Theologie
Verwirrende Limbus-Theologen
Ein Mitglied der Theologenkommission anerkannte und leugnete in einem Interview, daß der Limbus der ungetauft gestorbenen Kleinkinder eine zwingende theologische Lehre ist.
Schwester Sara Butler bei Papst Benedikt XVI.
Schwester Sara Butler bei Papst Benedikt XVI.
(kreuz.net, Vatikan) Das Dokument der ‘Internationalen Theologenkommission’ über den Limbus der Kinder gibt keine umfassende Erklärung.

Das erklärte die US-amerikanische Klosterfrau, Schwester Sara Butler, Ende April im Gespräch mit dem römischen Monatsmagazin ‘Inside the Vatican’.

Die ‘Internationale Theologenkommission’ ist ein 30köpfiges Beratungsgremium. Ihre Mitglieder werden vom Papst ernannt. Schwester Butler ist eine von zwei Frauen, die zur Theologenkommission gehören.

„Wir wissen nicht, was das Schicksal dieser Kinder ist. Aber wir haben Gründe zur Hoffnung“ – erklärte sie im Interview.

Der Limbus als Zustand natürlicher Seligkeit
Der Limbus als Zustand natürlicher Seligkeit
Die Schwester lehrt Dogmatik am Priesterseminar der Erzdiözese New York.

Sie war eine der ersten Förderer der Frauenordination. Dann aber erklärte sie, die Lehre der Kirche unterstützen zu können.

In ihrem heuer erschienenen Buch ‘The Catholic Priesthood and Women: A Guide to the Teaching of the Church’ verteidigt sie sogar ‘Ordinatio Sacerdotalis’ – das Dokument von Papst Johannes Paul II., in dem die gültige Priesterweihe Männern vorbehalten wird.

Zum Limbus der ungetauft gestorbenen Kleinkinder erklärt Schwester Butler, daß das jüngste Dokument der ‘Internationalen Theologenkommission’ nur wiederhole, was schon im ‘Katechismus der Katholischen Kirche’ stehe.

Die Menschen hätten „ein Recht“ zu hoffen, daß Gott einen Weg finde, ungetauft gestorbene Kinder zu erlösen.

Gleichzeitig unterstreicht die Schwester, daß der Text der Theologenkommission nicht erkläre, daß alle Kinder automatisch gerettet würden.

Es liefere aber theologische Gründe für Hoffnungen, die seit dem Zweiten Vatikanischen Pastoralkonzil in mehreren lehramtlichen Dokumenten geweckt würden.

Die Schwester gesteht ein, daß die Kirche in der Vergangenheit – das heißt: bis zum Pastoralkonzil – keine Heilshoffnung für ungetauft gestorbene Kleinkinder gehegt hat.

Noch auf dem Konzil wollten einige Bischöfe die Lehre vom Limbus als Dogma definieren. Doch dann sei das Thema von der Tagesordnung gestrichen worden.

Dogma: Nur ein Produkt der Umstände?

Schwester Butler erwähnte auch das Dogma des Zweiten Konzils von Lyon (1274), wonach Menschen, die im Stand der Erbsünde oder mit einer Todstünde behaftet sterben, sogleich zur Hölle fahren, dort aber ungleiche Strafen erleiden.

Die Schwester wischt diese dogmatische Erklärung unter Berufung auf die Umstände des Zweiten Konzils von Lyon vom Tisch.

Diesem Konzil sei es angeblich um das Gericht über die Seele und nicht um ungetauft gestorbene Kinder gegangen. Es habe geklärt, daß die Seele unmittelbar nach dem Tod und nicht erst zu einem späteren Zeitpunkt gerichtet werde.

Eine Frage der Gewißheit

Die Schwester stützt sich in dem Interview zumindest ansatzweise auf die klassische Lehre der sechs theologischen Gewißheitsgrade, die sie auf drei reduziert: „Glaubensgut der Kirche“, „übliche kirchliche Lehre“ und „theologische Meinung“.

Nach Schwester Bulter gehört die Lehre von der Erbsünde und der Heilsnotwendigkeit der Taufe zum unveränderlichen „Glaubensgut der Kirche“.

Die Lehre, wonach ungetauft gestorbene Kleinkinder von der Gottesschau ausgeschlossen sind, ist nach Schwester Butler eine „übliche kirchliche Lehre“.

