Entweder war Jesus Gottes Sohn, dann ist das heutige Judentum einem tragischen Irrtum verfallen. Oder er war es nicht, dann liegen die Christen daneben. Beide können nicht im Recht sein. Interview mit einem jüdischen Konvertiten.
Buchumschlag: „Das Heil kommt von den Juden. Gottes Plan für sein Volk“
(kreuz.net) Der US-Bestsellers „Das Heil kommt von den Juden“ ist dieses Jahr im Augsburger St. Ulrich-Verlag
in deutscher Übersetzung erschienen.
Seine Hauptthese: Vor 2000 Jahren hat das jüdische Volk seinen
zentralen Heilsauftrag erfüllt, indem es der Welt Jesus Christus, den Erlöser, schenkte.
Der Autor
des Buches ist der New Yorker Roy H. Schoeman (55).
Roy Schoeman
Schoeman ist ein Sohn deutscher-jüdischer Eltern,
die vor dem Nationalsozialismus in die USA flüchten mußten.
Er studierte jüdische Theologie und konvertierte
vor einigen Jahren zum Katholizismus. Heute ist er als Dozent an der Harvard Business School tätig.
Der St.-Ulrich-Verlag publizierte auf seiner Webseite ein Interview mit Schoeman:
Herr Schoeman, Sie
bezeichnen Ihre Bekehrung zum Katholizismus nicht als Abkehr von Ihren jüdischen Wurzeln, sondern als
Vollendung Ihrer jüdischen Identität. Warum?
Roy H. Schoeman: Jesus ist der Messias, auf den das jüdische
Volk Jahrtausende lang gewartet hat, um den es gebetet und auf den es sich vorbereitet hat.
Als Jesus
in die Welt kam, hat er das Verhältnis von Mensch und Gott verändert und auch das Verhältnis von Leben
und Tod.
Ich sehe die katholische Kirche als post-messianisches Judentum und das Judentum als embryonale
Form des Katholizismus. Der Heilsauftrag des Judentums war es, gewissermaßen Brutstätte zu sein.
Durch
die spezielle Beziehung zwischen Gott und der ethnischen Gruppe der Juden sollte die Menschwerdung Gottes
vorbereitet werden. Nach dem Tod und der Auferstehung Jesu sollte diese spezielle Beziehung dann auf die
ganze Menschheit übergehen.
Haben sich Ihre Familie und Ihre rabbinischen Lehrer mit Ihrer Konversion
abgefunden?
Roy H. Schoeman: Da meine Familie noch nicht die Gnade der Bekehrung erfahren hat, muß sie
meinen Glauben an Christus für einen Irrtum halten.
Sie sieht mich als jemanden, der vom rechten Glauben
abgefallen ist.
Für meine Familie ist das eine Tragödie, aber das hindert sie nicht daran, mich weiterhin
als Sohn und Bruder zu lieben.
Der Rabbiner meiner Heimatstadt hingegen hat ausgesprochen feindlich auf
meine Konversion reagiert, Verwünschungen eingeschlossen. Mittlerweile allerdings ist er gestorben und
weiß jetzt auch, daß Jesus der Messias ist.
In Ihrem Buch übertragen Sie Ihre eigene Erfahrung auf
das Judentum allgemein. Demnach ließe sich die Heilsgeschichte des jüdischen Volkes nur verstehen, wenn
man Jesus als den verheißenen Messias anerkennt. Jüdische Theologen sehen das anders.
Roy H. Schoeman:
Zuerst einmal muß ich widersprechen. Ich übertrage nicht meine eigene Erfahrung auf die jüdische Theologie.
Es gibt eine objektive Wahrheit. Entweder war Jesus Gottes Sohn, dann ist das heutige Judentum einem
tragischen Irrtum verfallen. Oder er war es nicht, dann haben die Christen Unrecht. Beide können nicht
im Recht sein.
Natürlich haben jüdische Theologen eine andere Sicht auf die Rolle des Volkes Israel
in Gottes Heilsplan, denn sie warten ja noch auf den Messias.
Das Anliegen meines Buches ist es daher,
die jüdische Theologie neu zu beleuchten, und zwar mit dem Licht der Wahrheit, die im katholischen Glauben
begründet liegt.
Wie stark ist die messianische Idee im heutigen Judentum ausgeprägt?
Roy H. Schoeman:
Im Gegensatz zur katholischen Kirche, kennt das Judentum kein Lehramt, keine Autorität, die im Namen
aller Juden spricht. Deshalb gibt es auch ganz verschiedene Ausprägungen der messianischen Idee im heutigen
Judentum.
Streng religiöse Juden zum Beispiel erwarten sehnlichst einen personalen Messias – ganz so,
wie zur Zeit Jesu.
Liberale Juden wiederum haben oft gar keine konkrete Messiasvorstellung mehr. Sie
erwarten eine schrittweise Verbesserung der Welt, wobei das jüdische Volk wohl als Modell, als „Licht
der Welt“ dienen soll
Sie stellen den Schwierigkeiten der jüdischen Theologen mit der Einordnung des
Holocaust Texte von Edith Stein und Schwester Faustyna gegenüber. Wo liegen da die zentralen theologischen
Unterschiede?
Roy H. Schoeman: Das Judentum kennt keine Theologie des Leidens. Jedenfalls ist im Alten
Testament davon kaum die Rede.
Die wichtigste Erklärung für das Leid ist im Buch Hiob enthalten und
lautet ungefähr so: Wir leiden, egal ob wir es verdienen oder nicht. Wir verstehen das nicht.
Aber weil
Gott gütig ist, können wir seiner Gerechtigkeit vertrauen. Das Christentum wiederum hat nicht nur eine
Theologie des Leidens, es ist eine Theologie des Leidens. Gott selbst hat in Menschengestalt Leid und
Tod erfahren, um die Welt zu erlösen.
Von den frühen Tagen des Christentums an wurde deshalb die erlösende
Kraft des Kreuzes auch auf das Leid derer bezogen, die sich zu Christus bekennen.
Edith Stein und Schwester
Faustyna haben den Wert des Leidens für die Erlösung der Welt erkannt.
Edith Stein hat in diesem Licht
auch den Holocaust gesehen. Sie hat ausdrücklich ihr Leben in Auschwitz für das Heil der Welt aufgeopfert.
Viele jüdische Theologen haben hingegen nach der Tragödie des Holocaust ihren Glauben an die Güte
und die Allmacht Gottes verloren. Ein prominentes Beispiel hierfür ist Elie Wiesel. In seinen Texten
kommt sogar der Begriff „göttliche Ungerechtigkeit“ vor.
Wie ist Ihr Buch in den USA aufgenommen worden?
Von welcher Seite haben Sie Zustimmung erfahren – und von woher kam Ablehnung?
Roy H. Schoeman: Ich bin
überrascht und zugleich überglücklich über die Reaktionen auf mein Buch. Niemand, am wenigsten ich,
hatte geahnt, daß es ein Bestseller werden würde.
Ich habe Hunderte von Briefen von Katholiken bekommen,
die sich von mir in ihrem Glauben gestärkt fühlen oder die ich zurück zur Kirche gebracht habe.
Ich
habe auch Post von Juden bekommen, die nach der Lektüre meines Buches in die Kirche eingetreten sind.
Einige haben mich sogar gebeten, ihr Taufpate zu werden.
Von jüdischer Seite habe ich so etwas wie wohlwollende
Nichtbeachtung erfahren, aber keine Feindseligkeit. Schließlich bin ich weder der erste noch der letzte
Konvertit.
Die einzige offen feindliche Reaktion habe ich von antisemitisch eingestellten Katholiken
erfahren, die nicht einsehen wollen, daß die Juden Gottes auserwähltes Volk sind und daß sie auch noch
eine Rolle spielen werden bei der Wiederkunft des Herrn am Ende aller Tage.
Dann nämlich werden auch
die Juden Jesus als den Messias anerkennen – und so den Weg frei machen für die Vollendung des Reiches
Gottes.
Roy H. Schoeman Das Heil kommt von den Juden Gottes Plan für sein Volk Sankt Ulrich Verlag,
2007 ISBN-10: 3936484163 ISBN-13: 9783936484168
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St. Paulus (Röm 10) über Israel: Brüder, der innige Wunsch meines Herzens und meine Bitte an Gott für
sie geht auf ihr Heil; ich bezeuge ihnen, sie haben Eifer für Gott, freilich nicht von Einsicht geleitet:
die Gerechtigkeit aus Gott verkennend, meinten sie ihre eigene suchen und hinstellen zu können und ergaben
sich nicht der Gerechtigkeit Gottes. Denn Christus ist Ziel und Ende des Gesetzes: zur Gerechtigkeit jedem
der glaubt.
@AVARITIA: Der Mensch ist an sich gewollt und er sollte ja auch friedlich und ohne Schmerz und Tod über
die Erde herrschen. Aber dann kam der Sündenfall des ersten Menschenpaares, worin eine unsagbar schwere
Beleidigung der Majestät Gottes lag (man spricht ja auch von „Majestätsverbrechen“). Seit dem ist die
menschliche Natur in gewissem Maße verdorben, weil Adam und Eva den Gnadenstand verloren haben und ihre
gefallene Natur sich auf jeden Menschen fortpflanzt. Gott will jedoch unter diesen Voraussetzungen trotzdem
das Heil der Menschen. Das kann man nicht beweisen, daran kann man nur glauben.
Böse Welt und guter Gott: Sicher, wenn man die Welt rein natürlich betrachtet, dann hat man Probleme
diese Tatsachen, die tagtäglich sich ereignen mit dem Glauben an einen barmherzigen Gott in Einklang
zu bringen. Den alten Heiden wird das auch ein Hinderungsgrund gewesen sein, sich nicht zu einer natürlichen
Gotteserkenntnis durchringen zu können. Aber zu einer solche Betrachtung kommt man nur, wenn man Glaubenswahrheiten
des Christentums ablehnt: -Der Mensch ist ein gefallenes Wesen und zum Bösen geneigt, denn jeder Mensch,
der geboren wird, trägt die Verwundung der ERBSÜNDE in sich, die von Adam auf jeden Menschen übertragen
wird -Im Himmel hat sich bereits vor der Schöpfung ein Drama um den Lichtengel Luzifer abgespielt, der
aus Stolz sich schwer versündigt hat und schließlich in die Welt gestürzt wurde, wo er bis heute sein
Unwesen treibt -Jesus ist gekommen um „zu retten, was verloren war“, um eine (faktisch) kleine Anzahl
von Menschen in den Himmel zu führen
Gott ist gütig? Liebe Mitleser, ich möchte höflichst darum bitten, diesen Beitrag nicht misszuverstehen…
Aber in Anbetracht der weltlichen Situation habe ich schon oft darüber nachgedacht, ob Gott überhaupt
gut sein kann… Der Mensch ist nach seinem Ebenbild geschaffen, und der Mensch tötet, der Mensch macht
Fehler, der Mensch bringt sich um… Es gibt Kriege, Armut, Klassenkampf, Krankheiten, dem Mensch wurde
so viel Macht gegeben, dass diese Macht unsere Mutter Erde kaputt machen kann… Wenn Gott uns quasi bewusst
diese Macht gegeben hat (und das hat er, denn er ist allmächtig), und wir zugleich nach seinem Ebenbild
geschaffen sind, so kommt man zu der Vermutung, dass es kein Gutes gibt, sondern nur das Böse, und dass
es keine „Hölle“ gibt, sondern nur den Himmel und nur Gott… Dass wir möglicherweise nur ein Schaukasten
sind, den Gott von oben herab betrachtet, und seinen perversen Gelüsten (die die Menschheit ja auch hat)
die Befriedigung gibt… Nennt mich vielleicht verbittert, aber statt diesen Beitrag zu löschen, würde
ich mich freuen, wenn ich andere „objektive“ Meinungen dazu hören könnte… Ihr dürft mir auch eine
Email hinterlassen unter grotesque1985@gmx.de
@ GerdEric Naja, ein par Unterschiede sehe ich da schon, einen schonen Morgen wünsche ich auch, oder
besser eine Gute Nacht, für mich jedenfalls jetzt.
@ GerdEric und wie viele „Perlen“ hat so ein Rosenkranz? Man beginnt mit einem Kreuz und betet das Glaubensbekenntnis,
dann eine große Perle für ein Vater unser, dann drei kleine Perlen mit drei Ave Maria und mit den Bitten
der drei christlichen Grundtugenden, Glaube, Hoffnung und Liebe, dieses wird mit einem Ehre sei dem Vater
abgeschlossen. Dann folgen 5 Gesetze die mit einem Vater unser eingeleitet werden und mit einem Ehre sei
dem Vater abgeschlossen werden. Bei den 10 Ave Maria dazwischen wird immer ein christliches Geheimnis
eingefügt wie z.B. –-- Jesus, der uns den hl. Geist gesandt hat. Gute und schlechte gibt es wohl überall,
da gebe ich ihnen recht. Wenn die Dogmen nur berührt wären, wären sie nicht unbedingt ewig gültig,
sie sind vom heiligen Geist durchdrungen und deshalb durch und durch ewig wahr. Wenn sie die röm/kath.
Kirche wiederlegen wollen brauchen sie nur ein Dogma kippen, dann hätten sie es schon geschafft. Ja es
gibt bestimmt Christen die Jesus als Lastenesel sehen, wollen wir hoffen das sie das nicht boswillig tun
und das es nicht so viele sind! Alle Nichtchristen und Juden würd ich von diesem Denken aber auch nicht
unbedingt ausschließen. Den einen wird der Herr dieses vielleicht mehr verzeihen den anderen wahrscheinlich
weniger.
@sozialkatholisch Alle Meditation ist auch gewiss nicht gut, ich würde ihnen da doch den Rosenkranz empfehlen.
und wieviele „Perlen“ hat so ein :(3 Rosenkranz? Meinten sie eigentlich evangelische Pfarrer oder katholische
Pfarrer? für mich ist da kein grosser Unterschied, wobei ich da eher die Guten und die Schlechten unterscheide.
Naja, die Dogmen der römischen Kirche sind aber vom hl. Geist geleitet, Naja, ich glaube, dass mich G’TT
der HERR durch den Heilige Geist „berührt“. Jesus Christus als Lastenesel zu bezeichnen kann ein fataler
Fehler sein, weil jeder der zu Gott will an ihn vorbei muss. Tja, aber diesen fatalen Fehler „nutzen“,
be-nutzen viele Christen, also Nichtjuden, jedenfalls aber nicht Juden !:)
@ GerdEric also, darauf möchte ich doch bestehen, das Pharisäertum ist unser! für euch bleibt nur das
Pfarrisäertum … Pfaffen als Pharisäer mag es geben, aber Pharisäer als Pfaffen, na ja ich weiß nicht.
