14:18:01 | Mittwoch, 28. März 2007
Pius XII.
Heute kann man sich nur schwer vorstellen, daß Papst Pius XII. zu Lebzeiten und in den ersten Jahren nach seinem Tod hochverehrt war. Er wurde von allen Lagern geachtet. Von Thomas E. Woods, Jr.

(kreuz.net) Graham Greene, der liberale katholische Schriftsteller, beschrieb Pius XII. als „einen Papst,
von dem viele von uns glauben, daß er zu den größten Päpsten gehört“.
Berührende Zeugnisse von
prominenten europäischen Juden beweisen ebenfalls die Achtung und Liebe, welche große Teile der Welt
für den Papst hegten.
Das änderte sich mit der Berliner Premiere von ‘Der Stellvertreter’, einem Theaterstücks
des linkslastigen deutschen Autors Rolf Hochhuth.
Hochhuth
verleumdete Pius XII. als stumpf und gleichgültig
angesichts der jüdischen Leiden unter den Nationalsozialisten.
Innerhalb von drei Jahren nach der Premiere
des Stücks begannen kritische Bücher gegen Pius XII., aber auch Verteidigungsschriften von jüdischen
Autoren zu erscheinen.
Diese Verteidigungsschriften – die in den heutigen Umständen praktisch vergessen
sind – waren von Bedeutung.
Der Repräsentant der ‘Anti-Diffamationsliga’ in Rom, Joseph L. Lichten,
schrieb 1963 die Monographie ‘Eine Frage des Urteils’ in Verteidigung von Pius XII. gegen die erfundene
Darstellung seiner Person in ‘Der Stellvertreter’.
Der jüdische Theologe Pinchas Lapide wird bis zum
heutigen Tag von denen zitiert, die den Papst verteidigen.
Er schrieb 1967 in seinem Buch ‘Rom und die
Juden’, daß Pius XII. „maßgeblich war für die Rettung von mindestens 700.000 Juden, vermutlich sogar
860.000 Juden, die so dem sicheren Tod durch die Hand der Nationalsozialisten entkamen“.
Der ungarische
jüdische Historiker Jeno Levai war über die ungerechten Angriffe gegen Pius XII. empört und schrieb
sein Werk ‘Das ungarische Judentum und das Papsttum: Pius XII. hat nicht geschwiegen’.
Levai studierte staatliches und kirchliches Archivmaterial und zeigte, daß der Apostolische
Nuntius in Budapest und die Ungarischen Bischöfe auf Geheiß des Papstes immer wieder intervenierten
und daß es als Ergebnis dieser Anstrengungen im Herbst oder Winter des Jahres 1944 praktisch keine katholische
Institution in Budapest gab, wo verfolgte Juden nicht Zuflucht gefunden hatten.
In den letzten Jahren
hat die Anti-Pius-Hysterie einen Grad erreicht, den sich Juden und Nichtjuden im Jahre 1958, dem Todesjahr
des Papstes, kaum hätten vorstellen können.
Das berühmteste Beispiel war das Buch ‘Hitlers Papst’
des Ex-Seminaristen John Cornwell. Darin wird , Pius XII. als Unterstützer des Nationalsozialismus hingestellt,
der wenig oder gar nichts unternahm, um die schreckliche Kampagne von Adolf Hitler gegen die Juden aufzuhalten.
Der US-amerikanische Rabbiner David Dalin widerspricht in seinem Buch ‘Der Mythos von Hitlers Papst:
Wie Papst Pius XII. Juden von den Nationalsozialisten rettete’ kraftvoll der Anti-Pius Bewegung und schlägt
vor, daß dieser große Papst es verdient, wegen seiner Anstrengungen zugunsten der Juden als „Gerechter
unter den Völkern“ anerkannt zu werden.
„Da wir uns dem 50. Todestag von Pius XII. nähern, wäre es
für – die Jerusalemer Gedenkstätte – Jad Waschém historisch gerecht und moralisch angemessen, Pius
XII. posthum als einen ‘Gerechten unter den Völkern’ anzuerkennen und zu ehren.“
Rabbiner Dalin beweist
in seinem Buch, daß die Katholische Kirche unter direkter Anweisung von Pius XII. große Anstrengungen
unternahm, um Juden in ganz Europa unterzubringen und zu beschützen.
Das Buch von Dalin ist mit zahlreichen
Beispielen von Heldentaten auf dem europäischen Kontinent gefüllt. Es bezeugt, wie eine große Anzahl
von Rettern und Geretteten den Papst für seinen Widerstand gegen die Nationalsozialisten ehrten.
Besonders
berührend ist die Darstellung der päpstlichen Bemühungen um die Rettung der slowakischen Juden. Rabbiner
Dalin weist nach, daß in diesem Land 20.000 Juden den Deportationen aufgrund des direkten Eingreifens
des Papstes entkamen.
Eingehend studiert Rabbiner Dalin die nationalsozialistischen Razzias gegen die
römischen Juden, die zum Vorwand für eine große Kontroverse in der Debatte um Pius XII. genommen wurden.
Der Jude Michele Tagliacozzo, ein führender Experte dieser Ereignisse und selber ein Überlebender der
Razzias erklärte, daß Pius XII. „als einziger intervenierte, um die Deportierung der Juden am 16. Oktober
1943 zu verhindern, und sehr viel unternahm, um Tausende von uns zu verstecken und zu retten“.
Archivmaterial
beweist – erklärt er –, daß die Proteste und Aktionen von Pius XII. zur Rettung von 80% der römischen
Juden führten. Auf päpstliche Anweisung wurden Juden überall in der Stadt versteckt, in Kirchen, Klöstern
und wo immer Raum für sie gefunden werden konnte.
