18:29:56 | Freitag, 11. Mai 2007
Die kirchliche Jugendarbeit soll nicht vom Evangelisations- und Heilsauftrag der Kirche ausgehen. Von Hubert Hecker.

Innenraum der Jugendkirche Oberhausen
© jugendkirche-oberhausen.de(kreuz.net) Die Würzburger Synode (1971-1974) war neben der „
Königsteiner Erklärung“ der zweite erfolgreiche
Anlauf, um die Lehrautorität von Papst und römisch-katholischer Kirche in Deutschland zu untergraben.
Offiziell sollte diese Synode die Beschlüsse des Zweiten Vatikanums in den deutschen Bistümern umsetzen.
In Wahrheit war sie der Beginn einer deutschen Nationalkirche mit einer eigenen Theologie und Heilslehre.
Die Linkstheologen Hw. Johann Baptist Metz (79) von Münster sowie Pater Karl Rahner († 1984) und sein
damaliger Assistent, Hw. Karl Lehmann, setzten ihre politisch-anthropologischen Ansätze weitgehend durch.
Zeitweise protestierte Kardinal Joseph Höffner († 1987) von Köln dagegen.
Der Sieg der Linken läßt
sich an dem Synodenbeschluß Nummer 8 aufzeigen.
Selbstverwirklichung als oberstes PrinzipDieser steht
unter dem Titel „Ziele und Aufgaben kirchlicher Jugendarbeit“.
Es wird ausgeführt, daß die Synode nicht
mehr von dem bisher üblichen Evangelisations- und Heilsauftrag der Kirche ausgehe.
In Zukunft wolle
man sich von der Analyse der aktuellen sozio-ökonomischen Bedingungen „heutiger“ Jugendlicher leiten
lasse.
Aus dieser Analyse entwickelte man als zentrale Zielorientierung kirchlicher Jugendarbeit die
„Selbstverwirklichung“. Man definierte sie als „ein Leben in Eigenverantwortung und Selbstbestimmung“.

Humanistisch-gesellschaftliches Heil: Das Ziel dieser Selbsterlösung ist Selbstverwirklichung.
© Bild:
jugendkirche-hannover.deDiese Neuausrichtung stammte aus der damaligen neomarxistischen Ecke, die eine Revolutionierung „der
bestehenden Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung“ anstrebte.
Die angezielte Selbstverwirklichung sei –
so das Papier – in den Prozeß gesellschaftlichen Wandels eingebettet. Sie müsse sich gegen „teils irrationale
Kräfte, teils zielbewußte Interessen derer, die von bestehenden ungerechten Verhältnissen profitieren“,
wehren – erklärt die Synode mit klassenkämpferischen Untertönen.
Offenbar waren die versammelten Synodalen
entschlossen, die kirchliche Jugend in den damaligen neomarxistischen Strom antiautoritärer, systemverändernder
Jugendlichen und Studenten einzugliedern.
Auch die Methode der neuen kirchlichen Jugendarbeit stammte
aus der Politik. Hinzu kam ein Schuß neoliberaler Angebotstheorie:
Nach dem Marktmodell von Angebot
und Nachfrage wurde die kirchliche Jugendarbeit auf die Bereitstellung eines „personalen Angebotes“ und
eines „Sachangebot“ an Räumen, Programmen und Veranstaltungen festgelegt.
Die Orientierung der Jugendarbeit
am Konsumbedürfnis der Jugendlichen wird heute mit den
Jugendkirchen voll und ganz verwirklicht.
Für
diese sozio-politisch konzipierte Jugendarbeit fand man auch eine theologische Begründungsgarnierung:
Die „Selbstverwirklichung“ sollte sich an dem Menschen Jesus ausrichten, jenem Mann aus Nazareth, Mensch
unter Menschen, der eine besonders innige Gottesbeziehung gezeigt habe.
Indem die Kirche die Identitätsbildung
junger Menschen ermögliche und demokratische Mitwirkung fördere, verwirkliche sie sich im diakonischen
Dienst.
So heißt es in den Jugendpastoralthesen des Bistums Limburg von 1999, die auf das Synodenpapier
aufbauen.
Es wird betont, daß die Kirche über diese Subjektwerdung hinaus kein „Geschäftsinteresse“
an den Jugendlichen habe. Mit anderen Worten: Es gibt keinerlei katechetische oder missionarische Ansprüche.
Schon bei der Vorlage war der Synodenbeschluß umstritten.
Arianismus und PelagianismusDie damalige
theologische Kritik trifft die kirchliche Jugendarbeit bis heute:
Das Synodenpapier verkündet nicht
Christus als Erlöser, sondern als vorbildlichen Menschen Jesus mit einem innigen Gottesverhältnis –
wie es die Heiligen besaßen.
Diese christliche Häresie ist gemeinhin als Arianismus bekannt. Arianisch
ist zum Beispiel auch die Christologie der Zeugen Jehovas.
Es ist klar, daß ein vorbildlicher Mensch –
auch wenn er Jesus heißt – weder von Sünden erlösen noch zum ewigen Heil führen kann.
Das Vertrauen
allein auf die menschliche Eigenwirksamkeit führt zu einem humanistisch-gesellschaftlichen Heil. Das
Ziel dieser Selbsterlösung ist Selbstverwirklichung.
Diese Irrlehre heißt theologisch Pelagianismus.
Seit der Würzburger Synode werden diese Irrlehren den jungen Katholiken in
Jugendkirchen, bei der Vorbereitung
für den
Weltjugendtag in Köln oder bei
Jugendgottesdiensten „jugendgemäß“ vermittelt.
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