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Samstag, 5. Mai 2007 11:17
Der letzte Grüne
Ein unzeitgemäßer katholischer Philosoph wird heute 80. Mit seinem Denken hat er der Menschheit unentbehrliche Argumentationshilfen geschaffen. Nur eines hat er nie gelernt.
Robert Spaemann (80)
Robert Spaemann (80)
(kreuz.net) Der große deutsche Philosoph Robert Spaemann feiert heute seinen 80. Geburtstag.

Spaemann ist der Sohn eines katholischen Priesters und einer Tänzerin.

Sein Vater, Heinrich Spaemann, war in den 20er Jahren radikaler Atheist. Er bekehrte sich zum Katholizismus und ließ sich – nach dem Tod seiner Gattin – von Bischof Clemens August Graf von Galen im Jahr 1942 zum Priester weihen. Er wurde ein bekannter geistlicher Autor.

Die Philosophie seines Sohnes, Robert Spaemann, ist stark vom katholischen Glauben geprägt.

Als eine über Deutschland hinaus geachtete intellektuelle Größe hat er sich immer als unabhängiger Denker verstanden, der an Metaphysik und Religion festhielt, als die Mehrheit der Philosophen zur Auffassung kam, Religion sei mit intellektueller Redlichkeit nicht vereinbar.

„Die Philosophie ist doch die Frage nach dem, was immer ist. Wenn Sie wollen, ist das immer unzeitgemäß. Es ist aber auch immer zeitgemäß“ – erklärte der heute in Stuttgart lebende Philosoph Ende April in einem Interview mit dem ‘Deutschland Radio’.

Das unsterbliche Gerücht
Mit dem, was immer ist, beschäftigt sich Spaemann auch in seinem jüngsten Buch: „Das unsterbliche Gerücht – Die Frage nach Gott und die Täuschung der Moderne“, lautet der Titel.

Der emeritierte Münchner Philosophieprofessor stellt darin fest: „Daß ein Wesen ist, das auf deutsch ‘Gott’ heißt, ist ein altes, nicht zum Schweigen zu bringendes Gerücht.“

Mit seinem Buch wollte er den vielen Fragen nachgehen, „die offen bleiben, wenn das Palaver abends zu Ende ist“.

Als unzeitmäßiger Denker geht er auch mit der modernen Lust- und Konsumgesellschaft, die nur noch auf ihren eigenen Nutzen bedacht ist, hart ins Gericht.

Gegenüber dem ‘Deutschlandradio’ äußerte er die Befürchtung, es drohe ein „banaler Nihilismus des letzten Menschen, der wie der Erdfloh, nur noch mit der Manipulation eigener Lustzustände beschäftigt, am längsten lebt, mit virtuellen Welten als Wichsvorlage“.

Anstatt einer virtuellen Welt bevorzugt Robert Spaemann die Weltflucht.

In seinem neuen Buch stellt er fest: „Diejenigen, die einmal schrieben: ‘Verlaßt die Welt. Folgt meinem Ruf und Schalle’, standen offensichtlich mehr in der Welt als diejenigen, die predigen, man müsse in die Welt hineingehen.“

Eindeutig und zweideutig
Als eiserner Verteidiger des Katholizismus hat sich Spaemann auch immer wieder kraftvoll für das Lebensrecht ungeborener, behinderter und alter Menschen eingesetzt und dabei auch nicht mit Kritik an der Kirche gespart.

In einem Interview mit der Berliner Wochenzeitung ‘Junge Freiheit’ erklärte er, die Kirchen hätten bei diesem Thema „keine sehr rühmliche Rolle“ gespielt.

Die deutsche Abtreibungsdebatte schätzt Spaemann heute so ein: „Die Kirchen haben sich trotz der Eindeutigkeit ihrer Lehre in die Zweideutigkeit des Lebensschutzes durch die Politik verstricken lassen.“

Auch die Grünen hätten versagt: „Wenn doch die Grünen ein bißchen grüner wären!“

Auto-Protest
Spaemann selber ist ein echter Grüner, der sich nicht nur für den Schutz des Menschen, sondern auch gegen die Atomkraft und für den Umweltschutz einsetzt.

