09:49:01 | Freitag, 30. März 2007
Ein Lebensschützer enttarnt den Bischof von Graz-Seckau und stellvertretenden Vorsitzenden der österreichischen Bischofskonferenz in einem Offenen Brief als Kollaborateur des gegenwärtigen Abtreibungsregimes. Von Dipl.Ing. Andreas Kirchmair.

Sehr geehrter Herr Bischof Kapellari
Kürzlich haben Sie geschrieben, daß „Christen für das Prinzip
Leben eintreten sollen – gebeten oder ungebeten“.
Kürzlich haben in der Steiermark bekanntlich auch
die zwei Fußballvereine ‘Sturm’ und ‘GAK’ Konkurs angemeldet.
Das sollten Sie in Bezug auf die Lebensschutzpolitik
Ihrer Diözese auch tun.
Denn wenn man das 25. Kapitel von Matthäus in unsere Zeit überträgt, dann
werden eines Tages viele die Worte hören: „Ich war noch ungeboren, und ihr habt mich nicht beschützt.“
Das Maß ist voll. Es ist Zeit, innerkirchlich Klartext zu reden und mit den Lippenbekenntnissen und
Verharmlosungen aufzuhören.
Schlagzeilen wie der
Streit um die Exkommunikation von Abtreibungsbetreibern
wie Herrn Richard Lugner, die
Einladung von Abtreibungsärzten in katholischen Einrichtungen, der
Besuch
katholischer Privatschulen in Abtreibungskliniken zeigen fast täglich, wie viele Verantwortliche in der
Kirche Österreichs sich mit der Massentötung ungeborener Kinder arrangiert haben.
Dieses Faktum wieder
erst in sechzig Jahren zu bedauern – „Wir haben zuwenig getan, waren müde“ – ist lächerlich.
Seit Jahrzehnten
wird unser Glaube, unser Rechtsstaat und unser Land aufs Spiel gesetzt.
Viele Lebensschützer und Abtreibungsgegner
können ein Lied davon singen, wie vielen Angriffen sie aus den Reihen der Kirche ausgesetzt sind.
Woher
kommt der Eindruck, daß es eine innerkirchliche Schweigemauer gibt und die ungeborenen Kinder von den
Hirten im Stich gelassen werden?
Mehrere Unterredungen mit Ihnen, Herr Bischof, sowie Korrespondenzen
mit konkreten Vorschlägen sind in den letzten drei Jahren ergebnislos verlaufen. Darum erhalten Sie das
folgende als Offenen Brief.
Zehn Fragen an Bischof Kapellari1. „Heil Fristenlösung“:Warum vertreten
Sie wie mehrere Ihrer Amtsbrüder die Meinung, daß eine „Kriminalisierung in der Frage der Abtreibung“
kein gangbarer Weg sei?
Das ist ein Standpunkt, der öffentlich als Zustimmung zum Gesetz der Fristenregelung
und zur staatlich geförderten Kindestötung interpretiert wird.
Damit machen Sie sich zum Komplizen
hunderttausendfacher Tötungen ungeborener Kinder in Österreich.
2. Verschwiegenes Evangelium:Warum
schämen Sie sich für die Lehre unserer Kirche und der Konzilien, die erklären, daß die Kinderabtreibung
ein „verabscheuungswürdiges Verbrechen“ ist und daß die daran Beteiligten automatisch exkommuniziert
sind – eine Kirchenstrafe, die übrigens zum Schutz aller Beteiligten gedacht ist?
3. Verteidigung verlogene
Slogans:Warum verteidigen Sie die Schutzlosigkeit ungeborenen Kinder – straflos heißt auch schutzlos –
und dulden die kirchliche Verbreitung verlogener Slogans wie „Helfen statt strafen“, was de facto „töten
statt schützen“ bedeutet.
Ein solcher Slogan ist mit dem katholischen und rechtlichen Grundverständnis
unvereinbar, weil er letztlich eine Verdrehung des Evangeliums und eine Aufhebung des Strafrechts bedeutet.
4. Sprachliche Verharmlosungen:Warum dulden Sie, daß in Ihrem Ordinariat und in katholischen Organisationen
der verharmlosende Begriff „Schwangerschaftsabbruch“ verwendet wird, der verschleiert, daß die Abtreibung
in Wahrheit die Tötung eines ungeborenen Kindes ist?
(Heute stellt der Begriff „Arbeitslager“ im Zusammenhang
mit dem 3. Reich eine strafbare Verharmlosung dar).
5. Das Versteckspiel hinter „Frauen in Not“:Österreich
gehört zu den reichsten Ländern der Welt.
Warum verstecken Sie sich als Bischof feig hinter den jährlich
60.000 bis 80.000 Müttern, von denen viele von Männern zur Abtreibung gedrängt werden, statt sie und
ihre Kinder mit allen Mitteln zu verteidigen, zu schützen und zu trösten?
Warum fühlen Sie sich für
die zahllosen Opfer der Abtreibung nicht wenigstens insofern verantwortlich, daß Sie als Bischof für
sie ein Begräbnis fordern?
6. Distanzierung von Gebetsprozessionen und Gebeten vor Abtreibungsstätten:
Warum wird Priestern Ihrer Diözese von oben verboten, vor Abtreibungskliniken zu beten? Sie machen sich
damit zum Gehilfen einer Politik, welche die Zonen um die Tötungsorte von Lebensschützern und Priestern
freihalten und immer mehr Bürgerrechte einschränken will?
