Glaubte Pius XI. an den Osterhasen?
Wenn die Kirche den Erlöser unter dem Titel des Christ-Königs verehrt, zeigt dies, daß auch die Gesellschaft der Herrschaft Christi untersteht. Eine Antwort Papst Pius XI. auf Ereignisse wie den EU-Verfaßungsentwurf ohne Gott oder den Fall Buttiglione.
(kreuz.net, Rom) Wenn die Kirche den Erlöser unter dem Titel des Christ-Königs verehrt, pflegt sie damit
nur mittelalterliche Metaphorik, ihre eschatologische Hoffnung oder eine Kleinkinder-Frömmigkeit? Forderte
Pius XI. von den Katholiken etwa den Glauben an den ‘Osterhasen’, als er 1925 folgendes zu schreiben wagte:
„Je schmachvoller der am meisten der Liebe würdige Name unseres Erlösers bei den internationalen Zusammenkünften
und in den Parlamenten durch Schweigen unterdrückt wird, umso lauter müssen wir ihn verkünden, umso
mehr überall die Rechte der Königswürde und der Königsgewalt Christi bejahen und bekräftigen.“?In Rom ist der Europäische Verfassungsentwurf durch die Staats- und Regierungschef der EU-Staaten unterzeichnet worden und damit ein politischer Prozeß in Gang gesetzt worden, der Europa ein neues Gesicht geben wird: Ein Grundgesetz und eine Gesellschaft ohne Gott.
Nicht nur der „Fall Buttiglione“ hat gezeigt, daß die Katholiken sich auf einen neuen Kulturkampf gefasst machen dürfen.
Hier folgt eine für die heutige Zeit bemerkenswerte Passage aus der Enzyklika „Quas primas“ Papst Pius XI. (1922-1939) über das Königtum Jesu Christi. Der Papst brandmarkte in dieser den Laizismus, mit dem sich die europäischen Katholiken heute abgefunden zu haben scheinen, als Häresie:
„Ein schmählicher Irrtum wäre es übrigens, wollte man Christus als Menschen die Hoheitsrechte über die Gesamtheit der öffentlichen Angelegenheiten absprechen. Vom himmlischen Vater besitzt Er ja das ganze allervollkommenste Recht bezüglich der geschaffenen Dinge in solchem Maße, daß alles unter Seine unbeschränkte Macht gestellt ist. Aber dennoch, solange Er auf Erden lebte, hat Er Sich der Ausübung dieser Art von Herrschaft enthalten. Vielmehr, so wie Er Besitz und Verwaltung weltlicher Güter seinerzeit verschmähte, so hat Er dieselben den Besitzern damals überlassen, und Er überläßt sie ihnen noch heute. Hierzu heißt es sehr gut [im römischen Brevier]: „Er raubt die irdischen Dinge Derjenige nicht, der himmlische Königreiche gewährt.“
Die Herrschaft unseres Erlöser umfaßt also alle Menschen zusammen. In diesem Zusammenhang machen Wir uns gerne die Worte Unseres Vorgängers unsterblichen Angedenkens Leo XIII. zu eigen: ‘Seine Vorherrschaft erstreckt sich nämlich nicht nur auf die Völker katholischen Bekenntnisses, auch nicht nur auf diejenigen Menschen, die durch die heilige Taufe gereinigt sind, und die deshalb wenigstens rechtlich zur Kirche gehören, mögen sie noch so sehr infolge irriger Auffassungen Abwege beschreiten oder durch Spaltung und Zwietracht von der Liebesgemeinschaft getrennt sein: sondern sie umfaßt vielmehr zudem die Vielzahl derer, die ohne den christlichen Glauben sind. Es ist somit voll und ganz wahr: der herrschaftlichen Gewalt Jesu Christi untersteht die Gesamtheit des Menschengeschlechtes.’ (Enzyklika ANNUM SACRUM vom 25. Mai 1899).
