09:48:01 | Mittwoch, 16. Mai 2007
Die stehende Handkommunion bewegt sich weit unter dem Niveau dessen, was in Asien im Umgang mit dem Heiligsten erwartet wird – erklärte ein Kurienerzbischof.

Indonesische Messe beim ‘Kongreß für religiöse Erziehung’ in Los Angels 2007
(kreuz.net) Erzbischof Albert Ranjith Patabendige Don betrachtet die liturgische Erneuerung nach dem ‘Zweiten
Vatikanum’ in Asien mit gemischten Gefühlen.
Der Sekretär der Gottesdienstkongregation sprach Anfang
April mit dem Nachrichtendienst ‘Union of Catholic Asian News’.
Der liturgischen Verwendung der Umgangssprache
kann Mons. Ranjith allerdings etwas Positives abgewinnen.
Dadurch werde den Gläubigen geholfen, das
Wort Gottes und die Liturgie besser zu verstehen, um aktiv am Gottesdienst teilzunehmen.
Die Verwendung
der Landessprache habe auch dazu beigetragen, ein theologisches Vokabular zu schaffen, das für die Evangelisierung
nützlich sei.
Negative Früchte der LiturgiereformNach dem Zweiten Vatikanum sei auch eine Anpassung
an lokale Bräuche versucht worden. Der Erzbischof sieht diese auch kritisch.

Oft wird die Inkulturation auf das Ausstreuen von Blumen reduziert.
Als negative Folgen der
Liturgiereform in Asien zählt er auf: die praktisch totale Verbannung des Latein, der Tradition und des
liturgischen Gesangs.
Man habe auch einen „Sinn des Mißverstehens“ dafür entwickelt, was die Natur
des Römischen Ritus sowie seiner Normen und Rubriken sei.
Das habe zur Überzeugung geführt, daß man
mit der Liturgie beliebig experimentieren könne.
Dadurch sei eine gewisse „anti-römische Einstellung“
und eine „unkritische Akzeptanz aller möglicher Neuheiten“ entstanden.
Diese Neuheiten seien häufig
das Resultat einer aus dem Westen übernommenen verweltlichten Geisteshaltung.
Oft hätten ausländische
Missionare diese Neuheiten – vielleicht unwissentlich – aus dem Westen importiert.
Auch Asiaten, die
sich im Westen aufgehalten oder dort studiert haben, hätten unkritisch eine Art „freien Geist“ absorbiert,
der im Umfeld des Konzils entstanden sei.
Die Verbannung des Heiligen und Mystischen und dessen Ersetzung
durch einen „empirischen Horizontalismus“ hätten dem Geist einer echten Liturgie am meisten geschadet.
Willkürliche Inkulturierung
Erzbischof Malcom Ranjith
Erzbischof Ranjith beklagte auch „Willkür und Unstimmigkeit“ durch allerlei
Experimente, die unkritisch oder ohne ein vorausgehendes Studium durchgeführt worden seien:
„Mit Unstimmigkeit
meine ich Anpassungen, die mit unserer Kultur nicht vereinbar sind.“
Der Erzbischof erzählte folgendes
Beispiel:
„Ich habe einmal im Radio ein Gespräch mit einem buddhistischen Mönch in Sri Lanka gehört.
Dieser machte sich über die Christen lustig, weil sie in ihren Kirchen örtliche Trommelweisen einführten,
ohne zu wissen, daß es sich dabei um Rhythmen zur Ehre Buddhas handelte.“
Auch eine bloße Verneigung
anstelle einer Kniebeuge vor der Heiligen Eucharistie oder die stehende Handkommunion, seien „weit unter
dem Niveau dessen, was dem Heiligen in Asien als Achtung entgegengebracht wird“.
Verbannung liturgischer
GewänderAls weiteres Beispiel führte Mons. Ranjith die liturgischen Gewänder an. Anstatt liturgische
Kleidung oder Utensilien zu verwenden, die lokale Werte widerspiegelten, reduziere man deren Gebrauch
oft auf ein absolutes Minimum:
„Ich war zeitweise geschockt, Priester oder sogar Bischöfe zu sehen,
die ohne angemessene liturgische Kleidung zelebrierten oder konzelebrierten.“
„Das ist nicht Inkulturation,
sonder De-Kulturation – falls ein solches Wort existiert.“
Wer die liturgische Kleidung abschaffe, verstehe
die asiatische Kultur nicht. Gottgeweihte Personen würden dort immer in einer besonderen Kleidung auftreten.
Die meisten würden nicht verstehen, was Inkulturation meint. Oft werde diese auf einen oder zwei Tänze
während der Heiligen Messe oder auf das Ausstreuen von Blumen reduziert.
Liturgische SpracheWährend
die Religionen Asiens – Hinduismus und Buddhismus – die liturgische Sprache bewahrt hätten, sei das Latein
praktisch verschwunden:

Musikgruppe bei der indonesischen Messe am ‘Kongreß für Erziehung’
„Lehren sie uns nicht, daß eine liturgische Sprache, die nicht allgemein gebraucht
wird, im Gottesdienst einen inneren Mystizismus des Heiligen besser ausdrücken kann?“ – so der Erzbischof.
Wer Latein lerne, gehe nicht einen Schritt zurück, sondern einen Schritt vorwärts. Nur dadurch könne
ein tiefgreifender Prozeß der Inkulturation stattfinden.
Jeder „sogenannte Theologe“, der nicht in der
Heiligen Schrift und der kirchlichen Tradition verankert sei, nicht auf seinen Knien bete und vom Licht
eines heiligen Lebens erleuchtet sei, produziere nur leeren Lärm und führe zu nichts anderem als Unordnung
und Verwirrung.
Fremde im eigenen LandJeder Versuch einer Inkulturation dürfe die tiefgreifende spirituelle
Orientierung Asiens nicht ignorieren: „Wir Asiaten können keine Säkularisten sein.“
„Als Christen sollten
wir zeigen, daß das Christentum in seinem Ursprung asiatisch ist und daß es sogar einen tieferen Sinn
des Mystischen in sich trägt, das es anderen mitteilen kann und will.“
„Es wäre schade, wenn wir danach
strebten, unseren Glauben als Anhängsel einer säkularen und globalisierten Kultur hinzustellen, die
in Asien weltliche Werte zu repräsentieren versucht.“
Unglücklicherweise entstehe manchmal ein solcher
Eindruck: „Das macht uns zu Fremden auf unserem eigenen Kontinent.“
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