18:27:18 | Samstag, 21. April 2007
Gloria v. Thurn und Taxis

Die ausgelassene Runde speiste im China-Lokal „Nuova Città del Cielo“ in Rom.
© Paul Badde(kreuz.net, Rom) Am Abend des 16. April eilte die Regensburger Fürstin Gloria von Thurn und Taxis von
Afrika nach Rom.
In der Ewigen Stadt nahm sie an einem Konzert anläßlich des Geburtstages von Papst
Benedikt XVI. in der Aula Paolo VI teil.
Ein Platzregen vor der Halle neben dem Petersdom tat ihrer Begeisterung
nach dem Konzert keinen Abbruch.
Vor den Kolonnaden kam sie mit einigen Regensburger Prälaten ins Gespräch
und stellte sich mit deren Haushälterinnen und Bekannten für Erinnerungsfotos auf.
In diesem Zusammenhang
trat ein Journalist aus Regensburg mit einer Interviewbitte an sie heran.
Die Fürstin verwies ihn freundlich
an ihr Büro, wo er sich für den nächsten Tag einen geeigneten Termin geben lassen sollte.
Im fürstlichen
Gefolge befand sich auch der deutsche
Buchautor und Vatikanist Paul Badde, Korrespondent der deutschen
Tageszeitung
‘Welt’ und Mit-Herausgeber des
VATICAN-magazins.
Herr Badde, was hatte man sich für den
Abend vorgenommen?Paul Badde: Wir planten nach dem Konzert ein Abendessen für rund sechs Personen:
für die Fürstin, ihren Bruder Alexander von Schönburg, ihren gemeinsamen Freund Philipp von Studnitz,
dazu meinen Freund und Kollegen
Alexander Smoltczyk sowie meine Frau und mich.
Ein kleiner Rahmen…
Paul Badde: Naja. Nach dieser Begegnung schlossen sich unserer kleinen Gruppe bei den Kolonnaden noch
zwei Prälaten mit weiteren Pilgern aus Regensburg an.
Wer wählte das Restaurant aus?Paul Badde: Das
war ein spontaner Entscheid. Das nahe „Vier Mohren“ war geschlossen. Daneben, in dem Restaurant „La Frusta“,
war für sechs oder acht Personen kein Tisch mehr frei.
So schauten wir in das chinesische „Nuova Città
del Cielo“ an der Ecke gegenüber hinein, dessen nicht allzu großer Gastraum – wie häufig üblich –
vollkommen leer war.
Und dann?Paul Badde: Wir ließen von den Kellnern ein paar Tische zu einem längeren
Tisch zusammenstellen. Dabei sahen wir, daß noch ein paar Tische mehr nötig geworden waren, weil sich
den Prälaten noch ein größerer Schwanz von „Pilgern“ angeschlossen hatte, die sich freudig dazusetzten.
Wie verteilte sich die fürstliche Gesellschaft?Paul Badde: Am oberen Tischende bat ich die Fürstin
um die Organisation einer kleinen Tischordnung. Nach unten hin überließen wir den „Pilgern“ diese Ordnung
selber.
Kein besonders offizieller Rahmen…
Die Gesellschaft nahm auf dem Tisch hinter dem blauen Fisch Platz.
© Paul Badde Paul Badde: Nachdem Brotkörbe, Bier, Wein und Wasser auf
dem Tisch standen, stimmte einer der Prälaten – wie sein Mitbruder in violetter Soutane – laut für alle
ein Tischgebet an und gab dem Mahl und der Runde seinen Segen. Das Gleiche tat er nach dem Essen.
Dies
nur vorweg zu dem privaten und – ja – fast intimen Charakter des Abends, der am Tisch so fröhlich und
ausgelassen wurde, daß er über große Strecken eher an eine „kölsche Bütt“ als an einen so oder so
ernst gemeinten Diskurs erinnerte.
