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Montag, 17. Januar 2005 12:59
Kurzer Prozeß: Sakristan der Wiener Votivkirche entlassen
Wie aus gut unterrichteten Quellen verlautet, wurde der Vertrag des Sakristans an der Wiener Votivkirche in diesen Tagen nicht mehr verlängert. Diese Tatsache wäre vielleicht keine Meldung wert, wenn es sich bei besagtem Sakristan nicht um Joseph S., einen ehemaligen Seminaristen aus dem St. Pöltner Priesterseminar, handelte.
(kreuz.net, Wien) Joseph S. stammt ursprünglich aus Bayern und zeichnet sich gleichermaßen durch eine tiefe Frömmigkeit und eine hohe Intelligenz aus. Im Herbst 2003 wurde er ins St. Pöltner Priesterseminar aufgenommen. Nach einigen Monaten zeigten sich allerdings Alkoholprobleme, die sich nach und nach verschärften. Darum wurde Joseph S. vom damaligen Regens Ulrich Küchl im Frühjahr 2004 aus dem Seminar entlassen. Die ihm zuvor von der Seminarleitung und vom Bischof angebotene Hilfe hatte er abgelehnt. So landete Joseph S. unter den von der St. Pöltner Emmausgemeinschaft betreuten Obdachlosen.

Das Verhältnis zwischen Joseph S. und Regens Küchl war von diesem Zeitpunkt an schwer belastet. Joseph S. erklärte seine Entlassung aus dem Priesterseminar damit, daß ihm brisante Informationen zur Kenntnis gekommen seien und er deshalb zum Schweigen gebracht worden sei. Im Juli 2004 ging er mit seinen angeblichen Informationen sogar an die Öffentlichkeit und verbreitete sie unter dem Pseudonym „Johann Z.“ im Wiener Boulevardmagazin „News“, das dem selben Medieninhaber untersteht wie das österreichische Nachrichtenmagazin „Profil“.

Etwa zur gleichen Zeit verfaßte er eine Ehrenerklärung für den ebenfalls in die Affäre um das St. Pöltner Priesterseminar verwickelten Ex-Subregens Wolfgang Rothe.

Im September 2004 schrieb Karl Rottenschlager, der Leiter der Emmausgemeinschaft in St. Pölten, wo Joseph S. nach dem Austritt aus dem Priesterseminar wohnte, ein Gedächtnisprotokoll über verschiedene Gespräche, die er mit Joseph S. über das Priesterseminar in St. Pölten geführt hatte. Rottenschlager ließ das Schriftstück den Gerichten in St. Pölten und Wien zukommen, die mit einer Causa befaßt waren, die der Ex-Regens Küchl und der Ex-Subregens Rothe gegen das Nachrichtenmagazin „Profil“ wegen dessen Berichterstattung über die Affäre im St. Pöltner Priesterseminar angestrengt hatten.

In diesem Gedächtnisprotokoll behauptet Rottenschlager unter anderem, daß Joseph S. seine Ehrenerklärung für Ex-Subregens Rothe widerrufen habe und bereit sei, vor Gericht gegen Ex-Regens Küchl und Ex-Subregens Rothe auszusagen.

Etwa zur gleichen Zeit endete für Joseph S. mit einem Mal die Zeit als Obdachloser. Er bewarb sich um die frei gewordene Stelle als Sakristan an der bedeutenden Wiener Votivkirche und wurde – trotz Alkoholproblemen und mangelnder Fachkenntnisse – aus einer größeren Anzahl von Bewerbern überraschend ausgewählt. Joseph S. soll wiederholt mit Stolz berichtet haben, daß er den Posten einer persönlichen Intervention des Erzbischofs von Wien, Christoph Kardinal Schönborn, verdanke.

Im Dezember 2004 begann nun der Prozeß von Ex-Regens Küchl und Ex-Subregens Rothe gegen das Nachrichtenmagazin „Profil“. Während des Prozesses sagte auch Joseph S. aus. Seine Aussage fiel zur Überraschung der Parteien völlig anders als erwartet aus. Über Ex-Regens Küchl habe er nur verschiedene vor Gericht irrelevante Gerüchte gehört, zu den Vorwürfen gegen Ex-Subregens Rothe habe er gar nichts zu sagen.

Dagegen belastete Joseph S. den im St. Pöltner Seminarskandal als selbsternannten „Aufklärer“ emsig tätig gewesenen Leiter der St. Pöltner Emmausgemeinschaft, Karl Rottenschlager, schwer. Rottenschlager habe seine Aussagen in dem vor Gericht eingereichten Gesprächsprotokoll in wesentlichen Punkten falsch wiedergegeben. Er, Joseph S., habe erst am Vorabend der Gerichtsverhandlung von der Existenz des seit zwei Monaten bei Gericht aufliegenden Gesprächsprotokolls erfahren. Es stimme nicht – wie dort behauptet werde – daß er die Ehrenerklärung für Ex-Subregens Rothe zurückgezogen habe.

