Buchbesprechung
Kleinkarierte Welt
Wohin führt der Haß gegen das Kreuz? Ein neues Buch gibt auf diese Frage eine Antwort.
Links: Gilberth Keith Chesterton
Rechts: Umschlag des Romans 'Kugel und Kreuz'
Links: Gilberth Keith Chesterton
Rechts: Umschlag des Romans ‘Kugel und Kreuz’
(kreuz.net) Ab Ende April ist der Roman „Kugel und Kreuz“ erhältlich.

Es handelt sich um eine Übersetzung von „The Ball and the Cross“. Autor ist der bekannte britische Schriftsteller und Konvertit Gilberth Keith Chesterton († 1936).

„Kugel und Kreuz“ ist sein letztes Werk, das noch nicht ins Deutsche übersetzt wurde. Es erscheint im Verlag ‘Nova & Vetera’.

„The Ball and the Cross“ erschien erstmals 1910. Erst zwölf Jahre später sollte Chesterton katholisch werden. Dennoch schreibt er schon in diesem Werk über die Gegenwart Gottes im Altarsakrament.

Gilberth Keith Chesterton
Chesterton als 24jähriger, 1898.

Als Jugendlicher interessierte er sich für Okkultismus und experimentierte mit Hexenbrettern.Chesterton schrieb rund 80 Bücher, einige hundert Gedichte, 200 Kurzgeschichten, 4.000 Essays und mehrere Theaterstücke.

Er wird von allen zitiert: Heiden und Christen, Liberalen, Konservativen und Katholiken.Chesterton war über 1.90 Meter groß und wog mehr als 130 Kilogramm:

Einmal sagte er zu einem Freund: "Wenn man Dich so ansieht, würde jeder glauben, daß es in England eine Hungersnot gäbe."

"Wenn man Dich ansieht" - konterte der Freund - "würde jeder glauben, daß Du sie verursacht hast."

Seit dem 20. März veröffentlicht die ‘Frankfurter Allgemeine Zeitung’ einen um einen Drittel gekürzten Vorabdruck des Romans.

In dem Werk diskutieren der schottische Christ McIan und sein Landsmann Turnbull über den Glauben. Dabei beleidigt Turnbull die Muttergottes. McIan will diese Beleidigung in einem Duell sühnen.

Doch der Staat verhindert das Gefecht.

McIan und Turnbull müssen vor der Obrigkeit quer durch England fliehen.

Auf ihrer abenteuerlichen Flucht wird aus dem immer wieder verschobenen Säbelkampf ein nie endendes Rededuell.

Dabei führt McIan die Aussagen des atheistischen Turnbull ad absurdum.

Leseprobe aus „Kugel und Kreuz“

Über der Kathedrale von London schleudert der Professor dem Turmkreuz vom Luftschiff aus einen Fluch entgegen.

„Ich überlege“ – antwortete darauf der Mönch – „ob dieser Fluch Dir guttun wird. Höre folgende Geschichte:

Einst lernte ich einen Mann kennen, so wie Dich. Auch er haßte das Kreuz. Er verbannte es aus seinem Haus, von der Halskette seiner Frau und von allen Bildern.

Er behauptete, es sei häßlich und ein Zeichen der Grausamkeit, es stünde im Widerspruch zur Freude und zum Leben.

Tag für Tag wurde sein Haß gegen das Kreuz größer. Einmal kletterte er sogar auf den Kirchturm seines Dorfes, brach das Kreuz ab und schleuderte es hinunter. Es wurde immer schlimmer. Der Haß verwandelte sich in Wut und schließlich in Raserei.

An einem Sommerabend blieb er vor einem langen Palisadenzaun stehen.

Kein Licht funkelte. Kein Blatt bewegte sich. Doch er meinte, vor einer endlosen Reihe von Kreuzen zu stehen, die sich über die Hügel hinzögen.

Er packte einen Knüppel, ging wutschnaubend auf die Pfähle los und schlug alle nieder. Da sein Herz voller Haß gegen das Kreuz war, erschien ihm jeder Pfahl wie ein Kreuz.