Der Philosoph Otto Kallscheuer hat ihn einmal „den letzten Grünen“ genannt. Nicht zu unrecht, wie eine Begebenheit bezeugt, die in der Maiausgabe des Informationsblattes der Priesterbruderschaft St. Petrus berichtet wird:

„Was den Umweltschutz und die Liebe zur Natur betrifft, könnte man Spaemann für einen Vertreter der ‘Grünen’ halten.“

So habe er sich aus ideellen Gründen zeitlebens dagegen gesträubt, den Führerschein zu machen und ein Auto zu fahren:

„Eine nette Anekdote berichtet davon, daß er vor knapp vierzig Jahren in der Heidelberger Innenstadt über mehrere Autos stieg, um auf diese Weise gegen fehlende Fußgängerüberwege zu protestieren.“

Mit der Priesterbruderschaft St. Petrus verbindet den Philosophen die Liebe zur überlieferten Liturgie.

Auch in dieser Hinsicht ist der Philosoph unzeitgemäß, aber auch immer zeitgemäß.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 25 Lesermeinungen:
Montag, 7. Mai 2007 08:45
Pünktchen: Lingen
Und was, wenn das Zitat von Spaemann auf die geschichtliche und interpersonale Wirksamkeit des Wahren abhebt und nicht auf seine überzeitliche Objektivität?
Sonntag, 6. Mai 2007 19:02
Pater Lingen: Spaemanns Gelabere „unentbehrlich“?
Komisch, obwohl ich insbesondere seitens des „Opus Dei“ mit Spaemann-Propaganda überschüttet wurde, ist mir dennoch kein Satz aufgefallen, der „unentbehrlich“ wäre. Es ist mir aber ein ganzer Berg von Spaemann-Müll vorgesetzt worden, ohne den die Welt ein besserer Ort wäre.

Robbie palavert solche Schoten wie: „Alles was im Katechismus steht, ist das Papier nicht wert, worauf es geschrieben ist, wenn es durch das, was sichtbar geschieht, desavouiert wird.“ Hominismus und Subjektivismus bis zum Erbrechen!

Robbie sollte sich endlich einmal Gedanken darüber machen, dass er auch irgendwann vor den Richterthron Gottes treten muss. Und ich würde nicht darauf wetten, dass es bis dahin noch sehr lange hin ist.
Sonntag, 6. Mai 2007 07:49
Mathias Wagener: Spaemann ein Grüner
Die Grünen haben in ihrer Abgeordnetentätigkeit indes andere Schwerpunkte gesetzt als den Naturschutz.
Insofern ist der Hinweis auf die Grünen leicht irreführend.
Sonntag, 6. Mai 2007 00:02
Rodolfo Panetta: Ad multos annos!
Wir verdanken u.a. Professor Spaemann auch unsere Möglichkeit zur traditionellen heiligen Messe in Stuttgart. Dafür ein herzliches Vergelt’s Gott!
Samstag, 5. Mai 2007 23:23
Alanus ab Insulis: @ vir fortis / Romulus: kein Problem
ich sehe es Ihnen nach. Ich weiß ja um Ihre traditionalist. Hardcore- Verklemmtheit.
Beim Thema Homosexualität übrigens haben Sie sich – soweit ich mitbekommen habe – noch nie so vornehme Zurückhaltung auferlegt bzw. zu einer solchen ermahnt. – Das verstehe, wer will.

Ob Geno. eine „Dame“ ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Aber da ich kein Sexist bin und Mann und Frau für mich gleichwertig sind, gibt’s für Frauen bei mir auch keine Sonderbehandlung (zumal ich von meiner Warte aus gar nichts Wildes geschrieben habe).

Ende der Durchsage.
Samstag, 5. Mai 2007 22:33
matt2 †: Die Natur als Analogie der Natur des geistigen Menschen…
warum verwendet Jesus Gleichnisse in denen er naturische Dinge und Vorgänge in Relation setzt zu geistigen Dingen und Vorgängen im Menschen? Weil die äußere, die physische Natur die Analogie der inneren Natur des Menschen ist. Es sind Ausdrucksformen seiner Selbst, die ihn umgeben, die in seinem Wesen begründet sind. Gott hat ihn damit umgeben, damit er sich darin erkenne. Nichts in der Natur ist dem Menschen wahrhaft fremd. In allen naturischen Wesen kann er einen Ausdruck eine besondere Art seines eigenen erkennen. Ja, es ist alles auf ihn bezogen, es ist alles in ihm begründet und deshalb findet er sich darin wieder und liegt es vor ihm ausgebreitet zu seiner Erbauung.
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