Apostolische Exhortation
Den Nerv getroffen?
Das Apostolische Schreiben ‘Sacramentum Caritatis’ kommt auch den Protestanten entgegen. Dagegen geht die Empfehlung lateinischer Messen an der pfarrlichen Wirklichkeit vorbei. Pressesplitter.
Kardinal Ratzinger liest ein Pontifikalamt zum 750jährigen Jubiläum der Kanonisation des Stanislau von Szczepanów, Mai 2003
Kardinal Ratzinger liest ein Pontifikalamt zum 750jährigen Jubiläum der Kanonisation des Stanislau von Szczepanów, Mai 2003
© Bild:Janusz Stachoń
Der neue Tag (Oberpfalz)

„Oberflächlich wie die Welt nun einmal ist, werden von seinem Lehrschreiben Sacramentum Caritatis aber vor allem zwei Eindrücke bleiben: Der Wunsch nach Wiederbelebung des Lateinischen im Gottesdienst und die Strenge, mit der der Papst allen wesentlichen Reformbestrebungen eine Absage erteilt.“

Kardinal Angelo Scola im Interview mit ‘Zenit’

„Ich bin davon überzeugt, daß das Apostolische Schreiben einen unglaublichen ökumenischen Wert besitzt, weil die innere Verbindung zwischen dem eucharistischen Geheimnis, der liturgischen Handlung und dem neuen geistlichen Dienst so gut verstanden wird (vgl. beispielsweise Abschnitt 5). In diesem Punkt stimmt es weitgehend mit dem orthodoxen Verständnis überein, geht aber gleichzeitig auch unseren protestantischen Brüdern und Schwestern entgegen.“

Saarbrücker Zeitung

„Gegen eine Rückbesinnung auf die lateinische Sprache in der Messe ist nichts einzuwenden. Ausdrücklich betont der Papst, daß seine Empfehlung die wichtigen Gebete wie das ‘Vater unser’ betrifft. Dessen Inhalt und Bedeutung dürften – müßten – allerdings jedem Gläubigen ohnehin klar sein. Es geht also nicht gleich auf Kosten der Verständlichkeit, wenn auf Latein gebetet wird. Viel wichtiger ist, daß Benedikts Empfehlung im Einklang mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil steht und er sich damit zu der damals beschlossenen Liturgie-Reform bekennt. Sollte Benedikt XVI. aber über die Aufwertung des Lateinischen indirekt eine Rückkehr zum alten Ritus vorbereiten wollen, würde er die katholische Kirche unweigerlich vor eine Zerreißprobe stellen.“

Deutsche Presseagentur

„Das Zweite Vatikanische Konzil – das war seinerzeit ein Meilenstein für die katholische Kirche. Jahrelang hatten die Bischöfe und Kardinäle in den Sechzigerjahren gerungen. Es ging um nichts weniger als die ‘Öffnung der Kirche’, eine Tür zur modernen Zeit sollte aufgestoßen werden. Und das Symbol dieser Zeitenwende war die Abkehr von der lateinischen Messe und die Reform der Liturgie.“

Tagespost

„Man liest das Schreiben von Papst Benedikt XVI. über die Eucharistie, läßt es auf sich wirken – und mancher stellt sich unwillkürlich die Frage: Hat das noch etwas mit dem zu tun, was am Sonntag in deutschen Kirchen vor sich geht? […] Trifft [Sacramentum Caritatis] den Nerv dessen, was in den Gemeinden nördlich der Alpen geschieht? Und umgekehrt: Wie nimmt die ‘Basis’ das neue Schreiben auf? Werden die Pfarrer darüber predigen, werden die Liturgiekreise der Pfarrgemeinderäte das Papier durchstudieren?“

Oberbayerisches Volksblatt

„Es hatte schon seinen Sinn, daß sie nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil die zuvor durchweg lateinische Messe abgelöst haben. Viele Gläubige haben nicht verstanden, was sie selbst gebetet haben – geschweige denn, was sich vor ihren Augen und Ohren ereignet. Da wurde aus dem vom Pfarrer gemurmelten ‘Hoc est corpus meus’ (‘Dies ist mein Leib…’) das vielzitierte Hokuspokus. Dahin kann man nicht zurückwollen. Das will wohl auch Benedikt XVI. nicht – denn sein Schreiben ist keine Weisung.“

Winfried Röhmel – Sprecher des Erzbistums München und Freising – vor dem ‘Münchner Merkur’

