14:17:07 | Freitag, 27. April 2007
Immerhin erreicht der moderne Religionsunterricht mit seinen fetzigen Sprachknallern, daß Schüler dabei genauso baff sind wie die drei Frauen am leeren Grab. Von Hubert Hecker.

Der verschwammte Religionsunterricht muß in privaten Einzelkatechesen nachgeholt werden.
© Geoffrey
George, Lizenz: Creative Commons(kreuz.net) Von 1971 bis 1974 tagte in Deutschland die sogenannte Würzburger Synode.
Ihr Ziel war die
Umsetzung des Zweiten Vatikanums in Deutschland.
1974 verabschiedete die Synode ein Beschlußpapier zum
Religionsunterricht. Es ist sehr stark von Pater Karl Rahner und seinem damaligen Assistenten Hw. Karl
Lehmann beeinflußt.
Der Text betrachtet den Religionsunterricht nicht als pädagogisch reflektierte
Glaubensvermittlung. Diese Aufgabe habe die Gemeindekatechese.
Der Religionsunterricht wird neu aus sogenannten
„Erfahrungen des modernen Menschseins“ legitimiert. Er soll der Lebensbewältigung dienen und – etwas
abstrakt – die religiöse Dimension des Daseins reflektieren.
Dabei sei von der Lebenssituation der Schüler
auszugehen, um bei deren Sinndeutung Glaubenserfahrung einzubeziehen.
Die Inbezugsetzung von Lebenssituation
und Glauben wird seither „Korrelationsdidaktik“ genannt.

Mönch unterricht Kinder – Holzschnitt verlegt von Johann Schönsperger († 1521)
Dahinter steckt die ins Anthropologische gewendete
säkularisierte Theologie von Pater Rahner, wonach die Welterfahrung jedes Menschen angeblich schon eine
Art religiösen Charakter besitzt.
Pater Rahner behauptet, „daß die ursprüngliche Erfahrung Gottes
auch in seiner Selbstmitteilung (Offenbarung) so allgemein, so unthematisch, so ‘unreligiös’ sein kann,
daß sie überall vorkommt“.
Religionspädagogisch popularisiert wurde die hochabstrakte Rahner’sche
Existenzialtheologie von Hw. Hubertus Halbfas. Ohne kirchliche Lehrerlaubnis bildete er dreißig Jahre
lang Religionslehrer aus.
Seine „Religionsbücher“ werden von vielen Bischöfen für die Schulen genehmigt,
weil sie die genannte „Korrelationsdidaktik“ umsetzen.
Nach Hw. Halbfas berührt jedes Sprechen des Menschen
von sich und seiner Erfahrungen das religiöse Existential des Menschseins. Dabei geschehe eine implizite
Offenbarung Gottes.
In Märchen, Erzählung, Dichtung und Lyrik werde ungegenständlich vermittelt, was
im Raum der Bibel geschichtlich explizit geworden sei.
Dieser religionspädagogische Ansatz führt zu
einer schulischen Lehrpraxis, welche nur noch im Namen „katholisch“ ist.
Dagegen versinkt die katholische
Lehre in die Bedeutungslosigkeit.
Unbeachtet bleibt, daß die sogenannten Erfahrungswelten der Schüler
so unterschiedlich wie jene der Erwachsenen sind. Bei letzteren hat eine Studie zehn völlig differente
Lebenswelten ausgewiesen.