Zu Hause angelangt, sah er ebenfalls überall Kreuze. Er zertrümmerte die Möbel, legte Feuer. Am anderen Morgen fand man seine Leiche im Fluß.“

Der Professor blickte den alten Mönch mit zusammengekniffenen Lippen an: „Diese Geschichte hast du dir selbst zusammengedichtet!“

„Ja“, antwortete der Mönch ruhig: „Ich habe sie mir soeben ausgedacht. Aber sie drückt das aus, was du und deine ungläubigen Gesinnungsgenossen tun. Es fängt damit an, daß man die Kreuze zerstört und endet mit der Zerstörung der Welt.“


Johannes Paul I. über den Roman

Die Webseite des Verlags läßt einen prominenten Freunde des Buches zu Wort kommen: Papst Johannes Paul I.

Während seiner Zeit als Erzbischof von Venedig schrieb er Chesterton zu dessen 35. Todestag einen fiktiven Brief.

Darin bezieht sich der spätere Papst auf den oben zitierten Ausschnitt des ersten Kapitels von „Kugel und Kreuz“:

„Was wird aus den Menschen, wenn man Gott beseitigt? Wie kleinkariert wird die Welt dann plötzlich. Das sei die Welt des Fortschritts – höre ich sie behaupten: die Welt des Wohlstands.“

„Doch für eine Menschheit, die in Gott nicht den gemeinsamen Vater sieht, wird der Fortschritt zu einer ständigen Gefahr.

Wenn er nicht mit einem moralischen, innerlichen, persönlichen Fortschritt einhergeht, fördert jeder andere Fortschritt nur die Unkultur.“

Gilbert Keith Chesterton: Kugel und Kreuz
ISBN 978-3-936741-46-9;
Erscheinen: Ende April 2007
ca. 240 Seiten
      
