13:30:02 | Freitag, 14. Januar 2005
In der Nacht vom 3. auf den 4. Januar wurde in Wien ein Anschlag gegen die Baby-Holocaust-Gedenkstätte verübt. Dieser Angriff zeigt, daß sich die Gewaltbereitschaft der Kinderabtreiber nicht auf die Kinder im Mutterleib beschränkt. Ein Interview mit dem früheren Schulpsychologen und Kurator der Gedenkstätte, Dr. Josef Preßlmayer.
kreuz.net: Dr. Preßlmayer, wie sind sie auf die Idee gekommen, in Wien eine Baby-Holocaust-Gedenkstätte
zu eröffnen?
Dr. Preßlmayer: Die Idee zu einem Lebensschutz-Museum hatte vor etwa 10 Jahren mein damals
siebzehnjähriger Sohn. Als ich ihm zum ersten Mal von Abtreibungen erzählte, er war etwa 10 Jahre alt,
sagte er entsetzt: „Papa, du mußt unbedingt etwas dagegen unternehmen!“. Damals begann ich an Bischöfe
und Politiker zu schreiben. Viele dieser Aktivitäten sind in meinem Buch „Lebensdämmerung“ dokumentiert.
Bestellungen bei
www.youthforlife.net.
Als siebzehnjähriger Schulsprecher schrieb mein Sohn an den damaligen
österreichischen Bundespräsident Thomas Klestil und machte den Vorschlag, ein Lebensschutz-Museum zu
errichten. Klestil zeigte sich von diesem Vorschlag sehr angetan und verwies meinen Sohn gleich an zwei
Ministerien. Sie ahnen schon, wie es ausging: Es geschah nichts.
kreuz.net: Wie ging es mit der Idee
konkret weiter?
Dr. Preßlmayer: Seit damals hat mich diese Idee nicht losgelassen. Im Jahre 19XX erwarb
Mag. Dietmar Fischer, der Leiter der Lebensschutzorganisation Human-Life-International-Österreich, die
Räumlichkeiten der alten Mairo-Abtreibungsklinik an der Wiener Taborstraße 11. Im Tötungsraum der Anstalt
richtete ich ein erstes, kleines Museum ein.
kreuz.net: Später siedelte das Baby-Holocaust-Museum um.
Weshalb?
Dr. Preßlmayer: Die Wiener Mairo/Lucina-Abtreibungsklinik war in die Große Sperlgasse 33 übersiedelt.
Sofort richtete Human-Life-International-Österreich im Nachbarhaus Nr.31 eine Beratungsstelle für schwangere
Mütter ein. Nach dem Konkurs der Abtreibungsanstalt bot sich die Möglichkeit, in der Beratungsstelle
im Nachbarhaus, Nr. 31, eine Baby-Holocaust-Gedenkstätte einzurichten. Daran angeschlossen wurde das
„Baby-Holocaust-Dokumentationsarchiv“, wo umfangreiches Material über den wachsenden Widerstand gegen
die Massentötungen von ungeborenen Kindern archiviert ist. Für den neu geschaffenen Ort drängte sich
der Name „Baby-Holocaust-Museum“ auf. Auf Anraten von MMag. Andreas Hornig, Pfarrer von Oberwaltersdorf,
wurde aber die Bezeichnung „Baby-Holocaust-Gedenkstätte“ gewählt. Sie hebt mehr den Gedächtnis- und
Sühne-Gedanken hervor und nicht so sehr die möglicherweise vermutete Zurschaustellung getöteter Babys.
Deswegen heißt die Einrichtung jetzt „Maria Restituta Lebensschutz-Museum und Baby-Holocaust-Gedenkstätte“.
kreuz.net: Warum wurde der Name „Maria Restituta“ gewählt?
Dr. Preßlmayer: Sr. Maria Restituta Kafka,
die im Jahr 1998 durch Papst Johannes Paul II. seliggesprochene österreichische Ordensschwester, wurde
ebenfalls auf Anregung von Pfarrer Hornig zur Patronin des Museums gewählt. Sie hat während der nationalsozialistischen
Herrschaft unerschütterlich am Glauben festgehalten. Im Spital, wo sie arbeitete, wehrte sie sich gegen
die Abnahme der Kreuze. Sr. Restituta wurde von den Nationalsozialisten durch das Fallbeil hingerichtet,
um ein Exempel zu statuieren und die Kirche einzuschüchtern. Durch die Ermordung mit dem Fallbeil erlitt
sie ein ähnliches Schicksal, wie heute die abgetriebenen Kinder, die im Mutterleib zerstückelt werden.
