Österreich
Der Wiener Kardinal Schönborn auf dem Kreuzweg
Sein Vorgänger, Hans Hermann Kardinal Groer, und der Altbischof von St. Pölten, Kurt Krenn, sind Namen, die dem Erzbischof von Wien zum Thema „persönlicher Kreuzweg“ einfallen. Christoph Kardinal Schönborn im Gespräch mit dem österreichischen Radio.
(kreuz.net, Wien) Am Sonntag war Christoph Kardinal Schönborn Gast des Radiosenders ‘Österreich 1’. Anlaß war sein am Freitag bevorstehender 60. Geburtstag. Kardinal Schönborn äußerte sich in der Sendung „Zeitgenossen im Gespräch“. Die heutige Ausgabe der linksliberalen Wiener Tageszeitung „Der Standard“ dokumentiert Auszüge des Gesprächs.

Im Radiointerview äußerte sich Kardinal Schönborn zu seinem persönlichen „Kreuzweg“ als Weihbischof und späterer Erzbischof von Wien. Dieser „Kreuzweg“ könne mit drei Jahreszahlen gekennzeichnet werden, 1991, 1995 und 2004: „Es war zeitweise ein Alptraum, das Spektakel, das die Kirche abgegeben hat.“

1991 wurde der Dominikaner und damalige Theologieprofessor an der Schweizer Universität Fribourg Weihbischof der Erzdiözese Wien. Im gleichen Jahr wurde ein anderer Wiener Weihbischof, Kurt Krenn, zum Oberhirten der Diözese St. Pölten ernannt.

Beginnend mit 1991, so Kardinal Schönborn, habe er „sehr schwierige“ Jahre erlebt. 1995 übernahm er von seinem Vorgänger Hans Hermann Kardinal Groer das Amt des Erzbischofs von Wien. Kardinal Groer war nach anhaltenden Medienvorwürfen sexueller Verfehlungen von seinem Amt zurückgetreten. Schönborn sprach damals von der „moralischen Gewißheit“, daß die Vorwürfe gegen den greisen Kardinal zutreffend seien.

Das Jahr 2004 sei durch die „zum Teil personalbedingten“ Probleme in der Diözese St. Pölten geprägt gewesen. Nun hofft der Kardinal, die unrühmlichen Kapitel endlich abschließen zu können. Trotz der schweren Zeiten bereite ihm das Leben und das Messefeiern mit der Ortskirche große Freude. Er wolle kein „abgehobener Manager“ der Institution Kirche sein. Für ihn bestehe kein Zweifel, daß die „mystische Seite“ der Kirche einer Verstärkung bedürfe.

Während seiner 10-jährigen Amtszeit seien in Österreich 400.000 Menschen aus der Kirche ausgetreten. Diesen Menschen stellte der Kardinal die Frage, ob es wirklich eine überzeugende Alternative zum Evangelium gebe. Diese Frage stehe „vor allen Kirchentürmen“. Wenn diese im Weg seien, müßten sie reformiert werden.

Für den Kardinal ist klar, daß sich „eine Religion ohne Wahrheitsanspruch selbst aufgibt“. Entscheidend sei allerdings die Fähigkeit einer Religion, diesen Anspruch mit Toleranz zu kombinieren.

Der Erzbischof von Wien verwies auf die damaligen Anstrengungen seines Vorvorgängers Franz Kardinal König, die „Bastionsmentalität zwischen Roten und Schwarzen“ zu überwinden. Kardinal König habe beigetragen, „diese Engführung systematisch, geduldig und schrittweise“ zu beseitigen.

Zum Thema des Islam meinte der Kardinal, daß sich Europa mit den Muslimen arrangieren müsse. Gegen eine EU-Erweiterung würden primär keine religiösen Einwände sprechen. Er habe bei seiner jüngsten Reise nach Indonesien gemerkt, daß sich Europa nicht als Nabel der Welt verstehen dürfe.
      
5 Lesermeinungen
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#5   1+1=7   13:55:14 | Montag, 17. Januar 2005
Ich hoffe und bete, …dass
er damit die Pole wieder trennt, damit auch die Schafe den Unterschied wieder kennen lernen zwischen positiv gesatzten Unsinn, der auf einem Mehrheitsbeschluss basiert und Gesetzen, die den Menschen vor sich selbst schützen und die auf der der Hl. Schrift und der Offenbarung Gottes basieren.
marantha
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#4   1+1=7   13:50:48 | Montag, 17. Januar 2005
Ich hoffe und bete, …dass
dieser Kardinal sich zusammennimmt und schrittweise die Differenz zwischem gelebtem Glauben und der sozialistischen Idee klarstellt.
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#3   Pelagius   13:27:46 | Montag, 17. Januar 2005
Sachte, sachte…
Der Cardinal erstaunt immer wieder durch seine Analysen.
Hoffentlich macht er sich dadurch nicht – wie ehedem sein Vorvorgänger – zu viele Feinde in der kirchenfremden Öffentlichkeit.
Gewiß behält der alte Spruch seine Gültigkeit: „Viel Feind, viel Ehr’.“ Und selbstverständlich soll der Cardinalspurpur auch an die Bereitschaft erinnern, gegebenenfalls das eigene Blut für Christus und sein Reich zu vergießen.
Aber man muß den Widerspruch ja nicht auf Biegen und Brechen herausfordern.
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#2   FioreGraz   12:44:52 | Montag, 17. Januar 2005
Stimmt
Der Mensch hat ein schweres Erbe. An König reicht er nicht ran und dann hat der Arme noch auf den Scherben der „Gut-Katholiken“ herumlaufen.
LG
Fiore
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#1   1+1=7   10:16:59 | Montag, 17. Januar 2005
Ja, der Sturm auf die Bastion
ist gelungen . Kardinal König hat schrittweise die Polarisation beseitigt.
Bleibt nur die Frage was daraus geworden ist?
Wenn ich meine Bedürfnisse herunterschraube und anspruchslos bin, sind die Probleme freilich wie weggeblasen.
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