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Mittwoch, 14. März 2007 17:00
Der Kardinal ist angeblich verärgert
In einer großen Kölner Kirche wird eine schwülstige indische Seifenoper gedreht. Dazu wurde das ganze Gotteshaus ausgeräumt.
Der indischen Sängers Himesh Reshammiya (37)
Der indischen Sängers Himesh Reshammiya (37)
(kreuz.net, Köln ) Ab heute abend ist in der Kirche St. Agnes in Köln die Hölle los.

St. Agnes ist die zweitgrößte Kirche der Stadt.

Im Gotteshaus wird ein indischer Spielfilm produziert. Darin geht es um Liebe und Musik des indischen Sängers Himesh Reshammiya (37).

Der indische Kitsch-Held spielt in dem Streifen die Hauptrolle.

Reshammiya ist in seinem Heimatland auch als Komponist bekannt. Sein Markenzeichen ist eine schrille nasale Stimme.

Im November 2006 erklärte er, 36 Superhits in einem Jahr produziert zu haben.

Für seine Kölner Filmaufnahmen wird eine große Disco-Lichtershow inszeniert. Dazu gibt es indischen Pop-Sound, Tänzer und ein Heer von Statisten.

Indische Filme sind für extremen Schwulst, hemmungslose Seichtheit, dick aufgetragenen Kitsch und ihre banal-einfältige Handlung bekannt.

Der Streifen erzählt von der Liebe des Popstars zu einer schönen Journalistin. In diese Minne mischt sich ein deutscher Widersacher, der sich als Bösewicht entpuppt.

Es wird – wie in indischen Filmen üblich – gesungen, getanzt, und am Ende siegt, wie ebenfalls im indischen Filmalltag zu erwarten, die Liebe.

Aufbesserung der Pfarreikasse
Die Zusage für das Gotteshaus erhielt das indische Filmteam vom zuständigen Pfarrer, Hw. Frank Müller. Er will damit seine Pfarreikasse aufbessern.

Kölner Kirche St. Agnes
Kölner Kirche St. Agnes
Bei der Vermietung seiner Kirche hat sich der Geistliche nichts Böses gedacht. Altar und Tabernakel müssen allerdings versteckt werden.

Das Kölner Erzbistum reagierte verärgert: „Wir waren in den Entscheidungsprozeß nicht eingebunden, sonst hätten wir das untersagt“ – erklärte der Bistumssprecher.

Die Erzdiözese erfuhr von den Filmaufnahmen aus der Presse.

Doch das Unternehmen kann nicht mehr aufgehalten werden. Das wäre ein finanzielles Fiasko.

Bühne statt Tabernakel
Für die Dreharbeiten wurde der gesamte Kirchenraum innerhalb von zwei Tagen ausgeräumt.

Dafür wurde in der Kirche eine riesige Bühne aufgebaut, auf der Himesh Reshammiya vor laufenden Kameras rocken wird.

Für den Film, der für Fernsehen und Kino produziert wird, sind 56 Drehtage vorgesehen. Der Streifen spielt fast ausschließlich in Deutschland.

Dutzende Tänzer und bis zu 800 Statisten werden im Einsatz sein und die begeisterten und – völlig anspruchslosen Fans – mimen.

© Bild: www.himesh-reshammiya.com
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 38 Lesermeinungen:
Samstag, 17. März 2007 09:17
Zunächst mal ist Indien nicht die zweitgrößte sondern die größte Fimnation der Welt (mit 3,5 Milliarden Fans gegenüber den 2,5 Millarden für Hollywood).
Und was die „Keuschheit“ angeht, so ist meines Wissens Bollywood im Vergleich mit Hollywood sehr viel harmloser. (Zugegeben, ich bin kein Kenner, ich hasse Bollywood sogar) Aber warum sich aufregen, wenn die Inder in einer Kirche drehen, wenn „Harry Potter“ und „Jeanne d’Arc“ von Luc Besson in Kirchen gedreht haben? Und was war mit „The DaVinci Code“? Oder „Resident Evil Apocalypse“? Oder „Underworld“ und „Underworld: Evolution“? Oder „Once upon a time in Mexico“, ein Film von Robert Rodriguez (übrigens sehr empfehlenswert, top besetzt mit Antonio Banderas, Johnny Depp, Salma Hayek, Eva Mendez und Mickey Rourke) in dem sogar in einer Kirche rumgeballert wird? Was ist mit „Zorro, was ist mit „From Hell“ (sehr guter Film über Jack the Ripper, mit Johnny Depp, Sir Ian Holm und Heather Graham), was ist mit „Sleepy Hollow“ (ebenfalls sehr sehr empfehlenswert, Johnny Depp und Christina Ricci). All diese Filme sind wohl etwas weniger im Sinne der Kirche und dennoch hat sich niemand aufgeregt.
Freitag, 16. März 2007 22:41
Gotthard: @Lady…
dass es eigentlich nie richtig unkeusch wird

„nie richtig unkeusch“? … diese Filme haben das viktorianische verklemmte Zeitalter bewahrt… wie überhaupt die indische Gesellschaft.
Ich denke mal, es wird in keinem dieser Filme der zweitgrößten Filmnation der Welt ein Kuss gezeigt werden … ob ein Kuss unkeusch wäre, weiß ich nicht…er scheint allerdings nicht der Ehe vorbehalten zu sein.
Freitag, 16. März 2007 19:06
Adama †: @ Regina Wilden
Sehr geehrte Frau Wilden,

soll dass heißen, Sie nennen mich einen dummen Esel?

Adama us Kölle
Freitag, 16. März 2007 15:53
Regina Wilden: Was der dumme Esel spricht …
Was der dumme Esel spricht, hören meine Ohren nicht.
Freitag, 16. März 2007 11:36
Adama †: @ Regina Wilden
Hallo Frau Wilden!

Keine Reaktion? Heißt dass, Sie geben zu eine Schande für diese Stadt zu sein? Eine Antisemitin und Ausländerhasserin?

Ich bin erstaunt! Einsicht bei Ihnen?

Grüße aus Köln

Adama
Freitag, 16. März 2007 08:40
Regina Wilden: Kirchen-Bollywood ist weiter umstritten
Inzwischen wirft sich nach Angaben des Kölner Stadt-Anzeigers Pfarrer Müller selbst Naivität vor. Mitglieder der Kirchengemeinde haben Kritik geübt, und „gestern musste sich Müller zu einem erneuten Termin beim Generalvikariat einfinden“. Pfarrer Frank Müller gibt an, daß er eine solche Entscheidung „nie mehr unter Zeitdruck“ fällen werde.
– – –
Am besten wäre es, wenn Pfarrer Müller gar nicht mehr über solche Angebote nachdenken würde, falls er noch eines erhält.

Es hätte mich auch gewundert, wenn das Erzbistum Köln dazu geschwiegen hätte und man nimmt mit einer gewissen Befriedigung zur Kenntnis, daß nicht überall alles kommentarlos hingenommen wird.

http://www.ksta.de/…/1173175251831.shtml
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