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Montag, 7. Mai 2007 10:04
Ein geschichtliches Loch?
Leugner der Echtheit des Schweißtuches von Manoppello geraten in eine immer hoffnungslosere Position.
Ausschnitt aus dem Schweißtuch von Manoppello
Ausschnitt aus dem Schweißtuch von Manoppello
(kreuz.net, Manoppello) Das Schweißtuch Jesu, das in den italienischen Abruzzen – in einer Dorfkirche bei Manoppello – aufbewahrt wird, ist ein Phänomen.

Es zeigt die Gesichtszüge eines Mannes. Die Maße seines Antlitzes entsprechen exakt dem Gesicht des Mannes auf dem Turiner Grabtuch.

Das ist ein starkes Argument, um das Muschelseidentuch als Schweißtuch im Grabe Christi (Joh 20,12) zu identifizieren.

Das Argument dagegen: In den ersten vier Jahrhunderten gibt es angeblich keine schriftlichen Zeugnisse zum Schweißtuch von Manoppello.

Das göttliche GesichtDas göttliche GesichtKlicken Sie auf das Bild, um die Photomeile mit 13 Bildern zu starten.

Doch Anfang März hat der Neutestamentler Klaus Berger auf zwei Schriften aus dieser Periode hingewiesen.

„Dekret des Apostels Petrus“
Die erste ist ein fast unbekanntes „Dekret des Apostels Petrus“. Dort ist von einem Bild Jesu Christi die Rede. Der Text:

„Trage das Bild unseres Herrn Jesus Christus herbei und stelle es aus im Turm, damit die Völker sehen, welche Gestalt der Sohn Gottes angenommen hat.“

Als Verfasser wird der Apostel Petrus angegeben.

Das Dekret findet sich in den Akten des Heiligen Märtyrers Pankratius. Dieser wurde von den Apostelfürsten Petrus und Paulus zum ersten Bischof von Taormina auf Sizilien eingesetzt.

Bisher galt der zitierte Text als schwer verständlich. Das könnte sich jetzt ändern. Denn das „Bild unseres Herrn Jesus Christus“ könnte das Schweißtuch von Manoppello sein.

Dafür spricht auch, daß es eine Beziehung zwischen dem Heiligen Pankratius und dem Schweißtuch von Manoppello gibt.

Denn jedes Jahr am dritten Maisonntag wird das Schweißtuch in Prozession vom Heiligtum zur Stadtpfarrkirche von Manoppello und wieder zurück getragen.

Einen Tag vorher findet eine ähnliche Prozession mit einer Statue des heiligen Pankratius statt.

Es gibt hier also eine interessante Beziehung Heiliger Pankratius – Manoppello.

Der im Dekret erwähnte „Turm“ hat vielleicht später zum Bau jenes „Turmes“ im römischen Petersdom geführt, wo man das Schweißtuch aufbewahren wollte.

Daß Pankratius von Taormina vielleicht nicht mit dem am 12. Mai gefeierten Märtyrer und Nothelfer Pankratius identisch ist, dürfte in der Volksfrömmigkeit von geringer Bedeutung sein.

Das Perlenlied
Ein zweiter brisanter Text findet sich in den sogenannten Thomasakten, die im 2. bis 3. Jahrhundert in Ostsyrien entstanden sind.

Sie enthalten das berühmte Perlenlied. Es ist vielleicht nur im Lichte des Tuches von Manoppello verständlich.

Der Text ist schwierig und wurde nach dem Griechischen und Vorschlägen von H.J.W. Drijvers übersetzt.

Er berichtet, daß der auf die Erde geschickte Königssohn dort mit schäbigen Kleidern – ein Bild für den menschlichen Leib – ausgestattet wurde.

Vom Himmel her erhält er ein Gewand „auf chinesischem Gewebe mit Rötel (gezeichnet), vor mir mit seinem Aussehen glänzend“.

