugegeben.
Der Titel des Beitrags: „Lateinische Messe in der Diskussion“.
Das ‘Liturgische Institut’ bezeichnet sich im Fettdruck als „Kompetenzzentrum“ für Fragen des Gottesdienstes
in der Katholischen Kirche.
Doch aus der Stellungnahme des ungezeichneten Artikels wird schnell klar,
daß der Artikel von Liturgiegeschichte nicht viel weiß.
Nur die im Text erwähnten Jahreszahlen und
Daten ab 1900 sind richtig. Was vorher kommt, ist eher Glückssache.
Der Wunsch nach einer Rückkehr
der Alten Messe könne seine Gründe nicht in der lateinischen Kirchenmusik haben – weiß das Institut:
Schließlich gäbe es für den gregorianischen Choral das neue Meßbuch auch in lateinischer Sprache.
Und außerdem lasse sich der Gregorianische Choral „ebensogut“ mit einer „volkssprachlichen Eucharistiefeier“
verbinden. Das habe sich in „Pfarreien und Klöstern bewährt“.
Eine Begründung der Rückkehr zur Alten
Messe mit dem Gregorianischen Choral beruhe auf „historische Unstimmigkeiten“.
Denn der Gregorianische
Choral sei Jahrhunderte vor dem Missale Pius V. und seinen mittelalterlichen Vorstufen entstanden und
deshalb geschichtlich betrachtet unabhängig vom tridentinischen Meßbuch.
Man lese und staune über
die Art und Weise, wie sich der kleine Liturgieexperte die Liturgiegeschichte vorstellt.
Was war zuerst –
die Messe oder der Choral?
Allein der Terminus „Tridentinisches Meßbuch“ verweist auf bescheidene liturgische
Kenntnisse.
Der Artikel hätte sich die Mühe machen können, die Bulle Quo primum – eventuell
hier –
nachzulesen.
Die Bulle stammt von Papst Pius V. († 1572). Er publizierte sie anläßlich seiner Ausgabe
des Römischen Meßbuches. Seither wurde die Bulle bis in die Gegenwart in jedem alten Meßbuch abgedruckt.
Die Bulle erklärt den Zusammenhang zwischen dem Konzil von Trient und der „tridentinischen Messe“:
Die damaligen Herausgeber verglichen die besten Ausgaben des Römischen Meßbuches und merzten kleine
Textfehler aus, die sich im Laufe der jahrhundertealten Überlieferung des Missale eingeschlichen hatten.
Die Textkritik arbeitet heute nicht anders. Deren Endergebnis kann nicht als neuer Text betrachtet werden.
Ganz im Gegenteil.
Sonst müßte man – in der Logik des genannten Liturgischen Institutes – auch behaupten,
daß das Neue Testament aus dem Jahr 1979 stamme, weil die erste Auflage des heute gebräuchlichen Urtextes
von Nestle-Aland in diesem Jahr publiziert wurde.
Sogar das in kirchlichen Belangen unzuverlässige Internet-Lexikon
‘Wikipedia’ liegt im Artikel zum ‘Römischen Ritus’ richtiger als das Liturgische Institut:
Es handelte
sich beim Römischen Missale lediglich um eine leicht korrigierte Neufassung des Missale curiale von 1472.
Dieses Meßbuch, das nur insofern als Missale Pius V. bezeichnet werden kann, als er es veröffentlichte,
existierte damit bereits mindestens ein Jahrhundert zuvor.In Wahrheit entstand das Missale curiale lange
vor dem Jahr 1472.
Mons. Klaus Gamber († 1989) hat den Nachweis erbracht, daß der Römische Ritus auf
den Heiligen Apostelfürsten Petrus zurückgeht.
Der Liturgiewissenschaftler zitiert in seinem Buch „Die
Reform der Römischen Liturgie“ einen Brief von Papst Innozenz I. († 417) an den Bischof von Gubbio:
„Wer weiß nämlich nicht, […] daß das, was vom Apostelfürsten Petrus der Römischen Kirche überliefert
worden ist und bis heute behütet wurde, von allen bewahrt werden muß?“
Doch das liturgische Institut
läßt sich nicht beirren und fährt auf Büttenrede-Niveau weiter:
„Die nachkonziliare katholische Messe
ist in vieler Hinsicht der Messe der Entstehungszeit des Chorals ähnlicher als die Messe des tridentinischen
Ritus. Unter anderem ist das daran zu erkennen, daß Sanctus und Benedictus heute wieder wie in den gregorianischen
Vertonungen eine Einheit bilden. Auch das spricht für die Verwendung des geltenden Missale.“Man möchte
zurückfragen, wo es in der Schweiz – und anderswo – eine Pfarrei gibt, in der während der Messe noch
ein reguläres Sanctus oder Benedictus gesungen wird?
Es ist eine Frage der Zeit, bis das Liturgische
Institut nachweisen wird, daß „Kumbaya my Lord“ und „We shall overcome“ auf die Zeit vor Papst Gregor
dem Großen († 604) zurückgehen.
Immer mehr wird deutlich, daß die fadenscheinigen Mythen, mit denen
in den 60er Jahren die liturgische Zerstörung gerechtfertigt wurde, in Wahrheit eines waren: gezielte
Lügen.
Selbst ein Nichtfachmann kann leicht erkennen, daß das Meßbuch von 1962 – nicht der Novus Ordo
Missae – im wesentlichen mit dem Missale von Papst Gregor dem Großen übereinstimmt.
Und der gregorianische
Choral ist im wesentlichen der Gesang von Papst Gregor dem Großen.
Dieser Papst hat in der Liturgie
einige Änderungen vorgenommen. Er war es, der das Vaterunser direkt an den Meßkanon anfügte.
Dagegen
war der Novus Ordo Missae keine „Erneuerung“ – wie das Liturgische Institut behauptet –, sondern nach
Inhalt und Form eine Revolution, die mit der lutherischen Reformation des 16. Jahrhunderts zu vergleichen
ist.
Mag sein, daß Papst Paul VI. im Vergleich zum 16. Jahrhundert eine „erheblich bessere Kenntnis
der Quellen des Römischen Ritus“ gehabt hat.
Doch die Frage ist, was sein Meßbuch aus den alten Quellen
gemacht hat.
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