Alle Meditation ist auch gewiss nicht gut, ich würde ihnen da doch den Rosenkranz empfehlen. Meinten
sie eigentlich evangelische Pfarrer oder katholische Pfarrer? Oder gibt es sogar jüdische? ?:) Naja,
die Dogmen der römischen Kirche sind aber vom hl. Geist geleitet, denn sie haben ja ewige Gültigkeit!
Jesus Christus als Lastenesel zu bezeichnen kann ein fataler Fehler sein, weil jeder der zu Gott will
an ihn vorbei muss. o^/
@sozialkatholisch sozialkatholisch: Gewisses Pharisäertum ist nicht nur in der röm/kath. Kirche zu finden,
wahrscheinlich hat fast jeder Mensch mehr oder weniger Neigungen dazu. also, darauf möchte ich doch bestehen,
das Pharisäertum !:) ist unser! für euch bleibt nur das Pfarrisäertum o^/ … …und das tägliche
Zählen der Fäden ob wir nicht irgendeine kleine gesetzliche Verhaltensweise vergessen haben, Was ist
Meditation? :(3 … haben wir durch das Kreuzesopfer Jesu Christie und u.a. der hl. Beichte die Möglichkeit
der Vergebung und des Neuanfangs. durch unsere Beichte vor G’TT dem HERRN, haben wir die Möglichkeit
der Vergebung und des Neuanfangs. Die Pharisäer sehen ihre Rechtfertigung vor Gott ja durch ein Abarbeiten
ihrer Gesetze, der Christ durch Unterwerfung unter Jesu Christie und seiner großen Barmherzigkeit. Die
Pfarrisäer sehen ihre Rechtfertigung vor Gott ja durch ein Abarbeiten ihrer Kirchengesetze, der Jude
durch Unterwerfung unter G’TT den HERRN und SEINE großen Barmherzigkeit.
@ Gerd Eric Natürlich sind für einen Christen nicht alle Gesetze aus der Welt geschafft, aber das starre
abarbeiten der Gesetze und das tägliche Zählen der Fäden ob wir nicht irgendeine kleine gesetzliche
Verhaltensweise vergessen haben, davon hat Gott uns befreit. Als Christ sind die Gesetze und Gebote der
Kirche eine Richtschnur für unser leben und wenn wir gefehlt haben, oder eine neue Erkenntnis gewonnen
haben das Bereiche unseres Lebens nicht Gott wohlgefällig waren haben wir durch das Kreuzesopfer Jesu
Christie und u.a. der hl. Beichte die Möglichkeit der Vergebung und des Neuanfangs. Die Pharisäer sehen
ihre Rechtfertigung vor Gott ja durch ein Abarbeiten ihrer Gesetze, der Christ durch Unterwerfung unter
Jesu Christie und seiner großen Barmherzigkeit. Gewisses Pharisäertum ist nicht nur in der röm/kath.
Kirche zu finden, wahrscheinlich hat fast jeder Mensch mehr oder weniger Neigungen dazu.
Nicht Adam war der erste Sünder, sondern Sie und nicht Christus kann Sie erlösen sondern nur Sie selbst
können das! sich auf den Lastenträger verlassen, alle Sünden auf ihn werfen, nur nichts sellbst tragen
wolle, nicht ertragen wollen, denn fürs Grobe sind andere da… und Christen werfen dem Judentum vor,
ehedem Sündenböcke in die Wüste gejagt zu haben… natürlich kann jeder Mensch selbst sein Mögliches
für seine Befreiung tun, warum sonst hat G’TT der HERR den Menschen aus der Knechtschaft Ägyptens, des
Pharaos, befreit? aus der Bevormundung durch andere?! Mensch! es ist dir gesagt, was gut ist.
@ Sperling Wenn man die hl. Schrift nur als Mythos bezeichnet verlockt das zur Überinterpretation. Es
ist aber schön das sie noch an das erste Menschenpaar glauben können. Die Frucht von damals haben wir
nicht gegessen, sonst wäre es ja keine Erbsünde. Unsere Sünden und Gottesferne und durch erliegen der
Versuchungen bedingte Unvollkommenheit sind nur eine Folge davon. Ein Zeichen der fleischlichen Berufung
Israels ist die körperliche Beschneidung, wir Christen sollen uns ja geistig beschneiden was doch mehr
für eine geistige Berufung spricht. Ihr letzter satz ist eindeutig esoterisch und nicht mehr christlich!
@sozialkatholisch sozialkatholisch: aber nicht durch halten der Tora oder Studium des Talmud. aber sicherlich
durch Halten aller Dogmen der einzigen römischen Kirche… Es stellt sich nicht die Frage, ob man die
Gesetze der Kirche halten soll oder muss, es sind einzig die Gebote G’TTES (die ja von der einzigen römischen
Kirche verworfen sind), die dem Menschen gegeben sind (und es ist schon dreist, dem Pharisäertum ein
Leben nach dem WORT G’TTES vorzuwerfen, ihnen anzulasten, selbst aber Menschen gemachte Gesetze leben
zu wollen unbd gar anderen diese noch aufzwingen wollen, das ist purstes Pfarrisäertum, und zwar hoch
². aber nicht durch Halten des katholischen Katechismus oder päpstlicher Erlasse (mal ganz davon abgesehen,
dass die wenigsten Katholiken auch nur gewillt sind, diese kennen zu wollen).
@ Sozialkatholisch Die Versuchung Evas hat m. M. stattgefunden Meiner Meinung nach hat sie auch statt
gefunden. Nur wurde eben nicht Eva versucht, sondern jeder einzelne Mensch. Sie haben die Frucht gegessen
und ich habe die Frucht gegessen. trotzdem ist Mythos nicht das Richtige Wort dafür, es stellt zuviel
in Frage. Die mythische Denkweise stellt gar nichts in Frage, sie eröffnet neue Denkweisen. Die fleischliche
Berufung Israels ist mit dem Glauben Abrahams und dessen Nachkommenschaft begründet. Israel wurde aber
nicht fleischlich berufen sondern geistig. Berufen wurden Sie oder ich und jeder Mensch auf der Welt.
Gott fragt nicht nur sie und mich, er bietet uns allen auch wieder die Möglichkeit der Versöhnung und
Gemeinschaft mit ihm an Letztendlich trägt jeder einzelne Mensch das gesamte Universum in sich. Nicht
Adam war der erste Sünder, sondern Sie und nicht Christus kann Sie erlösen sondern nur Sie selbst können
das!
Tja, lieber Sperling vielleicht hatte die Menschen früher z.T. eine tiefere Sicht der Dinge, die uns
durch unsere vielen Informationen und die Schnelllebigkeit unserer Zeit etwas genommen sind, doch ist
die ganze Wahrheit nur in Jesus Christus zu finden. Die Versuchung Evas hat m. M. stattgefunden, sie ist
nach der Bibel durch eine Frucht versucht worden, was natürlich mit der Frucht genau gemeint ist wissen
wir nicht. Die Wahrheit der Bibel ist auch noch nicht komplett ergründet, trotzdem ist Mythos nicht das
Richtige Wort dafür, es stellt zuviel in Frage. Die fleischliche Berufung Israels ist mit dem Glauben
Abrahams und dessen Nachkommenschaft begründet. Gottes Gesetz ist allen Menschen in seinem Gewissen gegeben
und dieses Gewissen kann man schärfen um das Gesetz Gottes mehr zu verstehen. Das beste Werkzeug zum
schärfen des Gewissens ist m. M. der röm/kath. Glaube. Und sicherlich hat Eva die verbotene Frucht gegessen
und diese Folge haben wir immer noch zu tragen. Durch Evas und natürlich auch Adams erste Sünde kam
immerhin der Tod und die Trennung von Gott in die Welt. Gott fragt nicht nur sie und mich, er bietet uns
allen auch wieder die Möglichkeit der Versöhnung und Gemeinschaft mit ihm an, aber nicht durch halten
der Tora oder Studium des Talmud.
@sozialkatholisch Wo fehlen Gebote? Verbot der Brutalität gegen Tiere ist wohl selbstverständlich, dass
auch Brutalität gegen Menschen verboten ist: vom Kleinen zum Grossen Vorenthaltung des Lohnes? Verbot
von Diebstahl Kann es sein, dass im christlichen Verständnis alles erlaubt ist, was nicht AUSDRÜCKLICH
verboten ist? Und ob ich persönlich gefragt wurde? Wie nennen es Christen, wenn sie glauben von Heiligen
Geist erfasst zu sein? Nun, als mich die Widersprüche des Christentums, mehr und mehr hin und her rissen,
„sageten“ mir die Worte des Juden Jesus, dass alles viel einfacher ist, dass mir G’TT der HERR den Weg
zeigt, so zu glauben, wie es Jesus tat, eben dem Original folgen, nicht einer verfälschten, synkretistischen
Kopie. Doch, ich bin gefragt, allen Geboten zu folgen, und auch Sie kennen die Torah (allerdings in einer
„anderen“ Auslegung (als Geschichtenbuch)). Sie sind gefragt, und Sie sollen nicht irgend welche „Schriftgelehrten“
fragen! Den Mut die Torah an zu nehmen? Sollte ich mir den Leichten Weg nehmen, wenn der Jude Jesus sich
nicht zu schade war, den schweren zu gehen? Im Judentum nimmt keine „Kirche“ mir die Verantwortung ab,
zu entscheiden, was ich zu tun und zu lassen habe.
@ Sozialkatholisch Was heißt denn „wahr“? Diejenigen die den Talmud geschrieben oder gelernt haben waren
einer „mythischen“ Denkweise verhaftet. Sie hatten in gewisser Weise eine „tiefere“ Art zu denken als
wir heute. Das gilt für alle religiöse oder philosophische Literatur. Im Mythos kann es also sehr wohl
wahr sein. Die Schlange wird Eva auch nicht im wörtlichen Sinn den Apfel zu essen gegeben haben. Auch
das ist ein Mythos. Mythen sagen etwas aus über das eigene (!) Leben. Wenn Gott also im Mythos den Völkern
sein Gesetz angeboten hat, dann spielt das nicht in der Vergangenheit. Es spielt in ihrem und meinem Leben.
Gott fragt Sie und mich! Genauso wie nicht Eva den Apfel gegessen hat, sondern Sie oder ich!
@ GerdEric Nach einer Midrasch (Midraschim = erzählerische, auslegende Texte zur Bibel) hat Gott die
Tora allen Völkern angeboten. Die Völker lehnten ab, weil sie die 613 Gebote als Joch ansahen, zu anstrengend
und unerfüllbar . Nur die Juden hatten den Mut, die Tora anzunehmen, aus Liebe zu Gott. An diesen Satz
kann ich überhaupt nicht glauben, ich halte ihn für absolut unwahr. Sie, Gerd Eric wurden doch persönlich
so nicht gefragt, jedenfalls nicht so wie die anderen Völker auch. Können sie den Satz das nur die Juden
den Mut hatten die Tora anzunehmen etwas erläutern? Wie sah der Mut genau aus, was wussten die Juden
von dem was kommen würde und wie genau wurde den Heiden die Tora vorgelegt. In den Noachidischen Gebote
fehlt ein Verbot von Brutalität gegen Menschen. Das vorenthalten des Lohnes der Arbeiter z.B., wer so
etwas macht, dem nützen die Noachidischen Gebote überhaupt nichts.
GerdEric Ich kann nicht erkennen, wieso Sie sich an mich wenden. Ich habe keine Einwände gegen die meisten
Aussagen. Nur die Konstruktion, daß Gott die Tora allen Völkern angeboten habe, steht im Widerspruch
zum biblischen Bericht und riecht nach Selbstrechtfertigung!
@sozialkatholisch & @Pünktchen Leblhuber Zitat: Besteht für einen Nichtjuden die Möglichkeit der Gottesnähe
in der Ewigkeit? Im Judentum gelten die Noachidischen Gebote als allgemeines religiöses und ethisches
Recht für alle Menschen, unabhängig von jeder Religion. Alle Nichtjuden, die diese 7 Gebote einhalten,
sind Gerechte (Zaddik) und haben Anteil an der kommenden Welt. Das ist auch der Grund, warum es im Judentum
keine Missionierung gibt und jeder Rabbiner einen potenziellen Konvertiten vor dem Übertritt zum Judentum
abrät. Der Übertritt ist ja nicht notwendig um vor Gott zu bestehen. Lt. Talmudtraktat Sanhedrin 56a/b
und Gen 9,1-13 sind die 7 Noachidischen Gebote folgende: Verbot von Mord Verbot von Diebstahl Verbot von
Götzenanbetung Verbot von Unzucht Verbot der Brutalität gegen Tiere Verbot von Gotteslästerung Einführung
von Gerichtshöfen als Ausdruck der Wahrung des Rechtsprinzips Nach einer Midrasch (Midraschim = erzählerische,
auslegende Texte zur Bibel) hat Gott die Tora allen Völkern angeboten. Die Völker lehnten ab, weil sie
die 613 Gebote als Joch ansahen, zu anstrengend und unerfüllbar . Nur die Juden hatten den Mut, die Tora
anzunehmen, aus Liebe zu Gott. Zitatende @sozialkatholisch Ihre Frage: Was passiert mit den Heiden, Christen
und Muslime? … ist durch Leblhubers Text treffend beantwortet, denn es gibt Hoffung auf die grenzenlose
Güte des HERRN, wer jedoch wissentlich Götzendienst treibt, hat Probleme, jedoch mit der Logik der Christen
könnten auch Hindu als Monotheisten gelten…
Korr…und weitere Erklärung Diese von Kant beschworene Unterscheidung von empirischem und überempirischem
Erkennen hat keine Realität. nämlich jetzt genauer gesagt in dem Sinn, dass er es auf verschiedenen
Ursprung zurückführt. Ich habe das hier etwas unklar formuliert. Man mag wohl unterscheiden zwischen
einer empirischen Erkenntnis und einer abstrakten Erkenntnis. Aber der Ursprung des einen oder anderen
Erkennens ist derselbe, ist das eine Wesen und eben nicht, wie es Kant versteht, zwei seperate, voneinander
getrennte Erkenntnismechanismen im Menschen, wo der eine quasi für die Empirie, der andere für die Überempirie
zuständig wäre. Das ist ja wiederum so ein fast maschinelles, computerisiertes Menschenbild. Das ist
eben dieser Quatsch, der immer wieder bei ihm zum tragen kommt. Das Wesen, das an Erfahrung gewinnt ist
dasselbe welches diese Erfahrung auch reflektiert und aus ihre allg. Erkenntnis gewinnt. Nämlich worüber:
über das Wesen, das es ist, also Selbsterkenntnis.
genau das sehe ich als das Problem der kantschen Philosophie… er hat sich niemals richtig lösen können
vom physikalistischen Weltbild, Hegel hingegen konnte das schon. Nun hat er allerdings erkannt, dass dieses
unzureichend ist, worüber uns ja dieses Konstrukt seiner „Überphysik“ Aufschluß geben möchte, das
er nun gleichsam der Naturwissenschaft aufpfropfen wollte und indem er sich auf die Vernunft beruft. Damit
sie, die NW, nicht der stupiden Vorstellungswelt der Empiristen und ihrem leeren, maschinellen Menschenbild
anheimfiele. Doch hat er es nicht vermocht das physikalistische Denken in Hinblick auf den theologischen
Menschen zu negieren und in einer wahren Philosophie aufzulösen, die Gott und Mensch gerecht wird. Es
ist wiederum ein unzulängliches Konstrukt. Wie gesagt es herrscht immer diese Dualität bei ihm vor:
Die empirische Erkenntnis und die Meta-Erkenntnis. Letztere ist dann „a priori“ oder transzendent, oder
synthetisch. Doch das ist falsch. Die Erkenntnis ist durch das eine Wesen gegeben, in dem alles begriffen
ist, das Wesen ist aller Erkenntnis voranzustellen, ist notwendige Voraussetzung, sei sie nun abstrakt
oder die sinnliche Welt betreffend. Diese von Kant beschworene Unterscheidung von empirischem und überempirischem
Erkennen hat keine Realität. Es ist lediglich durch die Schranke seines Denkens.