„»Als in den Diskotheken Popsongs in der Art gregorianischer Gesänge gespielt wurden, hat man die Gregorianik auch in der Kirche wiederentdeckt.« Diese archaische Musik sei ein Faszinosum. Warum das nicht auch an ihrem ursprünglichen Ort wieder einsetzen? Einfühlsam und behutsam solle das in den Gemeinden umgesetzt werden, erläutert Röhmel. Er befürchtet nicht, daß nun Gläubige mit dem Schreiben des Papstes in der Hand die Feier lateinischer Messen von ihrem Pfarrer fordern: »Das hieße das Kind mit dem Bade ausschütten.«“
      
11 Lesermeinungen
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#11   Frasim   20:07:54 | Sonntag, 18. März 2007
Nur mal so…
Es ist heißt korrekterweise „Hoc est (enim) corpus meuM“!
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#10   Mathias Wagener   13:29:03 | Sonntag, 18. März 2007
Reformen des zweiten Vatikanums
Die Chinesische Katholische Patriotische Vereinigung, die auf Geheiß der dortigen KP-Regierung den Papst nicht anerkannt, erkennt auch die Reformen des Zweiten
Vatikanums nicht an, während ansonsten die
früheren kommunistischen Regierungen mit dem 2.Vatikanum
deswegen kein Problem hatten.
Auf diese Merkwürdigkeit wollte ich somit als Fußnote quasi hinweisen.
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#9   athanasius1957   11:17:41 | Sonntag, 18. März 2007
hokuspokus fidibus
die lateiner unter uns wissen, daß dies die verballhornung der konsekrationsworte mit „fidelibus“ = „Gläubige“ ist und somit DIE AN DIE TRANSSUBSTANTIATION GLAUBENDEN bedeutet.
Nur wenigen jedoch ist es bekannt, daß der PR-Manager Luthers dies zur Desavouierung der römischen Dogmen über das Wesen der Hl. Messe insbesondere des Opfergedankens und der Transsubstantiation verlautbaren ließ. Hier stand er im sprachlichen Gegensatz zu Luther selbst, der die Messe eigentlich in Latein weiterführen wollte.
o^/
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#8   Typ   20:30:23 | Samstag, 17. März 2007
Ergänzung zu Sirilo
Es ist tröstlich, daß es so viele Leute gibt, die über die Situation der Kirche besser Bescheid wissen als der Papst. Da kommt Hoffnung auf – es stehen geügend Ersatzpäpste bereit!
Vier von denen, die sich für Ersatzpäpste halten, sind auch bereits exkommuniziert! Aber das ist ihnen egal, denn sie wissen es besser!
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#7   Sirilo   18:48:12 | Samstag, 17. März 2007
Es ist tröstlich,
daß es so viele Leute gibt, die über die Situation der Kirche besser Bescheid wissen als der Papst. Da kommt Hoffnung auf – es stehen geügend Ersatzpäpste bereit!
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#6   Burgorus   18:08:32 | Samstag, 17. März 2007
Tief ins Gedächtnis eingegraben
Oberbayerisches „Volks“-Blatt:
„Viele Gläubige haben nicht verstanden, was sie selbst gebetet haben – geschweige denn, was sich vor ihren Augen und Ohren ereignet.“
Wie Sie das nur so genau wissen??!! Versteht die kleine Restkirche wenigstens den Sinn der heutigen Shows?
Oberbayerisches „Volks“-Blatt:
„Da wurde aus dem vom Pfarrer gemurmelten – gemurmelt!!?? Wie Sie das wissen!!?? – ‘Hoc est corpus meum’ (‘Dies ist mein Leib…’) das vielzitierte Hokuspokus. Dahin kann man nicht zurückwollen.“
Dieses ‘Hoc est corpus meum’ muss sich ganz tief ins Gedächtnis eingegraben haben, oder glauben Sie, dass aus Larifaripappalapapp-Geschwätz eine Wortneuschöpfung entsteht? Dass eine Verballhornung entstanden ist, zeigt nur, wie sehr sich diese Wandlungsworte in Herz, Ohren, Mund und Gedächtnis der Leute eingegraben haben.
Was ist denn dieses „Tschüß“? Es ist eine Verballhornung des französischen „A Dieu“ („Zu Gott“). Dieser Gruß muss wohl auch sehr oft gesagt worden sein. Wie sonst hätte diese Verballhornung entstehen können?
Anwendung der Forderung „Dahin kann man nicht zurückwollen“ des Oberbayerischen „Volks“-Blatts auf „Adieu“:
„Adieu“ abschaffen. Es kann doch nicht sein, dass wir zu Gott zurückwollen.
