19:07:13 | Donnerstag, 12. April 2007
In den Vereinigten Staaten sind in den letzten Jahren gleich sechs protestantische Theologen katholisch geworden.
(kreuz.net) Zwischen 2004 und 2005 konvertierten sechs hochrangige protestantische Theologen in den USA
zum Katholizismus.
Das berichtete Ulrich L. Lehner Anfang Januar in der katholischen Zeitung ‘Tagespost’.
Lehner ist selber Professor für neuzeitliche Kirchengeschichte an der von den Jesuiten geführten Marquette
Universität in Milwaukee im US-Bundesstaat Wisconsin.
Alle sechs von Lehner aufgezählten Konvertiten
nahmen früher als offizielle Vertreter ihrer Kirchen an ökumenischen Gesprächen teil.
Der bekannteste
unter ihnen ist der methodistische Startheologe Bruce Marshall.
20jährige AnnäherungMarshall wurde
international durch sein Buch „Trinity and Truth“ bekannt. Darin zeigt er, wie unser Verständnis von
Wahrheit vom Trinitätsverständnis geprägt ist.
Marshall ist der Inhaber eines Lehrstuhls an der angesehenen
Southern Methodist University in der Nähe von Dallas im US-Bundesstaat Texas.
Er ist Schüler von George
Lindbeck (83), der an der Yale Universität systematische Theologie unterrichtete. Lindbeck ist ein Altmeister
der „postliberalen“ protestantischen Theologie.
Er hat für die Wertschätzung der katholischen Theologie
innerhalb des Protestantismus Maßgebliches geleistet.
Über einen Zeitraum von zwanzig Jahren näherte
sich Marshall immer mehr der katholischen Theologie an.
Als seine Frau kurz vor ihrer Ordination als
Priesterin der US-Anglikaner stand, wurde beiden klar, daß sie eine Entscheidung fällen mußten.
Bei
einem Vortrag, den Marshall kürzlich hielt, wurde er gefragt, was für ihn die wichtigste Herausforderung
der Theologie im 21. Jahrhundert sei:
„Daß sie selbstbewußt auftritt, von der Wahrheit ihrer Botschaft
überzeugt ist und diese mit den besten Mitteln vernünftig erklärt.“
Auf die weitere Frage, ob und
wie sich die katholische Theologie verändern solle, antwortete er:
„Ich muß noch viele Jahre Katholik
sein, bevor ich diese Frage beantworten kann. Ich glaube sogar, daß ich sie erst nach meinem Tod – in
der Gottesschau – beantworten kann.“
Luther-SpezialistDer zweite Konvertit ist der Lutheraner Mickey
Mattox, der an der berühmten Duke Universität bei David Steinmetz studierte. Mattox ist ein Luther-Spezialist.
In seinen Studien stellte er fest, wie weit sich die lutherischen Kirchen von ihrem Gründer entfernt
haben, etwa in Fragen der Realpräsenz, der Mariologie, Heiligenverehrung und Liturgie.
Auch das Buch
des irischen Kirchenhistorikers Eamon Duffy „Stripping of the Altars“ öffnete ihm die Augen.
Mattox
erkannte, daß die mittelalterliche Kirche Englands nicht die verdorbene „Hure Babylons“ war, als die
sie oftmals hingestellt wird, sondern eine blühende Kirche. Sie besaß eine Vielfalt religiöser Bräuche
und Andachtsformen. Dieser Kirche wurde die Reformation mit Zwang, von oben – und unter Widerstand – verordnet.
Attraktive MarienfrömmigkeitFür Mattox stellte die Marienfrömmigkeit der katholischen Liturgie kein
Hindernis dar – im Gegenteil. Er empfindet sie als besondere Attraktivität, der sich viele Katholiken
gar nicht bewußt sind:
„Wenn das Magnificat sagt »Alle Geschlechter sollen mich selig preisen«, dann
will ich als bibeltreuer Christ dabei sein. Ich realisierte, daß ich das als Lutheraner nicht konnte.“
In einem Brief an seine lutherischen Freunde schrieb Mattox:
„Wir wollen als Familie die jungfräuliche
Gottesmutter verehren, unsere Gebete mit denen der Märtyrer und Heiligen vereinigen. Wir wünschen die
heiligen Ikonen, die Rosenkränze, die religiösen Orden, auch die Reliquien. Wir wollen die heilige Liturgie
mitfeiern, an Christi Realpräsenz in der Eucharistie teilnehmen und sie in Liebe und voller Gemeinschaft
mit dem Bischof von Rom erfahren.“
Mattox war Berater der lutheranischen Weltföderation. Er glaubt,
daß die 1999 in Augsburg unterzeichnete „Gemeinsame Erklärung“ zur Rechtfertigungslehre die Tore für
eine Wiedervereinigung geöffnet hat.
