18:49:38 | Donnerstag, 3. Mai 2007
Schwarze Priester? Nein danke.
In theologisch fortschrittlichen Gebieten erweist es sich häufig als unvorteilhaft, wenn Priester schwarze Kleider oder eine schwarze Haut tragen. Von Gernot Pechstein.

(kreuz.net, Fulda) „Wir wollen das Geschenk, das wir durch den christlichen Glauben empfangen haben, weitergeben.“
Das erklärte der nigerianische Prälat Obiora Ike am 29. April 2007 in einem Interview mit dem Hilfswerk
‘Kirche in Not’.
Prälat Ike war Generalvikar im nigerianischen Bistum Enugu. Er kennt die europäischen
Verhältnisse aufgrund seines Studiums in Deutschland gut.
„In Nigeria haben wir so viele Priester, so
daß wir unseren Reichtum bereits mit anderen afrikanischen Ländern teilen“ – erklärte der Prälat:
Das Angebot, Priester in andere Länder zu entsenden, werde aber nicht immer mit offenen Händen angenommen.
Prälat Ike wörtlich: „Wir mußten zu unserem Bedauern erleben, daß unsere Hilfe abgewiesen worden
ist, obgleich der Mangel an Priestern vielerorts groß ist.“
Wenn es zu wenige Priester gebe – wie zum
Beispiel in Deutschland – dann würden Kirchen lieber geschlossen statt Priester aus Polen, Indien, Nigeria
oder anderen Ländern aufzunehmen.
In der Tat sind ausländische Priester in Deutschland nicht überall
willkommen.
Dazu äußerte sich zum Beispiel der Bischof von Fulda, Mons. Heinz Josef Algermissen, gegenüber
der ‘Fuldaer Zeitung’ vom 24. März 2005.
Der Bischof erklärte, daß ausländische Priester die Situation
des angeblichen Priestermangels nicht entscheidend verändern könnten, zumal es oft Sprachschwierigkeiten
und gravierende Unterschiede in der Mentalität gebe. Das falle bei der Seelsorge besonders ins Gewicht.
Im Bistum Fulda werden gegenwärtig angesichts des vorgeblichen Priestermangels Pastoralverbünde eingerichtet.
Die Begründung, daß Priester aus anderen Ländern kein Deutsch sprechen könnten, bezeichnet Prälat
Ike vor ‘Kirche in Not’ als „fadenscheinig“.
Natürlich müßten die Priester Deutsch lernen. Er selber
spreche auch Deutsch, so Prälat Ike. Die deutsche Sprache sei innerhalb eines Jahres zu erlernen.
Nicht
nachvollziehbar sei das Argument der unterschiedlichen Mentalitäten. Auch die Europäer seien nach Afrika
gekommen und hätten dem Kontinent ihren Stempel aufgedrückt.
Das Interview mit Prälat Ike wurde auch
im charismatisch orientierten Linzer Internetportal ‘kath.net’ veröffentlicht und im dortigen Forum kommentiert.
Der Artikel sei dramatisch, erklärt einer der Moderatoren – der Schweizer Stefan Bolli.
Aus ihm werde
ein Kirchenverständnis, wie es in weiten Teilen Europas vorliege, deutlich: „Lieber Kirchen verkaufen
und Eucharistiefeiern absagen, als Priester aus anderen Ländern zu nehmen!“
Leser „Arwen4“ erklärt,
daß es für ihn kein Problem sei, die Sakramente von einem Schwarzafrikaner zu erhalten:
„Ich würde
mich freuen, daß die Mission solche Früchte getragen hat und in der Hoffnung gestärkt sein, daß auch
bei uns Mission Früchte bringen wird.“
Andere Leser schildern ihre positiven Erfahrungen mit ausländischen
Priestern, deren geistliches Leben von großer persönlicher Frömmigkeit geleitet sei und deren Liturgie
würdig zelebriert werde.
In einer Umfrage sprachen sich 71% der User im ‘kath.net’-Forum für die Anstellung
ausländischer Priester aus.
„Vorurteile gegen Ausländer abbauen“ – forderte Maria Hohmann aus Hünfeld
bereits im Mai 2005 in einem Leserbrief an die katholische Zeitung ‘Tagespost’ vom unter Bezugnahme auf
Äußerungen von Bischof Algermissen zum vorgeblichen Priestermangel.
Eine Diözese, die Teil einer allumfassenden
Weltkirche sei, sollte die Völkerverständigung bewußt fördern und alles tun, um Vorurteile gegenüber
Ausländern abzubauen.
Dagegen werden im Bistum Fulda weiterhin Praxiskurse für die Ausbildung von Laien
zu „Gottesdienstleitern“ propagiert.
Wenn es stimmt, daß ein Priester nur durch einen Priester ersetzt
werden kann – wie Bischof Algermissen erst jüngst
wiederholt hat – dann stellt sich die Frage, warum
hier ein größeres Gewicht auf sogenannte „Wort-Gottes-Feiern“ als auf die Feier der heiligen Messe gelegt
wird.
Daß jede Pfarrei – nach Angaben von Bischof Algermissen – auch zukünftig „grundsätzlich mit
einem Priester verbunden“ sein wird, ist ein kleiner Trost.
Denn dabei wird die Tatsache verschwiegen,
daß ein Großteil der Pfarreien künftig keinen eigenen Pfarrer im kanonischen Sinne mehr erhalten soll.
Das wirft nicht nur pastorale Schwierigkeiten, sondern auch schwerwiegende rechtliche Bedenken auf.
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