Kirchliche Beobachter bringen die de facto Entlassung von Joseph S. als Sakristan mit seiner mangelnden Performanz gegen Ex-Regens Küchl und Ex-Subregens Rothe in deren Wiener Prozeß gegen „Profil“ in Zusammenhang. Joseph S. werde jetzt fallengelassen, weil er den Kreisen, die ihn bisher geschützt haben, offensichtlich nicht von Nutzen gewesen sei. Es bleibe jetzt abzuwarten, ob der Erzbischof von Wien noch einmal für Josef S. intervenieren werde.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 8 Lesermeinungen:
Montag, 17. Januar 2005 23:40
turk: Unterwegs zur vollen Weisheit
Ja und? Der arme Bischof Krenn war leider nicht mehr in der Lage, zu regieren. Wann tat er dieses? Einige gute Seelen verdanken ihm immerhin die Priesterweihe. Der „Medienmob“ hat die Absetzung Krenns nicht erreicht, sondern Krenn hat es gemeinsam mit Rothe und Küchl geschafft. Jedes Jahr gab es Angriffe, aber Rom hätte nie reagiert, wenn es so wie bei den bisherigen Angriffen nichts Gravierendes gegeben hätte. Diesmal jedoch zeigte sich, dass die Sorgen mehr als berechtigt waren. Darum handelten alle richtig, die diese Sorgen äußerten oder ernstnahmen. Die Visitation hat alles genauestens eruiert. Eine Zuspitzung wie in Pölten gab es noch selten. Die Visitation stellte alles auf ein objektives Fundament und schuf endlich Aufrichtigkeit für St. Pölten. Dank sei dem vom Papst gesendeten Visitator!
Neu war so wie im US-Irak-Folterskandal und in den Militärskandalen im deutschen Sprachraum die Verwendung einer Digitalkamera. Aber da kann man nur sagen: wer den Müll auch noch aufnimmt …
Groß war und ist St. Pölten nicht.
Montag, 17. Januar 2005 22:56
Pelagius: Hüben wie drüben
Sollte man von dem Priesterseminar eines betont unangepaßten Bischofs nicht doch mehr erwarten können als von dem eines Vertreters episkopaler Mittelmäßigkeit? Darin haben die Angreifer eindeutig recht.
Aber ihr Skandalisiert-Sein ist schlecht gespielt: „Man spürt die Absicht und ist verstimmt.“ Die causa finalis geht allen anderen Ursachen der Intention nach voraus und wird doch erst am Ende erreicht: Krenns Absetzung…
Deshalb setzen sich beide Seiten und ihre Verteidiger unter Ideologieverdacht und ins Unrecht.
Der „dritte Weg“ ist derjenige der Aufrichtigkeit: Die Lage der Kirche ist katastrophal, aber um hier zu helfen bedarf es anderer Einrichtungen als infantil-klerikalistischer Sammelsurien.
Montag, 17. Januar 2005 21:55
Dolfus: @turk
Nicht so voreilig … nichts von den Dingen, die da klar auf dem Tisch liegen, möchte ich wegwischen.
Aber woher möchtest Du wissen, daß es diese Dinge nicht in all den anderen konzilskirchlichen Seminarien ebenso gibt. Die eine Story findet man weltweit in allen Tabloids, während die anderen munter weiterwerken, und das bereits seit Jahren oder Jahrzehnten?

