15:37:01 | Freitag, 16. März 2007
Wenn die Evolutionstheorie kritisiert wird, reagiert der Evolutions-Ideologe Ulrich Kutschera aus Kassel mit dem Ruf nach einem Diskussionsverbot. Von Christian L. Schutzer.

Ein wesentlicher Schritt der Evolutionstheorie: Wassertiere gehen an Land
(kreuz.net) Die Bionik ist eine neue wissenschaftliche Disziplin.
Der Name ist aus den Worten „Biologie“
und „Technik“ zusammengesetzt.
Die Bionik erforscht Konstruktionen und Verfahrensweisen biologischer
Systeme. Ihr Ziel ist, sich von diesen im Hinblick auf neue technische Umsetzungen inspirieren zu lassen.
Leonardo da Vinci († 1519), der den Vogelflug analysierte, um eine Flugmaschine herzustellen, gilt als
Vater der Bionik.
In Deutschland wurde das erste Bionik-Patent 1920 für einen „Neuen Streuer“ nach dem
Vorbild der Kapsel der Mohnblume erteilt.
Mit einer Vielzahl von Untergliederungen gilt die Bionik als
Forschungsfeld der Zukunft.
Wenn man bedenkt, daß die Gesamtkomplexität einer Hausfliege größer ist
als die der gesamten deutschen Volkswirtschaft und außerdem äußerst störungsarm abläuft, zeigt sich
hier das Lernpotential der Zukunft.
Ein Forschungsobjekt der Bionik sind zum Beispiel Insektenflügel.
Bienen erzeugen an heißen Sommertagen bis zu 7.200 Flügelschlägen pro Minute für die Abkühlung des
Binnenklimas im Bienenstock, um die notwendige Bruttemperatur von 35 Grad zu erreichen.
Diesen extremen
Belastungen müssen die Aufhängung, der Antrieb und das Material der Flügel gewachsen sein.
Auch in
ihrer Konstruktion sind die Insektenflügel unglaubliche aerodynamische Meisterwerke.
Die glasklaren
Flügel bestehen aus dem Zauberstoff Chitin. Das ist eine Eiweiß-Zucker-Verbindung. Das Material ist
superleicht, kratzfest, wasser- und schmutzabstoßend, korrosionsfrei und sehr elastisch.
Chitin ist
der Traumstoff jedes Flugzeugkonstrukteurs.
Mit den Chitin-Materialeigenschaften würde ein Quadratmeter
Flugzeug-Tragfläche nur noch drei Gramm wiegen.
Weitere technische Eigenschaften tragen zur Festigkeit
der Bienenflügel bei. Eine Wellen-Struktur erhöht die Stabilität. Ein dichtes Netz stützender Adern
versteift die Flügel.
Bei den Libellen teilt das Adernetz die Flügel in viele Hundert ungleiche Felder
auf.
An einer Stelle an der Vorderseite der Flügel ist ein Feld dunkel und verdickt. Das ist das sogenannte
Pterostigma – eine Art Ballasteinlage zur Vermeidung von Vibrationen bei hohem Flügelschlag.
Mit dem
Problem des „Flatterns“ bei hohen Geschwindigkeiten und Luftwirbeln haben auch die frühen Flugzeugbauer
ihre Erfahrungen gemacht – bis sie ebenfalls an bestimmten Stellen Ballasteinlagen installierten.
Die
Natur löste das gleiche Problem schon einige Millionen Jahre vor ihnen.
Allerdings kann die Gewichtsverstärkung
jeweils nur an exakt einer einzigen Stelle der vier Flügel ihre Wirkung entfalten, sonst wird das Flattern
verstärkt.
Solche Phänomene bereiten der Evolutionsbiologie viel Kopfzerbrechen. Sie muß davon ausgehen,
daß sich alles durch Zufall entwickelt hat.
Demnach hätte eine synchrone Trefferquote in riesigen Zeiträumen
und Milliarden von Generationen durch Billionen Zufallsmutationen und anschließender Auslese das richtige
Pterostigma-Feld getroffen.
