Benedikt XVI.
Weißwürste zum Frühstück
Heute feiert der Papst seinen achtzigsten Geburtstag. Aus diesem Anlaß wurden in den Medien bereits alte und neue Indiskretionen aufgetischt. Pressesplitter.
Am 19. April 2005 zum Papst gewählt
Am 19. April 2005 zum Papst gewählt
Kein Grund zum Feiern

„Die Jahrestage fallen fast zusammen. An diesem Montag vollendet Joseph Ratzinger sein 80. Lebensjahr, am kommenden Donnerstag wird er als Papst Benedikt XVI. zwei Jahre im Amt sein. Nach vatikanischen Gepflogenheiten sollte von beidem nicht viel Aufhebens gemacht werden. Denn es ist alter katholischer Brauch, am Namenstag zu feiern, dem Fest des namengebenden Heiligenpatrons, oder gar am Tauftag. Denn nicht das beschwerliche Hinausgezerre aus dem Mutterschoß in die sündige Welt bei der Geburt sei zu preisen (so schärften die Kirchenväter früher ein), sondern die Umwandlung des unerlösten Menschleins in ein tapferes, dem Bösen widerstehendes Christenkind in der Taufe.“

Aus der ‘Frankfurter Allgemeine Zeitung’ vom Sonntag.

Kein Ausschlafen

„Auch mit 80 wird der Papst nicht ausschlafen: Aufstehen um 6.15 Uhr, Frühmesse in der päpstlichen Kapelle im dritten Stock des Apostolischen Palastes. Dabei: Papst-Bruder Georg Ratzinger (83).Das Frühstück um 8 Uhr wird bayerisch: Weißwürste und Spezialitäten aus der Heimat (statt wie gewöhnlich Croissants und Obst). Bevor ab 10.30 Uhr die ersten Gäste kommen, muß Benedikt XVI. arbeiten: Unterlagen aus dem Staatssekretariat, die nicht liegen bleiben können. Dann Empfang im Apostolischen Palast, Botschafter und Staatsgäste, darunter Edmund Stoiber. 13 Uhr: Mittagessen im kleinen Kreis, zum Nachtisch Geburtstagstorte. Seine Mitarbeiter wollen dem Papst ein Ständchen singen. Danach eine Stunde Mittagsruhe.“

Vom Vatikanisten der ‘Bildzeitung’, Andreas Englisch.

Der Bayer, der Benedikt wurde
16. April 1927: Joseph Alois Ratzinger wird im oberbayerischen Marktl am Inn als Sohn eines Gendarmeriemeisters geboren.

Im Bild: das Geburtshaus.Kindheit und Jugend verbringt Joseph Ratzinger in Traunstein.

Im Bild: die Primizkirche des Papstes in Traunstein.Joseph Kardinal Ratzinger im Gespräch mit Jürgen Habermas an der Katholischen Akademie in Bayern

Das Schicksal der Haushälterin

„Ingrid Stampa (57) führte seit 1991 den Haushalt des damaligen Kardinals Joseph Ratzinger, erledigte für ihn Sekretariatsarbeiten und hatte für Benedikt XVI. beim Einzug in den Apostolischen Palast die Möbelpacker dirigiert. Eine Frau in Zivil und keine Ordensschwester, eine Frau zudem, die so unvorsichtig gewesen war, über ihr »freundschaftliches Verhältnis« zu Ratzinger zu plaudern. Es dauerte ein paar Wochen, bis Stampa auszog und vier Schwestern der Gemeinschaft ‘Communione e Liberazione’ ihre Nachfolge antraten. Benedikt XVI. hatte erfahren: Ein Papst hat nicht wirklich ein Privatleben. Er ist theoretisch absoluter Monarch und kann sich praktisch nicht einmal wie jeder Pfarrer seine Haushälterin frei aussuchen.“

Aus der ‘Kölnische Rundschau’.

Motor FM auf Latein

„Anläßlich des 80. Geburtstags von Papst Benedikt XVI. sendet der Berliner Radiosender ‘Motor FM’ am Montagmorgen ab 8.00 Uhr eine Stunde lang auf Lateinisch. Die Moderationen seien mit Hilfe eines Philologen der Freien Universität übersetzt worden und werden live vorgetragen.“

Aus einem Bericht der Nachrichtenagentur ‘Associated Press’.