@ Pünktchen Der Begriff, das Wort „Gott“ kann Kant zufolge nur ein Fehlschluß sein. Das ist die einzige
logische Schlußfolgerung seiner Beschreibung der Funktionsweise der Vernunft. Was nach Kant übrigbleibt
ist die Erfahrung von Gott, die Versenkung in Gott, die mystische Schau Gottes durch Selbstversenkung.
Hier setzt übrigens Schopenhauer an, der dann die von Kant ignorierten platonischen Ideen wieder einführt.
und jeder Mensch hat sie auch, obzwar gemeiniglich nur auf dunkle Art, in sich; denn wie könnte er ohne
Prinzipien a priori eine allgemeine Gesetzgebung in sich zu haben glauben?“ Kant verläßt hier aber nicht
die Vernunft. Er bleibt innerhalb der Vernunft. Er verwendet nur einen Begriff um einen Teil der Vernunft
selbst zu bezeichnen: Gott. Er meint damit nichts außerhalb der Vernunft liegendes. Ich verstehe wirklich
nicht warum ein Erzkonservativer wie Sie solche Lobeshymnen auf einen Linksradikalen wie Kant singt. Wenn
Sie das äußerst optimistische Menschenbild Kants einfach um Dinge wie „das Böse“ oder „die Sünde“
erweitern würden, dann könnten Sie ihre konservative gesellschaftliche Grundhaltung doch wesentlich
schlüssiger begründen. So zeigen Sie sich erst begeistert von Kant, schimpfen aber anschließend über
die praktischen Auswirkungen seiner Philosophie. So gibt es von seiner Philosophie her keinen Grund warum
Homosexuelle bspw. nicht heiraten können sollten. Um solch eine Meinung begründen zu können, benötigen
Sie vielmehr ein pessimistisches Menschenbild.
Die Denkweise ist bei Hegel besser, weil Hegel vom Absoluten ausgeht… und somit auch der Fähigkeit
menschlichen Erkennens zur Voraussetzung macht. Kant geht, soweit ich ihn verstand, in seinem Denken immer
von einem beschränkten Menschenbild aus, von einem beschränkten, von Physikalismus seiner Zeit geprägten
Geist, indem er sich wohl selbst charakterisiert hat. Wo er diese vorgestellte objektive Schranke des
physikalistisch-empiristischen Erkenntnisbegriffs immerfort übersteigen und überwinden muss mit Zusatzbegriffen,
die dann gewissermaßen als Zaubervehikel die Beziehung zum Absoluten wiederum sicherstellen, das je in
weite Ferne verschoben wird. Ein Beispiel für diese Verstocktheit ist ja die falsche Dualität von analytischen
und synthetischen Urteilen, die es überhaupt nicht gibt. Denn ein Urteil jedweder Form ist immer bloß
einen Aussage über das begriffliche Subjekt. Es wird in einem Satz nicht etwas hinzugefügt zum Begriff.
Das wäre nämlich eine Falschaussage.
matt über Kant: kindische Stümperei, soweit ich davon las. So eine Art Krämerphilosophie, wo Begriffe
planlos nebeneinanderstehen, damit eine scheinbare Ordnung… Es hätte mich bei Ihnen auch gewundert,
matt! Wo Sie doch selbst Gott noch verbessern möchten!
Ich halte Kants „Metaphysik“ für das falsche Konstrukt… eines uninspirierten Menschen. Den deutschen
Philosophen traue ich überhaupt nicht. Auch nicht Hegel oder Schelling, von denen ich ebensowenig las,
wie von Kant, die gewisse Formulierungen besaßen, denen ich etwas abgewinnen konnte. Kants Philosophie
ist für mich eine ziemlich kindische Stümperei, soweit ich davon las. So eine Art Krämerphilosophie,
wo Begriffe planlos nebeneinanderstehen, damit eine scheinbare Ordnung vorgegaukelt wird. Es ist bieder
und zum Teil auch offensichtlich falsch was er schreibt und die verschnörkselte Schreibweise täuscht
darüber nicht weg. Die Auseinandersetzung damit ist müßig und eigentlich Zeitverschwendung.
Nochmal Sperling Daß Gott nicht als Gegenstand unserer sinnlichen Wahrnehmung erscheint, ist richtig!
Daß Gott deswegen auf „Fehlschlüssen“ basiere, ist Sperling und nicht Kant. Bitte liefern Sie Belege!
Die Metaphysik liegt außerhalb der Anschauung. Folglich kann sie nicht betrieben werden Metaphysik als
apriorische Erkenntnis der Dinge an sich ist nach Kant unmöglich. Als „kritische Metaphysik“ bezeichnet
Kant allerdings seine Transzendentalphilosophie. Im übrigen lehrt er aber eine „Metaphysik der Sitten“:
Wenn „ein System der Erkenntnis a priori aus bloßen Begriffen“ Metaphysik heißt, so wird eine „praktische
Philosophie“, welche nicht Natur, sondern die Freiheit der Willkür zum Objekt hat, eine Metaphysik der
Sitten voraussetzen und bedürfen, d. h. „eine solche zu haben ist selbst Pflicht, und jeder Mensch hat
sie auch, obzwar gemeiniglich nur auf dunkle Art, in sich; denn wie könnte er ohne Prinzipien a priori
eine allgemeine Gesetzgebung in sich zu haben glauben?“ Eine Metaphysik der Sitten kann nicht auf Erfahrung,
auf Anthropologie gegründet, aber auf sie angewandt werden Einl. II (III 18) „Gott“ läßt uns -nach
Kant- das Gebiet der Natur und das der Freiheit, des Natur- und Sittengesetzes auf eine ihre Verbindung
begründende höchste Einheit und einen Grund dieser Einheit beziehen und ist das höchste in uns lebendige
Ideal für unser Streben.
@Sperling Das Gehirn addiert zu diesen Eindrücken die Kategorien (Zeit, Raum, Kausalität…). Nicht
übelnehmen, aber das mit Ihnen und mit Kant, das wird nichts mehr. Da ist es wahrscheinlicher, daß Sie
und Pünktchen noch dicke Freunde werden.
#248 virOblationis 18:35:57 | Donnerstag, 3. Mai 2007
Kant und Nominalismus .chen schrieb: „Die Erkenntnis des Objektes mag prinzipiell unvollkommen sein, sie
entscheidet jedenfalls nicht über seine „Existenz“, bzw. seinen ontischen Status!“ Das ist mir klar.
Ich sehe eine weitgehende Entsprechung zw. Kants „Zweiklang“ von Anschauung und Denken und der nominalistischen
Erkenntnistheorie, die die Wahrnehmung von Dingen und das Durchdenken eben dieser Wahrnehmung unterscheidet.
Nahezu die gesamte Philosophie seit dem Spätmittelalter geht davon aus, daß die Erkenntnis mit dem Wahrnehmen
einzelner Dinge (vgl. Anschauung) einsetzt. Diese Erkenntnistheorie setzte sich an die Stelle der bis
dahin in der Scholastik vertretenen, die in platon.-aristotel. Tradition davon ausging, daß die Erkenntnis
eines Dinges das Ergebnis eines Erkenntnisprozesses ist. Der Nominalismus griff auf die Vorstellung eines
unmittelbaren Erkennens von Dingen zurück, die schon Stoa und Vorsokratiker (aus dem Gedächtnis angeführt)
gelehrt hatten. Darin, daß das Erkennen nach Kant „strengen „Regeln“ und Gesetzmäßigkeiten“ (vgl. Aristoteles’
Kategorien) folgt, zeigt sich m.E., daß er auch an ältere Traditionen anknüpft. – Um so bedauerlicher
finde ich es, daß er eben dennoch beeinträchtigt ist durch das geistige Vermächtnis von Duns Scotus
und Wilhelm von Occam.
@ Pünktchen Also wenn ich Sie bitte sich mal die Mühe zu machen etwas Schwieriges zu begründen, dann
heißt es: „Nee, ich hab keine Lust“. Aber ich muß mir hier schwer Gedanken machen?! Wenn Sie einen Begriff
haben wie „Tisch“ dann können Sie die Richtigkeit des Begriffs dadurch bestätigen, daß sie ihn empirisch
nachprüfen. Kurz gesagt: Das Gehirn bekommt durch die Sinnesorgane gewisse Eindrücke geliefert. Das
Gehirn addiert zu diesen Eindrücken die Kategorien (Zeit, Raum, Kausalität…). Das Ergebnis ist die
Vorstellung. Über kurz oder lang erhält das Gehirn so eine große Zahl von Begriffen. Mit diesen Begriffen
kann das Gehirn nun sozusagen jonglieren. Also Schlußfolgerungen anstellen usw. Die Regeln nach denen
dies funktioniert sind im Gehirn zu suchen. Sie stammen nicht (!) aus der Anschauung. Um die Richtigkeit
der gemachten Schlußfolgerungen zu überprüfen ist es nun unerläßlich diese wiederum in der Anschauung
zu überprüfen. Die Metaphysik liegt außerhalb der Anschauung. Folglich kann sie nicht betrieben werden,
weil ihre Ergebnisse nicht nachprüfbar sind. „Gott“ basiert nun auf solchen Fehlschlüssen. Indem ich
bspw. bei etwas kleinem anfange und mich dann zu immer größerem steigere: Landkreis, Bundesland, Staat,
Kontinent, Planet, Sonnensystem, Galaxie, Universum. Das Gehirn bildet sich nun ein aus dieser Reihe eine
Regel ableiten zu können und setzt als nächsten Begriff „Gott“. Es gibt aber keinen Grund anzunehmen,
daß aus der Reihe eine logische Notwendigkeit folgt. Einfach gesagt.
@ Pünktchen Sie erlauben Ihnen aber auch keinerlei Aussage über das Ding an sich! Das ignorieren Sie
geflissentlich. Schon das Wort „Gott“ wird von Kant als falsche Schlußfolgerung des Gehirns entlarvt.
Viroblationis Das Ding, wie es nach unseren Erkenntniszugängen „erscheint“, wird jedoch nach strengen
„Regeln“ und Gesetzmäßigkeiten erkannt. In seinem An-sich unerkannt, wird es jedoch nicht für inexistent
erklärt. „Subjekt“ – „Objekt“ sind korrelative Begriffe aus der Erkenntnistheorie, in die man m.E. nicht
zu viel hineinlegen sollte! Die Erkenntnis des Objektes mag prinzipiell unvollkommen sein, sie entscheidet
jedenfalls nicht über seine „Existenz“, bzw. seinen ontischen Status!
#243 virOblationis 17:51:29 | Donnerstag, 3. Mai 2007
Erklärung .chen schrieb: „Der Universalienstreit bezieht sich in erster Linie auf Allgemeinbegriffe …
und die Frage, welche Realität … diesen Begriffen zukommt. Ich sehe nicht ganz klar, wie der Erkenntnistheoretiker
Kant in diesen Streit einzuordnen wäre, da er eine vermittelnde Position zwischen dem reinen Empirismus
(Nominalismus) und dem Rationalismus (Universalienrealismus) einnimmt.“ Als ich schrieb, daß Kant voraussetze,
was durch den Nominalismus herbeigeführt worden ist, ging es mir lediglich darum, daß Kant m.E. an die
philosophischen Vorgaben des Nominalismus gebunden bleibt und daher beeinträchtigt ist in seiner Philosophie. –
Dies bezog ich auf das von Ihnen gebrachte Zitat, wonach „das Gebiet des Wissens die Welt des Erfahrbaren …
ist, während der Glaube sich auf etwas richtet, was jenseits aller Erfahrung … liegt“. Im Gefolge des
Nominalismus wurden Glaube und Wissen ja nicht mehr nur unterschieden, sd. strikt voneinander getrennt,
ebenso Subjekt und Objekt. Kants Erkenntnislehre überwindet m.E. die Kluft zw. Subjekt und Objekt nicht,
sd. sucht die Problematik zu lösen, indem er das ganze Gewicht auf die Seite des Subjekts verlagert.
Danach erfaßt das erkennende Subjekt zwar das Objekt durch Anschauung und Denken, doch bleibt ihm das
Ding an sich, das Objekt im Grunde fremd. Vergleichbar ist dies m.E. dem Nominalismus, nach dem das erkennende
Subjekt die erkannten Objekte willkürlich mit Begriffen belegt, die ihnen fremd bleiben.
Sperling Die Fragen, die Sie jetzt stellen, sind wenigstens kategorial stimmig. („Begründen“, noch dazu
„logisch“ kann man nämlich nur einen Satz aus einem anderen, z.B. eine Schlußfolgerung.) Die Gesamtheit
der Fragen, sprengt allerdings den Rahmen. Und ich habe – wie gesagt – keine Lust mehr! Was Sie mit der
Frage der „Position“ meinen, bleibt unklar. Daß Theologie immer im Gespräch mit vergangener und zeitgenössischer
Philosophie steht, ist unbestritten! Lektüreempfehlung dazu: hier www.vatican.va/…s/DEU0074/_INDEX.HTM!
@ Pünktchen Wieso ist denn die Kirche so organisiert wie sie organisiert ist und warum kann sie nicht
anders organisiert sein? Warum nimmt die Kirche die Position ein, die sie einnimmt und keine andere? Was
haben denn die Kirchenlehrer von Augustinus bis Thomas von Aquin betrieben wenn nicht Philosophie? Und
wer wollte leugnen, daß diese Philosophie das Wesen und Selbstverständnis der Kirche geprägt hat?