…
Mögen darum die Lenker und Leiter der Nationen sich nicht dagegen sträuben, der Oberherrschaft Christi die öffentliche Bezeigung der schuldigen Ehrfurcht und des Gehorsams für die eigene Person sowie für ihr Volk erweisen zu lassen, wenn sie wirklich den Willen haben, die eigene Autorität unverletzt zu wahren und gleichzeitig ihres Vaterlandes Glück zu fördern und zu mehren. Denn war Wir zu Anfang unseres Pontifikates schrieben über die große Schwächung sowohl der Autorität des Rechtes wie auch der heiligen Scheu vor der öffentlichen und staatlichen Gewalt, das dürfte auch für die derzeitigen Verhältnisse nicht weniger passend und angemessen sein: Gott und Jesus Christus – so beklagten wir . wurde aus den Gesetzen und aus dem öffentlichen Leben verbannt und man hat die Autorität nicht mehr von Gott, sondern von den Menschen herleiten wollen. So ist es gekommen, daß die Grundlagen der Autorität als solche untergraben wurden: da ja die Hauptursache beseitigt war, aus der heraus die einen das Recht zu befehlen haben, die anderen aber die Pflicht zu behorchen. Als Folge davon mußte die ganze menschliche Gesellschaft zerrüttet werden, weil ihr jetzt jede feste Stütze von oben und jeder Beistand fehlt, wodurch sie aufrechterhalten wird.
Wenn daher die Menschheit sich einmal entschließen wollte, die königliche Gewalt Christi im privaten und im öffentlichen Leben anzuerkennen, so würden außerordentliche Wohltaten und Gnaden die ganze bürgerliche Gemeinschaft durchdringen, wie etwa: gerechte Freiheit, Ordnung und Ruhe, Eintracht und Friede. Denn wie die königliche Würde unseres Herrn Jesus Christus der menschlichen Autorität der Staatsoberen und Beherrscher des Volkes einen religiösen Charakter gibt, so adelt sie auch den Pflichtenkreis und den schuldigen Gehorsam der Staatsbürger …
Wenn Wir … die Verehrung Christus des Königs durch die ganze katholische Welt anordnen, so wollen Wir gleichzeitig damit für die Not der Gegenwart Vorsorge tragen und der menschlichen Gesellschaft gegen das Unheil, vom dem sie wie von einer ansteckenden Seuche befallen wurde, ein besonders wirksames Heilmittel an die Hand geben. Mit dieser ansteckenden Krankheit unseres Zeitalters meinen Wir den sogenannten Laizismus und dessen Irrtümer und frevelhafte Bestrebungen. Ihr wißt es wohl, Ehrwürdige Brüder, daß diese Ruchlosigkeit und Bosheit nicht an einem einzigen Tage ausgereift ist: sie hielt sich ja schon lange im Innersten der Staaten verborgen. Zunächst fing man an, die Oberherrschaft Christi über alle Völker zu leugnen. Sodann leugnete man, daß die Kirche, kraft der Christus selbst eignenden Rechtsbefugnis, das Recht hat, das Menschengeschlecht zu lehren; Gesetze zu erlassen; die Völker zu leiten, um sie so zur ewigen Seligkeit zu führen. Allmählich ging man dann weiter. Man setzte die Religion Jesu Christi den falschen Religionen gleich und stellte sie mit jenen zusammen auf ein und dieselbe Stufe, und zwar in ganz und gar verächtlicher Weise. Als nächstes unterwarf man die Kirche der staatlichen Gewalt und überließ sie in der Regel der Willkür der Herrscher sowie der Obrigkeiten und Behörden. Nun ging man zum Teil noch einen Schritt weiter, indem man eine Art natürlicher Religion, eine Art natürlicher Gemütsbewegung an die Stelle der göttlichen Religion setzen zu sollen im Sinne hatte. Und es gab sogar Staaten, die meinten, sie könnten ohne Gott auskommen, und ihre Religion bestünde eben darin, heillos zu sein und sich gar nicht um Gott zu kümmern.
Es sind freilich sehr bittere Früchte, die ein solcher Abfall sowohl der einzelnen Bürger als auch der Staaten von Christus für gewöhnlich und schon seit langem gezeitigt hat …: Überall hat man den Samen der Zwietracht gesät; man hat die Flammen des Hasses und der Rivalität zwischen den Völkern geschürt, welche so sehr das Hindernis für den Frieden bilden. Die Begierden sind maßlos geworden, und man sucht dieselben gar nicht selten unter dem Schein des öffentlichen Wohles und der Vaterlandsliebe zu verdecken. Und aus all dem sind die Zerwürfnisse unter den Bürgern hervorgegangen; es ist jene blinde und ungebändigte Selbstliebe entstanden, die auf nichts anderes als auf die private Bequemlichkeit und den eigenen Vorteil sieht, und die deshalb ganz und gar alles nur danach beurteilt und abmißt. Zerstört von Grund auf ist durch Pflichtvergessenheit und Pflichtvernachlässigung der Friede im privaten Bereich. Die Gemeinschaft und der Bestand der Familie ist untergraben worden. Mit einem Wort: die menschliche Gesellschaft ist zerrüttet und dem Untergang nahegebracht.