Und klarerweise sind die meisten der Neo-Alumnen per Mundpropaganda, insbesondere aus dem Ausland von selbst gekommen … aber daß in dieser großen Schar aus aller Herren Völker nicht auch welche herbeigeschickt wurden, ja ist das denn auszuschließen? Immerhin war Bischof Krenn mit seiner großen Diözese nicht irgendjemand, sondern einer der wenigen Bischöfe, die auf Bischofskonferenzvorgaben gepfiffen haben, vielleicht sogar der einzige neben dem Erzbischof von Vaduz.
Montag, 17. Januar 2005 21:47
turk: Unterwegs zur vollen Wahrheit – gegen unvollständige Rechercher
Das ist ja lächerlich: da disqualifiziert sich eine ehemalige Seminarvorstehung schon dadurch, dass alle möglichen gar nicht so fähigen Kandidaten herangekarrt werden, um dem lieben Bischof, der diesen Vorstehern auch seinen Abgang hauptsächlich verdankt, mit großen Zahlen zu beeindrucken, und jetzt auf einmal wird völlig abstrus konstruiert, dass Kandidaten einfach geschickt („eingeschleust“) worden wären. Eher muß angenommen werden, dass für einige ausländische Homos St. Pölten damals bereits besonders „attraktiv“ geworden war.
Karrieregeil war mehr der Jüngere, denn der Ältere hatte mit dem Prälaten und seinem Propst und seinem Regens ja schon fast alles erreicht. Nur der Weihbischof wurde dem Älteren und der Generalvikar dem Jüngeren zum Wohle der Kirche Gott sei Dank vermasselt.
Der Skandal in Pölten wurde nicht aufgeblasen, sondern es gibt echte Homofotos. Und die Kombi von Karrieregeilheit und Homosex und Homoerotik machte Pölten leider zu einem der ärgsten bisherigen Skandale und Ärgernisse. Denn es war die Frechheit, dass „man“ vorgab, „konservativ“ zu sein, sich in Wirklichkeit aber hinter dieser Fassade das Homoleben voll zu geben schien, pfuihh!
Komplett lächerlich, dass der Kardinal für jeden Dreck herhalten muss. Das spricht besonders gegen obigen Artikel.
Montag, 17. Januar 2005 21:35
Dolfus: Gut recherchiert
Ein Dank an die gute Recherche. Man sieht bei einigem Nachdenken klar, wie diese Geschichte um das Seminar zustande gekommen ist. Man könnte noch weiter ausholen und an ein bewußtes Hinschicken unfähiger Kandidaten nach St. Pölten denken, denn der verantwortungslose, dafür karrieregeile Propst Küchl hat – ich übertreibe nicht – jeden Dahergelaufenen aufgenommen.
Die ungustiöse Internetgeschichte soll es übrigens laut hartnäckigen Gerüchten auch schon im Schönborn’schen Propädeutikum gegeben haben, kann dies aber nicht verifizieren. Homophilie könnte es dort auch gegeben haben, interessanterweise halten dort aber alle dicht.
Der Skandal um St. Pölten ist also aufgeblasen worden, im Vergleich mit all den anderen deutschen und westlichen Seminaren paßte es recht gut dazu. St. Pölten unterscheidet nur, daß es unter Bischof Kurt Krenns Schirmherrschaft stand. In anderen Seminaren regieren die Homo-Cliquen und die Progressisten, in St. Pölten hatten die Homo-Cliquen und pseudo-konservative Krenn-Karrieristen – im Grunde ebenfalls häretisierende Progressisten – das große Sagen.

Ansonsten zeigt Joseph S.s Karriere als Votivkirchenmesner, daß hier andere mächtige Netzwerke kräftig am Werk sind. Ein Dank an diese gute Analyse. Mir war das gar nicht so bewußt, habe mich aber auch zu wenig dafür interessiert.

Besonders niederträchtig ist das Handeln des Wiener Cardinals, der sich von den Progressisten einkochen hat lassen. Es stellt sich die Frage, ob er in seinem Handeln noch frei ist, und wenn nein, warum nicht.
Montag, 17. Januar 2005 21:11
turk: Unterwegs zur vollen Wahrheit – Fortsetzung gegen verbogenen Artikel
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Das Magazin hatte von „Sexspielen zwischen Priestern und deren Schülern“ geschrieben. Und jene beiden schwarz Gekleideten vor den Vorhang geholt, die nun ebendiese Innigkeiten in Abrede stellen: den Ex-Regens des St. Pöltner Priesterseminars Ulrich Küchl und den früheren Subregens Wolfgang Rothe. Letzterer lacht vor sich hin, als ein ehemaliger Seminarist im Zeugenstand eine „homosexuelle Atmosphäre“ im (mittlerweile geschlossenen) Seminar bemerkt haben will.

In Anspielung auf ein Foto, das im Sommer die Öffentlichkeit schockierte (man sieht Rothe auf Tuchfühlung mit einem Seminaristen) sagt der Zeuge R.: „Das waren keine Wangenberührungen, das waren richtige Zungenküsse. Man sieht eindeutig, dass die Zunge im Mund des anderen ist.“

Auch der von Rom seines Amts enthobene St. Pöltner Bischof Kurt Krenn wird von dem Zeugen schwer belastet. Als Richterin Natalia Frohner R. fragt, warum dieser in eidesstattlichen Erklärungen sämtliche Vorwürfe zurückgezogen hatte, bekommt sie zur Antwort: „Ich wurde vom Bischof und von den zwei Regenten unter Druck gesetzt. Man hat mir Klagen angedroht. Man hat mir gesagt, ich werde keine Chance mehr im Leben haben.“ Richterin: „Das hat Ihnen der Bischof gesagt?“ Zeuge: „Ja!“ Wieder lacht Rothe auf – und wird von der Richterin ermahnt, „Kundgebungen“ zu unterlassen – „sonst müssen Sie raus gehen“.

Als Zeuge hätte auch der neue St. Pöltner Bischof Klaus Küng aussagen sollen, er halte sich aber an die geistliche Amtsverschwiegenheit, ließ er das Gericht wissen. Sehr wohl präsent ist hingegen Ex-Regens Ulrich Küchl. „Es gab keine Beziehungen. Ich weiß nichts davon“, erwidert er auf die Aussage des Zeugen. Und: „Sein Verhalten ist mir ein absolutes Rätsel.“
Weil noch weitere Zeugen gehört werden sollen, wird die Verhandlung auf unbestimmte Zeit vertagt. Trockener Kommentar des im Zuschauerraum sitzenden „Pornojägers“ Martin Humer: „Zugeht’s wie in einem Swingerklub.“
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