09:26:42 | Montag, 2. April 2007
Ein ehemaliger österreichischer Regens – der nun mit einer Geschiedenen im Konkubinat haust – hat sich kürzlich vor der Presse ausgeheult.

Bischof Egon Kapellari von Graz
© Roland Noé, kathpedia.com. Lizenz: Creative Commons(kreuz.net, Graz) Im Oktober 2005 verließen gleich zwei österreichische
Regenten das Priesteramt, um
zu heiraten.
Der Regens ist der Leiter eines Priesterseminars, in dem die zukünftigen Geistlichen einer
Diözese ausgebildet werden.
Einer der zwei Abgefallenen – der ehemalige Regens der Diözese Gurk-Klagenfurt,
Josef Suntinger – hat sich nun zu Wort gemeldet.
Suntinger äußerte sich am Freitag gemeinsam mit seiner
Konkubine vor dem Grazer Regionalblatt ‘Kleine Zeitung’.
Im Mai 2006 heiratete der Ex-Priester eine ehemalige
Religionslehrerin in einer zivilen Eheschließung. Seine Partnerin ist geschieden und Mutter zweier Kinder.
Der abgefallene Priester erklärte zusammen mit seiner Konkubine, daß beide „immer schon“ an die Öffentlichkeit
gehen wollten. Es gebe viele, die in ähnlichen Umständen lebten. Diese Leute wollten sie durch ihren
Schritt an die Öffentlichkeit ermutigen.
Anlaß für die Stellungnahme sei das jüngste päpstliche
Schreiben ‘
Sacramentum caritatis’.
Frau Suntinger fühlte sich vor der ‘Kleinen Zeitung’ „von Gott“ so
sehr getragen, daß sie keine Mittler-Instanzen mehr braucht, um in seiner Liebe zu sein.
Niemand solle
sich anmaßen, andere Menschen von den Sakramenten der Kirche auszuschließen.
Ihr Lebenspartner erklärte,
er habe sich in seinem Leben – als Priester und Regens – nie so bedingungslos „von Gott“ begleitet gefühlt
wie jetzt.
Vorher habe er wie in einem Aquarium gelebt, „aus dem ich nicht hinaus gesehen habe“.
Die
zwei Konkubinatspartner forderten vor der ‘Kleinen Zeitung’ die Priesterehe. Die Kirche verbaue sich mit
dem Zölibat eine „gesunde Personalentwicklung“.
Die Frage, ob Priester auch geschiedene Frauen heiraten
sollten, stellte die Zeitung nicht.
Suntinger erhielt bis zum Zeitpunkt seiner Zivilhochzeit ein Kaplansgehalt.
Dann stellte die Kirche die Zahlungen ein:
„Ich konnte allerdings einen einmaligen Abfindungsbetrag erreichen.“
Verlogen
Die
kirchlichen Vorgesetzten versuchten, Suntinger als Priester in eine andere Diözese zu schicken. Man habe
gesagt: „Eine Beziehung muß das aushalten.“
Insgesamt habe er ein bißchen mehr als die Hälfte einer
normalen Abfertigung bekommen, die ein „Arbeitnehmer“ mit zwanzig „Dienstjahren“ erhalte.
Nach eigenen
Angaben haben der Ex-Priester und seine Konkubine beruflich wieder „einigermaßen“ Fuß gefaßt.
Suntinger
erklärt, daß er seine Heimat in „dieser“ katholischen Kirche verloren habe.
Man habe ihm und seiner
Freundin gesagt: „Es ist wie im Fußballspiel. Ihr habt die Regeln gekannt, habt gegen sie verstoßen,
also seid Ihr draußen.“
Doch beim Fußball könnten Regeln, die „sinnlos“ seien, geändert werden.
In der Kirche gehe „man“ davon aus, daß sich die Regeln
nicht ändern können.
Noch bis zum Tag der
Hochzeit habe die Kirche sich bemüht, ihn als Priester zurückzugewinnen.
Es sei ihm das Angebot gemacht
worden, als Priester in eine andere Diözese zu gehen. Man habe gesagt: „Eine Beziehung muß das aushalten.“
Nun überlegt sich Suntinger mit seiner Konkubine, was sie für „Leute, die die Beheimatung in der Kirche
verloren haben“ tun könnten.
Sie denken an Treffen mit Referenten und Erfahrungsaustausch. Die Kirche
könne dieses Segment angeblich nicht bedienen. Das widerspreche ihren Regeln:
„Kirche kann nicht gleichzeitig
ausschließen und auffangen. Das geht nicht.“
Der Bischof von Graz antwortetIn einer öffentlichen
Stellungnahme an die Priester und Mitarbeiter seiner Diözese bedauerte der Bischof von Graz, Mons. Egon
Kapellari, die Aussagen des Ex-Priesters.
In mehr als 25 Jahren Bischofsdienst habe er viele Kandidaten
der Diözesen Gurk-Klagenfurt und Graz-Seckau sowie Ordensangehörige zu Priestern geweiht.
Dabei habe
er auch auf den Zölibat bezogene Krisen von Priestern und „Abschiede“ aus dem Priesteramt erlebt. Er
habe immer versucht, damit ehrlich und menschlich einfühlsam umzugehen.
Enttäuschungen auf beiden Seiten
seien dennoch nicht ausgeblieben:
„Wer aber ein Versprechen zu einer Ehe oder als Priester zur zölibatären
Lebensform abgibt, muß einen Teil der Lasten in Folge eines Abschieds aus einer solchen Bindung auch
selber tragen.“
In einer emotional komplexen Situation sei dies nicht immer einsichtig. Man klage dann
sehr leicht die Kirche als uneinsichtig und unbarmherzig an.
Dabei übersehe man, daß von einer trotz
Schwierigkeiten durchgehaltenen Bindung viele andere Menschen gestärkt und mitgetragen würden.
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