„Übliche kirchliche Lehren“ sind Schlußfolgerungen aus dem inneren theologischen Zusammenhang der Offenbarung.

Ausführungen über Leiden oder eine mögliche, natürliche Seligkeit ungetauft gestorbener Kinder ordnet Schwester Butler – im Sinne der Lehrtradition – den „theologischen Meinungen“ zu.

Sogenannte „theologische Meinungen“ besitzen den schwächsten Gewißheitsgrad. Sie betreffen lehramtlich nicht entschiedene Fragen und dürfen kontrovers diskutiert werden.

Während des Interviews erklärt Schwester Butler auch, daß der Limbus weiterhin als „theologische Meinung“ vertreten werden dürfe.

Die Schwester gab keine Gründe für die von ihr vorgenommene Degradierung der Limbus-Lehre zu einer „theologischen Meinung“.
      
10 Lesermeinungen
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#10   Bokrug †   20:14:34 | Donnerstag, 30. August 2007
Limbus der Pelgianer
Der Limbus entspricht der Astralebene…!
In der Johannes-Apokalypse wird ein Ort erwähnt, an den die gerechten Heiden gehen…
Der christliche Himmel des Dante Alighieri liegt jenseits der Astralebene. Neuplatonismus.
Gottes gelehrte Vaganten. Die Iren im frühen Europa (Gebundene Ausgabe)
von Ingeborg Meyer-Sickendiek (Autor)
Kurzbeschreibung
Fesselnd und anschaulich blättert die Autorin ein entscheidendes Kapitel unserer Vergangenheit auf: nicht nur den kulturbildenden Anteil der irischen Pilgermönche in Deutschland, sondern auch eine geistige Geographie unserer europäischen Landkarte.
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#9   Julian von Aeclanum   16:02:47 | Sonntag, 3. Juni 2007
Gottesvolk
Sehr richtig Herr Wagener, schließlich wissen wir ja alle dass Frauen die mißglückten Männer sind, gell ;-)
Und dass die Offenbarung frühestens bei der Hierarchiestufe Diakon einsetzt dürfte auch bekannt sein… Hm, es ist jetzt nur dumm dass wir ja als Christen alle „ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft , ein heiliger Stamm, ein Volk das sein besonderes Eigentum wurde, damit (wir) die goßen Taten dessen verkünig(en), der (uns) aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat“ (1Petr 2,9)sind und als solches den Sensus Fidelium, den Galubenssinn aller Gläubigen haben. Aber wollen wir mal nicht so pingelig sein: Soll doch ein Mensch mit Amt (und dem dazugehörigen Hirn) diese Passage streichen und die Welt ist inclusive Limbus in Ordnung… Ahja blöd, haben wir ja glatt übersehen dass die Ämter im eigentlichen Sinn erst im 1. Jh. entstanden sind… aber zu den „nur“ berufenen Apostel (auf deren Lehre wir uns ja leider stützen) fällt uns sicher auch noch was ein… ;-)
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#8   thaumaturgos   13:29:46 | Donnerstag, 17. Mai 2007
empfehle
vor jeglicher diskussion die lektüre zum thema axcherusischer see … aber googeln reicht dasmal nicht
evtl. mit peterson in VigChr anfangen
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#7   Mathias Wagener   19:13:57 | Mittwoch, 16. Mai 2007
Schwester Butler
Es sind im Verständnis der Kirche Berufene dazu da, die
Fragen im Kontext darzulegen.
Dazu hat wohl die Schwester Butler weder Amt noch
sonstige Dimension.
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#6   Heinz Josef   06:31:10 | Freitag, 4. Mai 2007
@Jörg Guttenberger
Die Lehre vom Limbus ergibt sich also keineswegs aus der Heilsnotwendigkeit der Taufe, sondern ist Folge unangemessener Zweifel an der Liebe und Größe Gottes!
Danke, genau so ist es!
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#5   Jörg Guttenberger, Köln   00:44:48 | Freitag, 4. Mai 2007
Limbus
Die Lehre vomm Limbus entspricht einem eher engen Glaubensverständnis.
Natürlich ist die Taufe heilsnotwendig. Aber hier untetrscheiden wir schon zwischen der Taufe aus dem Wasser und dem hl. Geist, der Bluttaufe und der Geisttaufe (umgangssprachlich auch, aber schlecht formuliert, Begierdetaufe).
