16:02:02 | Donnerstag, 29. März 2007
Es ist kaum zu begreifen, wie so viele in den 60er Jahren auf die Sprüche und Ideologien der Frankfurter Schule hineinfallen konnten. Von Hubert Hecker.
(kreuz.net) Der Philosoph
Theodor W. Adorno († 1969) gilt als führender Kopf des Frankfurter Instituts
für Sozialforschung.
Das Institut wurde mit seiner sogenannten Kritischen Theorie auch als „Frankfurter
Schule“ bekannt.
Adorno verbrachte die Jahre 1938 bis 1949 als Flüchtling im US-Exil.
Dort beschäftigte
er sich mit Studien zu angeblichen „präfaschistischen Dispositionen“ bei Menschen.
Adorno veröffentlichte
seine Ergebnisse im Buch „Der autoritäre Charakter“.
Die sogenannte „Kritische Theorie“ seiner Frankfurter
Schule ging vom Axiom aus, daß der Kapitalismus Bewußtsein, Lebensformen und Charakter der Menschen
deformiere.
Entsprechend sollten die Ergebnisse sein: In den kapitalistischen USA fand Adorno massenweise
potentiell faschistische Charaktere.
Um die „antidemokratischen Trends“ im menschlichen Charakter zu
quantifizieren, untersuchte Adorno Alltagsaussagen, die er neun Verhaltensstereotypen zuordnete und in
einer „Faschismus-Skala“ bewertete.
Eine Aussage wie „Dieses Land braucht mutige Politiker und Führer,
denen das Volk vertrauen kann“ wurde zum Beispiel auf der Faschismus-Scala ganz hoch bewertet.
Seiner
zweifelhaften Methode lagen sehr häufig psychoanalytische Annahmen nach Sigmund Freud († 1939) zugrunde.
Danach sind „die geäußerten Überzeugungsmuster Ausdruck psychologischer Triebbedingungen“ – meistens
vermuteter frühkindlicher Art.
Zu einem von ihm postulierten „autoritären Syndrom“ erklärt Adorno
zum Beispiel:
„Das autoritäre Syndrom folgt dem klassischen psychoanalytischen Modell, das den Ödipuskomplex
auf sadomasochistische Weise löst“.
In der Psychodynamik des ‘autoritären’ Charakters wird nach Adorno
die „frühe Aggressivität“ im Kind zum Teil absorbiert und schlägt in Masochismus um.
Ein anderer Teil
bleibt als Sadismus zurück. Dieser sucht sich ein Ventil bei Menschen, mit denen sich der Sadist nicht
identifiziert: in einer Fremdgruppe also.
Dieser Ansatz stellt jeden Menschen unter einen prinzipiellen
Faschismusverdacht. Denn die Transformation der freigesetzten Triebkräfte im Ödipuskomplex gelingt nach
Adorno „niemals vollständig“.
Außerdem kann kein Mensch für sich eine gelungene Transformation behaupten.
Denn diese Vorgänge sind dem Individuum „verborgen“.
Nur die Sozialpsychologen vom kritischen ‘Institut
für Sozialforschung’ können sie aufdecken und als faschistische Disposition deuten.
Ein BeispielWie
Adorno sein verkümmertes Welt- und Menschenbild in die befragten Menschen hineininterpretiert, zeigt
sich an dem folgenden Beispiel:
Ein Mann glaubt, daß es wegen der Atombombe einen Krieg mit der Sowjetunion
geben werde. Das Land sei aggressiv. Der Mann erklärt auch, in Schanghai anmaßende und überhebliche
Russen kennengelernt zu haben.
Fachmann Adorno diagnostiziert „antirussische Gefühle“, die der Mann
durch „Personalisierung ausdrückt“.
Seine antirussische Einstellung komme „antisemitischen Stereotypen“
sehr nahe.
Obwohl er nichts gegen Juden habe – seine Frau ist jüdischen Glaubens – sei seine Antipathie
als „Verschiebungserscheinung“ zu deuten.
Adornos psychoanalytische Tiefenlogik sieht so aus: Im tiefsten
Innern ist der Mann antisemitisch eingestellt. Da er aber mit einer Jüdin verheiratet ist, kann er den
Antisemitismus nicht offen zeigen.