Ist es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode! Sie verstricken sich ja immer weiter in ihre begrifflichen
Verwirrungen! Erst wollten Sie eine Institution „begründet“ sehen, nun fragen Sie danach, was diese Institution
ihrerseits „begründe“.
Sperling Seit wann werden Institutionen „logisch hergeleitet“ oder „begründet“ (Ihr posting 13:58 Uhr).
Sie hauen schon kategorial so vollkommen daneben, daß ich keine Lust mehr habe!
@ Pünktchen Es ist doch schade, daß Sie zwar durchaus gelungen darstellen können wie Ihrer Ansicht
nach der Staat organisiert sein sollte, daß Sie aber nicht mehr als Zornausbrüche zustande kriegen wenn
man Sie bittet genauso logisch die Organisation der Kirche herzuleiten. Sie tun grade so als hätte ich
Sie zu was unanständigem aufgefordert.
Muß man Schwachsinn eigentlich widerlegen? . Sperling: >Die Katholische Kirche wird von Gott begründet
und von keinem Philosophen!< Diese Begründung leugnet aber jede Verbindung von Vernunft und Glauben…
Von mir dazu kein Kommentar!
@ Vorposter Der Nebensatz sagt nun genau das aus, was im Hauptsatz verneint wird. Weil ich praktische
Vernunft bin, ist Sittlichkeit, ist Freiheit, ist Gott. Wenn ich mein Leben in einer zeitlichen Reihenfolge
wahrnehme so folgt daraus nach Kant nicht, daß die Zeit an sich exisitiert, sondern daß die Zeit eine
Bedingung (Kategorie) der Wahrnehmung ist. Äquivalent verhält es sich auch bei der praktischen Vernunft
und Gott. Genauso wenig wie ich von einem Ding die Wahrnehmung innerhalb der Zeit abstrahieren kann, sowenig
kann ich im Bereich Ethik Gott weglassen. Mehr sagt Kant nicht. Daraus folgt, daß genauso wie die Zeit
möglicherweise nur eine Einbildung des Gehirns ist, auch Gott nur eine Einbildung des Gehirns sein kann.
Nein, das ist die Aufgabe der Politik Ach was, es ist die Aufgabe eines jeden Menschen. Kant zufolge.
Im Gegenteil, kann es Pflicht sein. Das steht sogar schon so in der „Praktischen Vernunft“. So? Kant schreibt
daß ich sterben muß, anstatt zu töten? Könnten Sie das bitte mal zitieren! Die Katholische Kirche
wird von Gott begründet und von keinem Philosophen! Diese Begründung leugnet aber jede Verbindung von
Vernunft und Glauben. Im Gegenteil führt sie die von Ihnen doch so kritisierte angebliche „Willensdiktatur“
eines mutmaßlich unvernünftigen Gottes aus dem sog. AT wieder ein.
Sperling Im Unterschied zu Ihnen sehe ich nur klar, daß sich mit Kant keine Kath.Kirche begründen läßt
Sie unterstellen mir wieder Aussagen, die nie gemacht wurden! Die Katholische Kirche wird von Gott begründet
und von keinem Philosophen! Ich bin es satt, daß Diskussionen und Gespräche mit Ihnen hauptsächlich
darin bestehen, Ihre Falschzitate und begrifflichen Verwirrungen richtigzustellen. Wie Sie Kants Philosophie
einschätzen, ist für mich unerheblich! Ich hatte Sie schon darauf hingewiesen, daß Sie sich bereits
auf mich fixieren www.kreuz.net/reader.3098.html! Ich empfinde dies als virtuelles Stalking, da für mich
aus diesen aufgenötigten Diskussionen mit Ihnen keinerlei Erkenntnisgewinn entspringt.
@Sperling: Vernunftreligion? 1. Die Vernunftreligion eines Kant Kant hat eine Wende in der Philosophie
herbeigeführt, aber keine Religion gestiftet. kann nicht die Katholische Kirche begründen. Keine Philosophie
kann die katholische Kirche „begründen“. Das konnte nur Jesus Christus. Aber die von Kant eingeleitete
Philosophie kann sehr wohl die Bedingungen der Möglichkeit der katholischen Kirche aufweisen. Vielmehr
zielt sie darauf ab die einmal als richtig erkannten Dinge in der Gesellschaft umzusetzen und zu verwirklichen.
Nein, das ist die Aufgabe der Politik, und zwar unabhängig davon, ob es sich um Kants oder Humer Simpsons
Philosophie handelt. Es geht also darum die Menschheit vorwärts zu bringen. Was heißt denn hier „vorwärts“?
2. Die Vernunftreligion kann nicht begründen warum ich meinen nächsten lieben (und nicht nur achten!)
sollte oder warum ich lieber selbst sterben als töten sollte. Wieso denn nicht? Im Gegenteil, kann es
Pflicht sein. Das steht sogar schon so in der „Praktischen Vernunft“. Aus Kants Kritik der praktischen
Vernunft folgt nun nicht, daß zwingend Gott exisitert, sondern lediglich daß Gott eine Bedingung ist
die die praktische Vernunft benötigt. Der Nebensatz sagt nun genau das aus, was im Hauptsatz verneint
wird. Weil ich praktische Vernunft bin, ist Sittlichkeit, ist Freiheit, ist Gott. … sind Gott, Moral
usw. bei Kant damit letztendlich nur schöne und pathetisch klingende Worte Das ist nun ein groteskes
Mißverständnis der Philosophie Kants. MfG Ch. Heger
@ Pünktchen Der „Vernunftglaube“ … kann kein Widerspruch oder Konflikt bestehen Machen Sie sich doch
mal die Mühe darüber tief nachzudenken. Wir haben doch darüber schon stundenlang diskutiert. 1. Die
Vernunftreligion eines Kant kann nicht die Katholische Kirche begründen. Vielmehr zielt sie darauf ab
die einmal als richtig erkannten Dinge in der Gesellschaft umzusetzen und zu verwirklichen. Es geht also
darum die Menschheit vorwärts zu bringen. 2. Die Vernunftreligion kann nicht begründen warum ich meinen
nächsten lieben (und nicht nur achten!) sollte oder warum ich lieber selbst sterben als töten sollte.
Meine Frage war wie Sie das nun aus Kant herleiten wollen. Über Kant selbst geht unsere Meinung doch
gar nicht weit auseinander. Im Unterschied zu Ihnen sehe ich nur klar, daß sich mit Kant keine Kath.Kirche
begründen läßt. Dazu benötigt man einen völlig anderen Ansatz. 3. Betrachten Sie mal die Zeit. Kant
zufolge ist die Zeit eine der Bedingungen unter denen der Mensch die Welt wahr nimmt. Es wäre also denkbar,
daß die Zeit gar nicht exisitiert. Aus Kants Kritik der praktischen Vernunft folgt nun nicht, daß zwingend
Gott exisitert, sondern lediglich daß Gott eine Bedingung ist die die praktische Vernunft benötigt.
Genau wie an anderer Stelle bspw. die Zeit. Wie ich Ihnen bereits sagte, sind Gott, Moral usw. bei Kant
damit letztendlich nur schöne und pathetisch klingende Worte die seiner radikalen und ziemlich nüchtern-kalten
Philosophie ein anheimelndes Mäntelchen überstülpen sollen.
VirOblationis Der Universalienstreit bezieht sich in erster Linie auf Allgemeinbegriffe und mathematische
Entitäten und die Frage, welche Realität (welcher ontologische Status) diesen Begriffen zukommt. Ich
sehe nicht ganz klar, wie der Erkenntnistheoretiker Kant in diesen Streit einzuordnen wäre, da er eine
vermittelnde Position zwischen dem reinen Empirismus (Nominalismus) und dem Rationalismus (Universalienrealismus)
einnimmt. Wie die Universalien bzw. Begriffe nicht mehr in der Wirklichkeit (geistig) vorhanden sind,
sd. lediglich vom Menschen gebildet werden, um irgendwelche von ihm willkürlich zusammengefaßten Dinge
zu bezeichnen, Das bezeichnet nicht Kants Position: denn das Allgemeine besteht schon vorbegrifflich und
wird durch die Funktion des Urteils erfaßt.
#227 virOblationis 13:02:10 | Donnerstag, 3. Mai 2007
verlorenes Subjekt durch unerreichbares Objekt .chen schrieb: „Kant hat eine ‘Kritik’ der menschlichen
Erkenntnisfähigkeiten beabsichtigt dergestalt, daß diese Fähigkeiten rein in sich nach ihren inhärenten
und vor allem: ‘apriorischen’ Bedingungen und nach ihrer Reichweite befragt werden.“ Gewiß, nur setzt
Kant dabei schon das Auseinandertreten von Subjekt und Objekt sowie Gott bzw. Theologie und Welt bzw.
Philosophie / Wissenschaften, voraus, welche durch den Nominalismus herbeigeführt worden ist. Wie die
Universalien bzw. Begriffe nicht mehr in der Wirklichkeit (geistig) vorhanden sind, sd. lediglich vom
Menschen gebildet werden, um irgendwelche von ihm willkürlich zusammengefaßten Dinge zu bezeichnen,
so begreift auch nach Kant der Mensch die Wirklichkeit nur, ohne sie selbst, die Dinge an sich, eigentlich
zu erfassen. Subjekt und Objekt bleiben voneinander getrennt. Ganz anders die frühere Erkenntnislehre,
wonach die erkannte (geistige) Form der tatsächlich existierenden geistigen Form der Dinge entspricht.
Beide sind sogar miteinander identisch. Solange wir den Nominalismus voraussetzen, werden wir die von
ihm hervorgebrachten Mängel grundsätzlich nicht überwinden können, wieviel Scharfsinn wir auch aufbringen
mögen. Von daher sehe ich auch Kants Bemühungen durch seine Denkvoraussetzungen her als von vornherein
beeinträchtigt an. Sein Subjekt bleibt aus meiner Sicht ein verlorenes, weil es das Objekt nie wirklich
erreicht.
VirOblationis Kant hat eine „Kritik“ der menschlichen Erkenntnisfähigkeiten beabsichtigt dergestalt,
daß diese Fähigkeiten rein in sich nach ihren inhärenten und vor allem: „apriorischen“ Bedingungen
und nach ihrer Reichweite befragt werden. Der Hl. Thomas wiederum trennt sehr scharf zwischen Glaube und
Wissen: uns sind zwar beide, Vernunft und Glaube von Gott gegeben und haben ihn als Urheber und sind beide
zuverlässige Quellen der Wahrheit. Diese ist jedoch von seiten Gottes ein-und dieselbe, nicht aber von
seiten unserer Erkenntnisweise. Die Enzyklika Fides et Ratio schließlich unternimmt gewiß keine Theologie
von unten, sondern bekräftigt im Prinzip den thomistischen Ansatz. In dem präsentierten Zitat heißt
es daher: „In der Offenbarung Gottes konnte es (das Volk Gottes) alles gründlich erkunden, was es mit
der Vernunft vergeblich zu erreichen versuchte“ und so ist es der „Glaube“, der „die Vernunft… befreit,
da er ihr ermöglicht, ihren Erkenntnisgegenstand konsequent zu erreichen.“
#225 virOblationis 10:43:54 | Donnerstag, 3. Mai 2007
fides et ratio .chen zitierte: „Zwischen Wissen und Glauben kann kein Widerspruch oder Konflikt bestehen,
da das Gebiet des Wissens die Welt des Erfahrbaren, der Erscheinungen ist, während der Glaube sich auf
etwas richtet, was jenseits aller Erfahrung und der Formen derselben liegt, (dessen Annahme aber ein „Bedürfnis“
der Vernunft ist).“ Ganz deutlich, daß hier die spätmittelalterliche Trennung von Philosophie (Vernunft)
und Theologie (Glaube) den geistigen Hintergrund bildet. – Natürlich mußte der Nominalismus die bis
dahin gültige Erkenntnislehre in eine tiefe Krise stürzen. Doch statt dem folgend zu retten, was zu
retten ist, sollte m.E. viel eher der Nominalismus in Frage gestellt werden. .chen zitierte: „Israel hat
es vermocht, mit seinem Nachdenken der Vernunft den Weg zum Geheimnis zu eröffnen.“ Dies scheint mir
unzutreffend zu sein, denn nicht hat Israel durch die Vernunft („Nachdenken“) zum Glauben gefunden, sd.
die Offenbarung, das Geheimnis, hat sich Israel erschlossen („Gott sprach…“). Gott offenbarte sich allerdings
als einer, der der Vernunft seiner Kreatur Freiraum läßt. Er hat den Menschen zum eigenständigen Ebenbilde
Gottes geschaffen, nicht zum Sklaven (wie andere Religionen meinen, vgl. Babylon). Gegen solch päpstliche
„Theologie von unten“ halte ich es mit den hll. Augustinus und Anselm von Canterbury: Credo, ut intelligam.
„Vernunft und Glaube“ nach den Hl. Texten Israels: Die Vernunft wird in dieser Sicht gewürdigt, aber
nicht überbewertet. Denn alles, was sie erreicht, kann zwar wahr sein, erlangt aber volle Bedeutung erst,
wenn sein Inhalt in den weiteren Horizont des Glaubens gestellt wird: »Der Herr lenkt die Schritte eines
jeden. Wie könnte der Mensch seinen Weg verstehen?« (Spr 20, 24). Nach dem Alten Testament befreit also
der Glaube die Vernunft, da er ihr ermöglicht, ihren Erkenntnisgegenstand konsequent zu erreichen und
ihn in jene höchste Ordnung zu stellen, in der alles seine Sinnhaftigkeit erlangt. Mit einem Wort, der
Mensch gelangt durch die Vernunft zur Wahrheit, weil er zugleich mit dem Glauben den tiefen Sinn von allem
und insbesondere den Sinn seines eigenen Daseins entdeckt. Mit Recht setzt daher der Verfasser als den
Anfang der wahren Erkenntnis die Gottesfurcht voraus: »Gottesfurcht ist Anfang der Erkenntnis« (Spr
1, 7; vgl. Sir 1, 14). Johannes Paul II: Fides et ratio Nr. 20 www.vatican.va/…ocs/DEU0074/__P5.HTM
@Pünktchen: Sehr richtig! Vielen Dank für dieses Zitat von Immanuel Kant! Es wird allgemein ein unglaublicher
Unsinn über Kant erzählt, so als sei er der Erzvater des Agnostizismus. Dabei ist sein Gedankengang
weitgehend richtig. Man muß nur wissen, was die Unterscheidung zwischen „theoretischer Vernunft“ und
„praktischer Vernunft“ meint. Die Unvollständigkeit der Titel seiner großen Kritiken hat leider für
Verwirrung gesorgt. Sie hätten lauten müssen: „Kritik der reinen (theoretischen) Vernunft“ und „Kritik
der (reinen) praktischen Vernunft“. Etwas simpel ausgedrückt: Wenn der Mensch keine „praktische Vernunft“
wäre, könnte er nicht auf die Idee kommen, daß es Sittlichkeit, Freiheit und Gott gibt. Da er aber
praktische Vernunft ist, ist er auch notwendigerweise sittlich „gezwungen“, diese Ideen zu bejahen. Bei
diesem „Postulat“ der praktischen Vernunft handelt es sich also mitnichten, wie man vielfach den Eindruck
erweckt, um eine Erkenntnis minderer Güte, sondern um Erkenntnis im vollen, ja sogar vorrangigen Sinne.
