10:53:43 | Mittwoch, 14. März 2007
Vor siebzig Jahren veröffentlichte Papst Pius XI. ein heldenhaftes, glasklares Dokument von eindeutigem Inhalt. Heute wird es ignoriert oder kleingeredet.
(kreuz.net) Vor siebzig Jahren schrieb Papst Pius XI. († 1939) seine große Enzyklika „Mit brennender
Sorge“. Er richtete sich darin gegen das nationalsozialistische Regime.
Das Rundschreiben trägt das
Datum vom 14. März 1937.
Es befaßt sich mit der Situation der Kirche im nationalsozialistischen Kirchenkampf.
Die Enzyklika stellte eine Besonderheit dar, weil sie nicht wie üblich in lateinischer, sondern in deutscher
Sprache verfaßt ist.
Vier Jahre vorher versuchte der Vatikan noch vergeblich, die kirchlichen Freiräume
mittels eines Reichskonkordates mit den Nationalsozialisten zu retten.
Bis zu diesem Zeitpunkt hatten
die Bischöfe auf eine schroffe Ablehnung der Nationalsozialisten gesetzt.
Katholische Mitglieder der
‘Nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei’ wurden von den Sakramenten ausgeschlossen und wurden
nicht kirchlich beerdigt.
Doch am 30. Januar 1933 wurden die Nationalsozialisten nach ihrem Wahlsieg
zur Regierungspartei. Die Kirche versuchte im Reichskonkordat, mit dem neuen Regime einen Modus vivendi
zu finden.
Doch die in Artikel 31 des Konkordats garantierte Betätigungsfreiheit der katholischen Organisationen
wurde von Hitler ignoriert.
Der nationalsozialistische Kirchenkampf ging weiter.
Die päpstliche Diplomatie
protestierte zunächst unter Nuntius Eugenio Pacelli, dem späteren Papst Pius XII., zahllose Male und
ergebnislos bei den deutschen Stellen.
Als sich der Konflikt zwischen Regime und Kirche verschärfte,
entschloß sich Papst Pius XI. auf Drängen der deutschen Bischöfe zu einem Hirtenbrief.
Im Januar 1937
wurde der Münchner Kardinal Michael von Faulhaber († 1952) mit der Ausarbeitung eines Entwurfs beauftragt.
Sein Text wurde vom ehemaligen Nuntius in Deutschland, der inzwischen im Vatikan zum Kardinalstaatssekretär
aufgestiegen war, erweiterte und in seiner Kritik am Nationalsozialismus verschärft.
Am 12. März wurde
die Enzyklika heimlich nach Deutschland gebracht und dem Apostolischen Nuntius in Berlin, Mons. Cesare
Orsenigo, übergeben.
Der Text mußte im Untergrund vervielfältigt und an die Pfarreien weitergegeben
werde.
Zum Teil wurden Vervielfältigungen mit Schreibmaschine oder handschriftlich angefertigt.
Die
Enzyklika besteht aus zehn Hauptteilen.
In ihr wirft der Papst der deutschen Reichsregierung unter anderem
eine „grundsätzliche Feindschaft gegen Christus und seine Kirche“ vor.
Die Politik der Reichsregierung
wird als Machenschaft bezeichnet, „die von Anfang an kein anderes Ziel kannten als den Vernichtungskampf“.
Jene, die meinten, ein Treuebekenntnis zum Staat und ein inneres Festhalten an der Kirche mit einem Kirchenaustritt
verbinden zu können, bezeichnet der Papst als Verräter an ihren Taufgelübden.
Im Abschnitt über die
Sittenlehre stellt der Papst klar, daß die sittliche Ordnung durch die Gebote Gottes festgelegt und kein
Produkt der Zeit oder Menschenmeinungen ist.
Im siebten Teil werden Grundrechte wie Religionsfreiheit,
Erziehungsfreiheit und Schulwahlrecht der Eltern gefordert.
An die Priester und Ordensleute gerichtet
äußert der Papst den Wunsch nach Standhaftigkeit beim „Dienst an der Wahrheit“ und Anerkennung derer,
die für ihren Glauben bis in den Tod gehen.
Im Schlußteil erklärt Pius XI., daß jedes Wort auf der
„Waage der Wahrheit“ abgewogen sei.
Weder möchte die Kirche schweigend mitschuldig werden noch durch
unnötige Strenge den Konflikt verschärfen.
Am 21. März 1937 wurde die Enzyklika in allen katholischen
Gemeinden verlesen.
Die Publikation des päpstlichen Rundschreibens kam der Kirche teuer zu stehen.
Die Nationalsozialisten wurden von der Verlesung der Enzyklika zwar überrascht. Doch sie reagierten schnell.
In der Karwoche kam es zu ersten Hausdurchsuchungen und Verhaftungen.
Druckereien, die an der Verbreitung
der Enzyklika beteiligt gewesen waren, wurden enteignet.
Bereits im Mai 1937 verhafteten die Nationalsozialisten
weit über Tausend Priester und Ordensleute.
300 von ihnen wurden später ins Konzentrationslager Dachau
verbracht.
Schließlich wurden die katholischen Verbände verboten und der Religionsunterricht an den
Schulen untersagt.
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