Euthanasie
Meint die Kirche, was sie sagt?
In Belgien wird es immer üblicher, Hilflose und Schwerkranke zu vergiften. Dabei mischt die Kirche kräftig mit – und euthanasiert ihre Glaubwürdigkeit.
(kreuz.net, Brüssel) Die Zahl legaler Euthanasierungen in Belgien ist zwischen 2005 und 2006 um zehn Prozent gestiegen.

Das berichtete die Tageszeitung ‘Le Soir’ am Montag unter Berufung auf Angaben, die während einer Debatte im Parlament gemacht wurden.

Im Jahr 2006 wurden 428 Todesfälle registriert. Die Dunkelziffer wird fünfmal höher geschätzt. Drei Viertel der Lebensmüden wurden im nördlichen, niederländisch sprechenden Landesteil Flandern umgebracht.

Von ihnen litten 86 Prozent an Krebs. Nur ein Sechstel war älter als achtzig Jahre.

Vorwiegend in katholischen Spitälern

Eine im Jahr 2003 durchgeführte Studie ergab, daß die katholischen Spitäler dick im Geschäft sind. Die Ergebnisse der Studie wurden im März 2006 im Fachmagazin ‘Health Policy’ veröffentlicht.

Belgien hat seine Euthanasieprogramme im Jahr 2002 legalisiert.

Die Studie ergab, daß 80 Prozent der Hilflosentötungen in katholischen Spitälern und Altenheimen begangen werden.

Vier Fünftel der katholischen Krankenhäuser und mehr als vier Fünftel der katholischen Altenheime erklärten in ihren sogenannten Ethik-Richtlinien den Hilflosenmord „in Ausnahmefällen“ für zulässig.

Nur ein winziger Teil der katholischen Pflegeinstitutionen schließt die aktive Ermöglichung eines Selbstmordes ihrer Patienten aus.

Die Ethikvorgaben der Krankenhäuser erklären üblicherweise, daß vor einem Hilflosenmord sämtliche Möglichkeiten der sterbebegleitenden Palliativmedizin ausgeschöpft werden sollen.

Das bedeutet aber nicht viel. Denn danach darf dem Lebensmüden ins Jenseits geholfen werden.

Die Studie ergab, daß Ärzten in katholischen Institutionen „in der Regel“ das Recht eingeräumt werde, die Beteiligung am Hilflosenmord aus Gewissensgründen zu verweigern.

Sie sind aber „verpflichtet“, den Lebensmüden an einen Kollegen zu überweisen.

Worte und Wirklichkeit

Noch bei der Einführung der Euthanasieprogramme hatten sich die belgischen Bischöfe scharf gegen die Tötung lebensmüder Kranker ausgesprochen.

Im März 1995 erklärte Papst Johannes Paul II. in seiner Enzyklika ‘Evangelium Vitae’, daß die Euthanasie – insofern als es sich um eine vorsätzliche Tötung einer menschlichen Person handelt – eine schwere Verletzung des göttlichen Gesetzes ist.

Im katholischen Belgien scheint diese Aussage offensichtlich nicht zu gelten.

Die schon 2003 bekanntgewordenen Verbrechen am menschlichen Leben in katholischen Spitälern wurden bislang nicht korrigiert.
      
4 Lesermeinungen
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#4   Nachtlaterne   06:05:10 | Mittwoch, 28. März 2007
Gnadentod damals und heute
Was sagt der Humanistenfürst Eugen Drewermann:
www.mutev.de/…erung/Drewermann.jpg
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#3   Marcell   20:50:51 | Dienstag, 27. März 2007
Kinder
also, meine Bekannte, die Medizin studierte, hat mir erzählt, dass die Kinder in Belgien, die mit Krankheit geboren sind, werden „automatisch“ getötet. dort ist es selbsverständlich…
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#2   Unschuld   19:58:25 | Dienstag, 27. März 2007
fürchterliches Bild
Liebe Redaktion,
ungeachtet des Inhalts bitte ich, dieses furchterregende Bild einer halbverwesten Leiche zu entfernen. Es könnten ja auch Kinder vorbeischauen, die sich dann heftigst erschrecken könnten.
Viele Grüße
Unschuld
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#1   golden1848   19:25:57 | Dienstag, 27. März 2007
Standhalten !
Wie wichtig die Unnachgiebigkeit in der Euthanasie-Debatte ist, zeigt die Überlegung ,dass sich noch immer extreme „Ausnahmefälle“ gefunden haben, mit denen die Aufhebung der Regel, das Leben zu erhalten, betrieben
werden konnte…
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