Also keine konspirative Sitzung?Paul Badde: Keine Spur. Dennoch
wurden aus diesem ungeschützten Raum und Rahmen am nächsten Tag einige launige Äußerungen der Fürstin
als quasi amtliche Stellungnahmen von ihr in der ‘Regensburger Wochenzeitung’ ventiliert.
Nur ein böswilliger
Denunziant konnte diese Aussagen als öffentlich darstellen und diffamieren.
Der betreffende Journalist
hat immerhin erklärt, hochoffiziell in der fürstlichen Runde getafelt zu haben.Paul Badde: Am oberen
Tischende, wo die Fürstin saß, hat keiner – auch nicht mein Kollege Alexander Smoltczyk vom ‘Spiegel’
oder Philipp von Studnitz von ‘Park Avenue’ – die Gegenwart dieses „Kollegen“ oder „Pilgers“ am selben
Tisch wahrgenommen, der „unversehens“ in diese Gesellschaft hinein geraten sein will – wie er es jetzt
der ‘Mittelbayrischen Zeitung’ auf die Nase band.
Er hat die Tischgespräche nach eigenen Angaben offen
mitprotokolliert…Paul Badde: Da hat auch keiner gesehen, wie er Notizen machte. Das hätte – in diesem
Rahmen! – wohl auch keiner für möglich gehalten.
Daß er aus der Gegenwart von uns Journalisten einen
„öffentlichen Charakter“ des Abendessens ableiten will, ist schlicht infam. Wir waren als Freunde am
Tisch – nicht als Journalisten.
Man hat ihn auch dann nicht bemerkt, als er mit Erlaubnis der Fürstin
ein Photo von ihr machte?Paul Badde: Daß der Kollege Christian Eckl – dessen Namen ich jetzt erst aus
der Zeitung erfahren habe – Fürstin Gloria „mit deren Zustimmung beim Prosten abgelichtet“ habe, ist
ebenso absurd.
Wie meinen Sie?Paul Badde: Ich saß neben der Fürstin und nahm einmal einen Knipser
hinter meiner Schulter wahr, aber keineswegs eine wie auch immer geartete Anfrage, für welche Zeitung
auch immer ein Foto von der Fürstin schießen zu dürfen.
Es war an diesem Abend ein Erinnerungsfoto
unter vielen, welche Fürstin Gloria gleichgültig über sich ergehen ließ.
Wie endete der Abend?Paul
Badde: Die Fürstin hat am Schluß für alles und alle bezahlt. Es machte sie auch nicht traurig, daß
die Rechnung bei diesem Chinesen so unrömisch niedrig war.
Auch das Essen des anonymen Journalisten?
Paul Badde: Natürlich. Dafür verkündete Eckl danach in Süddeutschland, er „glaube, daß die Öffentlichkeit
erfahren soll, wie Fürstin Gloria denkt“.
Das ist der Gipfel der kleinen Affäre. Selbst die Gedanken
sollen also nicht mehr frei sein – auch nicht von solchen Fallenstellern?
Danach möchte man den Regensburgern
von Rom aus „Gute Nacht“ wünschen, wenn da fortan Kollegen wie Christian Eckl als Gedankenpolizisten
ihre Runden drehen.
Kann sich Eckl nicht auf den Informationsauftrag der Medien berufen?Paul Badde:
Dann lieber doch wieder eine gescheite Inquisition – deren revolutionärer Grundgedanke es immerhin war,
daß Beschuldigte erst einmal selbst „angehört“ werden mußten, bevor es ihnen ohne viel Federlesens
aufgrund verschiedener ungeprüfter Denunziationen an den Kragen ging.
Noch etwas?Paul Badde: Ja. Sein
Bier hätte Herr Eckl – hätte er je von dem Begriff „Gentleman“ gehört – an diesem Abend selber zahlen
sollen – am besten auch sein Chop oder was er sich sonst aus der Küche hat kommen und auf Kosten der
Fürstin hat schmecken lassen.
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