Orden
Das Erbe der sieben ermordeten Trappisten
In der Nacht vom 26. auf den 27. März 1996 stürmten zwanzig Banditen das Trappistenkloster Notre Dame d’Atlas in Tibhirine in Algerien. Elf Jahre später soll das Kloster wiedereröffnet werden.
Trappisten sind ein strenger Reformzweig der Zisterzienser
Trappisten sind ein strenger Reformzweig der Zisterzienser
(kreuz.net) Die sieben französischen Mönche des Klosters wurden im März 1996 verschleppt.

Einen Monat später übernahm Dschamil Situni – der Anführer der ‘Bewaffneten Islamischen Gruppen’ – die Verantwortung für die Gewalttat und schlug Frankreich einen Gefangenenaustausch vor.

Nach einem weiteren Monat hieß es in einem zweiten Kommunique der Bande: „Wir haben die Kehlen der Mönche durchgeschnitten“.

Die bestialischen Morde an Prior Christan de Chergé und weitere sechs Trappisten fanden offenbar am 21. Mai 1996 statt. Die Leichen der Mönche wurden neun Tage später gefunden.

Kürzlich besuchte der Erzbischof von Lyon, Philippe Kardinal Barbarin, die Gräber der Mönche. Er erklärte vor Journalisten, daß die Trappisten in das Kloster zurückkehren und eine neue Gemeinschaft aufbauen wollen.

Das Testament des ermordeten Priors Christian de Chergé (59) wurde am 26. Mai 1996 geöffnet. Hier der Text:

Wenn ein Abschied absehbar ist

Wenn es mir eines Tages zustößt – und das könnte heute sein – daß ich Opfer des Terrorismus werde, der gegenwärtig offenbar bereit ist, alle Ausländer zu verschlingen, die in Algerien leben, möchte ich meine Gemeinschaft, meine Kirche und meine Familie daran erinnern, daß mein Leben Gott und diesem Land GEGEBEN wurde.

Sie sollen akzeptieren, daß ein brutaler Abschied dem einzigen Meister allen Lebens nicht fremd sein könnte.

Sie sollen für mich beten: Wie kann ich einer solchen Hingabe für würdig erachtet werden?

Mögen sie imstande sein, diesen Tod mit so vielen anderen und ähnlich gewaltsamen Todesfällen in Verbindung zu bringen, die aufgrund von Indifferenz und Anonymität vergessen werden.

Mein Leben ist nicht wertvoller als ein anderes. Es ist auch nicht weniger wert. Auf jeden Fall besitzt es nicht mehr die Unschuld der Kindheit.

Ich habe lang genug gelebt, um zu wissen, daß ich selber ein Komplize des Bösen bin, das in dieser Welt leider die Überhand zu besitzen scheint, und auch ein Komplize dessen, der mich blind treffen könnte.

Wenn der Moment kommt, würde ich mir wünschen, jenen Augenblick geistlicher Klarheit zu besitzen, der mir erlaubt, von Gott und meinen Menschheitsgeschwistern Vergebung zu erbitten und zugleich jenem von ganzem Herzen zu vergeben, der mich niedermacht.

Ich kann mir einen solchen Tod nicht wünschen. Es ist mir wichtig, das zu bekennen.

Denn ich kann nicht sehen, wie ich mich freuen könnte, daß das Volk, das ich liebe, unterschiedslos angeklagt würde, mich ermordet zu haben.

Das ist ein zu hoher Preis, für das, was man vielleicht die „Gnade des Märtyrertums“ nennen wird – diese einem Algerier zu verdanken, vor allem wenn er sagt, daß er in Treue zu dem handelt, was er für die islamische Religion hält.

Ich weiß um die Verachtung, mit der man alle Algerier unterschiedslos gestraft hat.

Ich weiß auch um die Karikaturen des Islams, die einen gewissen Islamismus fördert.

Es ist zu leicht, sich ein gutes Gewissen zu verschaffen, indem man den religiösen Weg des Islam mit den Integrismen dieser Extremisten identifiziert.

Algerien und der Islam sind für mich etwas Anderes. Sie sind ein Leib und eine Seele.

Ich habe diese Tatsache angesichts dessen, was ich davon empfangen habe, oft genug bekannt, wobei ich darin so oft den Leitfaden des Evangeliums entdeckte, den ich auf den Knien meiner Mutter lernte.

Das war meine allererste Kirche, hier in Algerien – bereits gefüllt mit Respekt für die gläubigen Moslems.

Natürlich wird mein Tod scheinbar jene bestätigen, die mich schnell für naiv oder idealistisch halten: „Soll er uns doch jetzt sagen, was er davon denkt!“

Aber diese Menschen sollen wissen, daß dann meine größte Neugier endlich zum Zuge kommt.

Ich werde – so Gott will – in der Lage sein, meinen Blick in den des Vaters einzutauchen, um mit ihm seine Kinder des Islam zu betrachten, so wie er sie sieht, alle erleuchtet von der Herrlichkeit Christi, Früchte seiner Passion, bekleidet mit der Gabe des Geistes, dessen geheime Freude es immer sein wird, Gemeinschaft zu erzeugen und die Ähnlichkeit wiederherzustellen, indem er mit den Verschiedenheiten spielt.