Sr. Restituta soll uns ein Vorbild der Standhaftigkeit und des Widerstandes gegen die herrschenden Tötungsregime
sein, welche die ungeborenen Kinder in großen Massen abschlachten lassen.
kreuz.net: Warum hat man den
Begriff „Baby-Holocaust“ gewählt?
Dr. Preßlmayer: Unterstützend für die Bezeichnung „Baby-Holocaust“
war, daß Papst Johannes Paul II. in einem Brief an die nordamerikanischen Bischöfe den Begriff „Holocaust“
verwendete. Der Papst schreibt im Frühjahr 1988, daß er sich nicht mit dem immer noch andauernden Holocaust
des ungeborenen Lebens abfinden werde.
Die Verwendung dieses Namens, der soviel wie „völlig verbrannt“
bedeutet, soll in keiner Weise den nationalsozialistischen Holocaust relativieren. Er hat sich in den
letzten Jahren im weltweiten Sprachgebrauch im weiteren Sinne auch für andere Massen- und Völkermorde,
wie den in Kambodscha, Ruanda oder für die historischen Völkermorde gegen die Tainos, Kongolesen und
Hereros etabliert. Dadurch wird auch in Zukunft die Erinnerung an den nationalsozialistischen Holocaust,
die Schoah, wachgehalten, die im Laufe der kommenden Jahrzehnte mit dem Ableben der letzten überlebenden
Opfer vielleicht verblassen könnte. Es ist bedauerlich, wenn sich jüdische Organisationen in Deutschland
und Österreich von oft gottlosen Abtreibungsbefürwortern instrumentieren lassen und mutige Bischöfe,
wie Kardinal Joachim Meisner von Köln, kritisieren und diesem mit gerichtlichen Klagen drohen, weil der
Kardinal auf die Verbrechen unserer Zeit hinweist. Diese müssen ebenso aufgezeigt werden wie die großen
Verbrechen der Vergangenheit.
Der Baby-Holocaust hat den nationalsozialistischen Holocaust hinsichtlich
der Opferzahlen an den ungeborenen Kindern bereits jetzt, mit über einer Milliarde getöteter Kinder,
um mehr als das hundertfache übertroffen und fordert jährlich weitere 50 bis 60 Millionen Opfer.
kreuz.net:
„Können Sie Näheres zum Farbbeutelanschlag auf die Gedenkstätte in der Nacht des 4. Januars erläutern?“
Dr. Preßlmayer: Der Anschlag wurde in der Zeit vom 3. Januar, 7 Uhr abends bis 4. Januar, 3 Uhr früh
verübt. Als ich um 3 Uhr morgens die Lokalitäten verließ, um mich zu meinem dreistündigen Anbetungsdienst
in der Kapelle des Lebenszentrums zu begeben, sah ich auf dem Boden viele Farbkleckse. Erst bei meiner
Rückkehr entdeckte ich das ganze Ausmaß der Farbbeschmierung.
Als die nahegelegene Tötungsklinik noch
funktionierte waren die Gebets-Vigilien der Lebensschützer oft von Gegendemonstrationen linksgerichteter
Gruppen begleitet. Schon damals wurden Parolen wie „Christen Pest raus“ auf die Fassade der zu dieser
Zeit noch als Beratungsstelle genutzten Räumlichkeiten geschmiert. Nach der Restaurierung der Fassade
wurde diese abermals mit der Parole „Abtreibung ist Frauenrecht“ beschmiert. Es ist derzeit nicht vorgesehen,
die Fassade nochmals zu erneuern. Es soll alles so bleiben, wie es ist. Die Schmierereien sind ein Symbol
der Aggression gegen das ungeborene Kind und der Selbstzerstörung.
kreuz.net: War das der erste Anschlag?
Dr. Preßlmayer: Wir hatten schon zuvor gegen das Lebenszentrum in der Postgasse 11, nahe der berüchtigten
Fleischmarkt-Abtreibungsklinik, eine Reihe von Anschlägen. Mehrmals wurden die Scheiben eingeschlagen.
Einmal wurde auch ein großes Glas mit Buttersäure in die Beratungsstelle geworfen, sodaß die Beratungstätigkeit
beeinträchtigt war und die dort angestellten schwangeren Frauen viel Arbeit hatten, um den penetranten
Geruch der Säure wegzubringen.
kreuz.net: Warum glauben Sie, daß gerade die Baby-Holocaust-Gedenkstätte
Ziel eines Anschlages wurde?