Wo ist die neue Basis?

Robert Spaemann: „Der Papst kommt aus einer Zeit, in der der Thomismus die herrschende Basis der Theologie war und Karl Rahner […] war ja ein gelernter Thomist. Die schöpferischen, jungen Theologen der damaligen Zeit haben sich aus den Fesseln einer gewissen Neuscholastik befreien müssen. Diese Befreiung konnte entweder in Richtung einer philosophischen Rekonstruktion der Theologie führen, wie bei Rahner, oder in eine Revitalisierung der gesamten Tradition, in welcher Augustinus die beherrschende Figur ist. Augustinus ist auch für den Heiligen Thomas der Kirchenvater schlechthin. Ratzinger hat aus dieser gewissen Verengung herausgeführt, indem er die augustinische Tradition, auch Bonaventura und die geschichtsphilosophischen Perspektiven der Theologie, neu erschlossen hat.“

Der emeritierte Münchener Philosoph Robert Spaemann im Gespräch mit ‘Radio Vatikan’.

Heulen vor dem Taufbecken

„Vor zwei Jahren noch war die Pro-Kopf-Verschuldung des Örtchens [Marktl am Inn] doppelt so hoch wie im bayerischen Durchschnitt – nun hat Marktl acht Omnibusparkplätze, 15 neue Arbeitsplätze und einen viersprachigen Internet-Auftritt. Die ersten Unternehmen siedeln sich in der Geburtsstadt des Papstes an. […]»Die Leute stehen vor seinem Taufbecken des Heiligen Vaters und weinen«, erzählt Stephan Semmelmayr, Leiter des neu gegründeten Tourismus- und Begegnungszentrums in Marktl. »Sie spüren eine tiefe innere Freude an diesem Ort. Am Montag werden wir feiern!«“

Aus der deutschen Tageszeitung ‘Welt’ vom Samstag.

Metamorphose

„Für den Wandel vom ungeliebten ‘Panzerkardinal’ zum populären Pontifex bei Benedikt XVI. lassen sich vier Erklärungen ausmachen: das Amtscharisma des Papsttums, das wachsende Bedürfnis nach Orientierung in einer globalen Welt, die klare Konzentration seines Programms sowie seine intellektuelle Redlichkeit, gepaart mit einem tiefen Glauben.“

Aus der Berliner Tageszeitung ‘Tagessspiegel’.
      
