Schwere Spannungen zwischen den Russisch-Orthodoxen und dem Heiligen Stuhl
Die russisch-orthodoxe Kirche zeigt sich weiterhin über die Aktivitäten der unierten katholischen Ostkirche erbost. Patriarch Alexij II. forderte vom Vatikan, den unierten Ostkirchen ihre angebliche Missionstätigkeit zu verbieten. Der Heilige Vater sucht, die Fronten zu glätten.
(kreuz.net) Der russisch-orthodoxe Patriarch von Moskau, Alexij II., hält eine Papstreise nach Rußland
derzeit nicht für möglich. Die Bedingungen dafür seien nicht gegeben, meinte Alexij vergangenen Dienstag
nach Angaben einer internationalen Nachrichtenagentur.
Der Vatikan müsse zuerst aufhören, die angebliche
Ausbreitung von romtreuen Kirchen in traditionell orthodoxen Gebieten voranzutreiben. Die unierte Kirche
anerkennt den Heiligen Vater als oberstes Oberhaupt, zelebriert die Liturgie nach dem byzantinischen Ritus
und folgt dem Brauchtum der Ostkirche.
Die katholische Kirche des byzantinischen Ritus vertiefe laut
Alexij die Gräben zwischen Orthodoxen und Katholiken. Während der sowjetischen Christenverfolgung war
das gleichgeschaltete russisch-orthodoxe Patriarchat nicht unmaßgeblich an der grausamen Unterdrückung
der unierten Kirche beteiligt. Deren Pfarreien wurden an das russisch-orthodoxe Patriarchat zwangsangeschlossen.
Die Orthodoxen würden sich auch durch die jüngsten vatikanischen Ouvertüren nicht umstimmen lassen,
so Patriarch Alexij.
Papst Johannes Paul II. hatte am 27. November dem Patriarchat von Konstantinopel
die Reliquien der heiligen Bischöfe und Kirchenlehrer, Gregor von Nazianz († 390) und Johannes Chrysostomus
(† 407), übergeben. Bereits im vergangenen August hatte der Heilige Vater eine Replik der berühmten
Ikone der „Gottesmutter von Kazan“ nach Moskau gesandt. Er tat dies, so der Heilige Vater, „um die Einheit
unter allen Jüngern Christi zu beschleunigen“.
Patriarch Alexij II. sagte, daß ein Papstbesuch in Rußland
erst möglich sei, wenn „der Proselytismus, der von zahlreichen Repräsentanten des unierten katholischen
Klerus ausgeübt wird“, aufhöre. Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 steigt bei den Unierten
die Zahl der Gläubigen zum Unmut der getrennten orthodoxen Kirchen. Das liegt vor allem daran, daß die
griechisch-katholische Kirche eine systematische Pastoral- und Glaubensunterweisung kennt, die es bei
den Orthodoxen bis heute kaum gibt.
Papst Johannes Paul II. äußerte sich zum Verhältnis zwischen den
Unierten und den getrennten orthodoxen Kirchen anläßlich der Sitzung einer Interpatriarchalen Synode,
die vom 10. bis zum 14. Januar 2005 in Rom stattfand. Der Papst forderte die Katholiken des orientalischen
Ritus auf, die Kontakte mit der orthodoxen Kirche zu pflegen. Beide teilten denselben Ritus und dieselben
Traditionen. Das Ziel dieser Bemühungen sei, das zu Beginn des zweiten Jahrtausends entstandene Schisma
zu überwinden.
„Ich ermutige euch, die Kontakte zu den orthodoxen Kirchen dank der gemeinsamen liturgischen
Traditionen weiterzuführen, denn die Orthodoxen sehnen sich ebenfalls danach, dem einzigen Gott und Retter
Ehre zu erweisen.“
Der Heilige Stuhl werde es den Griechisch-Katholischen „niemals an nötiger Unterstützung
fehlen lassen“, betonte der Heilige Vater abschließend.
Email-Adressen der Empfänger
3 Lesermeinungen
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
Romtreue Orientalen werden vom Vatikan geopfert Nahezu sämtliche Ostriten gibt es bereits in kleinen
Herden innerhalb der Römisch-Katholischen Kirche (die ident mit der Kirche Jesu Christi ist). Von Cardinal
Königs „Pro Oriente“ wird diese erfolgreiche Teil-Rückkehr-Ökumene der Vergangenheit als irriger „Unitarismus“
verworfen. Allein diese Aussage, und das Vorgehen der vaticanischen Amtsökumenisten unter einem irrlehrenden
deutschen Cardinal, ist einfach schäbig, und die romtreuen Orientalen sind dementsprechend auch zurecht
erbost, denn das ökumenistische Rom richtet sein entwürdigendes Betteln um Wohlwollen seit Pauls VI.
und insbesondere seit Johannes Pauls II. Pontifikat an die schismatischen orientalisch-nationalkirchlichen
Kirchenführer. Ist das der „Dank“ Roms an die über Jahrhunderte Rom Treugebliebenen? Daß sich diese
gültig geweihten, aber irrgläubigen Bischöfe, insbesondere der Russische Patriarch, jemals dem Römischen
Papst – als Stellvertreter Jesu Christi auf Erden! – unterwerfen würden, ist – menschlich betrachtet –
vollkommen auszuschließen, es sei denn, es käme zu einem übernatürlichen Eingreifen. Wieso läßt
sich das offizielle Rom so leicht auf die Forderungen des Russischen Patriarchen ein? Verbitten wir Katholiken
etwa den orientalischen Schismatikern eine Präsenz in unseren Ländern? Und wieso läßt Rom öffentlich
verlautbaren, ihm ginge es nicht um die Missionierung der Russen? Sind die Russen aus Christi Missionsbefehl
ausgenommen? Können diese automatisch außerhalb der Kirche Jesu Christi gerettet werden, ähnlich wie
dies heute von den Israeliten behauptet wird? Oremus pro pontefice nostro Ioanne Paulo …
Ökumenische Aufrichtigkeit Eines wenigstens kann man dem Patriarchen nicht vorwerfen: ökumenische Unaufrichtigkeit.
Er läßt sich weder durch schöne Worte noch durch Geschenke gnädig stimmen oder gar kaufen (… dextera
eorum repleta est muneribus). Nun ist es an der Zeit, auch auf der römischen Seite ökumenische Aufrichtigkeit
zu zeigen. Ein Anfang wäre der Aufruf an die Unierten, ihrem Bekenntnis zur einzigen Kirche treu zu bleiben.
(Wenn man die Muslime zur Treue auffordern kann, dann doch wohl auch die Unierten, oder?) Vielleicht würde
sich das Antlitz des Patriarchen dadurch sogar ein wenig aufhellen: „Na endlich, jetzt wissen wir, wo
wir dran sind!“
NAchdenken Tja der Herr Patriarch sollte mal über diese Entwicklung beten und Nachdenken. Wenn die hohen
Herrn die Einheit nicht wollen, der Gläubige will es anscheinend und erkennt mit dem hl. Geist die „Una
Sancta“. Tja der Geist weht wo er will und lässt sich nicht von einem Patriarchen vertreiben. LG Fiore