Generalabt Notker Wolf
Vom Abt zum Gemüseputzer?
„Sie galten einst als Kritiker von Kardinal Joseph Ratzinger. Hat sich Ihre Haltung geändert?“
Abt Wolf bei einem Konzert
Abt Wolf bei einem Konzert
© Creative Commons
(kreuz.net) Am Karsamstag veröffentlichte das Online Angebot der deutschen Tageszeitung ‘Welt’ ein Interview mit dem Generalabt der Benediktiner, Notker Wolf.

Abt Wolf residiert im Kloster Sant’Anselmo auf dem Aventin – dem südlichsten der sieben Hügel Roms.

Der Heilige Benedikt wäre Christdemokrat

Er kann sich nicht vorstellen, daß der Heilige Benedikt, hätte er heute gelebt, Mitglied bei der SPD geworden wäre:

„Ich denke, er hätte sich für die Union engagiert, allerdings nur für eine solche, welche die wirtschaftlichen Prinzipien von Ludwig Erhard vertritt und dem C in ihrem Namen stärker gerecht wird.“

„Benedikt wäre zur CSU gegangen und hätte den Herren Politikern die Leviten gelesen – was ich übrigens auch getan habe“ – so der Abt.

Mann oder Mutter

Die Politik der deutschen Familienministerin, Ursula von der Leyen, hält Abt Wolf „nicht für besonders glücklich“.

„Wenn sie sagt, daß die Plätze in Kindertagesstätten ausgebaut werden müßten und das Kind schon mit zwei Jahren von der Mutter weggegeben werden soll, dann sehe ich darin eine Wiederkehr der DDR-Verhältnisse.“

Der Ausbau der Kindertagesstätten sei mehr als ein „Angebot“ an die Frauen: „Offenbar zählt eine Frau nur etwas, wenn sie wie ein Mann arbeitet und nicht wie eine Mutter für ihr Kind sorgt.“

Rat an die Politik

Der deutschen Regierung würde der Heilige Benedikt raten: ora et labora – bete und arbeite.

Das habe den Benediktinern eine lange Tradition der Freiheit beschert: „Wir Mönche schöpfen aus dem Gebet geistige Unabhängigkeit.“

Abt Wolf auf der Flöte
Abt Wolf auf der Flöte
© Creative Commons
Die Benediktiner seien mittlerweile auch total globalisiert: „Und es klappt wunderbar.“

In Deutschland würden die Prinzipien von Freiheit und Mitverantwortung „zunehmend verletzt“: „Da gibt es eher einen fatalen Hang zum Sozialismus.“

Den Politikern gehe es vor allem um ihre Wiederwahl:

„Einer Jungpolitikerrunde habe ich mal geraten, mit der Parole in den Wahlkampf zu ziehen: Wählt uns, wir betrügen euch nicht. Daraufhin blickte ich aber nur in betretene Gesichter.“

Positiv überrascht von Benedikt XVI.

Der Abt wird auch gefragt, wie seine Gedanken beim Papst ankommen:

„Wenn der Papst sagen würde: „Dieser Mann muß weg!“ – ja, dann ginge ich in mein Kloster zurück und putzte das Gemüse.“

Auch darin könne er als leidenschaftlicher Koch Zufriedenheit finden.

Er habe früher als Kritiker von Kardinal Joseph Ratzinger gegolten: „Hat sich Ihre Haltung geändert?“ – wird der Abt gefragt.

Die Antwort: „Papst Benedikt setzt heute ganz andere Akzente als in früheren Zeiten, als er noch Kardinal war.“

„Damals habe ich kritisiert, daß die Kirche viel zu sehr als Verbotsinstitution präsentiert und verstanden wurde.“

Als Chef der Glaubenskongregation habe gerade Kardinal Ratzinger „sehr kühl und dogmatisch“ gewirkt.

Seine Enzyklika „Gott ist Liebe“ habe viele – den Abt eingeschlossen – „ungemein positiv überrascht“.

Türkei-Besuch des Papstes

Auch der Türkei-Besuch des Papstes beeindruckte Abt Wolf: „In Ephesus etwa nahm er die türkische Fahne in die Hand und winkte dem Volk zu. Ein starkes Zeichen, ein wunderbarer Moment.“

In Sachen Islam sieht Abt Wolf ein Ungleichgewicht:

„Wie kann es sein, daß diese Leute sämtliche Rechte in Deutschland für sich beanspruchen, während Christen in der Türkei massiv benachteiligt sind?“

Der Abt stellt die Frage, weshalb die Christen in der Türkei keine theologische Fakultät bekommen: „Warum dürfen wir dort kein kirchliches Eigentum haben?“

Mittlerweile umgehe sogar der Oberbürgermeister von München die Bauordnung bei der Genehmigung einer Moschee, um die Wahlstimmen der Türken einzuheimsen.

