09:47:01 | Dienstag, 27. März 2007
„Jede große Religion hat ihre eigene Sakralsprache. Bei den Juden ist es hebräisch, bei uns eben Latein.“

Die Passauer Pfarrei Tann wirbt für ihre Gottesdienste im Neuen Ritus mit einem Bild der Alten Messe.
(kreuz.net, Passau) Wie ist die Einstellung der Priester dem Latein in der Messe gegenüber?
Die Tageszeitung
‘Passauer Neue Presse’ hat sich in den Pfarreien umgehört.
In der Pfarrei Tann – 50 Kilometer südwestlich
von Passau – gibt es schon seit Jahren lateinische Hochgebete.
Jeden Freitag zelebriert der dortige Pfarrer,
Hw. Anton Morhard, die Votivmesse vom heiligen Kreuz. Das Hochgebet und das Vaterunser spricht er dabei
komplett auf Latein.
Die lateinische Wochentagsmesse wird von 25 bis 30 Gläubige besucht.
Die Texte
kopiert Pfarrer Morhard vorher zweisprachig und teilt sie aus.
Daß die Gemeinde die Texte nicht versteht,
glaubt der Pfarrer nicht: „Die Gebete sind sehr bekannt. Jeder weiß, worum es geht“ – erklärt er vor
der ‘Passauer Neuen Presse’.
Die Aufforderung des Papstes, die lateinische Sprache im Gottesdienst vermehrt
zu verwenden, sieht er als Bestätigung seiner Arbeit.
Die konservative Grundstimmung aus dem Vatikan
entspreche einem Bedürfnis der Gläubigen, die Identität der Kirche zu bewahren.
„Die lateinischen
Messen sind die Wurzeln der Katholischen Kirche“ – so Hw. Morhard.
Der Geistliche ist der Meinung, daß
in den 60er Jahren in der Liturgie viel verloren gegangen ist. Das sei für Gläubige schwer gewesen:
„Jede große Religion hat ihre eigene Sakralsprache. Bei den Juden ist es hebräisch, bei uns eben Latein.“
Die Weisung von Papst Benedikt XVI. sei nicht neu: „Erst 2004 hat Johannes Paul II. ausdrücklich den
Gebrauch der lateinischen Sprache bekräftigt und 2002 das aktuelle lateinische Meßbuch herausgebracht.“
Auch an Festtagsmessen, wie Ostermontag oder dem zweiten Weihnachtsfeiertag läßt Pfarrer Morhard lateinische
Elemente einfließen:
„Ich werde aber nicht jeden Sonntag einen Teil der Messe auf Latein halten“.
Seinen
älteren Mitbrüdern möchte er das Latein nicht aufzwingen.
Bei Stadtpfarrer Alois Messerer in Simbach –
60 Kilometer westlich von Passau – haben bisher keine lateinischen Elemente in den Gottesdienst Einzug
gehalten.
Hw. Messerer kann sich jedoch vorstellen, „an Festtagen und zu bestimmten Anlässen Teile auf
Latein zu beten“.
Grundsätzlich sei der Papst aber falsch verstanden worden.
Ihm sei es nicht darum
gegangen, die Messe wie vor dem Zweiten Vatikanum nach dem „tridentinischen Ritus“ auf Latein zu halten.
Vielmehr habe er empfohlen, den Neuen Ritus vermehrt auf Lateinisch zu lesen.
Die Verwendung der Wandlungsworte,
des Hochgebetes und die Rezitation des Vaterunsers in lateinischer Sprache seien gut, um der Messe wieder
mehr Würde und Feierlichkeit zu verleihen.
Der Wortgottesdienst bleibe aber weiterhin in der Muttersprache
bestehen:
„Für internationale Gottesdienste sind Gebete auf Latein sinnvoll, weil sie ein Einheitszeichen
für die Weltkirche sind“ – so Pfarrer Messerer vor der Zeitung.
Der jetzige Ritus bleibe auf jeden Fall
erhalten.
Monsignore Ludwig Zitzelsberger, Pfarrer in Julbach – 50 Kilometer südwestlich von Passau –
bedauert zwar, daß „die lateinische Messe untergegangen“ sei. Er ist aber der Auffassung, daß diese
Zeit einfach vorbei sei.
Anders sei es zum Beispiel in Lourdes:
„Da habe ich erlebt, wie 35.000 Pilger
gemeinsam lateinisch gebetet haben. Das war natürlich ein Erlebnis. Die Predigt selbst aber war auf Englisch.“
Wenn sich der Kirchenchor wünsche, lateinische Lieder zu singen, hätte er nichts dagegen.
Insgesamt
lehnt Hw. Zitzelsberger es aber ab, lateinische Elemente in die Messe aufzunehmen:
„Das finde ich einfach
zu konservativ.“
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.