Daß die menschliche Gesellschaft bald den glücklichen Weg finde, eilends zum liebevollen Erlöser zurückzukehren: dies wollen Wir aufgrund des von nun an jährlich zu feiernden Festes Christus des Königs inständig hoffen. Es wird Sache der Katholiken sein, durch tätige bemühte Mithilfe diese baldige Rückkehr der Welt zu Christus zur Ausführung zu bringen und zu beschleunigen. Freilich meinen manche, daß sehr viele von ihnen, wie sie sagen, keine solche Stellung im sozialen Zusammenleben einnähmen und keinen derartigen Einfluß hätten, woran es geziemenderweise bei jenen nicht fehlen dürfe, welche die Fackel der Wahrheit vorantragen. Diesen Mangel an Vermögen und Vorrechten als Einwand geltend zu machen, ist vermutlich einer gewissen Gleichgültigkeit oder Furchtsamkeit zuzuschreiben, die auf Gegenwehr verzichzten oder zu schlaff Widerstand leisten; dadurch wächst dann zwangsläufig bei den Gegnern der Kirche die Verwegenheit und die Keckheit. Mögen doch die Gläubigen allgemein zur Einsicht gelangen, daß sie unter den Fahnen Christus des Königs ebenso tapfer wie beständig Kriegsdienst tun müssen: dann werden sie auch, vom Feuer des apostolischen Eifers erfaßt, die gottentfremdeten oder unwissenden Seelen mit ihrem Gott und Herrn wieder zu vereinigen suchen, und Seien Rechte unversehrt zu wahren und zu schützen nach Kräften bemüht sein.
…
Je schmachvoller der am meisten der Liebe würdige Name unseres Erlösers bei den internationalen Zusammenkünften und in den Parlamenten durch Schweigen unterdrückt wird, umso lauter müssen wir ihn verkünden, umso mehr überall die Rechte der Königswürde und der Königsgewalt Christi bejahen und bekräftigen.“
Lateinischer Originaltext in Acta Apostolicae Sedis 17 (1925). Übersetzung aus der zeitgenössichen Kirchenpresse.
Weiterlesen:
Mittwoch, 15. Juni 2005 14:39
Dr. Otterbeck: Die Dornenkrone, kein Diadem
W. Kaltefleiter hat unter kath.de sehr löblich zur „Papstkrone“ ausgeführt, dass ihr wesentlich ist,
die Differenz zu den Kronen der Könige darzustellen. Papst Silvester hat es nämlich abgelehnt, das ihm
von Konstantin dargebotene Diadem zu tragen (das Pallium mag er akzeptiert haben), unter Verweis auf die
Tonsur Petri.
Trotzdem hatte man etwa seit Cölestin II. große Mühe, der etwas außerirdisch anmutenden Tiara (zunächst nur mit 1 Reifen) eine schlüssige Deutung zu geben; ganz so als sei es immer schon darauf angekommen, die Distanz zu den „irdischen“ Mächten zu bekennen. Daher liegt die Deutung nahe, dass die Tiara nie etwas anderes sein wollte als ein die „Schlüssel Petri“ ergänzender Verweis auf das Reich, das nicht von dieser Welt ist, auf das Licht des Ostertages. Da aber der Papst die Schlüssel Petri nicht um den Hals tragen muss, muss er auch –- mindestens seit 1929 (Lateranverträge) –- keine Krone mehr tragen. Überdies bestreit heute fast gar keine Staatsgewalt im Erdenrund mehr die „Eigenart“ des Patrimonium Petri inmitten des Völkerrechts.
Das tut dem Christkönigsgedanken keinen Abbruch, sondern stärkt ihn.
Trotzdem hatte man etwa seit Cölestin II. große Mühe, der etwas außerirdisch anmutenden Tiara (zunächst nur mit 1 Reifen) eine schlüssige Deutung zu geben; ganz so als sei es immer schon darauf angekommen, die Distanz zu den „irdischen“ Mächten zu bekennen. Daher liegt die Deutung nahe, dass die Tiara nie etwas anderes sein wollte als ein die „Schlüssel Petri“ ergänzender Verweis auf das Reich, das nicht von dieser Welt ist, auf das Licht des Ostertages. Da aber der Papst die Schlüssel Petri nicht um den Hals tragen muss, muss er auch –- mindestens seit 1929 (Lateranverträge) –- keine Krone mehr tragen. Überdies bestreit heute fast gar keine Staatsgewalt im Erdenrund mehr die „Eigenart“ des Patrimonium Petri inmitten des Völkerrechts.
Das tut dem Christkönigsgedanken keinen Abbruch, sondern stärkt ihn.
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