9 Lesermeinungen
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#9   GerdEric   22:42:23 | Montag, 16. April 2007
@cgngay
Hallo,
bei dem Gebrauch des Wortes Pharisäer !:)
fällt mir hier meist das Wort Pfarriseer ein o^/
:(3
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#8   Christus vincit †   22:36:08 | Montag, 16. April 2007
Außer Weißwürst nichts gewesen…?
Karl Rahner […] war ja ein gelernter Thomist.
Wovon man allerdings nicht mehr allzu viel merkte!
Die schöpferischen, jungen Theologen der damaligen Zeit haben sich aus den Fesseln einer gewissen Neuscholastik befreien müssen.
Thomas von Aquin war von Papst Leo XIII. für alle katholischen Ausbildungsstätten als Pflichtprogramm vorgeschrieben worden. Die Neuscholastik war der großangelegte, großartige Versuch, die Scholastik, sprich die Theologie der bedeutendsten Theologen des Mittelalters wie Petrus Lombardus, Abaelard, Anselm von Canterbury, Albertus Magnus, Thomas von Aquin, Bonaventura, Johannes Dun Skotus usw. mit den Forschungsergebnissen der modernen Human- (z.B. Psychologie, Soziologie) und Naturwissenschaften zu verbinden. Was ist daran verwerflich? Wo lag da der „Befreiungsbedarf“?Ich sehe keinen…!
Diese Befreiung konnte entweder in Richtung einer philosophischen Rekonstruktion der Theologie führen, wie bei Rahner
…oder Wojtyla. Gemeint ist wohl „Reduktion“…?!
Augustinus ist auch für den Heiligen Thomas der Kirchenvater schlechthin.
Ebenso ist Aristoteles für Thomas der Philosoph schlechthin!
Ratzinger hat aus dieser gewissen Verengung herausgeführt, indem er die augustinische Tradition, auch Bonaventura und die geschichtsphilosophischen Perspektiven der Theologie, neu erschlossen hat
Schön wärs! Was Ratzinger, Rahner & Co. gebracht haben, war die „zweite Reformation“ des Konzils, die die erste (450 Jahre früher) teilweise bei weitem übertroffen hat…! :-@
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#7   Bruder Theophil   15:24:14 | Montag, 16. April 2007
@ Lorenz
Ich finde, dass Benedikt XVI. unser aller Glückwünsche verdient hat. Er hat durch Intellekt und Demut das Bild des Deutschen in der Welt erneuert. Auch von daher passt das Tagesevangelium ganz gut. Wir schulden ihm für sein leuchtendes Beispiel an Christlichkeit Respekt und Dankbarkeit.
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#6   Lorenz   15:19:56 | Montag, 16. April 2007
aus Wasser und Geist geboren
Das Tagesevangelium (Dank an Theo) passt ja blendend zum Tauftag des heiligen Vaters. Wahrscheinlich erträgt er den Geburtstagsrummel, der jedem denkenden Menschen ja immer ziemlich peinlich ist, deshalb einigermaßen, weil bei ihm Tauf- und Geburtstag zusammenfallen.
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#5   Bruder Theophil   11:27:29 | Montag, 16. April 2007
@ cgngay
Vielen Dank für die guten Wünsche. Gut zu wissen, dass Sie so zufrieden mit sich selbst sind, dass Sie nichts verändern müssen.
Wie war das mit dem Pharisäer ?…
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#4   cgngay   11:21:19 | Montag, 16. April 2007
Lieber Bruder Theophil,
hoffe Sie nehmen Ihr heutiges Evangelium sich sehr zu herzen. Musste, als ich es las, ständig an sie denken – vor allem bei dem Wort Pharisäer…
Auf das sie am Geburtstag des Papstes neu geboren werden, Ihnen auch alles Gute – von ganzem Herzen!
:(3
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#3   Bruder Theophil   10:40:22 | Montag, 16. April 2007
Zum Geleit…das heutige Evangelium
verbunden mit den besten Segenswünschen an unseren Heiligen Vater zum 80. Geburtstag.
EVANGELIUM Johannes 3, 1-8
Es war ein Pharisäer namens Nikodemus, ein führender Mann unter den Juden. Der suchte Jesus bei Nacht auf und sagte zu ihm: Rabbi, wir wissen, du bist ein Lehrer, der von Gott gekommen ist; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, wenn nicht Gott mit ihm ist. Jesus antwortete ihm: Amen, amen, ich sage dir: Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen. Nikodemus entgegnete ihm: Wie kann ein Mensch, der schon alt ist, geboren werden? Er kann doch nicht in den Schoß seiner Mutter zurückkehren und ein zweites Mal geboren werden.
Jesus antwortete: Amen, amen, ich sage dir: Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; was aber aus dem Geist geboren ist, das ist Geist. Wundere dich nicht, dass ich dir sagte: Ihr müsst von neuem geboren werden. Der Wind weht, wo er will; du hörst sein Brausen, weißt aber nicht, woher er kommt und wohin er geht. So ist es mit jedem, der aus dem Geist geboren ist.
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#2   cgngay   10:26:25 | Montag, 16. April 2007
Alles Gute zum 80. Geburtstag,
auch aus Köln. Und wenn Kardinal Meisner den Papst als „Mozart unter den Theologen“ betitelt, kann unser jetztiger Papst so schlecht nicht sein!
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#1   Sirilo   09:58:53 | Montag, 16. April 2007
Tag der Geburt bei Benedikt auch Tag der Taufe
Der Journalist von der zitierten FAZ am Sonntag zeigt sich genauso uninformiert wie der Leser „Christus vincit“ in dem Faden „Heiliger Vater… wenn Jesus 80 Jahre alt geworden wäre“.
Tatsache ist, daß bei Papst Benedikt XVI. Geburtstag und Tauftag zusammenfallen, da er noch am Tag seiner Geburt (einem Karsamstag) getauft wurde. Bevor man also am Papst mehr oder weniger höflich herummäkelt, warum er es zuläßt, daß sein Geburtstag so gefeiert wird und nicht sein Tauftag, sollte man sich kundig machen. Sonst ist man halt der Blamierte.
www.vatican.va/…rt-biography_ge.html
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