Die Abtreibung eignet sich nicht für die Korrelationsdidaktik
Viele Trends wie Jugenddrogenkonsum, Sexualisierung oder Abtreibungen eignen
sich schlecht für eine korrelative Erschließung der Bibel. Es sei denn, man wollte die Kinderabtreibung
mit dem biblischen Kindermord korrelieren, was sicher nicht im Sinne moderner Religionspädagogen wäre.
Noch bedenklicher sind die folgenden Implikationen aus dem bis heute verwendeten Ansatz:
Den menschlichen
Erfahrungen von Endlichkeit und Sinnsuche wird ein religiöser Charakter zugesprochen. Damit wird ein
Begriff von Gottsuche und Gottesbild geprägt, der mit dem biblischen Gott nicht viel gemeinsam hat.
Massive Verzerrungen entstehen, wenn religiöse Erfahrungen durch diese Brille gelesen werden: Teufel
und Engel, Wunder und Verklärung, Totenerweckung und Himmelfahrt.
Was in der sogenannten modernen Welterfahrung
nicht vorkommt oder nicht vorkommen darf, wird in der korrelativen Optik uminterpretiert oder ignoriert.
Die Gottheit Jesu Christi kann und darf mit diesem Ansatz nicht erkannt werden. Die Korrelationsdidaktik
entfremdet den Schüler von Bibel, Glaube und Liturgie.
Das Bekenntnis „Lamm Gottes, Du nimmst hinweg
die Sünden der Welt“ ist für einen katholischen Schüler, der 13 Jahre lang korrelationsdidaktisch indoktriniert
wurde, unverständlich.
Papst Johannes-Paul II. nannte die Eucharistie die „Mitte der Kirche“.
Doch
in Wahrheit ist die Heilige Messe sogar für gut-katholische Schüler ein Randereignis im Rahmen eines
karitativ verstandenen Christseins.
Darum sind die schulischen Religionslehrpläne voll von einem selbstbezogenen
Betroffenheitschristentum.

Benedikt XVI. warnt, den Inhalt der Katechese gegenüber den Methoden zurückzudrängen
© Sergey Kozhukhov,
CCIm bischöflich genehmigten, hessischen Lehrplan katholische Religion heißt
es für die zehnte Klasse:
„Der Tod Jesu am Kreuz konfrontiert mit Scheitern, Ohnmacht, Verachtung.“
Die biblische Botschaft erkenne in Jesu Kreuzestod die „grenzenlose Solidarität Gottes mit den Menschen“
und den „Widerstand gegen Ungerechtigkeit, Lieblosigkeit und Sünde“.
Die Passionsberichte würden Jesus
als einen Leidenden zeigen, der Leid im Vertrauen auf Gott annimmt:
„Christen ziehen zu allen Zeiten
aus dieser Erkenntnis Trost und Hoffnung in schwierigen Lebenslagen.“
Die Passion Christi wird für die
Schüler auf existenzielle Grenzerfahrungen des Menschen Jesu reduziert. Jesus erscheint als ein zweiter
Hiob.
„Ohne Auferweckungserfahrungen der Jüngerinnen und Jünger Jesu gäbe es keine Kirche“ – heißt
es:
„Die Emmausjünger erfahren den Gekreuzigten als lebendig und erleben Gemeinschaft mit dem Auferstandenen.
Auferstehungsähnliche Erfahrungen mitten im Leben verstärken die Hoffnung auf Rettung.“
Die Auferstehung
Christi wird somit zu einer Art existentieller Tagtraum, bei dem „aus der Tiefe des Seins gesellschaftliche
Hoffnungsperspektiven“ entwickelt werden.
Immerhin erreichen Korrelationsdidaktiker mit ihren fetzigen
Sprachknallern, daß Schüler dabei genauso baff sind wie die drei Frauen am leeren Grab.
Gegen die Verschwammung
der Lehre durch die Korrelationsdidaktik richtete sich die Rede des Papstes an die deutschen Bischöfe
beim letztjährigen Ad-limina-Besuch:
„In der Vergangenheit wurde nicht selten der Inhalt der Katechese
gegenüber den didaktischen Methoden in den Hintergrund gedrängt.“
Es geht also „um die Curricula des
Religionsunterrichts, die es am Katechismus der Katholischen Kirche auszurichten gilt, damit im Laufe
der Schulzeit das Ganze des Glaubens und der Lebensvollzüge der Kirche vermittelt wird“.
Es gibt wenig
Hoffnung, daß die deutschen Bischöfe dieses päpstliche Anliegen – nach dreißig Jahren weghören –
ernstnehmen werden.
Ein Beispiel dafür ist die Presseerklärung des Bistums Limburg zum Ad-limina-Besuch
des damaligen Bischofs.
Diese ließ die zentrale Passage der Papstrede zum „Ganzen des Glaubens, ausgerichtet
am Katechismus der Katholischen Kirche“ gleich ganz weg.
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