MfG Christoph Heger
=Zweitaccount von pünktchen: „Vernunft und Glaube“ in den Hl. Texten Israels: „Israel hat es vermocht,
mit seinem Nachdenken der Vernunft den Weg zum Geheimnis zu eröffnen. In der Offenbarung Gottes konnte
es alles gründlich erkunden, was es mit der Vernunft vergeblich zu erreichen versuchte. Von dieser tiefsten
Erkenntnisform ausgehend hat das auserwählte Volk verstanden, daß die Vernunft einige Grundregeln beachten
muß, um der ihr eigenen Natur bestmöglich Ausdruck geben zu können. Die erste Regel besteht in der
Berücksichtigung der Tatsache, daß das Erkennen des Menschen ein Weg ist, der keinen Stillstand kennt;
die zweite entsteht aus dem Bewußtsein, daß man sich auf diesen Weg nicht mit dem Hochmut dessen begeben
darf, der meint, alles sei Frucht persönlicher Errungenschaft; eine dritte Regel gründet auf der »Gottesfurcht«:
die Vernunft muß Gottes souveräne Transzendenz und zugleich seine sorgende Liebe bei der Lenkung der
Welt anerkennen. Wenn der Mensch von diesen Regeln abweicht, setzt er sich der Gefahr des Scheiterns aus
und befindet sich schließlich in der Verfassung des »Toren«. Für die Bibel beinhaltet diese Torheit
eine Bedrohung des Lebens. Denn der Tor bildet sich ein, viele Dinge zu wissen, ist aber in Wirklichkeit
nicht imstande, den Blick auf die wesentlichen Dinge zu heften. Das hindert ihn daran, Ordnung in seinen
Verstand zu bringen (vgl. Spr 1, 7) und gegenüber sich selbst und seiner Umgebung eine entsprechende
Haltung einzunehmen.“ Johannes Paul II: Fides et ratio, Nr. 18 www.vatican.va/…ocs/DEU0074/__P5.HTM
„Glaube“: nach Kant gefordert von der Vernunft Ein Zitat aus dem Kant-Lexikon von Eisler im Stile von
Br. Theos Lesungen: Es gibt vom Übersinnlichen kein theoretisches Wissen. Aber es ist nicht nur möglich,
an Gott und Unsterblichkeit zu glauben, sondern die praktisch-sittliche Vernunft fordert geradezu die
Annahme dieser übersinnlichen, nicht erfahrbaren Dinge, als Ergänzung des Wissens und für eine befriedigende
Darlegung des Verhältnisses zwischen Sittlichkeit und Glückseligkeit. Der „Vernunftglaube“ ist ebenso
sicher wie eine Erkenntnis, er schöpft seine Überzeugung aus der moralischen Gesinnung, die zwar als
selbständig nicht auf einem (religiösen) Glauben beruht, aber einen solchen notwendig zeitigt. Zwischen
Wissen und Glauben kann kein Widerspruch oder Konflikt bestehen, da das Gebiet des Wissens die Welt des
Erfahrbaren, der Erscheinungen ist, während der Glaube sich auf etwas richtet, was jenseits aller Erfahrung
und der Formen derselben liegt, dessen Annahme aber ein „Bedürfnis“ der Vernunft ist. Gerade durch Einschränkung
der theoretischen Erkenntnis auf Erscheinungen wird eine Erweiterung der Vernunft zum Behuf des praktischen
Gebrauchs möglich. „Ich mußte … das Wissen aufheben, um zum Glauben Platz zu bekommen“, KrV Vorr.
z. 2. A. (I 37-Rc 32).
#220 virOblationis 08:22:00 | Donnerstag, 3. Mai 2007
totalitäre Herrschaft der Masse Sperling schrieb: „Die Menschenrechte zielen darauf ab, den Menschen
in den Stand zu versetzen seine Vernunft möglichst uneingeschränkt verwenden zu können.“ Menschen,
die nicht dazu in der Lage sind, ihre Vernunft zu gebrauchen, haben demnach auch keinerlei Menschenrechte.
Sperling toleriert positivistisch jedes Gesetz als Recht, wenn bzw. solange es von einer Mehrheit getragen
wird. Er spricht zwar auch von Menschenrechten, doch meint er damit nur das polit. Recht, die Vernunft
zu gebrauchen, d.h. sich zu äußern, um eine Mehrheit zu erreichen. Sperling schrieb: „Wie wollen Sie
herleiten, daß diese Dinge in einem Staat kategorisch zu gelten haben, innerhalb einer Religion aber
nicht? … Denn wenn mich die Moral zwingt, innerhalb eines Staates einen anderen als Wert an und für
sich zu schätzen [als den von der Mehrheit als Recht durchgesetzten], dann kann [d.h. darf] nicht die
gleiche Moral innerhalb einer Religion zu völlig anderen Ergebnissen kommen.“ Jede Glaubensgemeinschaft
innerhalb eines Staates hätte ihre Lehre demnach nach der gerade im Staat herrschenden Mehrheit zu korrigieren.
Sperling schrieb: „Dessen (sc. des ‘weltanschaulich neutralen Staates’) ‘übernatürliche Wahrheit’ ist
eben sein Vertrauen auf die Vernunft… Hierbei (sc. bei den Menschenrechten) handelt es sich um eine
Form des Pantheismus.“ In der Masse der Menschen erscheint gleichsam das Göttliche. Das ist nicht nur
Relativismus. Das ist purer Totalitarismus. Totalitäre Herrschaft der Masse.
@ Sperling >>Innerhalb der Kirche gibt es für abweichende Meinungen auch keine Achtung sondern die Exkommunikation.
Dinge wie: Autoritätsglauben, unbedingten Gehorsam, unbedingte Demut haben mit Achtung herzlich wenig
zu tun.<< Was reiben Sie sich eigentlich so an der Kirche? Wenn Sie der Meinung sind, dass Jesus der wiedergeborene
Buddha ist, dann gründen Sie halt eine Sekte. Und Demut ist in der Tat eine christliche Tugend, die freilich
vielen Zeitgenossen völlig, aber auch völlig abgeht. Das Problem ist: Sie wollen die Kirche als Experimentierfeld
von Meinungen und Anschauungen, und damit haben Sie im Grunde nicht verstanden, was Kirche ist. Sie wollen
der Kirche eine Freiheit der Beliebigkeit überstülpen, die die kath. Kirche zu einem x-beliebigen Verein
der Selbstfindung und Selbstverwirklichung machen würde. Das gibt es doch schon ZU GENÜGE außerhalb
das Kirche. Warum denn wollen Sie die Kirche unbedingt mit so ‘was infiltrieren?
@ Pünktchen Das hat einfach was damit zu tun, daß Sie von den Fanatikern die sich hier tummeln noch
derjenige sind, der seinen Fanatismus am logischsten begründen kann. gegen Ihre rechtspositivistische
Verkürzung des Rechtsstaates auf den „Gesetzesstaat“. Wovon bitte reden Sie? Wahrscheinlich spielen Sie
an auf meine Unterscheidung zwischen Rechtsstaat und Willkürstaat. Tatsächlich bedeutet Rechtsstaat
die uneingeschränkte Herrschaft des Rechts. Wollen Sie das leugnen? Ein Gesetz das vom Parlament erlassen
wurde gilt unbedingt und für jede Person innerhalb des Staates. Der Rechtsstaat (insbesondere die Gewaltenteilung)
soll gerade dies garantieren. Nicht nur das Individuum, auch der Staat selbst ist dem Recht unterworfen.
Wollen Sie das bezweifeln? Das ist nicht der Fall, denn Achtung bedeutet nicht Akzeptanz von Meinungen,
Einstellungen, Orientierungen! Innerhalb der Kirche gibt es für abweichende Meinungen auch keine Achtung
sondern die Exkommunikation. Dinge wie: Autoritätsglauben, unbedingten Gehorsam, unbedingte Demut haben
mit Achtung herzlich wenig zu tun. Sie resultieren m.E. aus einem gänzlich anderen Menschenbild das bspw.
Thomas Mann in seinen Betrachtungen heraus gearbeitet hat. Ich bin keineswegs negativ auf Sie fixiert.
Ich bin zwar nicht Ihrer Meinung, aber wie heißt es so schön – ich achte sie. Allerdings finde ich Ihr
Weltbild in sich nicht stimmig. Gerade darauf wollte ich Sie hinweisen in der Hoffnung Sie könnten es
etwas näher erläutern.
@Sperling Nein, das leuchtet nicht ein Schade, spätestens wenn es um Menschen mit der Eigenschaft „Mordlust“
geht, verstehen die meisten Leute, daß nicht alle möglichen Eigenschaften eines Menschen „Zweck an sich“
sein können, weil sie nicht gemeinsam mit den Menschenrechten anderer verwirklicht werden können.
Sperling Wenn Sie sich die Gesamtheit Ihrer Beiträge hier www.kreuz.net/reader.3098.html anschauen, dürfte
Ihnen unschwer auffallen, daß Sie bereits auf mich fixiert sind! Achten Sie bitte mal darauf!
@ Genoveva daß jeder Mensch „Zweck an sich“ ist und als solcher zu achten, so gilt dies nicht für jede
mögliche Eigenschaft des Menschen. Das sollte auf den ersten Blick einleuchten. Nein das leuchtet nicht
ein. Denn wie kommen Sie darauf, daß Ihre Meinung das Maß der Dinge ist? Die Menschenrechte erlauben
Ihnen zwar diese Meinung zu vertreten. Hier geht es aber darum ob aus den Rechten selbst eine Moral abzuleiten
ist. Und aus den Menschenrechten können Sie nicht ableiten, daß Sie das Recht hätten bspw. einem Homosexuellen
bestimmte Dinge vorzuenthalten. Genauso hat eben der HS das Recht Dinge für sich einzufordern. Welche
Meinung sich durchsetzt ist eine Frage der parlamentarischen Mehrheiten. Aus den Menschenrechten selbst
folgt nicht, daß HS nicht heiraten dürften. Die Menschenrechte sind auch nicht das „Alpha und das Omega“
unseres Staates. Damit wollte ich zum Ausdruck bringen, daß die Menschenrechte keine rein juristischen
Begriffe sind. Die Menschenrechte zielen darauf ab den Menschen in den Stand zu versetzen seine Vernunft
möglichst uneingeschränkt verwenden zu können. Dahinter steht die Auffassung daß dies der richtige
Weg ist um möglichst optimale Verhältnisse auf der Welt zu erreichen. Daß diese Weltanschauung (denn
darum handelt es sich) nicht einfach mit der Katholischen Kirche und ihrem Menschenbild zu vereinbaren
ist, bestreite ich nicht. Wohl tut das aber Pünktchen der hier so tut als hätte der Papst persönlich
die individuellen Freiheitsrechte erfunden.
Sperling deliriert schon wieder! „für Sie die Menschenrechte rein juristische Begriffe sind.“ Das war
Ihre Position, die ich bei Ihnen kritisiert hatte! Frechheit siegt? Die Menschenrechte sind nicht Alpha
und Omega des Staates, aber des Rechtsstaates. Das aber mußte ich Ihnen beibringen gegen Ihre rechtspositivistische
Verkürzung des Rechtsstaates auf den „Gesetzesstaat“. Schön, daß Sie gelernt haben! So und warum achten
Sie dann nicht einen Juden, einen Homosexuellen oder einen Moslem als „Zweck an sich selbst“? Ich achte
jeden Menschen als Zweck an sich selbst. Ich betrachte schon diese Frage als Unverschämtheit Ihrerseits!
Auch ein Katholik achtet Homsexuelle und Andersgläubige als Personen. Achtung hat mit der Akzeptanz von
Einstellungen und Lebensorientierungen nichts zu tun! Auf den Unterschied von Akzeotanz und Toleranz habe
ich hier schon mehrfach hingewiesen! Denn wenn mich die Moral zwingt innerhalb eines Staates einen anderen
als Wert an und für sich zu schätzen, dann kann nicht die gleiche Moral innerhalb einer Religion zu
völlig anderen Ergebnissen kommen. Das ist nicht der Fall, denn Achtung bedeutet nicht Akzeptanz von
Meinungen, Einstellungen, Orientierungen! Wäre es anders, gäbe es gerade nicht jene prinzipielle Personachtung,
die wir auch dem Meinungsgegner, Andersgläubigen, Andersempfindenden … schulden! Diese Achtung ist
gerade auch die Voraussetzung eines Meinungsstreites, der nicht in einen Vernichtungskampf enden soll.
@Sperling: Sie wechseln ständig die Kategorien und das macht die Diskussion hier etwas mühsam. Wir kommen
Sie darauf, Pünktchen würde eine menschliche Person islamischen Glaubens oder eine homosexuelle menschliche
Person nicht als „Zweck an sich“ im kantischen Sinne anerkennen? Der Punkt ist allerdings, daß dies nicht
an der Homosexualität oder dem Glauben liegt, sondern an der Gattungszugehörigkeit. Wenn wir sagen,
daß jeder Mensch „Zweck an sich“ ist und als solcher zu achten, so gilt dies nicht für jede mögliche
Eigenschaft des Menschen. Das sollte auf den ersten Blick einleuchten. Die Menschenrechte sind auch nicht
das „Alpha und das Omega“ unseres Staates. Sie sind die Voraussetzung unserer Rechtsordnung (insofern
vielleicht das Alpha), aber nicht das Omega, sprich das Ziel alles staatlichen Handelns. Dieses Omega
sind vor allem die Sicherheit und die Wohlfahrt der in diesem Staate lebenden Menschen.