Diese sei aber an einer mangelnden Bereitschaft der Lutheraner,
ihre gegenwärtigen Kirchenstrukturen zu überdenken, gescheitert.
Heimkehr in die FülleFür Mattox
war der Schritt, mit seiner ganzen Familie katholisch zu werden, ein Heimkommen aus einer unvollkommenen
christlichen Gemeinschaft in die Fülle des sakramentalen Katholizismus:
„Die Anziehungskraft der katholischen
Kirche war stärker als der Druck beim Verlassen der lutherische Kirche.“
Gegenwärtig lehrt Mattox „Luther
aus katholischer Perspektive“ an der theologischen Fakultät der Marquette Universität in Milwaukee.
Durch den Aquinaten in die KircheEin Lehrer von Mattox ist der aus Erlangen stammende Reinhard Hütter.
Er lehrt seit vielen Jahren systematische Theologie in Duke. Durch sein Interesse an der Ekklesiologie
fand er Geschmack an der katholischen Kirchenlehre.
Hütter bezeichnete sich schon lange als „Mitglied
der römisch-Katholischen Kirche Augsburger Konfession“ bevor er sich in die Katholische Kirche aufnehmen
ließ.
Seine Beschäftigung mit der Frage nach der Freiheit des Willens und der Auseinandersetzung zwischen
dem Reformator Martin Luther († 1546) und dem Humanisten Desiderius Erasmus († 1536) führten ihn zurück
zur einigenden Synthese des Heiligen Thomas von Aquin und von dort aus nach Rom.
In den Fußstapfen von
Kardinal NewmanEin weiterer Konvertit ist der ehemalige Anglikaner Russel Reno. Er hat ebenfalls bei
Lindbeck studiert. Im englischsprachigen Raum wurde er durch sein Buch „In den Ruinen der Kirche: Den
Glauben bewahren in einem Zeitalter des verwässerten Christentums“ bekannt.
Reno lehrt Ethik an der
Jesuitenuniversität von Creighton im US-Bundesstaat Nebraska.
Reno kritisiert vor allem jene kirchlichen
Gemeinschaften, die in der Konfrontation mit der Gesellschaft ihre Grundüberzeugungen aufgeben oder bis
zur Unkenntlichkeit verändern.
In seinem Buch aus dem Jahr 2002 rief Reno noch dazu auf, Mitglied der
eigenen Kirche zu bleiben und diese von innen heraus zu verändern.
Drei Jahre später hatte er seine
Meinung geändert. Die Vorstellung, daß die Anglikaner der Mittelweg zwischen Protestantismus und Katholizismus
sind, hat sich für ihn als falsch herausgestellt.
Er ist – nach eigenen Angaben – immer mehr den Fußstapfen
des anglikanischen Konvertiten und späteren Kardinals John Henry Newman († 1890) gefolgt.
Schuld ist
das Homo-KonkubinatEin weiterer Konvertit ist der Anglikaner Douglas Farrow. Er lehrt an der an der
McGill Universität in der kanadischen Stadt Montreal. Farrow wurde katholisch, nachdem die kanadischen
Anglikaner das Homo-Konkubinat akzeptierten und damit das biblische Erbe verrieten.
Ein „katholischer
Mennonit“Der letzte im Bunde ist Gerald Schlabach, ein mennonitischer Theologe. Er lehrt Ethik und Kirchengeschichte
an der katholischen St. Thomas Universität im US-Bundesstaat Minnesota.
Auf seiner
Webseite nennt er
sich einen „katholischen Mennoniten“ und weist darauf hin, Oblate des Benediktinerordens zu sein.
Ein
Grund für seine Konversion war die Erkenntnis, daß die protestantischen Einzelkirchen sich selber zum
Zweck werden und die universale, katholische Kirche des Glaubensbekenntnisses aus dem Blick verloren hätten.
Intellektuelle AbwanderungIn den USA spricht man bereits von einer intellektuellen Abwanderung bei
den lutherischen Glaubensgemeinschaften.
Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß auch die
Katholische Kirche in den USA mancherorts in Ruinen liegt – nicht nur wegen des Kindesmißbrauchs allein,
sondern auch wegen Leugnung, Unterschlagung und Verwässerung wesentlicher Glaubensinhalte.
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