Dieses Gewand sieht sich der Sohn plötzlich gegenüber. Da wurde es „ähnlich meinem Spiegelbild mir gleich. Ich sah es in mir, und in ihm sah ich mich auch (mir) gegenüber.“

Dieser Passus kann mehrfach mit dem Tuch von Manoppello in Beziehung stehen:

Der Königssohn steht im Kontext für Jesus.

Auch das Tuch von Manoppello wird zunächst als glänzende Seide wahrgenommen. Die Zeichnung des Antlitzes scheint wie mit Rötel ausgeführt.

Auch zeigt dieses Tuch eigenartige Spiegelwirkungen.

Daß das Antlitz auf edler Seide gezeichnet ist, bedeutet im Sinne des Perlenliedes: Gegenüber dem verfallenden Antlitz des Toten ist es ein Spiegel, der die Erhöhung in der Auferstehung darstellt.

In diesem Sinne ist das Bild des lebenden Christus von Manoppello die Brücke zwischen dem gerade Gestorbenen zum Auferstandenen.

Die Thomasakten sind nicht weit von Edessa in Syrien entstanden.

Edessa besitzt eine wichtige Bedeutung für die Geschichte des Schweißtuches.

Darum könnte hinter dem Bericht im Perlenlied durchaus ein konkretes Objekt stehen.

„Bewiesen“ ist mit alledem nichts – so Berger:

Aber aufgrund dieser zwei schriftlichen Quellen kann man einen möglichen frühen Weg dieser Reliquie vorstellen.

Mit dem Namen des Heiligen Petrus verbunden gelangte das Tuch nach Syrien und beeinflußte am Ende des zweiten Jahrhunderts die Entstehung des Perlenliedes.

Es gelangte dann nach Sizilien und wurde im Domturm von Taormina ausgestellt.

Im frühen Mittelalter erreichte das Schweißtuch die Peterskirche und wurde bei deren Neubau nach Manoppello verschleppt.

© Bild: Paul Badde
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 39 Lesermeinungen:
Dienstag, 8. Mai 2007 23:14
Robert Ketelhohn: Unterscheidung
Ein bestimmter Zeitgeschmack springt einem bei der Betrachtung des Tuchs von Manoppello auch förmlich ins Gesicht. – Die Wundergier, mit der viele sich blind darauf stürzen, ist bestürzend.

Ich möchte allerdings anmerken, daß die Dinge beim Turiner Grabtuch völlig anders gelagert sind. Die nüchterne Prüfung der Fakten läßt mich hier zu dem Ergebnis kommen, daß die Echtheit evident ist.

Aber auch daran hängt nicht unser Glaube. Oder anders gesagt, wessen Glaube daran hängt, der hat keinen.
Dienstag, 8. Mai 2007 22:05
Sirilo: @Alkuin: Neueste Untersuchungen
Neueste Untersuchung zum Tuch von Manoppello ergeben: „Auf beiden Seiten ist Farbe aufgetragen.“

Siehe: http://www.zdf.de/…1872,5259448,00.html
Dienstag, 8. Mai 2007 16:10
Alkuin: @Leblhuber u. @virOblationis
@Leblhuber

Ihnen nicht zu helfen

Habe ich nach Hilfe gefragt? Erwecke ich, durch eine ziemlich oberflächliche Diskurs, den Eindruck, dass ich Hilfe Brauche? Wäre ich in eine Glaubenskrise ohne diese Reliquien?
Nööööööööööö.

Auch die überzeugendsten Gegenbeweise wären an Sie verschwendet.

Ihrerseits eine Reine Spekulation. Schmeckt m.E. nach Überheblichkeit.

…Krücken für ihren Glauben brauchen.

Ist Salz eine Krücke für das Kochen oder eine Würze?

@virOblationis

Das Bluttuch von Oviedo hat m.E. nicht mit der Bestattung zu tun.

Weder das eine oder das andere ist auszuschließen. Wenn Sie gestatten; bin ich halt andere Meinung.