Und was hat dagegen dieses „Das ist mein Leib“ bereits zustandegebracht? In wessen Gedächtnis ist es so, dass daraus eine Wort-Verballhornung entstehen könnte. Die meisten Christen wissen nicht einmal mehr, wie die Wandlungworte überhaupt heißen.
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#5   Mathias Wagener   17:48:19 | Samstag, 17. März 2007
Den Kern treffen
Den Kern treffen, das, worum es bei der Heiligen Messe wirklich geht, das ist das eigentliche Anliegen.
Das kann nur in allgemeinverbindlicher Gestalt erfolgen.
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#4   r.ruhrgebietler   16:54:58 | Samstag, 17. März 2007
…trifft es den Nerv…
und ob!!
Es ist ein sehr empfindlicher Nerv der da getroffen ist. Er hat den medizinischen Namen „Nervus Vaticanus Secundus“ auf Deutsch: V-II Nerv.
Klar das hier den V-II Anhänger, den Charismatischen Bewegungen und ähnlichen Versammlung von Selbstdarstellern da die Nerven flattern.
Die Medizin: zurück zur Tradition. Dann klappt auch wieder mit den Nerven!
Einen traditionell gesegneten Fastensonntag!
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#3   HeinrichvonOfterdingen   15:38:08 | Samstag, 17. März 2007
Es geht dem unheiligen Stuhl mehr um
Folklorismus als um Latinität, mehr um Heimeligkeit als um Glauben. Aber wir sind ja um das schon froh. Auch wenn wir wissen, dass es die Sehnsucht des Menschen nach Gott nicht wirklich befriedigt. Der Irrtum kann gewinnen aber nicht siegen. Und was der Modernismus berührt, das verdirbt. Bis er selbst verdorben ist.
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#2   Krak des Chevaliers   15:27:01 | Samstag, 17. März 2007
zu kurz gegriffen
Sacramentum caritatis greift deutlich zu kurz: Es geht doch nicht darum, das Vaterunser lateinisch zu beten oder hie und da mal einen lateinischen Choralgesang einzusetzen. Es geht letztlich um die ganze Art und Weise, wie in der nachkonziliaren Kirche Eucharistie gefeiert wird, letztlich – und das ist das Kernproblem – um unseren Umgang mit dem Allerheiligsten Altarsakrament. Hier liegt der Kern des Problems. Solange die Heilige Kommunion noch ausgeteilt wird wie Kartoffelchips nützt uns auch ein lateinisches Vaterunser nichts. Das römische Lehramt sollte sich endlich dazu durchringen, die Tridentinsiche Messe wieder frei zu erlauben; darin haben wir alles: latein, Ehrfurcht und Anbetung.
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#1   Stephanus   14:10:37 | Samstag, 17. März 2007
liebes oberbayrisches Volksblatt…
wenn ich wie so oft durch bayern reise, verstehe ich das meiste auch nicht, im schwabenländle ergeht es mir ähnlich.
beim arzt auch und in der apotheke erst recht. keine ahnung was die da alles auf latein runterbeten
und erst die schrecklichen jahre in den studien div. naturwissenschaften, überall latein, soweit das auge reicht und das ohr dazu!
und keinen interessiert das, wenn ich nicht verstehe was da „vorgebetet“ wird. hauptsache ich zahle mein rezept, lasse mich willig operieren, bzw. nehme brav meine arznei…
und wenn ich das eine oder andere nicht verstanden habe und zu faul war die entsprechenden fachbücher zu wälzen, dann gab es halt kein diplom, danach dann keine arbeitsstelle usw usw. das ist sehr sehr ernst, daß alles, dabei geht es doch nur um schnöden materialismus und den noch auf zeit.
wenn es sich aber um ewige werte handelt, wenn es darum geht, wie gestalte ich einen gottesdienst möglichst würdig und was ist besser geeignet als dazu auch eine kultsprache hinzuzunehmen, die weltumspannend überall das gleiche aussagt, dann ziert man sich, dann ist das alles plötzlich hokuspokus?!?!?!
ich denke einmal: für die die hier einen unverständlichen hokuspokus ausmachen, die werden ihn auch finden wenn sie alles in ihrer sprache verstehen:
da wandelt ein mensch kraft göttlicher weisung unscheinbares brot und wein in den leib und das blut unseres erlösergottes: ich höre schon die haßgesänge: kanibalismus…
die lateinkeule dient diesen leuten doch für ganz andere ziele!?!
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