10:07:01 | Mittwoch, 9. Mai 2007
Die drei Präfekten der vatikanischen Kongregationen, die von Papst Benedikt XVI. ernannt wurden, scheinen den Erwartungen (nicht) zu entsprechen.

Blick über den Petersplatz
© Thomas Roemer, GNU-Lizenz(kreuz.net, Vatikan) Zurzeit schaut Papst Benedikt mit einer gewissen Unzufriedenheit auf die Römische
Kurie. Das berichtete der Vatikanist Marco Tosatti am 16. April in der Turiner Tageszeitung ‘La Stampa’.
Deshalb sei der Papst dabei, einigen schwachen Präfekten vatikanischer Kongregationen starke Sekretäre
an die Seite zu stellen.
Vatikanische Kongregationen werden von Kardinälen geleitet. Der Sekretär ist
jeweils der zweite Mann einer Kongregation.
Nach Tosatti könnten böse Stimmen versucht sein, zu behaupten,
daß die größten Probleme ausgerechnet in jenen Kongregationen vorhanden sind, deren Präfekten von
Papst Benedikt XVI. ernannt wurden.
Es handelt sich um die Glaubenskongregation unter Kardinal William
Levada, das Staatssekretariat unter Kardinal Tarcisio Bertone und die Kleruskongregation unter Kardinal
Claudio Hummes.
Doch Tosatti beeilt sich, den Papst zu verteidigen. Bei den von ihm ausgewählten Kandidaten
hätte man – angeblich – nicht voraussehen können, daß sie in ihren Kongregationen nicht viel Staub
aufwerfen würden.
KleruskongregationAm problematischsten scheint die Situation in der Kleruskongregation
zu sein. Deren Präfekt wurde erst Ende Oktober 2006 ernannt.
Fünf Monate hätten gereicht, um die Wahl
des ehemaligen Erzbischofs von Sao Paulo zu bereuen. Tosatti behauptet etwas enigmatisch, daß Kardinal
Hummes Nominierung unter schwerstem Druck „von Seiten der südamerikanischen Regierung“ zustande gekommen
sei.
Tosatti wußte auch bereits Mitte April von einem über 40minütigen Gespräch, das der Papst mit
dem damaligen Bischof Mauro Piacenza – dem Verantwortlichen für die kirchlichen Kulturgüter – führte,
um ihn zu überzeugen, eine Nominierung zum Sekretär der Kleruskongregation anzunehmen.
Diese Nominierung
wurde am Montag öffentlich gemacht.
Mons. Piacenza war früher in der Kleruskongregation tätig.
Glaubenskongregation
Unzufrieden ist der Papst offenbar auch
mit der Glaubenskongregation. Es soll Spannungen zwischen dem
Präfekten, Kardinal William Levada, und dem Sekretär, Erzbischof Angelo Amato, geben.
Kardinal Levada
könnte darum nach New York verschoben werden, wo der gegenwärtige Amtsinhaber, Edward Kardinal Egan
(75), seinen Rücktritt eingereicht hat.
Kardinal Egan scheint amtsmüde zu sein und möchte sich künftig
der Komposition von Kirchenmusik widmen.
Als Nachfolger in der Glaubenskongregation kursieren die Namen
des Oberhirten der liberalen Erzdiözese Wien, Christoph Kardinal Schönborn, des Rektors der Lateranuniversität,
Bischof Rino Fisichella oder des Bischof von Chieti und Vasto, Mons. Bruno Forte, ein bekannter italienischer
Theologe.
43 neue Ernennung?
Lichteinfall in St. Peter
© James Bromberger GNU-LizenzEinen neuen Sekretär braucht auch die Bischofskongregation. Das Amt könnte
an den gegenwärtigen Nuntius in Neu Delhi, den spanischen Erzbischof Pedro López Quintana (53), gehen.
Der Sekretär der Erziehungskongregation, Mons. Michael Miller (60), ist für den Posten eines neuen
Erzbischofs von Vancouver in Kanada im Gespräch. Der gegenwärtige Amtsinhaber leidet an Depressionen
und steht offenbar kurz vor dem Rücktritt.
In wenigen Wochen soll der Assessor im Staatssekretariat,
Mons Leonardo Sandri, zum Präfekten für die Orientalischen Kirchen erhoben werden.
Der Assessor im
Staatssekretariat gilt als vatikanischer Innenminister.
Mons. Sandris Nachfolger soll der gegenwärtig
Nuntius in Manila, Erzbischof Fernando Filoni, werden.
Mons. Filoni war während der US-Aggression gegen
den Irak Nuntius in Baghdad.
Zu ersetzen ist auch der Erzpriester der Basilika Sankt Paul vor den Mauern,
Andrea Kardinal Cordero Lanza di Montezemolo (81).
Der Kardinal ist ein Cousin des gegenwärtigen Präsidenten
der Autokonzerne Fiat und Ferrari.
Neuer Erzpriester von Sankt Paul soll der päpstliche Zeremonienmeister,
Erzbischof Piero Marini, werden, sofern er sich nicht für eine italienische Diözese entscheidet.
Auf
der Abschußliste steht offenbar auch der gegenwärtige Chefredakteur der vatikanischen Tageszeitung ‘Osservatore
Romano’, Mario Agnes.
Das Blatt gilt als langweilig und belanglos und bewegt sich seit Jahren auf einem
journalistisch völlig unbefriedigenden Niveau.
Insgesamt sind in der nächsten Zeit angeblich 43 vatikanische
Posten neu zu besetzen.
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