Warum führen Sie keine Gebetsprozessionen
an, um durch den Schutz des Gebets den fehlenden Gesetzesschutz für ungeborene Kinder und ihre Mütter
wettzumachen?
7. Zulassung kirchenwidriger Positionen:Warum vertritt der „Arbeitskreis Umfassender
Schutz des Lebens“ Ihres Bischöflichen Ordinariats beim Lebensschutz absurde und widersprüchliche Positionen,
ohne daß Sie einschreiten, obwohl Sie wiederholt darauf aufmerksam gemacht wurden?
8. Unterstützung
der umstrittenen ‘Aktion Leben Österreich’:Warum fördert Ihre Diözese und die Finanzkommission der
Österreichischen Bischofskonferenz die ‘Aktion Leben Österreich’ mit Kirchensteuergeldern, obwohl deren
Mitarbeiter seit Jahren katholische Lebensschützer attackieren und sich nicht um die kirchliche Lehre
scheren?
9. Förderung von Abtreibungsärzten in kirchennahen Einrichtungen:Warum veröffentlicht die
Grazer ‘Kleinen Zeitung’ – die dem ‘Katholischen Preßverein’ gehört – am 2. März 2007 ein Interview
mit dem bekannten Kinderabtreiber
Christian Fiala, in dem dieser Gelegenheit bekommt, die „Tötungspille
danach“ zu verharmlosen?
Als Organisator eines Weltkongresses von Kinderabtreibern im September 2004
in Wien ist Fiala weithin als vehementer Abtreibungslobbyist bekannt geworden. Beim Kongreß wurde unter
anderem die Forderung erhoben, Ärzte notfalls zur Abtreibung von Kindern zu zwingen.
Kinderabtreiber
und Abtreibungssympathisanten treten auch in katholischen Bildungseinrichtungen auf.
10. Falsche Prioritäten:
Warum rufen kirchliche Organisationen zum Schutz von Asylanten, aber nicht zum Schutz von schwangeren
Müttern und ungeborenen Kindern auf?
Warum ist man beim Kirchenbeitrag innovativ und beim Lebensschutz
in den 70er Jahren steckengeblieben?
Heulen mit den Wölfen:Die Abtreibungsideologie ist tief in die
Kirche in Österreich eingedrungen. Hirten, die Tötungsgesetze und Tötungskliniken verteidigen, lassen
die ungeborenen Kinder im Stich und heulen mit den Wölfen.
Diese Hirten führen in die Irre.
Ein Symbol
der heutigen Situation in Ihrer Diözese ist die lange, friedliche Koexistenz der Grazer Stadtpfarrkirche
und einer benachbarten Abtreibungsklinik.
In seiner Enzyklika ‘Evangelium Vitae’ schreibt Papst Johannes
Paul II.:
„Finden wir wieder Demut und Mut zum Beten und Fasten, um zu erreichen, daß die Kraft, die
vom Himmel kommt, die Mauern aus Betrug und Lüge zum Einsturz bringt, welche die perverse Natur lebensfeindlicher
Verhaltensweisen und Gesetze vor den Blicken vieler unserer Brüder und Schwestern verbergen, und ihre
Herzen für die Vorschläge und Absichten öffnet, die sich an der Zivilisation des Lebens und der Liebe
inspiriere.“Was, aber, wenn kirchliche Verantwortliche in Österreich die „Mauer aus Betrug und Lüge“
selber stützen?
Darum erklärte Papst Benedikt XVI. im November 2005 beim letzten Ad Limina Besuch der
österreichischen Bischöfe:
„Es gibt Themen (…) vor allem im Bereich der Sittenlehre, die in Euren
Diözesen in Katechese und Verkündigung nicht ausreichend präsent sind, die manchmal, (…) gar nicht
oder nicht eindeutig im Sinn der Kirche zur Sprache kommen“.Auch diese Worte wurden offensichtlich ignoriert
und die Kirchenspaltung beim Lebensschutz ungeborener Kinder noch vergrößert.
Österreich braucht dringend
Seelsorger, nicht politisierende Kleriker, konkrete Taten statt Lippenbekenntnisse, leidenschaftliche
Verteidiger und Beschützer der ungeborenen Kinder, nicht harmlose „Freunde des Lebens“.
Da Worte und
Taten beim Schutz ungeborener Kinder in Ihrer Diözese seit vielen Jahren immer mehr auseinander gehen,
nehmen Sie bitte all Ihren Glauben, Ihre Hoffnung und Ihre Liebe zusammen und melden Sie beim Lebensschutz
Konkurs an.
Leiten Sie damit unverzüglich einen Neubeginn ein, um die Glaubwürdigkeit der Kirche wiederherzustellen,
die vergangene Schuld aufzuarbeiten und mit Taten dazu beizutragen, zukünftig viele von der Abtreibung
bedrohte Kinder, deren Eltern und auch unser Land zu retten.
Der Heilige Vaters wird Ihnen dabei sicher
helfen.
Nochmals, glauben Sie an das Evangelium.
Andreas Kirchmair ist selbständiger Unternehmensberater,
vierfacher Familienvater und ehemaliger Vorsitzender des Diözesankomitees katholischer Organisationen
(DKO) im österreichischen Bundesland Steiermark.
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