Also verschiebt er seine innere Aggression gegen die nahe Fremdgruppe
auf eine ferne Fremdgruppe: die Russen.
Es ist klar, daß eine so flexible Methode die Möglichkeit bietet,
jeder Durchschnittsmeinung irgendwelche Triebaggressionen anzudichten.
Der Titel der Veröffentlichungsreihe
„Studien über Vorurteile“ scheint sich somit vor allem auf die Vorurteile der Autoren zu beziehen.
Sympathien
für den KommunismusBesonders empfindlich zeigt sich Adorno, wenn seine linken und stalinistischen Positionen
kritisiert werden.
Ein Proband lehnt zum Beispiel staatliche Interventionen ab, weil er darin eine Chance
für die Faschisten sieht.
Adorno greift ihn an: Er sei sich „der progressiven Funktion solcher Interventionen
unter US-Präsident Franklin Roosevelt († 1945) nicht bewußt“.
Der Mann zeige „Symptome einer Konfusion,
die ihn zum Opfer pseudoprogressiver Schlagworte faschistischer Propaganda machen könnten“ – dekretiert
Adorno darum auf Seite 257 seiner Studie.
Der Proband hatte eigentlich nur beobachtet, daß Roosevelts
wirtschaftspolitischen Interventionen – bekannt als New Deal – Ähnlichkeiten mit den Arbeitsbeschaffungsprogrammen
von Adolf Hitler besaßen. Das hatte ihn skeptisch gemacht.
Trotzdem spricht Adorno von „Konfusion“.
Teilweise zeigt er offen seine bedenklichen Sympathien für Kommunismus und Stalinismus.
Ein Student
erklärte, daß der Kommunismus nur für arme Länder geeignet sei. Die USA seien dafür viel zu reich.
Adorno kommentierte diese Aussage im Jahre 1949 auf Seite 276:
„Der Gedanke kommt ihm nicht, daß eine
kollektivistische Wirtschaft in einem hochindustrialisierten, voll entwickelten Land leichter durchzuführen
wäre“.
Über 25 Jahre nach der Gründung der Sowjetdiktatur hatte Adorno dieses blutige und korrupte
System offensichtlich immer noch nicht durchschaut.
Ein junges Mädchen bemerkte: „Ich kann die totalitären
Ideen der Faschisten und die Zentralisierung bei den Kommunisten nicht leiden. Beide gehen bei allem so
gewalttätig vor.“
Adorno rastet bei dieser und ähnlichen Wortmeldungen förmlich aus:
„Die komplette
Irrationalität, um nicht zu sagen Idiotie, der letzten Beispiele zeigt, auf welche unermeßliche psychische
Hilfsquellen faschistische Propagandisten bauen können, wenn sie einen mehr oder weniger imaginären
Kommunismus denunzieren.“
Adorno hält sogar eine distanzierte Toleranz gegenüber der Sowjetdiktatur,
die zu einer praktischen Zusammenarbeit bereit ist, für gefährlich. Denn: „Genau diese Pragmatisierung
der Politik bestimmt letztlich die faschistische Philosophie“.
Auf Seite 278 macht er die US-Informationspolitik
der späten 40er Jahre für alle Übel verantwortlich:
„In den vergangenen Jahren war die gesamte hiesige
Propagandamaschinerie zur Intensivierung antikommunistischer Emotionen mit dem Ziel irrationaler Panik
eingesetzt“.
Adornos Ideologie funktioniert offenbar nach dem Schema: Wer nicht mit Stalins Terror sympathisiert,
arbeitet den Faschisten in die Hände.
Die Studien zum „autoritären Charakter“ entlarven sich leicht
als ideologische Manipulationen ohne wissenschaftlichen Wert.
Man kann verstehen, daß die „Studies in
Prejudice“ nach ihrer Veröffentlichung im Jahr 1950 kaum auf Interesse stießen.
Deshalb kehrte Adorno
schnell nach Deutschland zurück.
Die Deutschen, die damals umerzogen werden sollten, konnten ihn schlecht
zurückweisen.
Trotzdem ist es heute fast unbegreiflich, warum so viele Studenten und Wissenschaftler
in Deutschland auf diese billige Propaganda hereinfielen.
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