Doch für solche komplexe Konstruktionen sind der blinde Zufall oder die
Anpassung an die Luftbedingungen keine hinreichende Erklärung.
Wissenschaftlich belegt – gar empirisch
nachgewiesen – sind solche Zufallstheorien schon gar nicht.
Die Frage lautet: Wie kann die Entwicklung
so vollendeter Konstruktionsformen wie Insektenflügel erklärt werden?
An zwei Schulen in der Universitätsstadt
Gießen sind solche Fragen gestellt und Zweifel an der Erklärungsgüte der Evolutionsbiologie aufgekommen –
im Biologieunterricht.
Diese Schulen wurden im vergangenen September vom Fernsehsender ‘Arte’ ins Visier
genommen.
Einer der Interviewpartner von ‘Arte’ war der Kasseler Evolutionsbiologe Ulrich Kutschera.
Es entstand der Film „Von Göttern und Designern. Ein Glaubenskrieg erreicht Europa“.
Der Film brachte
die bekannte mediale Empörungsmaschine in Gang: Kreationismus im hessischen Biologie-Unterricht – Kreationisten
in ganz Deutschland auf dem Vormarsch.
Die hessische Kultusministerin Karin Wolf – ehemals Lehrerin für
Deutsch und evangelische Religionslehre – erklärte nach einer schulamtlichen Untersuchung des Falles,
daß die Evolutionstheorie grundsätzlich im Fach Biologie und die Schöpfungstheorie im Religionsunterricht
behandelt werden sollten.
Darüber hinaus halte sie es für sinnvoll, fächerübergreifende und fächerverbindende
Fragen aufzuwerfen sowie „gelegentlich zu schauen, ob es Gegensätze oder Konvergenzen gibt“.
Es gehöre
zur christlich-humanistischen Kultur, die Grenzen naturwissenschaftlicher Erklärungsmuster für das Weltverständnis
aufzuzeigen, insbesondere in der Phase der Orientierungssuche bei Jugendlichen.
Auf diese gemäßigte
Stellungnahme der Ministerin reagierte Kutschera mit einem Aufschrei. In einem Empörungsbrief warf er
die ganze Wucht des materialistischen Biologismus in die Wagschale, wobei er das Ganze mit elf hochkarätigen
Biologiedoktoren und Biologieprofessoren dekorierte.
Mit religiösem Eifer protestierte Kutschera gegen
eine angeblich „diskriminierende Sonderbehandlung der Evolutionsbiologie als ‘infragstellungswürdig’“
(sic!).
Er forderte eine strikte Einhaltung und Überwachung eines „rein wissenschaftlichen“ Biologieunterrichtes.
Jegliche Infragestellung evolutionsbiologischer Theorien würde in den Religions- und Philosophieunterricht
gehören.
Patrick Bahners von der ‘Frankfurter Allgemeinen Zeitung’ nannte Kutscheras rüden Rundumschlag
„das verschleierte Weltbild zu Kassel“:
„Als ob Gymnasiasten noch nicht enthüllt werden dürfte, daß
auch die Wissenschaft ein Weltbild ist, um dessen moralische und metaphysische Implikationen die Menschheit
streitet.“
Offenbar will Kutschera auch verhindern, daß über die moralischen und politischen Implikationen
des Darwinismus debattiert wird.
Der Professor spielt ein falsches Spiel, wenn er für die Schule eine
angeblich rein wissenschaftliche und wertfreie Biologie propagiert.
Diese will er als Beirat der antichristlichen
und hochideologischen Giordano-Bruno-Stiftung zur Basis einer „evolutionär-humanistischen Ethik/Politik“
machen.
Dabei bleibt die Frage offen, wie aus einer wertfreien Biologie evolutionär-humanistische Werte
abgeleitet werden können.
Bildquelle: Die Webseite ‘worth1000.com’ veranstaltet Wettbewerbe für Photoshop-Talente
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