12 Lesermeinungen
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#12   Samurai   18:35:10 | Montag, 23. Juli 2007
@ Alanus
Hallo Alanus,
nun, daß manche Nichtchristen das Kreuz ablehnen, ist (!) verständlich, da es eben ein Hinrichtungsinstrument ist.
Der wesentliche Punkt ist doch der, daß die Christen gewissermassen einen Schritt weitergehen, und das leere (!) Kreuz im Blick haben.
Jesus ist auferstanden und hängt nicht mehr am Kreuz.
Aus eben diesem Grund kannten die frühen Christen tatsächlich keine Kreuzesdarstellung, da sie Jesus meist als Fischer („Menschenfischer“), Hirten (der gute Hirte) oder dergleichen darstellten. Oft wurde auch nur das Christusmonogramm abgebildet oder der Fisch (griech.: Iychtius (richtig geschrieben?) als Synonym für „Jesus Christus, Gottes Sohn, Erlöser“.
samurai
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#11   Sirilo   10:27:39 | Donnerstag, 5. April 2007
Fehler
Wenn das stimmt, was Inabikari schreibt, dann muß ich den Vorwurf der mangelnden Professionalität vom Nova et Vetera Verlag auf das Kindler-Literaturlexikon (aus dem ich, wie Inabikari richtig vermutet, geschöpft habe) übertragen und mich beim Verlag entschuldigen.
Da mir „Ballspiel der Ideen“ nicht vorliegt, weiß ich allerdings nicht, wer recht hat. Vielleicht ist ein anderer Leser im Besitz dieses Werkes und kann für endgültige Aufklärung sorgen?
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#10   Inabikari   10:00:52 | Donnerstag, 5. April 2007
Fehler bei Sirilo und Kindler?
Der Nova et Vetera Verlag weist auf seiner Website darauf hin, dass im Kindler-Literaturlexikon (aus dem Sirilo offensichtlich geschöpft hat) ein Fehler enthalten sei: „Ballspiel mit Ideen“ sei nicht die erste deutsche Übersetzung von „The Ball and the Cross“, sondern eine Sammlung ausgewählter Essays von Chesterton. Demnach wäre „Kugel und Kreuz“ durchaus die erste deutsche Übersetzung dieses Werkes.
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#9   Sirilo   22:15:38 | Mittwoch, 4. April 2007
Fehler in dem Artikel
„The Ball and the Cross“ erschien nicht 1910, sondern schon 1909. Und es stimmt nicht, daß dieses Buch noch nicht auf Deutsch erschienen ist. 1963 erschien es auf Deutsch unter dem Titel „Ballspiel mit Ideen“ in der Übersetzung von M. Müllerott (Freiburg i.B., Herderbücherei Nr. 153).
Solche Fehler lassen an der Professionalität des Verlages „Nova et Vetera“ zweifeln.
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#8   Romulus   20:23:56 | Mittwoch, 4. April 2007
@Alanus
Dann solltest Du hier schleunigst verschwinden! Sei konsequent!
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#7   Alanus ab Insulis   19:31:47 | Mittwoch, 4. April 2007
Nur mal zur Erinnerung:
Das Kreuz ist ein Hinrichtungsinstrument. Wenn Jesus gehängt worden wäre, würde Jesus in den heutigen Kirchen (und um den Hals der Gläubigen an Kettchen) am Strick baumeln. Oder elektrische Stühle, oder die Giftspritze oder was weiß ich.
Daß Nichtchristen die Darstellung eines antiken Hinrichtungsvorgangs nicht gerade begrüßen, ist wohl verständlich.
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#6   Marcell   16:36:47 | Mittwoch, 4. April 2007
@stimme…
Sie sind dumm und bleiben auch, weil nichts Sie interessieren.
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#5   matt   16:22:47 | Mittwoch, 4. April 2007
der schaut aber grimmig drein…
ich bin ehrlich kein Romanleser. Ich hab früher mal Karl May gelesen, weil der ja auch ein Christ war und das in seinen Wild-West-Phantasien zum tragen kam. Ganz amüsant, aber dann auch irgendwann überflüssig.
Ich traue insb. solcher Erbauung nicht, die versucht mit Phantasiegeschichten den Geschichten, die das Leben schreibt, auf die Sprünge zu helfen. Es ist keine wahre Begebenheit, etwas Irreales, das Phantasma des Autors. Und darin mischt sich immer auch die Eitelkeit seiner Person. Das Ganze wirkt auch etwas abgeschmackt und – wie soll ich sagen – übertrieben pathetisch mit Luftschiff und Turmkreuz.
Im Grunde ist es doch eine etwas kindische Logik: Jemand hasst das Kreuz, deshalb zerstört er die Welt. Genauso gut kann ich sagen: jemand hasst Kommunisten und überall wo er was Rotes sieht, sieht er rot und haut alles kurz und klein. Oder: jemand hasst Homos, deshalb sieht er hinter jeder Hausecke zwei Unzüchtige lungern und haut alle Häuser ein, usw… Das ist für mich eine sog. „Pimperl-Weisheit“, die sich beliebig anwenden lässt, weil die Symbole austauschbar sind und läuft letztlich darauf hinaus, dass jede Art von Zorn und Entrüstung böse und falsch sein soll, gerade so, wie es unsere jetzige, verweichlichte Toleranzges. gerne haben möchte. Deshalb verwehre ich mich gegen diese Art von seniler Christenmoral, die so eindringlich und erhaben dastehen will, das es ihr selbst schadet, von der sich der wahre Geist angebiedert sieht und vor ihr flieht.
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#4   Tridentinus   15:31:35 | Mittwoch, 4. April 2007
@Desperatus
Verlieren Sie die Hoffnung nicht! Chesterton hat so viel geschrieben, dass gar nicht alles gleich gut sein kann. Aber in dieser Masse von Texten befinden sich echte Kostbarkeiten. In der deutscher Übersetzung ist der Roman natürlich neu. Ich bin darauf sehr gespannt. Chesterton ist so schön originell und unkonventionell.
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#3   Desperatus †   14:38:22 | Mittwoch, 4. April 2007
So so,
ein Roman gibt also Antworten auf viele Fragen. Auch „Sakrileg“ ist ein Roman…
und ein Roman ist ein Roman ist ein Roman…
Und das Buch ist neu, ja, wahrhaft neu. Was sind schon etwas mehr als 80 Jährchen im Vergleich zu rund 450 (Missale Pius’ V.) oder rund 1300 (Toleranzedikt von Mailand) oder 2000 (Tod uns Augerstehung Jesus)?
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#2   stimme der vernunft †   14:38:15 | Mittwoch, 4. April 2007
Interessant
Aber sie drückt das aus, was du und deine ungläubigen Gesinnungsgenossen tun. Es fängt damit an, daß man die Kreuze zerstört und endet mit der Zerstörung der Welt
Die Geschichte drückt auch genau das aus, was kreuz.net und seine gläubigen Gesinnungsgenossen tun: Sie fangen damit an hier mit Worten Hass und Hetze zu verbreiten und enden bei der Zerstörung der Welt.
Das scheint eine menschliche Grundeigenschaft zu sein.
Beonders tragisch ist es allerdings, wenn man es im Namen Jesu Christi tut.
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#1   Romulus   14:30:58 | Mittwoch, 4. April 2007
Prima Artikel!
Chesterton ist spitze!
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