10:03:01 | Dienstag, 1. Mai 2007
Ein Mitglied der Theologenkommission anerkannte und leugnete in einem Interview, daß der Limbus der ungetauft gestorbenen Kleinkinder eine zwingende theologische Lehre ist.

Schwester Sara Butler bei Papst Benedikt XVI.
(kreuz.net, Vatikan) Das
Dokument der ‘Internationalen Theologenkommission’ über den
Limbus der Kinder
gibt keine umfassende Erklärung.
Das erklärte die US-amerikanische Klosterfrau, Schwester Sara Butler,
Ende April im Gespräch mit dem römischen Monatsmagazin ‘Inside the Vatican’.
Die ‘Internationale Theologenkommission’
ist ein 30köpfiges Beratungsgremium. Ihre Mitglieder werden vom Papst ernannt. Schwester Butler ist eine
von zwei Frauen, die zur Theologenkommission gehören.
„Wir wissen nicht, was das Schicksal dieser Kinder
ist. Aber wir haben Gründe zur Hoffnung“ – erklärte sie im Interview.

Der Limbus als Zustand natürlicher Seligkeit
Die Schwester lehrt Dogmatik
am Priesterseminar der Erzdiözese New York.
Sie war eine der ersten Förderer der Frauenordination.
Dann aber erklärte sie, die Lehre der Kirche unterstützen zu können.
In ihrem heuer erschienenen Buch
‘The Catholic Priesthood and Women: A Guide to the Teaching of the Church’ verteidigt sie sogar ‘Ordinatio
Sacerdotalis’ – das Dokument von Papst Johannes Paul II., in dem die gültige Priesterweihe Männern vorbehalten
wird.
Zum Limbus der ungetauft gestorbenen Kleinkinder erklärt Schwester Butler, daß das jüngste Dokument
der ‘Internationalen Theologenkommission’ nur wiederhole, was schon im ‘Katechismus der Katholischen Kirche’
stehe.
Die Menschen hätten „ein Recht“ zu hoffen, daß Gott einen Weg finde, ungetauft gestorbene Kinder
zu erlösen.
Gleichzeitig unterstreicht die Schwester, daß der Text der Theologenkommission nicht erkläre,
daß alle Kinder automatisch gerettet würden.
Es liefere aber theologische Gründe für Hoffnungen,
die seit dem Zweiten Vatikanischen Pastoralkonzil in mehreren lehramtlichen Dokumenten geweckt würden.
Die Schwester gesteht ein, daß die Kirche in der Vergangenheit – das heißt: bis zum Pastoralkonzil –
keine Heilshoffnung für ungetauft gestorbene Kleinkinder gehegt hat.
Noch auf dem Konzil wollten einige
Bischöfe die Lehre vom Limbus als Dogma definieren. Doch dann sei das Thema von der Tagesordnung gestrichen
worden.
Dogma: Nur ein Produkt der Umstände?Schwester Butler erwähnte auch das Dogma des Zweiten
Konzils von Lyon (1274), wonach Menschen, die im Stand der Erbsünde oder mit einer Todstünde behaftet
sterben, sogleich zur Hölle fahren, dort aber ungleiche Strafen erleiden.
Die Schwester wischt diese
dogmatische Erklärung unter Berufung auf die Umstände des Zweiten Konzils von Lyon vom Tisch.
Diesem
Konzil sei es angeblich um das Gericht über die Seele und nicht um ungetauft gestorbene Kinder gegangen.
Es habe geklärt, daß die Seele unmittelbar nach dem Tod und nicht erst zu einem späteren Zeitpunkt
gerichtet werde.
Eine Frage der GewißheitDie Schwester stützt sich in dem Interview zumindest ansatzweise
auf die klassische Lehre der sechs theologischen Gewißheitsgrade, die sie auf drei reduziert: „Glaubensgut
der Kirche“, „übliche kirchliche Lehre“ und „theologische Meinung“.
Nach Schwester Bulter gehört die
Lehre von der Erbsünde und der Heilsnotwendigkeit der Taufe zum unveränderlichen „Glaubensgut der Kirche“.
Die Lehre, wonach ungetauft gestorbene Kleinkinder von der Gottesschau ausgeschlossen sind, ist nach
Schwester Butler eine „übliche kirchliche Lehre“.
„Übliche kirchliche Lehren“ sind Schlußfolgerungen
aus dem inneren theologischen Zusammenhang der Offenbarung.
Ausführungen über Leiden oder eine mögliche,
natürliche Seligkeit ungetauft gestorbener Kinder ordnet Schwester Butler – im Sinne der Lehrtradition –
den „theologischen Meinungen“ zu.
Sogenannte „theologische Meinungen“ besitzen den schwächsten Gewißheitsgrad.
Sie betreffen lehramtlich nicht entschiedene Fragen und dürfen kontrovers diskutiert werden.
Während
des Interviews erklärt Schwester Butler auch, daß der Limbus weiterhin als „theologische Meinung“ vertreten
werden dürfe.
Die Schwester gab keine Gründe für die von ihr vorgenommene Degradierung der Limbus-Lehre
zu einer „theologischen Meinung“.
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