11:11:14 | Samstag, 31. März 2007
„Ihre Gleichgültigkeit der Wahrheit gegenüber ist erschreckend.“ Brief eines Gläubigen an seinen Bischof.

(kreuz.net, St. Petersburg)
Heute vor zwei Jahren wurde Frau Terri Schiavo im US-Bundesstaat Florida euthanasiert.
Ihr Bruder, Bobby Schindler, schrieb dem Bischof von St. Petersburg, Mons. Robert Lynch, zu diesem Anlaß
einen Brief.
Frau Schiavo wurde in einem Heim zu Tode gebracht, das sich auf dem Gebiet der Diözese
St. Petersburg befindet.Herr Bischof, ich spreche zu Ihnen auch im Namen meiner Familie.
Zwei Jahre
nach dem Tod meiner Schwester möchte ich Ihnen einen Brief schreiben, weil ich glaube, daß Sie für
diesen schrecklichen Tod mehr Verantwortung tragen als der
untreue Gatte meiner Schwester, sein Anwalt
oder der Richter, der die Tötung von Terri anordnete.
Irgendwie
ist es eine bittere Ironie. Der Grund dafür, daß ich Ihnen heute schreibe ist Ihr Kommentar, den Sie
unter dem Titel „Die Heimatlosen sind eine Herausforderung für unsere Stadt und unseren Glauben“ in der
Tageszeitung ‘Tampa Tribune’ veröffentlicht haben.
Dort sagen Sie genau das, was ich zum Ausdruck bringen
wollte. Einleitend schreiben Sie:
„Die Lage der Obdachlosen in St. Petersburg hat für landesweite Schlagzeilen
gesorgt und war für viele Menschen beschämend.
Ich bin sicher, daß wir – sowohl am Tag des Jüngsten
Gerichts als auch in diesem Leben – nicht nach den Dingen gerichtet werden, die wir selber in unserem
Leben für wichtig halten, sondern nach unserer Sorge für jene, die benachteiligter sind als wir.“Das
ist, Herr Bischof, eine prophetische Aussage. Sie stimmt perfekt mit den Worten unseres Herrn in Matthäus
25:31-46 überein.

Mons. Robert Lynch beim Papst
Im nächsten Absatz sagen sie:
„Die Personen, die am Tag des Jüngsten Gerichts vor
uns auftreten, sind wahrscheinlich jene Menschen, die uns um Unterstützung baten und von uns abgewiesen
wurden.“Herr Bischof, ich hätte es nicht besser ausdrücken können.
Statt Ihnen einen Brief über
Ihre Heuchelei zu schreiben, möchte ich das folgende sagen:
Der brutale Albtraum der zwei Todeswochen
meiner Schwester, die durch Hunger und Durst
verendete, wird für immer im Gedächtnis meiner Familie
eingebrannt bleiben.
Für uns ist es unverständlich, daß eine Nation die angeblich auf jüdisch-christlichen
Werten gründet solche Greuel zuläßt.
Das ist unverständlich, bis man bedenkt, daß die Kultur des
Todes im Jahr 1973 mit der Legalisierung der Kinderabtreibung in unserer Nation zu triumphieren begann.
Damals gab es keinen Hauch des Protests jener, die von Gott die Autorität erhalten haben, dieses Unrecht
aufzuhalten.
Jetzt, da unsere Behinderten und Alten zur Zielscheibe des Todes werden, wiederholt sich
dieses Schauspiel.
Wenn die apostolische Verantwortung versagt, sterben unschuldige Menschen.
Glücklicherweise
erhielt meine Familie während der Agonie meiner Schwester durch viele Gebete – auch eine standhafte Unterstützung
des Heiligen Stuhl – viel Kraft. Das stärkt uns bis heute.
Aufbauend sind auch die vielen Nachrichten,
die uns bis heute fast täglich erreichen.
Sie erzählen, wie meine Schwester die Herzen vieler Menschen
berührt und ihr Leben verändert hat – nicht nur in unserem Land, sondern auf der ganzen Welt.
Es gibt
sogar weltweit Bestrebungen, Terris Seligsprechung voranzutreiben.
Meine Schwester hat ein Vermächtnis
der Liebe und des Lebens hinterlassen.
Teil dieses Nachlasses wird leider auch ein Hirte sein, der teilnahmslos
daneben stand, als eines seiner unschuldigen, behinderten Lämmer langsam und unnötigerweise geschlachtet
wurde.
In dieser Zeit haben Sie, Herr Bischof, die Hilferufe unserer Familie beharrlich ignoriert.
Es
ist nicht nötig, Sie an die Stelle der Heiligen Schrift zu erinnern, welche die Hirten verdammt, die
„sich selber auf Kosten ihrer Schafe weiden“, oder an die Ermahnung Christi an den Heiligen Petrus „meine
Schafe zu weiden.“
Meine Familie und ich werden den Rest unseres Lebens dafür verwenden, das Leben anderer
Schafe zu retten, die zur Zielscheibe der Kultur des Todes werden.
Gleichzeitig bitte ich den Herrn,
uns vor einem weiteren Nachfolger der Apostel zu verschonen, der dieselbe skandalöse Untätigkeit und
dasselbe empörende Schweigen an den Tag legen würde, durch die Sie ein Komplize der Euthanasierung meiner
Schwester geworden sind.
Ich weiß, Herr Bischof, daß ich soweit kommen muß, Ihnen – um meines Heiles
willen – zu verzeihen, daß Sie die Übeltäter unterstützt haben, die meiner unschuldigen Schwester
das Leben raubten.
Die katholische Kirche hat zu Terris Fall gesprochen und befunden, daß sie ein Recht
auf Leben besaß.
Dagegen war Ihr Verhalten ein Skandal für die Weltkirche und für die Gläubigen,
besonders jene in Florida.
Herr Bischof, Ihre Gleichgültigkeit der Wahrheit gegenüber ist erschreckend.
Aber sie scheint angesichts einer verdorbenen Priesterausbildung in den 60er und 70er Jahren typisch zu
sein.
Ihre Schuld ist also möglicherweise abgeschwächt.
Der Tod meiner Schwester unter Ihrer „Seelsorge“
ist eine Tatsache, die Sie öffentlich anerkennen sollten.
Diese Fastenzeit ist gut geeignet, öffentlich
um Vergebung zu bitten und öffentliche für einen öffentlichen Skandal Genugtuung zu leisten.
Solange
das nicht geschieht, muß ich – nach ihren Worten – jener Mensch sein, der auf ihrem Gewissen lastet,
weil er um Hilfe bat und von Ihnen abgewiesen wurde.
Möge Gott mit Ihnen barmherzig sein, und möge
meine heilige Schwester Terri für uns alle beten,
Hochachtungsvoll,
Bobby Schindler
Bobby Schindler
besucht im April Deutschland und Österreich:
Freitag, 20. April, 19.30: Internationale Konferenz – Fragen
zum Lebensende im Schloß Hartheim in Oberösterreich
Sonntag, 22. April: Kongreß von Kirche in Not
in Bamberg, Podiumsgespräch mit Bobby Schindler am Nachmittag im Bistumshaus St. Otto.
Dienstag, 24.
April, 19.00 Uhr: Veranstaltungszentrum Europahaus Wien, Linzerstraße 429. Podiumsdiskussion der ‘Österreichischen
Lebensbewegung’ zum Thema „Leben am Ende“
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