Für dieses verlorene Leben – ganz das meine und ganz das ihre – danke ich Gott, der es ganz für jene FREUDE gewünscht zu haben scheint – im Hinblick auf alles und trotz allem.

In diesem DANKESCHÖN, in dem alles über mein Leben gesagt ist, schließe ich euch, Freunde von gestern und heute, ein und euch, o Freunde, von hier, an der Seite meiner Mutter, meines Vaters, meiner Schwestern und meiner und ihrer Brüder – das Hundertfache, das nach der Verheißung verliehen wurde.

Auch du, Freund der letzten Minute, der du nicht gewußt haben wirst, was du tatst. Ja, auch für dich wünsche ich mir dieses DANKESCHÖN und dieses ADIEU, das von dir angestrebt wird.

Möge es uns gewährt sein, uns als glückliche Schächer im Paradies wiederzufinden, so es Gott gefällt, unserem Vater von beiden. AMEN!

Amen! Inschallah!

Algiers, 1. Dezember 1993

Tibhirine, 1. Januar 1994

+ Christian
      
4 Lesermeinungen
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#4   Josef_G   22:20:04 | Sonntag, 4. März 2007
Irgendwie merkwürdig
Er hat oft genug die Tatsache bekannt, angesichts dessen, was er davon empfangen hat, daß Algerien und der Islam eins sind. Darin hat er so oft den Leitfaden des Evangeliums entdeckt(??), den er auf den Knien seiner Mutter lernte.
Das war seine erste Kirche hier in Algerien, bereits gefüllt mit Respekt für die gläubigen Moslems.
Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, daß hier etwas nicht stimmt. Er scheint sehr genau gewußt zu haben, was auf ihn zukommt.
War er wirklich so, daß er die Existenz der nichtchristlichen Religionen auf die Spiellust des Heiligen Geistes zurückführte? Seine geheime Freude ist, immer mit den Verschiedenheiten zu spielen.
War also die Seeschlacht von Lepanto, die Verteidigung von Wien nicht gottgefällig? Oder war das alles nur ein göttliches Spektakel? Irgendwie steht aber dieser spiellustige Heiliger Geist im Gegensatz zu Jesus des Evangeliums (Niemand kommt zum Vater außer durch mich, Joh. 14.6). Schon ein komischer Geist.
Jedenfalls hat der Tod von Pater Christian, bzw. sein Testament nicht jene scheinbar bestätigt, die ihn für naiv gehalten haben, sondern die „Eine Welt-Ideologen“ vom Schlag der Fokolare. Daß hier Fälscher am Werk waren, daran wage ich gar nicht zu denken.
Möge Pater Christian angesichts des Todes seine Irrtümer eingesehen und Gnade bei Gott gefunden haben.
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#3   Bruder Theophil   20:13:36 | Donnerstag, 1. März 2007
Ein grosser Mensch…
…mit grossem Geist und grossem Herz. Möge seine Seele, und die seiner Mitbrüder in Frieden ruhen.
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#2   Evelin   20:12:35 | Donnerstag, 1. März 2007
Kein christliches, sondern ein interreligiöses Vermächtnis
P. XY ist offenbar als Häretiker gestorben:
Algerien und der Islam sind für mich etwas Anderes. Sie sind ein Leib und eine Seele.
Häresie: Setzt voraus, dass Algerien und Christentum nicht besser zusammenpassen würden.
Das war meine allererste Kirche, hier in Algerien – bereits gefüllt mit Respekt für die gläubigen Moslems.
Auch das ist ein Nonsens. Denn auch die Gurgeldurchschneider, die ihm den Garaus gemacht haben, waren mit großer Wahrscheinlichkeit gläubige Moslems und konnten sich beim Gurgedurchschneiden auf den Koran und Mohammed berufen.
Ich werde – so Gott will – in der Lage sein, meinen Blick in den des Vaters einzutauchen, um mit ihm seine Kinder des Islam zu betrachten, so wie er sie sieht, alle erleuchtet von der Herrlichkeit Christi, Früchte seiner Passion, bekleidet mit der Gabe des Geistes,dessen geheime Freude es immer sein wird, Gemeinschaft zu erzeugen und die Ähnlichkeit wiederherzustellen, indem er mit den Verschiedenheiten spielt.
Hier die Irrlehre der verschiedenen Heilswege und auch noch die Allerlösungs-Irrlehre. Hoffentlich sieht er die „Kinder des Islam“ jetzt nicht, sonst ist er am falschen Ort gelandet: In der Hölle. Den Islam als Frucht der Passion, bekleidet mit den Gaben des Hl. Geistes, zu sehen, ist blanke Häresie.
Insgesamt durchaus unpassend, auf kreuz.net gebracht zu werden. Vielleicht aber als Zeugnis der Verblendung?
Der Gatte der Evelin
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#1   landorganist   15:45:47 | Donnerstag, 1. März 2007
Ein wirklich
christliches Vermächtnis! Der Verstorbene und seine Mitbrüder mögen in Frieden ruhen.
Der Neugründung Gottes reichen Segen!
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