@ Pünktchen Ihr Problem, das auch durch das Papst Zitat deutlich wird, liegt darin, daß für Sie die
Menschenrechte rein juristische Begriffe sind. Wenn Sie von Menschenrechten reden, dann ist der Staatsanwalt
und das Gericht nicht weit. Fakt ist aber, daß die Menschenrechte ihrem Wesen nach nicht nur in der Judikative
oder im BGB zu finden sind, sondern daß sie das Alpha und das Omega dieses Staates sind. praktischer
Vernunft ein „Zweck an sich selbst“ und nicht bloß „Zweck für mich“. So und warum achten Sie dann nicht
einen Juden, einen Homosexuellen oder einen Moslem als „Zweck an sich selbst“? Wie wollen Sie herleiten,
daß diese Dinge in einem Staat kategorisch zu gelten haben, innerhalb einer Religion aber nicht? Ihr
Verweis auf eine Trennung zwischen Staat und Kirche, den Sie nun sicherlich anführen werden hilft hier
nicht weiter. Denn wenn mich die Moral zwingt innerhalb eines Staates einen anderen als Wert an und für
sich zu schätzen, dann kann nicht die gleiche Moral innerhalb einer Religion zu völlig anderen Ergebnissen
kommen. Das ist es ja was ich an Ihnen kritisiere. Denn Sie verstehen offensichtlich Ihre eigene Argumentation
nicht. Auf der einen Seite reden Sie wie ein Liberaler, Jakobiner und Aufklärer, auf der anderen Seite
zaubern Sie dann wieder Papst und Inquisition aus dem Hut. Der Mensch kann nicht gleichzeitig so sein
wie Kant ihn sieht und so wie die Kirche ihn sieht. Leider scheinen Sie nicht fähig zu sein Ihre Widersprüche
zu erkennen.
ich schrieb in bezug auf Sperling: „Das nenne ich Apotheose der Mehrheit bzw. Vergötzung der menschl.
Gesellschaft.“ Gemeint war: „Das nenne ich Apotheose der Mehrheit bzw. Vergötzung der Menge (oder auch
der Masse).“
Zu ergänzen wäre noch: dass zwar auch die Gesellschaften in ihrem Menschenbild dem Menschen ein gewisser
Vorrang vor den Dingen gebührt, der Staat der auf weltliche Ideologie angewiesen ist jedoch dafür keine
Begründung hat. Einzig die göttlich geoffenbarte Religion hat in Gott, dem Schöpfer und Erlöser, klar
den Ursprung und das Ziel des Menschen erkannt. Die Gesellschaften die diese Offenbarungnicht kennen oder
sie im Namen ihrer Unabhängigkeit von Gott ablehnen, müssen ihre Maßstäbe und Ziele in sich selbst
suchen oder einer Ideologie entnehmen. Und da sie kein objektives Kriterium zur Unterscheidung von gut
und böse dulden, maßen sie sich unterschwellig oder offen eine totalitäre Gewalt über den Menschen
und sein Schicksal an, wie die Geschichte beweist.
VirOblationis Um das Lebensrecht zu schützen, müßte es dem Wechselspiel der polit. Meinungen (und damit
dem Relativismus) entzogen werden. Dies vermag der Staat nicht, da er selbst solch grundlegende Wahrheiten
nicht hervorbringt, sd. sie voraussetzt Deswegen erkennt der Staat im Prinzip in den Menschenrechten jenen
Kern von Rechten an, die dem Menschen gewissermaßen „von Natur aus“ (d.h. auch vor jeder positiven Rechtsetzung
durch den Staat) zustehen. Das Grundgesetz erkennt diese (eigentlich bestehenden) Rechte nur an, es erkennt
sie nicht zu! Dieser besonders von katholischen Staatstheoretikern nach dem II. WK vertretene „Naturrechtsgedanke“
führte dann auch dazu, daß einige Grundrechte im GG jeder Abschaffung enthoben sind (Ewigkeitsgarantie).
Der Staat wird gedacht als eine Garantiemacht für diese grundlegendsten aller Rechte: Recht auf Leben,
Recht auf freie Meinungsäußerung, Recht auf freie Religionsausübung etc.pp. Sie haben recht, VirO,
wenn selbst der Staat die naturrechtlichen Grundlagen (=die Menschenrechte) in seiner Gesetzgebung mißachtet
oder verwässert, dann handelt es sich um eine echte Legitimationskrise des Staates. Die liberalisierte
Abtreibung ist auf jeden Fall eine Staatskrise, da der Staat einen Teil seiner Schutzbefohlenen dem Messer
ausliefert und ein unveräußerliches (!) Grundrecht durch Gesetze verletzen läßt, wenn auch aus verfassungsrechtlichen
Gründen daran festgehalten wird, daß diese Verletzung „rechtswidrig“ sei.
Wandel und Unwandelbares .chen schrieb: „Stellen Sie sich vor, VirO, der Bundestag in Berlin, etwa rot-rot-grün
dominiert, hätte über das Dogma von der Aufnahme Mariens in den Himmel zu befinden!“ Solche Kompetenz
würde dem Staat niemand zuschreiben wollen, doch ging man trad. davon aus, daß er zumindest die Autorität
der Kirche (als Wahrheitsinstanz) erkennen könne. .chen schrieb: „Das Mehrheitsprinzip bleibt als demokratische
Legitimation unangetastet, wenn man dennoch nicht ‘Mehrheit’ einfach mit ‘Wahrheit’ verwechselt. Daher
richtet sich der politische Kampf tatsächlich auf den Wechsel von Mehrheiten. Am Diskurs kommen wir alle
nicht vorbei, gerade weil wir wissen, daß der Diskurs nicht automatisch Wahrheit hervorbringt. Der Diskurs
kann z.B. durch starke Asymmetrien belastet sein. Die Ungeborenen können ihre Rechte noch nicht geltend
machen und geraten so ins Hintertreffen gegen ein Interessenkartell der Geborenen.“ Um das Lebensrecht
zu schützen, müßte es dem Wechselspiel der polit. Meinungen (und damit dem Relativismus) entzogen werden.
Dies vermag der Staat nicht, da er selbst solch grundlegende Wahrheiten nicht hervorbringt, sd. sie voraussetzt. –
Was bzw. wer bleibt dann noch geeignet für solches außer der Institution Kirche als Anwältin der absoluten,
ungeschichtlichen Wahrheit (vgl. Joh. 14, 6)?
Der Papst hatte in einem von mir unten gebrachten Zitat den Zweck des Staates als in der rechtlichen Ordnung
des Miteinander der Menschen liegend bezeichnet: das menschliche Miteinander in Ordnung zu halten, also
einen solchen Ausgleich der Freiheit und der Güter zu schaffen, daß jeder ein menschenwürdiges Leben
führen kann. Wir könnten auch sagen: Der Staat garantiert das Recht als die Bedingung der Freiheit und
des gemeinsamen Wohlstandes Hierin liegt der Zweck des Staates und das begrenzt auch von vorneherein die
Wahrheitsansprüche, die vom Staat erhoben werden! (das war bezugnehmend auf VirO gesagt!) Der Staat interessiert
sich nicht für „transzendente“ Verhältnisse: und das ist gut so! „Ein menschenwürdiges Leben“ setzt
freilich einen Begriff von Menschenwürde voraus, der nicht vom Himmel gefallen ist, der nicht einfach
aus der biologischen Natur ableitbar ist und der philosophisch begründet wurde aus den folgenden Elementen:
naturrechtlich-anthropologisch (aus der Menschennatur: u.a. Vernunftbegabung), theologisch (aus der Ebenbildlichkeit)
oder vertragstheoretisch (aus einer ideellen Übereinkunft) oder aus Kombinationen aus alldem. Die Vernunft
schafft keine „Paradieszustände“, aber sie ist als praktische Vernunft (= Moral! s. Kant) dasjenige,
dessen Besitz mich zwingt, den anderen als moralisches Subjekt zu achten, denn er ist qua praktischer
Vernunft ein „Zweck an sich selbst“ und nicht bloß „Zweck für mich“. Daraus folgt alles andere…
so weit die Zeichen reichen Sperling: „Der Papst will auf einer Seite festlegen welche Verhältnisse in
einem Staat zu herrschen haben (spricht bspw. der menschlichen Vernunft mal eben die Fähigkeit ab, aus
sich selbst heraus Wahrheit zu erkennen und leugnet damit prinzipiell die Möglichkeit von Demokratie…),
sich auf der anderen Seite aber vor jeder Verantwortung drücken indem er sich in höhere Gefilde verabschiedet.“
Wer nicht hinterfragbare Werte lehrt, wer nicht alles der Beliebigkeit einer Mehrheitsentscheidung preisgibt,
ist demnach ein Feind der Demokratie. Solche „Feinde der Demokratie“ herrschten in der BRD zumindest bis
in die sechziger Jahre. Aber das war ja eigentl. auch nur ein klerikal-faschist. Staat, zumindest aus
ostzonaler Sicht. Weiter heißt es bei Sperling: „Dessen (sc. des ‘weltanschaulich neutralen Staates’)
‘übernatürliche Wahrheit’ ist eben sein Vertrauen auf die Vernunft. Eben aus diesem Grund gibt es ja
die Menschenrechte. Hierbei handelt es sich um eine Form des Pantheismus.“ Das nenne ich Apotheose der
Mehrheit bzw. Vergötzung der menschl. Gesellschaft. .chen schrieb: „Das Mehrheitsprinzip bleibt als demokratische
Legitimation unangetastet, wenn man dennoch nicht ‘Mehrheit“ einfach mit „Wahrheit’ verwechselt… Am
Diskurs kommen wir alle nicht vorbei, gerade weil wir wissen, daß der Diskurs nicht automatisch Wahrheit
hervorbringt.“ Wie sollte der durch das Mehrheitsprinzip bedingte beständige Wandel dem unveränderbaren
Naturrecht je gerecht werden?
@ Pünktchen Daß „Menschenwürde“ und „Menschenrechte“ keine „natürlichen Wahrheiten“ sind, hat jetzt
also auch endlich Sperling kapiert! Wenn Sie damit Ihren kindischen Einwand meinen, man könne auch auf
dem Seziertisch keine Menschenwürde finden so möchte ich Sie bitten die Stelle an der ich solches behauptet
hätte zu zitieren. Ich habe stets darauf gepocht, daß Menschenrechte und Rechtsstaat unauflöslich zusammen
gehören und nicht unabhängig voneinander gedacht werden können. Er konnte ihn nicht erbringen! Lesen
Sie doch bitte mein letztes Posting an der von Ihnen verlinkten Stelle. Sie bezeichnen uiniverselle Rechte,
die wir Menschen als solchen zugestehen. Und warum tun wir das? Warum sollte man aus moralischen Erwägungen
die völlige weltanschauliche Beliebigkeit folgern? Solche Freiheiten wie sie die Menschenrechte gewähren
kann man nur daraus ableiten, daß man die menschliche Vernunft an und für sich als Wert sieht. Wenn
man darauf vertraut, daß sie aus sich selbst heraus etwas überaus positives, ein „Paradies auf Erden“
schaffen kann. Ohne ein pantheistisches Element ist das aber kaum zu verstehen. Überhaupt würde mich
nun interessieren wie Sie die Kurve wieder zurück zum Papst und seinem Zitat kriegen wollen? Warum sollte
denn der Papst in der Lage sein „Wahrheit“ zu erkennen? Wofür braucht man überhaupt Demokratie wo demokratische
Verfahren ja offenbar sinnlos sind?
Sperling deliriert schon! Daß „Menschenwürde“ und „Menschenrechte“ keine „natürlichen Wahrheiten“ sind,
hat jetzt also auch endlich Sperling kapiert! Hier www.kreuz.net/…entry.1029-page.html hatte er es nämlich
hartnäckig geleugnet, mußte sich aber meinen Argumenten schließlich beugen! Sperling: „aus diesem Grund
gibt es ja die Menschenrechte. Hierbei handelt es sich um eine Form des Pantheismus.“ Daß die Menschenrechte –
nach Sperling – auf eine „pantheistische Philosophie (Spinoza)“ zurückgehen, hier www.kreuz.net/…ticle.5048-page.html
hatte ich Sperling um einen Beleg gebeten. Er konnte ihn nicht erbringen!John Locke, Rousseau, I. kant …
sind nicht als Pantheisten zu bezeichnen. Als Denker der Menschenrechte aber weitaus bedeutender als Spinoza.
Ich muß Sperling also nochmals auffordern, seine Behauptung zu belegen oder sie zurückzunehmen! Daß
Kant ein Jakobiner sei, ist der nächste Hammer aus dem think-tank Sperling, den ich gar nicht kommentieren
will! Nochmals zum Begriff der „Menschenrechte“! Sie bezeichnen uiniverselle Rechte, die wir Menschen
als solchen zugestehen. Als „natürlich“ werden sie bezeichnet in dem Sinne, daß sie mit der Menschennatur,
genauer mit der Vernunftnatur, als verknüpft gedacht werden. Bei allen Denkern sind Menschenrechte begründet
durch Rekurs auf vertragstheoret., naturrechtliche oder andere Modelle, deren systematisch-philosoph.
Ort die Rechtsethik/Moralphilosophie/politische Philosophie sind. Die Menschenrechte stehen für eine
Moral universeller Achtung (Kant), die von Individuen zu respektieren, vom Staat zu gewährleisten ist!
@ VirFortis Ich habe so argumentiert weil Pünktchen ein großer Verehrer des Jakobiners aus Königsberg
ist und Kant hergeleitet hat, daß die Vernunft allein Grundlage eines Staates sein kann. Beschweren Sie
sich also bitte bei Pünktchen! Es ist aber falsch zu argumentieren, daß das Pochen auf Vernunft historisch
zu besonders großen Todesopfern geführt hat. Der Dreißigjährige Krieg bspw. hat zwischen einem Drittel
und der Hälfte der deutschen Bevölkerung das Leben gekostet und wurde insbesondere aus religiösem Fanatismus
geführt! Nicht auszudenken was passiert wäre, wenn die Jesuiten damals über Atomwaffen verfügt hätten!
Der Staat hat in der Tat weder Auftrag noch Kompetenz, eine „übernatürliche Wahrheit“ zu eruieren, zu
beurteilen oder gar zu exekutieren. Das ist natürlich Unsinn. Jede Ordnung auf dieser Welt basiert auf
einer Weltanschauung. Was ja nichts anderes ist als eine „übernatürliche Wahrheit“. Das ist auch beim
„weltanschaulich neutralen Staat“ so. Dessen „übernatürliche Wahrheit“ ist eben sein Vertrauen auf die
Vernunft. Eben aus diesem Grund gibt es ja die Menschenrechte. Hierbei handelt es sich um eine Form des
Pantheismus. Auch dieses Argument konnte Pünktchen bisher nicht widerlegen. Er pocht vielmehr darauf,
die Menschenrechte seien Folge gewisser moralischer Überlegungen. Wobei überhaupt nicht einsichtig ist,
was moralisch daran sein soll jede beliebige Meinung haben zu dürfen oder jeder beliebigen Religion anhängen
zu dürfen.
