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Dienstag, 11. Januar 2005 07:51
„Die Kirche sagt klar, daß…“
Papst Johannes Paul II. sprach in seiner gestrigen Rede vor den beim Heiligen Stuhl akkreditierten Diplomaten über die Armut, den Frieden, den Terror und die Religionsfreiheit. „Die erste Herausforderung an die Menschheit ist die Bedrohung des Lebens.“
(kreuz.net, Vatikan) In seiner traditionellen Ansprache vor den beim Heiligen Stuhl akkreditierten Diplomaten aus 174 Ländern fand der Heilige Vater, Papst Johannes Paul II., tröstende und mahnende Worte. ‘Radio Vatikan’ dokumentierte die wesentlichsten Aussagen:

Die furchtbare Naturkatastrophe in Südostasien hat das Jahresende auf eine schmerzliche Weise geprägt. Auch andere Tragödien des Jahres hinterließen ein trauriges Bild, etwa die barbarischen Akte des Terrors im Irak und anderen Staaten, das Attentat gegen Züge in Madrid, das Massaker der Kinder von Beslan, die unmenschliche Gewalt in Darfur und die Grausamkeiten in der afrikanischen Region der Großen Seen.

Aber Gott lädt uns ein, niemals den Mut zu verlieren. Statt dessen sollen wir die gemeinsamen Bande der Menschlichkeit stärken. Wo ein Mensch ist, da ist für uns ein Bruder.

Die erste Herausforderung an die Menschheit ist heute die Bedrohung des Lebens. Hier geht es vor allem um den Beginn des menschlichen Lebens – also um den Moment, wo der Mensch am schwächsten ist. Gegensätzliche Vorstellungen prallen in Sachen Abtreibung, künstliche Befruchtung, Stammzellforschung, Klonen aufeinander. Die Kirche sagt klar, daß der Embryo in seiner Integrität und Würde nicht verletzt werden darf.

Das Heiligtum des Lebens ist die Familie. Die Familie wird heute oft durch soziale und kulturelle Faktoren bedroht. In einigen Staaten gibt es auch Gesetze, die – manchmal sogar direkt – die natürliche Struktur der Familie beschädigen. Eine Familie ist der Bund zwischen Mann und Frau in der Ehe.

Eine zweite Herausforderung ist die Armut. Die Erde hat genug Ressourcen, um alle Bewohner zu ernähren. Trotzdem sterben jedes Jahr Millionen von Kindern an Hunger oder an den Folgen des Hungers. Der Einsatz der UNO und der NGOs reicht nicht. Wir brauchen eine starke moralische Mobilisierung der öffentlichen Meinung und der Politiker.

Eine weitere Herausforderung betrifft den Frieden. Wie viele Kriege und bewaffnete Konflikte toben noch. Von einem Ende des Globus zum anderen fordern sie unzählige unschuldige Opfer. Der Terrorismus hat mittlerweile eine bisher nicht dagewesene globale Dimension erreicht.

In Afrika sehe ich einen wachsenden gemeinsamen Willen, Konflikte zu lösen und zu vermeiden, etwa in der Afrikanischen Union. Auch im Nahen Oste scheint sich die grausame Konfrontation zu beruhigen. In Europa versucht die EU mit dem Verfassungsvertrag, noch stärker zu werden und weitere Staaten aufzunehmen.

Eine weitere Herausforderung ist die Freiheit. Sie ist vor allem ein Recht des Einzelnen. Wie die Menschenrechtserklärung sagt, werden ‘alle Menschen frei geboren’. Die gleiche Erklärung garantiert auch ausdrücklich das Recht auf Religionsfreiheit. Dieses Recht wird aber weiter in vielen Staaten nicht genug anerkannt.

Es besteht kein Anlaß zur Furcht, daß das Recht auf Religionsfreiheit andere Freiheiten einschränken oder die Beziehungen innerhalb eines Staates beschädigen könnte. Es ist umgekehrt. Dank der Religionsfreiheit entwickelt und verbreitet sich vielmehr auch jede andere Freiheit.
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