10:04:22 | Montag, 7. Mai 2007

Ausschnitt aus dem Schweißtuch von Manoppello
© Paul Badde(kreuz.net, Manoppello) Das
Schweißtuch Jesu, das in den italienischen Abruzzen – in einer Dorfkirche
bei Manoppello – aufbewahrt wird, ist ein Phänomen.
Es zeigt die Gesichtszüge eines Mannes. Die Maße
seines Antlitzes entsprechen exakt dem Gesicht des Mannes auf dem Turiner Grabtuch.
Das ist ein starkes
Argument, um das Muschelseidentuch als Schweißtuch im Grabe Christi (Joh 20,12) zu identifizieren.
Das
Argument dagegen: In den ersten vier Jahrhunderten gibt es angeblich keine schriftlichen Zeugnisse zum
Schweißtuch von Manoppello.
Das göttliche Gesicht

© Paul Badde

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Paul Badde

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Paul Badde
Doch Anfang März hat der Neutestamentler
Klaus Berger auf zwei Schriften aus dieser Periode
hingewiesen.
„Dekret des Apostels Petrus“Die erste ist ein fast unbekanntes „Dekret des Apostels Petrus“.
Dort ist von einem Bild Jesu Christi die Rede. Der Text:
„Trage das Bild unseres Herrn Jesus Christus
herbei und stelle es aus im Turm, damit die Völker sehen, welche Gestalt der Sohn Gottes angenommen hat.“
Als Verfasser wird der Apostel Petrus angegeben.
Das Dekret findet sich in den Akten des Heiligen Märtyrers
Pankratius. Dieser wurde von den Apostelfürsten Petrus und Paulus zum ersten Bischof von Taormina auf
Sizilien eingesetzt.
Bisher galt der zitierte Text als schwer verständlich. Das könnte sich jetzt ändern.
Denn das „Bild unseres Herrn Jesus Christus“ könnte das Schweißtuch von Manoppello sein.
Dafür spricht
auch, daß es eine Beziehung zwischen dem Heiligen Pankratius und dem Schweißtuch von Manoppello gibt.
Denn jedes Jahr am dritten Maisonntag wird das Schweißtuch in Prozession vom Heiligtum zur Stadtpfarrkirche
von Manoppello und wieder zurück getragen.
Einen Tag vorher findet eine ähnliche Prozession mit einer
Statue des heiligen Pankratius statt.
Es gibt hier also eine interessante Beziehung Heiliger Pankratius –
Manoppello.
Der im Dekret erwähnte „Turm“ hat vielleicht später zum Bau jenes „Turmes“ im römischen
Petersdom geführt, wo man das Schweißtuch aufbewahren wollte.
Daß Pankratius von Taormina vielleicht
nicht mit dem am 12. Mai gefeierten Märtyrer und Nothelfer Pankratius identisch ist, dürfte in der Volksfrömmigkeit
von geringer Bedeutung sein.
Das PerlenliedEin zweiter brisanter Text findet sich in den sogenannten
Thomasakten, die im 2. bis 3. Jahrhundert in Ostsyrien entstanden sind.
Sie enthalten das berühmte Perlenlied.
Es ist vielleicht nur im Lichte des Tuches von Manoppello verständlich.
Der Text ist schwierig und wurde
nach dem Griechischen und Vorschlägen von H.J.W. Drijvers übersetzt.
Er berichtet, daß der auf die
Erde geschickte Königssohn dort mit schäbigen Kleidern – ein Bild für den menschlichen Leib – ausgestattet
wurde.
Vom Himmel her erhält er ein Gewand „auf chinesischem Gewebe mit Rötel (gezeichnet), vor mir
mit seinem Aussehen glänzend“.
Dieses Gewand sieht sich der Sohn plötzlich gegenüber. Da wurde es
„ähnlich meinem Spiegelbild mir gleich. Ich sah es in mir, und in ihm sah ich mich auch (mir) gegenüber.“
Dieser Passus kann mehrfach mit dem Tuch von Manoppello in Beziehung stehen:
Der Königssohn steht im
Kontext für Jesus.
Auch das Tuch von Manoppello wird zunächst als glänzende Seide wahrgenommen. Die
Zeichnung des Antlitzes scheint wie mit Rötel ausgeführt.
Auch zeigt dieses Tuch eigenartige Spiegelwirkungen.
Daß das Antlitz auf edler Seide gezeichnet ist, bedeutet im Sinne des Perlenliedes: Gegenüber dem verfallenden
Antlitz des Toten ist es ein Spiegel, der die Erhöhung in der Auferstehung darstellt.
In diesem Sinne
ist das Bild des lebenden Christus von Manoppello die Brücke zwischen dem gerade Gestorbenen zum Auferstandenen.
Die Thomasakten sind nicht weit von Edessa in Syrien entstanden.
Edessa besitzt eine wichtige Bedeutung
für die Geschichte des Schweißtuches.
Darum könnte hinter dem Bericht im Perlenlied durchaus ein konkretes
Objekt stehen.
„Bewiesen“ ist mit alledem nichts – so Berger:
Aber aufgrund dieser zwei schriftlichen
Quellen kann man einen möglichen frühen Weg dieser Reliquie vorstellen.
Mit dem Namen des Heiligen
Petrus verbunden gelangte das Tuch nach Syrien und beeinflußte am Ende des zweiten Jahrhunderts die Entstehung
des Perlenliedes.
Es gelangte dann nach Sizilien und wurde im Domturm von Taormina ausgestellt.
Im frühen
Mittelalter erreichte das Schweißtuch die Peterskirche und wurde bei deren Neubau nach Manoppello verschleppt.
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