Liturgie
Einfach zu konservativ
„Jede große Religion hat ihre eigene Sakralsprache. Bei den Juden ist es hebräisch, bei uns eben Latein.“
Die Passauer Pfarrei Tann wirbt für ihre Gottesdienste im Neuen Ritus mit einem Bild der Alten Messe.
Die Passauer Pfarrei Tann wirbt für ihre Gottesdienste im Neuen Ritus mit einem Bild der Alten Messe.
(kreuz.net, Passau) Wie ist die Einstellung der Priester dem Latein in der Messe gegenüber?

Die Tageszeitung ‘Passauer Neue Presse’ hat sich in den Pfarreien umgehört.

In der Pfarrei Tann – 50 Kilometer südwestlich von Passau – gibt es schon seit Jahren lateinische Hochgebete.

Jeden Freitag zelebriert der dortige Pfarrer, Hw. Anton Morhard, die Votivmesse vom heiligen Kreuz. Das Hochgebet und das Vaterunser spricht er dabei komplett auf Latein.

Die lateinische Wochentagsmesse wird von 25 bis 30 Gläubige besucht.

Die Texte kopiert Pfarrer Morhard vorher zweisprachig und teilt sie aus.

Daß die Gemeinde die Texte nicht versteht, glaubt der Pfarrer nicht: „Die Gebete sind sehr bekannt. Jeder weiß, worum es geht“ – erklärt er vor der ‘Passauer Neuen Presse’.

Die Aufforderung des Papstes, die lateinische Sprache im Gottesdienst vermehrt zu verwenden, sieht er als Bestätigung seiner Arbeit.

Die konservative Grundstimmung aus dem Vatikan entspreche einem Bedürfnis der Gläubigen, die Identität der Kirche zu bewahren.

„Die lateinischen Messen sind die Wurzeln der Katholischen Kirche“ – so Hw. Morhard.

Der Geistliche ist der Meinung, daß in den 60er Jahren in der Liturgie viel verloren gegangen ist. Das sei für Gläubige schwer gewesen:

„Jede große Religion hat ihre eigene Sakralsprache. Bei den Juden ist es hebräisch, bei uns eben Latein.“

Die Weisung von Papst Benedikt XVI. sei nicht neu: „Erst 2004 hat Johannes Paul II. ausdrücklich den Gebrauch der lateinischen Sprache bekräftigt und 2002 das aktuelle lateinische Meßbuch herausgebracht.“

Auch an Festtagsmessen, wie Ostermontag oder dem zweiten Weihnachtsfeiertag läßt Pfarrer Morhard lateinische Elemente einfließen:

„Ich werde aber nicht jeden Sonntag einen Teil der Messe auf Latein halten“.

Seinen älteren Mitbrüdern möchte er das Latein nicht aufzwingen.

Bei Stadtpfarrer Alois Messerer in Simbach – 60 Kilometer westlich von Passau – haben bisher keine lateinischen Elemente in den Gottesdienst Einzug gehalten.

Hw. Messerer kann sich jedoch vorstellen, „an Festtagen und zu bestimmten Anlässen Teile auf Latein zu beten“.

Grundsätzlich sei der Papst aber falsch verstanden worden.

Ihm sei es nicht darum gegangen, die Messe wie vor dem Zweiten Vatikanum nach dem „tridentinischen Ritus“ auf Latein zu halten.

Vielmehr habe er empfohlen, den Neuen Ritus vermehrt auf Lateinisch zu lesen.

Die Verwendung der Wandlungsworte, des Hochgebetes und die Rezitation des Vaterunsers in lateinischer Sprache seien gut, um der Messe wieder mehr Würde und Feierlichkeit zu verleihen.

Der Wortgottesdienst bleibe aber weiterhin in der Muttersprache bestehen:

„Für internationale Gottesdienste sind Gebete auf Latein sinnvoll, weil sie ein Einheitszeichen für die Weltkirche sind“ – so Pfarrer Messerer vor der Zeitung.

Der jetzige Ritus bleibe auf jeden Fall erhalten.

Monsignore Ludwig Zitzelsberger, Pfarrer in Julbach – 50 Kilometer südwestlich von Passau – bedauert zwar, daß „die lateinische Messe untergegangen“ sei. Er ist aber der Auffassung, daß diese Zeit einfach vorbei sei.