Sperling, wenn Ihr Hauptproblem die Differenzierungsunfähigkeit ist und Sie falsch zitieren müssen,
um Ihre Positionen zu „belegen“, sollten Sie vielleicht den Mund etwas weniger voll nehmen, hmmm? Wo hat
Kard. Ratzinger in dem von mir gebrachten Zitat „der menschlichen Vernunft mal eben die Fähigkeit ab“gesprochen
„aus sich selbst heraus Wahrheit zu erkennen“ und „damit prinzipiell die Möglichkeit von Demokratie“
ge“leugnet“ (Zitate Sperling) Das hätten Sie gerne, weil es vielleicht zu Ihrer wohlfeilen Kirchenkritik
passen könnte, aber so oberflächlich und seicht wie Ihre ganze Denke ist auch Ihre Lektüre von Texten!
Der Staat ist nicht Quelle von Wahrheit; der Staat ist darauf angewiesen, die Erkenntnis und Wahrheit
über das Gute von außerhalb seiner selbst zu nehmen…(Ratzinger s. Zitat!) Es ist schon atemberaubend,
wie fahrlässig oder betrügerisch Sie mit Texten und grundlegenden Aussagen umgehen…!!! Genauso haben
Sie den Begriff „transzendent“ eingeschmuggelt, um die unsinnige Behauptung aufzutischen, es seien von
irgendwem „transzendente Rechte“ beansprucht worden. In Wahrheit ging es nur darum, die tatsächlich „metaphysischen“
Wurzeln des Menschenwürdebegriffs zu beleuchten. Wobei „metaphysisch“ (u.a. bei Kant) zunächst nichts
anderes bedeutet als nicht-empirisch! Klein-Sperling macht daraus „Rechte im Himmelreich“ und wiederholt
den Unsinn auch noch ! Ich frage mich manchmal, was bei Ihnen, Sperling, ausgeprägter ist: Ignoranz oder
Dummheit!
Sperling Selten so einen Schwachsinn gehört was sie verzapfen. „Die menschliche Vernunft alleine reicht
aus um menschenwürdiges Leben zu gestalten“ Schwachsinn ! Die vermeintlichen Segnungen der reinen Vernunft
enden immer im menschlichen Fleischwolf. Die Verabsolutierung und Erhabeng des menschlichen Erkenntnisvermögens ,
welches nichts anderes ist als die Prothese eines Behinderten zum Maß für moralisches und gerechtes
Urteilen ist ein Unding welches von ideologischen Vollkoffern ihres Schalges so oft propagiert wird und
immer wieder zum ist. Diese Ideologien der sogenannten menschlichen Vernunft endeten bis jetzt immer
im Massenmord. Ich prophezeihe dass es mit der Demokratie genauso enden wird – oder schon soweit ist.
Vernunft alleine und für sich ist ein kurzsichtiger und degenerierter Maßstab. Vernunft ist vielmehr
eine – no na Eigenschaft die Voraussetzung ist und nicht erst gefordert werden muß.
@ Pünktchen Und wofür genau brauche ich jetzt die Kirche? Immanuel Kant hat hergeleitet und gezeigt,
daß allein die menschliche Vernunft, damit der Mensch, damit der Wähler ausreicht um eine vernünftige
und menschenwürdige staatliche Ordnung zu garantieren. Ich sehe keinen Grund die gleichen ellenlangen
Diskussionen noch einmal zu führen. Schon allein deshalb weil Sie selbst nicht wirklich begreifen was
Sie eigentlich erzählen. Zu ihrem Papst Zitat: eben das ist es doch was ich kritisiere. Der Papst will
auf einer Seite festlegen welche Verhältnisse in einem Staat zu herrschen haben (spricht bspw. der menschlichen
Vernunft mal eben die Fähigkeit ab aus sich selbst heraus Wahrheit zu erkennen und leugnet damit prinzipiell
die Möglichkeit von Demokratie, womit er wohl genauso verfassungsfeindlich sein dürfte wie Khomenie
), sich auf der anderen Seite aber vor jeder Verantwortung drücken indem er sich in höhere Gefilde verabschiedet.
geregelten gesetzten (positiven) Recht vorhergeht und übergeordnet ist. Hatten wir das nicht schon? Warum
erzählen Sie mir eigentlich immer nur den gleichen Mist? Darüber hinaus verstehen Sie noch nicht mal
Ihre eigenen Fallstricke. So konnten Sie mir auch nicht deutlich machen, warum das von Ihnen als transzendent
und nicht als immanent verstandenen Naturrecht nicht den einfachen Laien dazu befähigt herzuleiten welche
Verhältnisse im Himmel herrschen? Genau das würde aber logisch daraus folgen.
VirOblationis Der Staat hat in der Tat weder Auftrag noch Kompetenz, eine „übernatürliche Wahrheit“
zu eruieren, zu beurteilen oder gar zu exekutieren. (Stellen Sie sich vor, VirO, der Bundestag in Berlin,
etwa rot-rot-grün dominiert, hätte über das Dogma von der Aufnahme Mariens in den Himmel zu befinden!)
J. Ratzinger definiert im oben zitierten Text „die Aufgabe des Staates“ so, daß es ihm darum gehe, „das
menschlcihe Miteinander in Ordnung zu halten, also einen solchen Ausgleich der Freiheit und der Güter
zu schaffen, daß jeder ein menschenwürdiges Leben führen kann. Wir könnten auch sagen: Der Staat garantiert
das Recht als die Bedingung der Freiheit und des gemeinsamen Wohlstandes.“ (S. 54) Diese auf das menschliche
Miteinander und die rechtliche Koexistenz von Freiheitswesen ausgerichtete Zwecksetzung des Staates steht
nicht im Gegensatz zu der auf das summum bonum abzielenden Verkündigung und Gnadenvermittlung durch die
Kirche. Das Mehrheitsprinzip bleibt als demokratische Legitimation unangetastet, wenn man dennoch nicht
„Mehrheit“ einfach mit „Wahrheit“ verwechselt. Daher richtet sich der politische Kampf tatsächlich auf
den Wechsel von Mehrheiten. Am Diskurs kommen wir alle nicht vorbei, gerade weil wir wissen, daß der
Diskurs nicht automatisch Wahrheit hervorbringt. Der Diskurs kann z.B. durch starke Asymmetrien belastet
sein. Die Ungeborenen können ihre Rechte noch nicht geltend machen und geraten so ins Hintertreffen gegen
ein Interessenkartell der Geborenen.
Quelle der Wahrheit .chen schrieb: „Nicht aus einer etwa ihm eigenen, auf Volk oder Rasse oder Klasse
oder sonst einer Größe gegründeten Ideologie, und auch nicht auf dem Weg über die Mehrheit kann er
Wahrheit selbst aus sich hervorbringen… der Staat muß demgemäß das für ihn unerläßliche Maß an
Erkenntnis und Wahrheit über das Gute von außerhalb seiner selbst nehmen…“ Aber woher nimmt er die
Wahrheit dann, wenn – wie ich ja auch stets hoffe – nicht auf dem Weg über irgendeine Mehrheit? Von der
Kirche? – Aber wenn doch der Staat keine Möglichkeiten hat, Übernatürliches zu beurteilen? Dann wird
er doch durch die Kirche auch nicht zur Wahrheit finden können, oder irre ich mich? Was bleibt dann?
Nur der Diskurs?
Lutheraner Daß es eine Kluft zwischen Verfassung und „Verfassungswirklichkeit“ geben kann, ist nichts
Neues! Jede Norm zielt auf Verwirklichung, sie bringt die von ihr angezielte Realität nicht aus sich
hervor, sondern bleibt auf die Vermittlung von Menschen angewiesen. Staatliches Handeln und politische
Akteure müssen sich an den höchsten Normen und Prinzipien des Verfassungsrechtes messen lassen. So ist
z.B. die Frage zu stellen, ob der in Art. 2 GG garantierte Lebensschutz tatsächlich durch die straffreie
Abtreibung nach Beratung angemessen verwirklicht ist oder nicht doch eher verletzt!
@ Pünktchen – Ihr prinzipieller Relativismus … Theoretisch scheinen Sie unglaublich schlau, praktisch
streuen Sie anderen Sand in die Augen. Seit 15 Jahren wird das GG unterlaufen, Recht gebrochen, die Bundesrepublik
Deutschland systematisch zerstört. Von den vielen Verfassungsbrüchen soll hier nicht die Rede sein.
Aber davon, daß 80 % der Gesetze und Richtlinien in der BRD EU-Recht sind! Ein logischer Satz lautet:
wo ein Ding ist, kann keine anderes sein. Wie kann es also angehen, daß die deutsche Bevölkerung nichtdeutschem
Recht unterworfen ist? De fakto ist die EU eine Tyrannei, denn das Brüsseler Parlament hat weder eine
Verfassung, noch sind die Instanzen demokratisch legitimiert! Das Beispiel zeigt deutlich, daß die Volksparteien,
weil sie mit Brüssel zusammen arbeiten, nach ihren Zielen und dem Verhalten ihrer Anhänger darauf aus
sind, die freiheitliche demokratische Grundordnung zu beseitigen. CDU, SPD, Grüne, FDP, Linkspartei –
nach Sachlage sind alle als verfassungsfeindliche Organisationen einzustufen. Hier wird offensichtlich
ein Volk mit mafiösen Methoden um seinen Besitz betrogen. Und das ist einem schlauen Kopf wie Ihnen entgangen?
Wohl nicht! Theoretisch lehnen Sie sich weit aus dem Fenster, praktisch nennt man Sie einen eifrigen Mitläufer.
Ein einheitlicher Ordnungsrahmen für Staat und Kirche, der es erlauben würde, die eine Größe der anderen
über- bzw. unterzuordnen, gibt es nicht! Staat und Kirche haben je eigene Zwecke und Ordnungen, können
aber zum allg. Wohl kooperieren. Hier einige Zitate von Joseph Ratzinger: Aus: Werte i. Zeiten d. Umbruchs,
S. 63 f. „der Staat ist nicht selbst Quelle von Wahrheit und Moral: Nicht aus einer etwa ihm eigenen,
auf Volk oder Rasse oder Klasse oder sonst einer Größe gegründeten Ideologie, und auch nicht auf dem
Weg über die Mehrheit kann er Wahrheit selbst aus sich hervorbringen… der Staat muß demgemäß das
für ihn unerläßliche Maß an Erkenntnis und Wahrheit über das Gute von außerhalb seiner selbst nehmen…
Die Kirche darf sich nicht selbst zum Staat erheben oder als Machtorgan in ihm oder über ihn wirken wollen.
Dann macht sie sich selbst zum Staat und bildet so den absoluten Staat, den sie gerade ausschließen soll.
Sie würde durch die Verschmelzung mit dem Staat das Wesen des Staates und ihr eigenes Wesen zerstören.
Die Kirche bleibt für den Staat ein „Außen“. Nur dann sind beide, was sie sein sollen. Sie muß ebenso
an ihrem Ort und an ihreer Grenze bleiben wie der Staat. Sie muß sein Eigenwesen und seine eigene Freiheit
respektieren, gerade damit sie in ihm den Dienst tun kann, dessen er bedarf. Sie muß aber auch alle Kraft
aufbieten, damit in ihr jene moralische Wahrheit leuchtet, die sie dem Staat anbietet und die für die
Bürger des Staates einsichtig werden soll.“
Was die prinzipielle Aufgabe des Staates ist, leitet sich aus grundsätzlichen (rechts- und staatsphilosophischen)
Reflexionen ab und keineswegs aus wechselnden tagesaktuellen Mehrheiten. Sperling verwechselt hier offensichtlich
politische Aufgabenstellungen mit den prinzipiellen verfassungsmäßigen Pflichten des Staates! Der Lebensschutz
z.B. (Art. 2 GG, durch keine Mehrheit revidierbar!) wird in der Rechts- und Staatsphilosophie als so grundlegend
angesehen, daß sich daraus alleine schon der Staat legitimiert. Dem entspricht dann aber auch eine höchste
Pflicht des Staates menschliches Leben, besonders das wehrlose, zu schützen! Danke Ihnen, Dr. Heger,
für Ihre Hinweise, die aber in ihrer Adressierung an Sperling nichts nützen werden, weil antikirchliche
Affekte bei diesem Leser schwerwiegende Erkenntnisblockaden verursachen. Das gilt auch für den Komplex
Menschenrechte, die eine tiefere Wurzel haben als nur die Aufklärungsphilosophie: Antike, Stoa, scholastische
Philosophie usw. haben einen erheblichen Beitrag zur Ausarbeitung des Gedankens vom Naturrecht geleistet
haben, das als überpositives Recht konzipiert ist, welches dem durch soziale Normen geregelten gesetzten
(positiven) Recht vorhergeht und übergeordnet ist. MfG .chen
theoretischer und praktischer Relativismus Sperling schrieb: „Was die grundlegenden Aufgaben des Staates
sind entscheiden allein die Wähler an der Wahlurne und nicht die Kirche!“ Reiner Relativismus. Alles
zufälligen(*) Mehrheitsentscheidungen ausgeliefert. Chaos statt Kosmos. Grauenhaft! (*) Man denke an
die letzte Parlamentswahl und wie leicht sie durch einen Terroranschlag zu beeinflussen war. Herr Dr.
Heger schrieb: „… das Grundgesetz hat einer Reihe von Bestimmungen „Ewigkeitswert“ zuerkannt, sie also
Mehrheitsbeschlüssen entzogen. [Allerdings] kann man [inzwischen] sehen, wie viel solche Verfassungsgarantien
wert sind.“ Da darf man wohl von praktischem Relativismus sprechen. Wenn solche Rechte nicht willkürlich
gesetzt erscheinen sollen, dann sehe ich nur die Möglichkeit, sie vom Naturrecht her zu begründen. Ihr
Mißachtung ist gewiß auch Ausdruck der Schwäche der Kirche. Die Kirche aber verweist, soweit ich sehe,
z.Z. nicht auf das Naturrecht, sd. läßt ihre Glieder bloß am gesellschaftlichen Diskurs teilnehmen.
So erscheinen sie mir dem Relativismus ausgeliefert, da sie nicht auf eine objektive Grundlage verweisen
können.
Verfasssungsgarantien oder Entscheiden allein die Wähler? Was die grundlegenden Aufgaben des Staates
sind entscheiden allein die Wähler an der Wahlurne und nicht die Kirche! Das wird faktisch so sein. Denn,
wie schon v. Eichendorf treffend zum Ausdruck gebracht hat, keine Verfassung garantiert sich selbst. Aber
grundgesetzgemäß ist das nicht. Denn das Grundgesetz hat einer Reihe von Bestimmungen „Ewigkeitswert“
zuerkannt, sie also Mehrheitsbeschlüssen entzogen. Am Beispiel der Garantie von Leben und körperlicher
Unversehrtheit, des „besonderen Schutzes“ von Ehe und Familie, der Meinungsfreiheit, des strafrechtlichen
Rückwirkungsverbot usw. usw. kann man allerdings sehen, wie viel solche Verfassungsgarantien wert sind.