„Das ist unglaublich! Toleranz ist gut, heißt aber nicht, sich selbst aufzugeben.“
      
18 Lesermeinungen
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#18   savonarola   18:40:45 | Donnerstag, 12. April 2007
generalablativpräsens oder so
Für einen Mönch quatscht der Mann entschieden zu viel.
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#17   Typ   09:43:57 | Donnerstag, 12. April 2007
„Generalabt Wolf“
Und wieder einmal hat ketz.net keine Ahnung.
Wie schon gesagt wurde: Es gibt bei den Benediktinern keinen Generalabt. Weder dem Namen noch der Sache nach. Es gibt einen Abtprimas, der aber andere Funktionen hat als etwa der Generalabt der Zisterzienser.
Und außerdem ist es bei Benediktinern Usus, einen Mönch nach dem Vornamen zu benennen, nicht nach dem Nachnamen.
Also „Abtprimas Notker“ statt „Generalabt Wolf“.
Aber korrekte Informationen waren ja hier noch nie die Stärke der Redaktion um „Pastor Hendrik“!
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#16   Benedikt   18:01:00 | Dienstag, 10. April 2007
@ Aurelius
Ja, so heißt es. Einen Generalabt gibt es zB bei den Zisterziensern.
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#15   Aurelius   10:43:35 | Dienstag, 10. April 2007
Heißt es nicht „Abtprimas“?
… statt „Generalabt“?
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#14   Graf von Galen   21:37:21 | Montag, 9. April 2007
Wider den antichristlichen Islam
Schön, daß der Abt das Fehlverhalten des Oberbürger-
meisters von München anspricht. Leider hat er in Köln
ein Pendant, „Vater der Türken“, der auch gegen die
deutschen Deutschen versucht, eine Großmoschee
durchzudrücken. Herzlichen Dank an dieser Stelle an
„pro Köln“ für deren Widerstand. Ich hoffe er ist von
Erfolg gekrönt.
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#13   Aurelius   14:44:07 | Montag, 9. April 2007
Meinen Respekt vor Abtprimas Dr. Notger Wolf
Ich lese gerade sein Buch Worauf warten wir? Ketzerische Gedanken zu Deutschland. Meines Erachtens zeigt der Abtprimas in diesem Werk ganz deutlich auf, woran deutsche Politik und Gesellschaft zur Zeit kranken. Dabei schaut er auf seine Erfahrungen in China zurück (dieser Mann hat schon einiges dort bewegt) und natürlich auch auf sein Ordensleben.
Die Band Feedback, in der er übrigens Rhythmusgitarre und Flöte spielt (Ian Anderson lässt grüßen) macht übrigens ganz passable Musik. Nichts, was einen vom Hocker reißt aber schöner, satter Rock der alten Schule.
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#12   Beobachterin   12:58:33 | Montag, 9. April 2007
Freiheit statt Sozialismus!
Mir gefällt es ganz gut, was der Abtprimas gesagt hat. Er sagt: … Da gibt es einen fatalen Hang zum Sozialismus … In dem Moment, wo ich für Geld nichts mehr zu tun brauche, bin ich im Sozialismus gelandet. Damit werden die Leute demotiviert und strengen sich nicht mehr an.
Überall, wo der Sozialismus zugange war, hat es böse geendet. Das wird auch nie anders sein.
Freiheit statt Sozialismus! lautet ein Wahlslogan in der Zeit, als Deutschland noch vernünftig war. Jetzt geht die Freiheit mehr und mehr verloren. Freiheit und Sozialismus – das geht nämlich nicht.
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#11   Aloah   09:31:56 | Montag, 9. April 2007
@Pünktchen
Halleluja. Der Herr ist wahrhaft auferstanden. Halleluja
Pünktchen, Dir noch ein gesegnetes und frohes Osterfest.
Verbunden mit der Kraft sich weiter für das Leben der ungeborenen Schwestern und Brüdern einzusetzen, dafür darf ich dir meinen Respekt und aufrichtigen Dank aussprechen.
In der Liebe Christi verbunden.
Grüßt Dich herzlichst,
Aloah
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#10   Pünktchen   08:40:41 | Montag, 9. April 2007
Romulus
Sagt nicht auch der Völkerapostel: „Allen bin ich alles geworden“, d.h. den Juden ein Jude und den Giechen ein Grieche … So wird der Papst den Türken ein Türke!
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#9   Gotthard   00:16:14 | Montag, 9. April 2007
