19:23:56 | Mittwoch, 14. März 2007
Wie über die Medien seit Tagen verlautet, hat der Vatikan heute einen spanischen Befreiungstheologen als Häretiker entlarvt. Eine konkrete Bedeutung hat das Urteil offenbar nicht.
(kreuz.net, Vatikan) Das Papsttum entwickelt sich innerhalb der Kirche immer mehr zu einer repräsentativen
Monarchie. Das zeigt die neue Art der Amtsführung.
So veröffentlichte die Glaubenskongregation heute
Mittag eine erklärende Note – Notifikation – zu den theologischen Theorien des baskischen Befreiungstheologen
und Jesuitenpaters
Jon Sobrino (68).
Die Notifikation zählt zwar zahlreiche faustdicke Häresien des
Jesuiten auf, zieht daraus aber keine Konsequenzen.
Das Verfahren gegen Pater Sobrino läuft seit Oktober
2001.
Trotz der seit damals verstrichenen fünf Jahre handelte es sich beim Prozeß der Glaubenskongregation
nicht um ein „ordentliches“, sondern um eine „dringendes“ Lehrprüfungsverfahren.
Der Fall wird in Rom
für „dringlich“ gehalten, weil die Schriften des Jesuiten an Priesterseminaren und Hochschulen weitverbreitet
sind.
Der Ordensgeneral der Jesuiten, Pater Peter Hans Kolvenbach, erhielt im Juli 2004 eine Liste mit
Irrtümern und gefährlichen Meinungen in den Büchern von Pater Sobrino.
Dazu hätte Pater Sobrino innerhalb
von zwei Monaten Stellung nehmen müssen. Tatsächlich brauchte er für seine Reaktion bis zum März 2005.
Die Glaubenskongregation studierte die Antwort gründlich.
Ende November 2005 kam die Kongregation zum
Schluß, daß der Jesuit seine irrigen Thesen in der Antwort zwar leicht modifiziert, doch im wesentlichen
wiederholt hat.
Deshalb wurde heute Mittwoch eine Notifikation veröffentlicht.
Ziel der Notifikation
ist, den Gläubigen zu helfen, die irrigen Aussagen in den Büchern von Pater Sobrino zu beurteilen und
ihnen „die Fruchtbarkeit der theologischen Reflektion“ zu zeigen.
Ein Lehr- und Publikationsverbot für
den verurteilten Jesuiten wurde nicht ausgesprochen.
Sechs irrige ThesenDie Notifikation stellt die
Irrtümer des Jesuiten in sechs Abschnitten dar:
1. Methodische Voraussetzungen: Die Glaubenskongregation
bemängelt, daß Pater Sobrino eine sogenannte „Kirche der Armen“ als ekklesiologisches Fundament lehrt.
Er ignoriere oder bagatellisiere die apostolische Tradition und die Konzilien der ersten Jahrhunderte.
2. Die Gottheit Christi: Der Jesuit glaubt, daß die Gottheit Christi erst in einer späteren Phase der
dogmatischen Entwicklung erfunden wurde. Im Neuen Testament kann er sie nicht finden. Dort sei die Gottheit
Christi lediglich wie ein Same angedeutet.
3. Die Inkarnation des Gottessohnes: Pater Sobrino vertritt
die christologische Häresie des Assumptionismus. Diese glaubt, daß der sogenannte historische Jesus
eine vom Logos unabhängige rein menschliche Figur sei, die von der Gottheit des Logos gleichsam aufgesogen
wurde. Für die Glaubenskongregation ist in den Schriften von Pater Sobrino zuwenig klar, daß der Gottessohn
mit Jesus identisch ist und umgekehrt.
4. Die Beziehung zwischen Christus und dem Reich Gottes: Der beschuldigte
Jesuit macht Christus abhängig vom Reich Gottes. Gleichzeitig unterscheidet er zu stark zwischen Jesus
und dem Reich Gottes. Er findet es sogar „gefährlich“, Christus mit dem Reich Gottes gleichzusetzen.
5. Das Selbstbewußtsein Christi: Pater Sobrino leugnet das Wissen Jesu um seine Gottessohnschaft. Damit
erklärt er Jesus Christus zu einem „Gläubigen wie wir“. Damit reduziert er auch die Offenbarungsgewalt
Christi auf jene eines Propheten oder Mystikers.
6. Die Erlösungseffizienz des Kreuzestodes: Die Texte
von Pater Sobrino geben den Eindruck, als ob Jesus seinem Sterben keine Heilswirkung zugeschrieben hätte.
Der Jesuit reduziert den Kreuzestod auf ein moralisches Vorbild einer Treue bis zuletzt.
Reaktion des
VerurteiltenPater Sobrino schrieb seinem Ordensgeneral Pater Kolvenbach bereits Mitte Dezember einen
Brief zum damals laufenden Verfahren.
Das berichtete die US-Wochenzeitung ‘National Catholic Reporter’
heute Mittwoch.
In dem Schreiben erklärt Pater Sobrino, daß er das Urteil aus zwei Gründen nicht akzeptieren
könne.
Erstens entstelle es seine Theologie. Zweitens würde er damit eine seit dreißig Jahren andauernde
angebliche Verleumdungskampagne gegen die Befreiungstheologie hinnehmen.
Der Jesuit rechtfertigt seine
Bücher mit der Zustimmung von Theologen. Sein verurteiltes Werk „Jesus, der Befreier“ trägt in der portugiesischen
Übersetzung das Imprimatur des emeritierten Erzbischofs von Sao Paulo, Paolo Evaristo Kardinal Arns (85).
Pater Sobrino nennt mehrere Theologen und Universitätsprofessoren, die sein ebenfalls verurteiltes Buch
„Christus, der Befreier“ als „frei von dogmatischen Irrtümern“ bezeichnet hätten.
Unter ihnen befindet
sich der Herausgeber und Chefredakteur der deutschen Monatszeitschrift ‘Stimmen der Zeit’, der Jesuitenpater
Martin Maier.
In seinem Brief an den Ordensgeneral der Jesuiten rückt sich Pater Sobrino in die Opferrolle.
Er beschwert sich über „Schikanen“ der kirchlichen Autoritäten und über ein „Klima der Feindschaft“.
Der Jesuit glaubt, „sehr gut“ zu wissen, daß sein Einfluß als Berater von Erzbischof Oscar Romero dessen
Seligsprechungsprozeß mitgestoppt habe.
In seinem Brief wiederholt er auch markante Punkte seiner theologischen
Theorien: „Extra pauperes nulla salus“ – „Außerhalb der Armen gibt es kein Heil.“
Er kündigte an, die
Notifikation nicht zu unterschreiben.
Sie werde ihm, seinen Freunden und seiner Familie kein Leiden zufügen
können.
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.