MfG Christoph Heger
@ Pünktchen den Staat an seine grundlegenden Aufgaben und Rechtsgarantien erinnert! Was die grundlegenden
Aufgaben des Staates sind entscheiden allein die Wähler an der Wahlurne und nicht die Kirche! Staat und
Kirche befinden sich in keinem einheitlichen Ordnungsrahmen Ja, das hätten Sie gerne! Ein Pfarrer kann
von seiner Kanzel nichts predigen was bspw. unter Volksverhetzung fällt. Ein Bischof wird vom Staat bezahlt
und leistet einen Eid auf die Verfassung. Pfarrer werden an staatlichen Unis ausgebildet! Der klassische
Machtkampf also zwischen Papst und Kaiser. Daß die Kirche aus Opportunitätsgründen den Status Quo nicht
angreift sollte wohl kaum dazu verleiten sich einzubilden der Papst begreife sich plötzlich dem Kaiser
gleich- oder gar untergeordnet! sich am politischen Diskurs über alle möglichen Fragen, die das Leben
in Frieden und Freiheit in der bestmöglichen Verfassung betreffen Ich finde das weder überzeugend noch
glaubwürdig. Schon allein was man unter „Freiheit“ oder „bestmöglicher Verfassung“ zu verstehen hat,
darüber dürften die Meinungen zwischen Kirche und Staat schwer auseinander gehen. Ob es Ihnen nun gefällt
oder nicht: der heutige Staat ist in einem jahrhundertelangen Kampf gegen die Kirche erreicht worden,
nicht mit der Kirche. Daß die Kirche sich nun als Schutz und Schirm der Menschenrechte aufspielt die
sie jahrhundertelang bekämpft hat, fällt m.E. schlicht unter Opportunismus und Einflußsicherung.
@Leblhuber Das Grundrecht auf Religionsfreiheit (!) wird verletzt, wo ein Staat durch Zwänge und Begünstigungen
eine bestimmte Religion präferiert und damit den säkularen Rahmen seiner Gemeinwohlverpflichtung verläßt.
Keineswegs verletzt dagegen die Kirche die Religionsfreiheit, wenn sie den Staat an seine grundlegenden
Aufgaben und Rechtsgarantien erinnert! Damit steht nicht im Widerspruch, daß Staat und Kirche Vereinbarungen
treffen, die administrative Fragen und Organisationsformen betreffen und beiderseitige Opportunitäten
einschließen. Solche Vereinbarungen trifft der Staat im übrigen auch mit nichtchristlichen Religionen.
@Sperling Staat und Kirche befinden sich in keinem einheitlichen Ordnungsrahmen, sie haben auch unterschiedliche
Zwecksetzungen, daher besteht zwischen ihnen auch kein rechtliches oder auch tatsächliches Subordinationsverhältnis.
Aus der Verkennung dieser Tatsache entspringen Ihre Widersprüche zum Thema „Macht und Einfluß der Kirche“.
Die Kirche übt keine Macht aus im säkularen Staat, aber es steht ihr – und allen anderen gesellschaftlichen
Gruppen und Religionen – frei, sich am politischen Diskurs über alle möglichen Fragen, die das Leben
in Frieden und Freiheit in der bestmöglichen Verfassung betreffen, zu beteiligen. Insofern hat sie (begrenzten)
Einfluß.
@ Pünktchen Ihr Vergleich mit Wirtschaftsunternehmen wie Allianz oder Hamburg Mannheimer hinkt. Wirtschaftsunternehmen
sind keine rechtsfreien Räume und sie verstehen sich auch nicht dem Staat übergeordnet oder vorgeordnet.
Wenn ein Arbeitnehmer schlecht behandelt wird steht im der Klageweg offen. Preist ein Unternehmen Leistungen
an die es nicht erbringen kann, wird es verklagt. Im Fall der Kirche dagegen haben wir es mit einem streng
autoritär, hierarchisch und intransparenten Orden zu tun, der sich dem Staat übergeordnet begreift.
Eine Kirche die meint das Recht zu haben Forderungen gegenüber dem Staat vorzubringen, dem Staat (bzw.
seinen Bürgern) aber jedwede Kritik verbieten will, behandelt die Staaten wie Lakaien, Untergebene oder
Diener. Nun mag es sein, daß im Mittelalter die Könige nach Rom krochen um sich vor seiner Heiligkeit
im Staub zu wälzen, heutzutage aber ist seine Heiligkeit eben doch schlicht Privatsache. Etwas konkreter:
Sie tun so als sei der Verzicht der Kirche auf staatliche Macht ein Zeichen von Bescheidenheit. Die Wahrheit
ist aber, daß die Kirche ein massives Problem mit starken Staaten hat. Was die Kirche braucht sind schwache
Staaten die brav kuschen.Die Kirche verzichtet auf staatliche Macht nicht aus Bescheidenheit, sondern
weil gerade aus diesem Verzicht eine gewaltige Macht erwächst. Anstatt nur in Dtl. die Macht zu übernehmen,
kann die Kirche auf diese Weise gleich in ganz Europa die Macht übernehmen und muß sich nicht mit staatlichem
Kleinkram rumärgern.
@Pünktchen: Ja! Gut lehrt, wer gut unterscheidet! Die Fachsprache mit ihren eindeutigen Definitionen
ermöglicht erst einen sinnvollen geistigen Austausch. Da stimme ich Ihnen zu. Geht ja gar nicht anders.
Damit hat es sich aber schon. Sie schreiben: „Niemand wird gezwungen Katholik, Muslim (o. Allianz-Vertreter)
zu sein.“ Damit beziehen Sie sich allein auf die gegenwärtige Situation in Demokratien, die allerdings
gegen den massiven Widerstand der KK erkämpft werden musste. Die Kirche sucht auch heute noch die Allianz
mit denjenigen, die ihr maximalen Einfluss sichern, auch dann sogar, wenn die Verbündeten Diktaturen
oder Juntas sind, ohne Rücksicht auf Anders- oder Nichtgläubige. Sie schreiben: „Etwas ganz anderes
ist es, wenn Staaten im Religionsbereich auf den einzelnen Zwänge ausüben oder Begünstigungen leisten.“
Zu den Zwängen: Die KK, bzw. bestimmte Kreise der KK, versuchen auch heute noch, ihre Moralvorstellungen
allen aufzuzwingen (siehe homosexuelle Partnerschaft, Abtreibung, Sterbehilfe, Stammzellenforschung usw.
). Sie fordern vom Staat, die eigenen moralischen Grundsätze, entgegen dem Willen aller übrigen (der
Mehrheit), gesetzlich zu verankern. Zu den Begünstigungen: Aus allgemeinen Steuermitteln werden Einrichtungen
der Kirche mitfinanziert. Lehrer von katholischen Privatschulen, kath. Fakultäten, Gebäude im Eigentum
der Kirche usw. In Deutschland wird sogar die Kirchensteuer durch staatliche Organe eingehoben. Also bleiben
Sie ehrlich.Verzichten Sie auf Manipulation.
Sperling: Und wieder gilt: Bene docet, qui bene distinguit! Wenn ich sage, daß die Kirche sehr wohl das
Recht habe, den „Gewaltmonopolist“ Staat an seine Verpflichtungen hinsichtl. der Menschenrechte zu erinnern,
Verpflichtungen, deren Erfüllung dieses Gewaltmonopol ja überhaupt erst rechtfertigen, dann wird alleine
schon daraus deutlich, daß die Kirche sich nicht als reine „Privatsache“ versteht und dennoch nicht Adressat
von Forderungen nach Gewährung von Menschenrechten sein kann. Die Menschenrechte werden im Staat verwirklicht
und vom Rechtsstaat (der nicht identisch ist mit einem „Gesetzesstaat“, Sperling!) garantiert. Nirgendwo
sonst! Meinungsfreiheit, Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit, Reisefreiheit, Versammlungsfreiheit,
Informationsfreiheit, Berufsfreiheit, die justiziellen und sozialen Freiheits- und Entfaltungsrechte etc.:
wo sonst als im Staat mit seinen Zwangsbefugnissen und seinem administrativen und justiziellen Apparat
sollten sie ihren Platz haben? Da ich Ihren Vorwurf immer noch nicht ganz verstehe, dürfen Sie gerne
etwas konkreter werden.
@ Pünktchen Seit wann ist die Kirche denn damit zufrieden Privatsache zu sein? So einfach wie Sie es
sich machen ist die Sache keineswegs. Die Kirche verlangt vom Staat höchst selten, daß er alle Menschenrechte
realisiert. Im allgemeinen begnügt sie sich damit genau die Rechte zu fordern die ihr nützen, die anderen
aber geflissentlich unter den Teppich zu kehren. Ein solches Verhalten nimmt also für sich selbst Sonderrechte
in Anspruch, insofern als andere angeblich verpflichtet sind der Kirche bestimmte Rechte zu gewähren,
auf der anderen Seite aber in aller Demut darauf verzichten sollen die anderen Rechte die ein Mensch gewöhnlich
noch besitzt in Gegenwart des Klerus zu erwähnen. Jeder kann einsehen, daß dieses Gehabe verlogen ist.
Sperling Auch hier gilt wieder: bene docet, qui bene distinguit. Hier stolpern Sie regelmäßig über
mangelhafte Unterscheidungen. „Religionsfreiheit“ ist von seinem Grundansatz und historischem Ursprung
her ausschließlich ein Individualrecht im Staat, nicht aber ein Recht darauf, in einer jeweiligen Religionsgemeinschaft
jede beliebige Auffassung als mit dem Glauben dieser Gemeinschaft übereinstimmend propagieren zu können.
Dementsprechend besitzen alle Religionsgemeinschaften (auch die Protestanten, auch die Juden…) Formen,
in denen Lehrabweichungen sanktioniert werden. So wurde etwa Baruch Spinoza aus der jüdischen Gemeinde
ausgeschlossen, weil seine Auffassungen nicht als mit ihrem Glauben übereinstimmend erkannt wurden! Ebenso
könnte die Allianz-Versicherung sicher jemandem fristlos kündigen, der als ihr Vetreter unter der Hand
Versicherungspolicen für die Hamburg-Mannheimer propagieren würde. Seine im bürgerlichen Rechtsstaat
garantierte „Meinungsfreiheit“ bleibt davon unberührt. Niemand wird gezwungen Katholik, Muslim (o. Allianz-Vertreter)
zu sein. Etwas ganz anderes ist es, wenn Staaten im Religionsbereich auf den einzelnen Zwänge ausüben
oder Begünstigungen leisten. Das Recht auf Leben und Religionsfreiheit kann also sehr wohl von der Kirche
vertreten werden, weil der Staat – und nur er – Adressat solcher Forderungen sein kann. Der Staat als
Gewaltmonopolist muß das Leben vor gewaltsamer Vernichtung schützen und die Freiheit der Religionsausübung
garantieren!
@ Pünktchen Ich bin schon deshalb kein Modernist, weil ich kein Katholik bin. Mir persönlich ist es
also herzlich egal ob innerhalb Ihrer Kirche nun Religionsfreiheit herrscht oder nicht, solange man mich
und meine Freundin in Ruhe läßt. Trotzdem haben Sie den Kern meines Einwandes offensichtlich nicht begriffen.
Denn ich habe keineswegs gefordert, daß innerhalb der Kirche Meinungsfreiheit herrscht. Ich habe nur
gefragt, mit welchem Recht die Kirche Menschenrechte anmahnt an die sie sich selbst nicht hält?! Wenn
die Kirche nämlich Forderungen an den Staat stellt (und damit auch an Nichtkatholiken), dann bedeutet
es nur sich vor der Verantwortung zu drücken wenn man sich umgekehrt Forderungen von Seiten des Staates
verbittet. Hier fordert man offensichtlich eine Extra Wurst für sich selbst indem man von allen anderen
Mitgliedern der Gesellschaft Transparenz und Offenheit verlangt, während man sich selbst weitgehend abschottet
und lediglich Forderungen vorbringt die Ansprüche an andere stellen. Die Kirche verlangt vom Staat, daß
er das Recht auf Leben bereits einem Embryo zugesteht oder von Ländern wie Saudi Arabien Religionsfreiheit.
Hier werden also höchst selektiv (wenn es mir nutzt) Forderungen an andere vorgebracht. Das ein solches
Verhalten verlogen ist, ist leicht einzusehen. Relativismus ist ein reiner Kampfbegriff. In unserer Gesellschaft
gibt es Dinge die nicht relativ sind. Bspw. die Vernunft. Argumentationsketten („Wahrheiten“) sind allerdings
sehr wohl relativ.
#182 virOblationis 18:10:06 | Sonntag, 29. April 2007
Relativismus und Skepsis „,Wer dem Relativismus anhangt, ist nur scheinbar tolerant. In Wirklichkeit meint
er ja, es sei alles gewissermaßen gleich wahr oder auch unwahr’, ausgenommen den Relativismus selber!“
Dies erinnert mich an die stets zweifelnde Skepsis, die der hl. Augustinus dadurch überwand, daß er
erkannte: Auch ein Mensch, der zweifelt, muß sich sener selbst gewiß (zweifelsfrei) sein, sonst wäre
er nicht in der Lage zu zweifeln. Relativismus und Skepsis versuchen ohne (zu erkennende) Wahrheit auszukommen
und verstricken sich dabei in Widersprüche. Für Augustinus ist die Selbstvergewisserung, die Descartes
als cogito, ergo sum auf einen Begriff gebracht hat, mehr ein „ich will, also bin ich“. Da ich meines
Willens ganz gewiß bin, weiß ich, daß ich da bin als derjenige, der etwas will. Dies gilt auch für
die Vergangenheit: Ich war es, der etwas wollte. (Conf. VII)
VirOblationis „Wer dem Relativismus anhangt, ist nur scheinbar tolerant. In Wirklichkeit meint er ja,
es sei alles gewissermaßen gleich wahr oder auch unwahr“, ausgenommen den Relativismus selber!
#180 virOblationis 16:56:43 | Sonntag, 29. April 2007
Toleranz Wer dem Relativismus anhangt, ist nur scheinbar tolerant. In Wirklichkeit meint er ja, es sei
alles gewissermaßen gleich wahr oder auch unwahr. Erst das Anerkennen der – echten oder vermeintlichen –
Wahrheit macht Toleranz notwendig, um den eigenen Standpunkt aufrechterhaltend mit einem Gegenüber anderer
Meinung diskutieren zu können. So erschließt aber die Toleranz die Möglichkeit einer Horizonterweiterung.