Anders sei es zum Beispiel in Lourdes:

„Da habe ich erlebt, wie 35.000 Pilger gemeinsam lateinisch gebetet haben. Das war natürlich ein Erlebnis. Die Predigt selbst aber war auf Englisch.“

Wenn sich der Kirchenchor wünsche, lateinische Lieder zu singen, hätte er nichts dagegen.

Insgesamt lehnt Hw. Zitzelsberger es aber ab, lateinische Elemente in die Messe aufzunehmen:

„Das finde ich einfach zu konservativ.“
      
15 Lesermeinungen
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#15   Jörg Guttenberger, Köln   17:32:43 | Donnerstag, 29. März 2007
„zu konservativ“ – soll das ein Witz sein?
Bekanntlichn ist konservativ die Mitte zwischen progressiv und rektionär. Der Konservative prüft mit dem Apostel Paulus alles und behält das Gute.
Natürlich unterscheiden wir zwischen goldenem Mittelmaß und Mitteläßigkeit.
Da Mitte nicht steigerbar ist – ein zu mittig gibt es nicht – will uns der Autor auf den Arm nehmen?
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#14   Pfarrei Tann   15:28:58 | Mittwoch, 28. März 2007
Information bez. Tann
Sollte das vielberedete Papstdokument zugunsten der überlieferten Messe tatsächlich kommen, rennt es bei uns offene Türen ein…
Ansonsten erlaube ich mir, auf den kommenden Wallfahrtstag zum „Herrgott von Tann“ (volkstümlicher Name unseres wundertätigen Kreuzes) am 14./15.9.2007 hinzuweisen. Informationen dazu auf unserer Website pfarrei-tann.de www.pfarrei-tann.de/, Stichworte „Herrgott von Tann“ bzw. „Gottesdienste“.
Mit besten Segensgrüßen,
Dr. Anton Morhard (Pfarrer und Bischöfl. Kirchenanwalt)
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#13   Defensor Fidei   21:45:10 | Dienstag, 27. März 2007
@ sacerdos helveticus
Stimmt so nicht ganz, wenn man die Gesungene Messe oder das Hochamt betrachtet, die als das Liturgische Ideal gelten können. Dort wird sehr Viel für Alle vernehmlich gesprochen.
So gesehen haben Sie natürlich Recht. Es kommt jedoch ganz auf die Perspektive an. Ich bin auch vom Hochamt ausgegangen. Im Vergleich zum neuen Ritus wird auch im Hochamt relativ wenig gesprochen.
Die Lesungen habe ich gar nicht bedacht, weil diese zusätzlich immer noch in der Landessprache vorgetragen werden.
Gloria, Credo, Sanctus und Agnus Dei ist für mich absolutes „Standardrepertoire“. Zumal in den größeren Kirchen bei mir in der Gegend diese Teile oft auch im NOM auf Latein gesungen werden. Es fällt mir deshalb nicht als „zusätzliches“ Latein auf.
So kam ich zu meiner Aussage. Wenn jemand sonst natürlich nie ein Wort auf Latein in der Messe hört, dann mag es ihm auch im Alten Ritus als viel erscheinen.
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#12   sacerdos helveticus   20:26:45 | Dienstag, 27. März 2007
Eergänzung
Defensor Fidei bemerkte:
Gerade in der Alten Messe spricht der Priester nur relativ wenige Stellen wirklich laut.
Stimmt so nicht ganz, wenn man die Gesungene Messe oder das Hochamt betrachtet, die als das Liturgische Ideal gelten können.
Dort wird sehr Viel für Alle vernehmlich gesprochen respektive gesungen, u.a. alle Orationen und Lesungen.
Im Übrigen kennt selbst die Neue Messe auch immer vom Zelebranten leise zu sprechende Gebete, wenngleich ihr Umfang stark reduziert wurde.
Sonst stimme ich Ihren Argumenten aber zu.
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#11   Defensor Fidei   19:56:20 | Dienstag, 27. März 2007
@ hähnchen …Messe unverständlich?
Ob Latein nun witzig ist oder nicht, darauf kommt es nicht an. Außerdem ist das fehlende Latein nicht das Zentrum der Kritik. In erster Linie geht der Streit um den Ritus. Eine Alte Messe in der Volkssprache ist für Traditionelle demnach besser als eine Neue Messe auf Latein.