@romulus
aber dann kommen wieder Peinlichkeiten wie das „Winken des Papstes mit dem Türkenfähnchen
wie beschränkt muss man eigentlich denken, um DAS zu bemängeln?
Da besucht der Papst ein Land und winkt mit der Landesflagge … das natürlichste der Welt … doch es gibt Deppen, die das für daneben finden.
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#8   Romulus   00:09:53 | Montag, 9. April 2007
Wahres und einfach nur Peinliches
Merkt der oberste Benediktiner nicht, dass er an der Grenze zur Bewußtseinsspaltung lebt? Gute Ansätze, was seine Einschätzung der Politik betrifft, aber dann kommen wieder Peinlichkeiten wie das „Winken des Papstes mit dem Türkenfähnchen“ – wie toll das doch war. Da kommt dann doch wieder 68ziger Ideologie durch. ?:)
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#7   Rodolfo Panetta   23:22:15 | Sonntag, 8. April 2007
Politik, die nicht betrügt
Es ist beklemmend, wenn Politiker sich selbst stillschweigend eingestehen, daß sie das Volk betrügen. In Wirklichkeit ist es die oberste Pflicht eines jeden Politikers, dem Volk uneigennützig zu dienen. Die Privilegien, welche sich die Politiker selbst zugeschanzt haben, sind dabei ein Hindernis, denn sie korrumpieren die Politiker selbst.
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#6   Friedrich Reusch   22:04:51 | Sonntag, 8. April 2007
Ihnen auch, Vir fortis,
Christus ressurexit! o^/
Und das andere warten wir ab. 2000 Jahre apostolischer Tradition stehen hinter uns.
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#5   VirFortis   21:26:26 | Sonntag, 8. April 2007
@Friedrich Reusch
Nein, dazu gibt es leider noch keine Neuigkeiten !
Aber dennoch scheint ersichtlich zu sein (zumindest aus unterschiedlichsten Medien) dass Benedikt XVI fest entschlossen ist das Ding durchzuziehen. Wahrscheinlich wird von den Gegnern noch um Auflagen und Hindernisse (mindersten 30 Gläubige etc etc …) gefeilscht.
Liebe Grüsse und gesegnete Ostern…
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#4   Friedrich Reusch   21:03:21 | Sonntag, 8. April 2007
@ Vir fortis
hy,
komme gerade vom Urlaub zurück. Können Sie mir sagen, ob es was Neues bezüglich Motu Proprio gibt? Ich fürchte, Nein :-S
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#3   Mathias Wagener   20:38:15 | Sonntag, 8. April 2007
Hervorragender Artikel
Den hiesigen Politikern geht es in ihrer Mehrheit nur um ihre Wiederwahl. Was sie vertreten, wird sekundär.
Mit Recht werden die vorenthaltenen Rechte für Christen angesprochen. Da müßte viel deutlicher die Wahrheit gesagt werden.
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#2   VirFortis   20:33:42 | Sonntag, 8. April 2007
Frohe gesegnete Ostern
An die Redaktion und an alle Leser
Danke für bereichernde Artikel, und gute teils kontroversielle Diskussionen !!! :(3
l.g
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#1   matt   18:58:21 | Sonntag, 8. April 2007
„Halbseidener Abt“
Eine rockig, weltliche Erscheinung, der seinem Ordensgründer unterstellt sich, wie er, mit dem Parteiwesen anzubiedern.
Rat and die Politik: ora et labora… wie überaus intelligent und einfallsreich. Ich könnte mich jedesmal geiseln, wenn ich diesen Spruch höre, weil ich weder das eine noch das andere tue. Wie wärs mit einem neuen Motto, z.B. rock et roll.
Ach ich weiß nicht. Das ist so eine Type, so ein Halbseidener, wenn Ihr versteht. Man will ihn nicht mögen, aber in der Luft zerreissen will man ihn auch nicht. Ist sein Name Wolf Programm? Ich denke schon. Aus meiner Sicht steht dieser Mensch für Säkularisierung, wenn auch in scheinbar „gemäßigter“ Form. Das ist so einer der sagt: ok, ich weiß ich fahr nach unten, aber mich eilt nicht, also fahr ich langsam und halte mal hier mal dort inne…
Ist es nicht am Ende wurst. Da fahr ich lieber schnell nach unten als langsam. Das ist so ein typischer lauer Charakter. Aber Laue mag der Herr nicht, die speit er aus.
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