Rabbiner Dalin weist darauf hin, daß Cornwell und
Susan Zuccotti – eine andere Kritikerin von Pius XII. – die Unterbringung von 3.000 Juden in der päpstlichen
Sommerresidenz von Castel Gandolfo unterschlagen.
„An keinem anderen Ort im nationalsozialistisch besetzten
Europa wurden so viele Juden gerettet und für so lange Zeit untergebracht wie in Castelgandolfo während
der Besetzung von Rom.“
Den dort versteckten Juden wurde koscheres Essen serviert. Jüdische Kinder wurden
in den privaten Gemächern des Papstes geboren.
Als im Sommer 1944 eine Gruppe von römischen Juden im
Vatikan erschien, um dem Papst für den Schutz zu danken, den er ihnen hatte zukommen lassen, antwortete
Pius XII.:
„Jahrhundertelang wurden die Juden ungerecht behandelt und verachtet. Es war Zeit, ihnen mit
Gerechtigkeit und Menschlichkeit zu begegnen. Gott wünscht es und die Kirche wünscht es. Der heilige
Paulus sagt, daß die Juden unsere Brüder sind. Sie sollten auch als unsere Freunde angenommen werden.“
Rabbiner Dalin weist auch darauf hin, daß bekannte Katholiken, die für ihre Bemühungen zugunsten der
Juden ausgezeichnet wurden, auf Papst Pius XII. als Inspiration für ihr Handeln hingewiesen haben.
Die
späteren Päpste Johannes XXIII. und Paul VI. erhielten als Kardinäle viel Lob für ihre Anstrengungen
für die Unterbringung und Rettung von Juden.
Doch beide erklärten, nur die Anweisungen von Papst Pius
XII. ausgeführt zu haben.
Kardinal Pietro Palazzini, der in den Jahren 1943 und 1944 zahlreiche italienische
Juden monatelang versteckte, wurde im Jahr 1985 von Jad Waschém als ein „gerechter unter den Völkern“
geehrt.
Kardinal Palazzini unterstrich dabei, daß das Verdienst ganz Pius XII. gehöre, „der uns auftrug,
alles zu tun, was wir konnten, um die Juden vor der Verfolgung zu retten“.
Bei den Nationalsozialisten
war Pius XII. wegen seiner Sympathie für die Juden und seiner Opposition gegen das Regime von Adolf Hitler
sehr unbeliebt.
Die Nationalsozialisten kommentierten die Wahl von Kardinal Pacelli zum neuen Papst in
sehr negativen Tönen. Man bezeichnete Pius XII. als „judenfreundlich“.
Rabbiner Dalin zeigt weiter auf,
daß 40 der 44 Reden, die Erzbischof Pacelli von 1917 bis 1929 als päpstlicher Nuntius in Deutschland
hielt, Aspekte der immer stärker werdenden nationalsozialistischen Ideologie verurteilten.
Kardinal
Pacelli spielte eine wichtige Rolle bei der Ausarbeitung der Enzyklika ‘
Mit brennender Sorge’ (1937),
die den Nationalsozialismus verurteilte.
Seine erste Enzyklika ‘Summi Pontificatus’ aus dem Jahr 1939
unterstrich die Unvereinbarkeit des Nationalsozialismus mit dem katholischen Glauben.
Damals lautete
die Schlagzeile der ‘New York Times’: „Papst verurteilt Diktatoren, Vertragsbrecher und den Rassismus“.
Flugzeuge der Alliierten warfen 88.000 Exemplare des päpstlichen Dokumentes über Deutschland ab, um
das nationalsozialistische Regime zu unterminieren.
Der gescheiterte Plan der Nationalsozialisten, den
Papst zu entführen, ist ebenfalls schwer mit der umstrittenen Theorie von „Hitlers Papst“ zu vereinbaren.
Es bleibt eine letzte Frage:
Wenn Rabbiner Dalin in seinem Buch die Wahrheit sagt und Papst Pius XII.
tatsächlich ein großer Freund der Juden war, wie können wir dann die endlosen Angriffe auf den Papst
der Kriegszeit erklären?
Lassen wir Rabbiner Dalin diese Frage beantworten:
„In wenigen der vielen
Bücher, die gegenwärtig über Pius XII. und die Judenverfolgung geschrieben werden, geht es in Tat und
Wahrheit um Pius XII. und die Judenverfolgung.
Die liberalen Angriffe gegen den Papst und die Katholische
Kirche sind in Wirklichkeit ein innerkatholisches Argument über die theologische Richtung der heutigen
Kirche.
Der Holokaust ist somit einfach die größte Keule der Liberalen gegen den traditionellen Katholizismus
in ihrem Streben, das Papsttum schlecht zu machen und dadurch die traditionelle katholische Lehre zu diskreditieren.“
Rabbiner Dalin kommt somit zum folgenden Schluß:
„Die antipäpstliche Polemik von Ex-Seminaristen wie
Garry Wills und John Cornwell – des Autors von ‘Hitlers Papst’ –, von Ex-Priestern wie James Carroll und
anderen abgefallenen oder zornigen liberalen Katholiken benützen die Tragödie des jüdischen Volkes
im Holokaust, um ihre eigene politische Agenda voranzubringen und Änderungen in der gegenwärtigen Kirche
durchzusetzen.“
Rabbiner Dalin hat Papst Pius XII. und der Kirche im allgemeinen einen außerordentlichen
Dienst geleistet.
Titel – erschienen im Juli 2005:
The Myth of Hitler’s Pope: How Pope Pius XII Rescued
Jews from the Nazis
by Rabbi David G. Dalin
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