Wenn Gott die Liebe ist, und das ist er laut Johannes, ist es dann vorstellbar, daß Gott einen Menschen schafft um ihn von vornherein nicht seiner ewigen Gemeinschgaft zu würdigen? Das ist doch ein Widerspruch in sich. Wir dürfen die Taufe nicht als heilsnotwendig im juristischen Sinne betrachten, im Sinne eines Paragraphen, der es Gott verbietet, auch diesen Kindern sein ewiges Heil zu schenken. Gott ist doch kein Paragraphenfuchser! Überlegen wir doch einmal, wie liebende Eltern in einem analogen Fall handeln würden, und Gott ist größer, als liebende Eltern, die lediglich ein Abbild Gottes sind!
Der Fall ist doch ganz anders, als wenn jemand die Taufe bewußt ablehnt, zu einer solchen Entscheidung hat der vorgeburtliche Mensch genauso keine Möglichkeit, wie der Säugling, der vor der Taufe stirbt.
Die Lehre vom Limbus ergibt sich also keineswegs aus der Heilsnotwendigkeit der Taufe, sondern ist Folge unangemessener Zweifel an der Liebe und Größe Gottes!
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#4   Fragender   00:25:12 | Mittwoch, 2. Mai 2007
Kann es sein, daß Gott…
… bei der Lektüre dieser theologischen Diskurse ganz einfach herzlich lachen muß????
(Denn daß er sich von der Kirche vorschreiben läßt, wie er mit Verstorbeben umzugehen hat, wann er seine Entscheidung zu treffen hat und welche Rituale er für heilsnotwendig zu erachten hat, kann ich mir dann doch nicht vorstellen…)
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#3   matt2 †   15:17:03 | Dienstag, 1. Mai 2007
Ich halte keines der kirchlichen Rituale für zwingend heilsnotwendig…
Der Glaube rechtfertigt den Menschen, nicht die Taufe oder die Messe. Das ist für mich eine optionale Angelegenheit, eine Hilfe ja, aber was den Menschen rechtfertigt ist sein Glaube. Alle Sakramente sind aus meiner Sicht optional und nicht zwingend. Ich lasse mir nicht einreden, ich müsste erst getauft sein um gerettet zu sein. Das ist nur eine Formalität die man wahrnehmen kann oder nicht.
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#2   Athanasius   13:57:23 | Dienstag, 1. Mai 2007
Notifikation
Abgesehen von der Einstufung als theologische Meinung oder übliche Lehre der Kirche, ist die Meinung, daß Gott ungetauft verstorbene Kinder dennoch des Heiles teilhaft machen könne über außerordentliche Wege, niemals als häretisch einzustufen gewesen. Kardinal Cajetan vertrat die Meinung, daß gläubige Eltern für ihr ungetauft verstorbenes Kind durch ihre Begierde nach Rettung des Kindes, eine Begierdetaufe für dasselbe erlangen könnten.
Die Aussagen der Theologische Kommission verbreiten Verwirrung, sind aber nicht häretisch, da man den Limbus gar nicht „abgeschafft“ hat, nur gesagt hat, Gott könne über außerordentliche Wege diese Kinder zum Heile führen. Z.B. kann Er sie aufklären durch Gnade und dann vor der Wahl für oder gegen Ihn stellen.
Automatische Rettung in jedem einzelnen Falle wäre in der Tat kaum mit dem Glauben zu vereinigen, dann wäre es ja besser zu sterben im Säuglingsalter als sich ein ganzes Leben durch Sünde und Gefahr der Verdammnis durchschlagen zu müssen. Das kann nicht gemeint sein.
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#1   Genoveva   11:49:26 | Dienstag, 1. Mai 2007
@Redaktion
Die Schwester gab keine Gründe für die von ihr vorgenommene Degradierung der Limbus-Lehre zu einer „theologischen Meinung“.
In welchem theologischen Lehrbuch ist der Limbus puerorum mit einer „höheren“ Qualifikation versehen? Ich kenne keines. Ergo handelt es sich maximal um eine „sententia probabilis“.
In Zukunft wird man sie wohl als „opinio tolerata“ bezeichnen müssen.
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