Wie gewonnen so zerronnen. An der Frage, ob das geweihte kirchliche Amt eine äußerliche Beauftragung durch die fromme Gemeinde oder eine innerliche Indienstnahme durch den Heiligen Geist ist, scheiden sich die ökumenischen Geister.
(kreuz.net, Vatikan) Nach einem gestrigen Bericht von ‘Radio Vatikan’ kritisierte der Präsident des vatikanischen
„Rates für die Einheit der Christen“, Walter Kardinal Kasper (71), ein Papier der „Vereinigten Evangelisch-Lutherischen
Kirche Deutschlands“ (VELKD). Der Titel des Dokuments lautet „Allgemeines Priestertum, Ordination und
Beauftragung nach evangelischem Verständnis“. Das Papier ist mit einer Empfehung der Kirchenoberen versehen
und soll als Grundlage für ein gemeinsames Verständnis der Ordination von lutherischen Pfarrern dienen.
Die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands ist ein Zusammenschluß von acht lutherischen
Landeskirchen, der am 8. Juli 1948 gegründet wurde und rund elf Millionen Gemeindeglieder umfaßt.
Das
Dokument geht nach den Worten des Ökumenekardinals von konkreten Fragen aus, die sich in ähnlicher Weise
auch in der katholischen Kirche Deutschlands stellten. „Es fragt, wie es angesichts großer gesellschaftlicher
und kirchlicher Veränderungen mit dem kirchlichen Amt konkret weitergehen soll.“ Statt jedoch aufgrund
der gemeinsamen Herausforderung gemeinsame Lösungen wenigstens anzustreben, gehe dieses Papier hinter
wichtige Annäherungen zurück, meinte Kardinal Kasper.
Diese Annäherungen seien in den letzten vierzig
Jahren im ökumenischen Gespräch zwischen Lutheranern und Katholiken auf Weltebene erreicht worden. Als
Beispiele nannte der Kardinal den Malta-Bericht von 1972, das Dokument über das geistliche Amt von 1981,
das Papier über die Kirchengemeinschaft in Wort und Sakrament von 1984, die Erklärung „Lehrverurteilungen
kirchentrennend?“ von 1986 sowie das Dokument über Kirche und Rechtfertigung von 1994. Auch wenn alle
diese Dokumente keinen Konsens gebracht hätten, seien sie dennoch wichtige Brücken, die nun wieder niedergerissen
würden.
Kardinal Kasper hob zwei Punkte besonders hervor.
Im jüngsten Papier sei, abweichend vom Zeugnis
der Hl. Schrift, mit keinem Wort vom einmaligen Apostelamt als Fundament der Kirche und von der bleibenden
apostolischen Struktur und apostolischen Autorität in der Kirche die Rede. So bestreite das Dokument
ausdrücklich, was in allen wichtigen ökumenischen Dokumenten als eine Art Grundkonsens formuliert worden
sei, daß nämlich das Amt einerseits in der Gemeinde und andererseits der Gemeinde auch gegenüber steht.
Das jüngsten Papier erkläre dagegen, daß das ordinierte Amt im Namen der Gemeinde, nicht aber im Namen
Jesu Christi handle.
Ebenfalls abweichend von der Hl. Schrift und von den ökumenischen Dokumenten spreche
das Papier ferner nicht davon, daß die Ordination ein Zuspruch des Heiligen Geistes unter Handauflegung
und Gebet ist. Diese wichtige gemeinsam erarbeitete ökumenische Aussage sei eine Absage an ein rein funktionales
Amtsverständnis und eine Annäherung an das sakramentale Verständnis der Ordination gewesen. Das Papier
scheine diese ökumenische Errungenschaft aufzugeben. Damit werde der Unterschied zwischen der Ordination
und der Beauftragung zum Kantor, Küster, Lektor oder Religionslehrer relativiert und in den praktischen
Konsequenzen ganz aufgegeben.
Kardinal Kasper stellt angesichts dieser jüngsten Aussagen von lutherischer
Seite die Frage, wie man die „eucharistische Gastfreundschaft“ fordern könne, „wenn man gleichzeitig
alte Gräben neu aufreißt“.
Die jüngste Erkärung richte sich gegen alle „neueren Einsichten“ bezüglich
der katholischen Meßopferlehre. Man versuche eine „ökumenisch unehrliche“ Praxis der Abendmahlsfeier
durch Nichtordinierte theologisch zu legitimieren.
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2 Lesermeinungen
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Ökumenische Unehrlichkeiten Mag sein, daß die Praxis der Abendmahlsfeier durch Nichtordinierte „ökumenisch
unehrlich“ ist. Aber auch die „ökumenisch ehrliche“ Abendmahlsfeier durch protestantisch Ordinierte ist
doch vor allem eines: ungültig. Ob der Kardinal das unseren getrennten Brüdern wieder einmal klipp und
klar sagen wird? Oder bedarf es dafür eines „Zuspruchs“ des Heiligen Geistes? Jedenfalls liegt die ökumenische
Unehrlichkeit nicht so sehr aufseiten von Protestanten, die das Abendmahl durch einen Nichtordinierten
feiern lassen, als vielmehr… Nun, das wußten wir ja ohnehin schon.