Insgesamt eigentlich eine ganz nette Diskussion.
Dienstag, 8. Mai 2007 12:41
virOblationis: Anmerkung
Alkuin schrieb:
„Zu 5. Stimmt ganz genau. Das erste Leinentuch ist der Kopfwickel vgl. Das Sudarion von Oviedo, das zweite Leinentuch vgl. La Sindone von Turin. Ein 3. Tuch aus Byssus, das von Manoppello, ist aber nicht auszuschließen. Die vergleiche zwischen diesen 3 Tüchern ergab, dass sie 100% mit einander übereinstimmen.
Zu 6. Stimmt, aber niemand behauptet, dass der Volto Santo das Sudarion ist! Aber als kostbare Grabbeigabe für den höchsten Priester ist es durchaus geeignet (vgl. Ex 25, 1-4;26,1).“

Das Bluttuch von Oviedo hat m.E. nicht mit der Bestattung zu tun. So weit mir bekannt, war es jüd. Brauch den Hingerichteten nach Eintreten des Todes das Gesicht zu verhüllen.

In solcher Weise wir auch das Bluttuch von Oviedo verwendet worden sein, also nicht bei, sd. vor der Bestattung.
Dienstag, 8. Mai 2007 12:20
Leblhuber: @Alkuin:
Da Sie zu jenen gehören, die meinen, Gottes Antlitz wäre auf einem Tuch verdinglicht worden, ist Ihnen nicht zu helfen. Auch die überzeugendsten Gegenbeweise wären an Sie verschwendet.

Es ist eine Last für die KK, dass es immer noch viele Menschen gibt, die diese Krücken für ihren Glauben brauchen.

Man sollte meinen, dass der Mensch des 21. Jhdts diese infantile Pervertierung des Glaubens hinter sich gelassen hätte. Leider ist dem nicht so.

Auch wenn es große Kunstwerke sind, werden sie dann zu Götzen, wenn wir sie anbeten. Ich bin davon überzeugt, dass das dem Herrn ein Gräuel ist.
Dienstag, 8. Mai 2007 11:50
Alkuin: @Leblhuber
Zu 1. Auch ohne Laboruntersuchung ist es optisch mess- und feststellbar, dass a.: die Fäden sind zu dünn um Seide zu sein und b.: vergleiche mit Byssus sind gemacht worden und es ist festgestellt worden, dass es Byssus ist.

Zu 2. Durch moderne Untersuchungen wurde festgestellt, dass Byssus färbbar aber nicht bemalbar ist.

Zu 3. Stimmt so nicht! Wer das Bild „Live“ sieht oder die extrem Vergrößerungen, sieht dass es nicht gemalt sein kann. Was erzählen die Augen, die Brauen usw. von seiner Herkunft?

Zu 4. Stimmt schon, wenn es gemalt wäre. Was wäre wenn beide zur gleichen Zeit entstanden wären. Wenn das Wörtlein wenn nicht wäre!

Zu 5. Stimmt ganz genau. Das erste Leinentuch ist der Kopfwickel vgl. Das Sudarion von Oviedo, das zweite Leinentuch vgl. La Sindone von Turin. Ein 3. Tuch aus Byssus, das von Manoppello, ist aber nicht auszuschließen. Die vergleiche zwischen diesen 3 Tüchern ergab, dass sie 100% mit einander übereinstimmen.

Zu 6. Stimmt, aber niemand behauptet, dass der Volto Santo das Sudarion ist! Aber als kostbare Grabbeigabe für den höchsten Priester ist es durchaus geeignet (vgl. Ex 25, 1-4;26,1).

Zu 7. Stimmt einfach nicht! Teuer ja, aber grundsätzlich frei erwerbbar.

Zu Exodus 20:4 „Du sollst dir kein Bildnis machen …“

Wenn schon, denn schon richtig zitieren. „Du sollst dir kein Gottesbild machen…“
Sonst wäre es ein wiederspruch zur Ex 25,18-22;26,1-31.

Nur zum Spass: Selbst Paulus erzeugte zu Lebzeiten eine Reliquie vgl. Apg 19,11f.
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