Dr. Preßlmayer: Ich glaube, daß die Baby-Holocaust-Gedenkstätte den Punkt
in der verwundeten Seele der Abtreibungsbefürworter trifft, den sie am tiefsten unter einem Panzer aus
Eis vergraben möchten. Auch Ihr Herz schmerzt. Auch sie haben eine natürliche Empfindung dafür, was
das Heiligste des Menschen ist, das Kostbarste, was uns der Schöpfer allen Lebens in unseren Kindern
schenken kann. Das Kind ist ein Ebenbild Gottes und zugleich ein Ebenbild von uns selbst. Sie wollen nicht
an das erinnert werden, was sie vielleicht selbst getan haben oder als „Lösung“ für schwangere Mütter
propagieren. Um nicht in tiefe Verzweiflung zu fallen und zu rufen „Hügel bedeckt mich! Berge begrabt
mich!“, können sie nur eines versuchen: den Gedanken der Trauer, sich selbst um den Sinn ihres Lebens
gebracht zu haben mit allen Mitteln zu verdrängen und zu bekämpfen.
Aber auch den Müttern, die ihr
Kind abgetrieben haben, streckt Jesus Christus die Hand hin und bietet Rettung an. Indem sie Gott und
ihr Kind um Verzeihung bitten, kann Gott sie vollständig heilen. Solange diese, hinter ihrem aggressiven
Verhalten tief verzweifelten Mütter an ihrem Selbstbestimmungswahn und dem Recht, ihre Kinder zu töten,
verharren, können sie die Heilung, die ihnen Christus anbietet, nicht annehmen.
kreuz.net: Unsere zivile
Gesellschaft ist auf Anschläge gegen Gegendenkstätten besonders sensibel. Wie hat die Presse reagiert?
Dr. Preßlmayer: Ich wollte den Vorfall über die meistgelesene Tageszeitung in Österreich, die „Kronen-Zeitung“
bekannt machen, die schon einmal einen Artikel über die seinerzeit in den Hausmüll entsorgten, blutigen
Klinikabfälle brachte. Die Redakteurin der Lokalredaktion der „Kronen-Zeitung“ sagte mir auch zu, einen
Kurzartikel zu bringen, aber der Chefredakteur wollte dies nicht.
Vielleicht hätte eine Berichterstattung
nicht ins Bild der Menschen gepaßt, die für die Opfer der Flutkatastrophe in Asien spenden, aber zu
Hause ihre ungeborenen Kinder umbringen. kath.net hat den Artikel gleich veröffentlicht. Die Homepage
von Radio Vatikan übernahm ihn von dort. Die große Masse wurde nicht informiert. Man wetteifert weiterhin
um Spenden für die Opfer der südostasiatischen Sintflut, ohne zu erkennen, daß man eine Alibihandlung
setzt, um das Gewissen zu beruhigen, das wegen der Grausamkeit gegen die eigenen Kinder nicht zur Ruhe
kommt. Ich habe meinen Artikel auch an die katholische Monatszeitung „Der 13.“ geschickt. Diese Zeitung
ist immer sehr hilfreich, wenn es um das Aufzeigen der Verbrechen des Abtreibungs-Massenmordes geht. Ich
hoffe so, daß doch ein etwas größerer Kreis von Menschen von diesem Vorfall erfährt.
kreuz.net: Welche
Hilfe erfahren sie von der katholischen Kirche?
Dr. Preßlmayer: Meine große Hoffnung ist, daß endlich
mehr Bischöfe nach dem Beispiel von Kardinal Joachim Meisner von Köln den Mut fassen, gegen den „kollektiven
Selbstmord“ der Kinderabtreibung, wie ihn Kardinal Christoph Schönborn von Wien genannt hat, aufzutreten
und die weit in kirchliche Organisationen eingedrungenen Befürworter der „Fristenlösung“ in die Schranken
zu weisen. Wird sich die Kirche dazu aufraffen? Nach einem kurzen Aufflackern von Aktivitäten des einen
oder anderen Bischofs – das Wort „Abtreibung“ scheint ungeheuer schwer auszusprechen zu sein – folgen
wieder lange Perioden der Apathie.
kreuz.net: Wie sehen sie die Zukunft?
Dr. Preßlmayer: Hoffen und
beten wir, daß die Wende bald von dort kommt, von wo die Abtreibungsseuche ihren Ausgang nahm, von den
USA. Wenn die Abtreibung in den USA wieder unter Strafe gestellt wird, dringt dies über kurz oder lang
auch nach Europa. Heute hat mir ein Vater mit einem kleinen Kind, den ich vor dem Museum angetroffen habe
unter Anspielung auf die Beschmierungen gesagt: „Lassen Sie sich nicht entmutigen!“. Ich dankte und versicherte
ihm, daß wir dies nicht tun werden. Ich bin überzeugt, es wird ein Morgen ohne „Fristenlösung“ und
„Baby-Holocaust“ geben.
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.