Trotzdem spricht einiges für Latein. Dagegen spricht meines Erachtens nur wenig. Ganz bestimmt aber nicht die Unverständlichkeit. Gerade in der Alten Messe spricht der Priester nur relativ wenige Stellen wirklich laut. Das bisschen kann dann eigentlich jeder verstehen, auch wenn er sonst kein Latein kann. Wer regelmäßig am Sonntag die Messe besucht, der kennt die feststehenden Teile (Wechselgruß, Gloria, Glaubensbekenntnis, Vater Unser usw.) sowieso mehr oder weniger auswendig. Da ist es ziemlich egal ob man die Landessprache verwendet oder Latein. Die wechselnden Stücke (z.B. Tagesgebet, Opferungsvers) kann jeder in seinem Messbuch nachlesen. Dort ist die ganze Messe auf Latein und in der Landessprache nebeneinander abgedruckt.
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#10   hähnchen   18:57:50 | Dienstag, 27. März 2007
Latein ?
Latein ist ja ganz witzig, aber wenn man es nicht versteht ? Was bringt mir dann die Globalisierung des Nichtverstehens ? Viele sind ja vielleicht auch zu doof, um Latein zu lernen, werden die dann nicht ausgegrenzt, so wie in den fifties, als der Pöbel in der Kirche gepennt hat und nach dem Segen den Kopf erwachend wieder nach oben streckte ? Insoweit war die „vorkonziliare Zeit“ doch letztlich nur die Ursache , dass der Pöbel nach dem Konzil keinerlei Einwände gegen die massiven Neuerungen in der Liturgie hatte. Was ist also das Konzept der Tradi-Romantiker ? Latein drauf und alles wird gut wie in der guten alten Zeit ?
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#9   Maledica   15:24:54 | Dienstag, 27. März 2007
Konservativ
Latein als weltumspannende gemeinsame Sprache- wie kann dies im Rahmen der Globalisierung konservativ sein?
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#8   GerdEric   14:21:21 | Dienstag, 27. März 2007
Wenn es denn so ist,
da bleibe ich bei der von Jesus gesprochenen Sakralsprache :-)
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#7   Beobachterin   13:38:40 | Dienstag, 27. März 2007
Latein als weltumspannende Sprache
Das Latein in bestimmten Teilen der Hl. Messe hat gewisse Vorteile. Wo immer man auf der Welt an einem katholischen Gottesdienst teilnimmt – man fühlt sich zuhause, weil man die vertraute Sprache und die vertrauten Gebete hört. Deshalb sollte man das Latein als Zeichen für die Universalität und den weltumspannenden Katholizismus auf keinen Fall vernachlässigen. Es ginge etwas Gutes auf unabsehbare Zeit verloren. Das ist meine unmaßgebliche Meinung.
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#6   fransl   12:20:04 | Dienstag, 27. März 2007
Skrasprache
Latein ist nicht die Sakralsprache der Katholischer Kirche. Latein bleibt die Liturgischesprache. Die Sakralprache unserer Kirche ist Hebraisch!
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#5   Mathias Wagener   11:34:37 | Dienstag, 27. März 2007
Verbindlichkeit
Das Lateinische hat mit „konservativ“ gar nichts zu tun. Es geht um die Frage der weltweiten Verbindlichkeit, die nur durch eine Einheitssprache gewährleistet werden kann.
Hier ist es traditionell das Latein.
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#4   Tridentinus   11:13:22 | Dienstag, 27. März 2007
@Heggi
Eine Mischung aus Höflichkeit und zugegebenermassen aus Ironie liess mich zur Vokabel „konsequent“ greifen. Schien mir bei diesen Äusserungen durchaus auch irgendwie passend.
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#3   Heggi   10:56:36 | Dienstag, 27. März 2007
Tridentinus
Mit „konsequent“ hat die Lösung der Verbindung zur Piusbruderschaft von Pfr. Mohard nicht sehr viel zu tun. Unabhängig davon ist eine solche Entscheidung aber grundsätzlich immer zu respektieren.
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#2   Tridentinus   10:44:50 | Dienstag, 27. März 2007
Konsequent,
dass Hw. Mohard seine Verbindung zur FSSPX wieder gelöst hat.
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#1   monti   10:11:03 | Dienstag, 27. März 2007
Ich habe letztens
einen Bericht über das Judentum gesehen.
Da sagte ein jüdischer Wissenschaftler sinngemäß auf die Frage nach den (scheinbar nicht mehr zeitgemäßen)Traditionen des Judentums: „Wenn wir unsere Traditionen aufgegeben hätten, wäre das Judentum untergegangen.“
Diesen Satz sollte sich mancher moderne Katholik mal hinter die Ohren schreiben.
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