Kurie
Rohrkrepierer?
Die drei Präfekten der vatikanischen Kongregationen, die von Papst Benedikt XVI. ernannt wurden, scheinen den Erwartungen (nicht) zu entsprechen.
Blick über den Petersplatz
Blick über den Petersplatz
© Thomas Roemer, GNU-Lizenz
(kreuz.net, Vatikan) Zurzeit schaut Papst Benedikt mit einer gewissen Unzufriedenheit auf die Römische Kurie. Das berichtete der Vatikanist Marco Tosatti am 16. April in der Turiner Tageszeitung ‘La Stampa’.

Deshalb sei der Papst dabei, einigen schwachen Präfekten vatikanischer Kongregationen starke Sekretäre an die Seite zu stellen.

Vatikanische Kongregationen werden von Kardinälen geleitet. Der Sekretär ist jeweils der zweite Mann einer Kongregation.

Nach Tosatti könnten böse Stimmen versucht sein, zu behaupten, daß die größten Probleme ausgerechnet in jenen Kongregationen vorhanden sind, deren Präfekten von Papst Benedikt XVI. ernannt wurden.

Es handelt sich um die Glaubenskongregation unter Kardinal William Levada, das Staatssekretariat unter Kardinal Tarcisio Bertone und die Kleruskongregation unter Kardinal Claudio Hummes.

Doch Tosatti beeilt sich, den Papst zu verteidigen. Bei den von ihm ausgewählten Kandidaten hätte man – angeblich – nicht voraussehen können, daß sie in ihren Kongregationen nicht viel Staub aufwerfen würden.

Kleruskongregation

Karte des Vatikan
Karte des Vatikan
Am problematischsten scheint die Situation in der Kleruskongregation zu sein. Deren Präfekt wurde erst Ende Oktober 2006 ernannt.

Fünf Monate hätten gereicht, um die Wahl des ehemaligen Erzbischofs von Sao Paulo zu bereuen. Tosatti behauptet etwas enigmatisch, daß Kardinal Hummes Nominierung unter schwerstem Druck „von Seiten der südamerikanischen Regierung“ zustande gekommen sei.

Tosatti wußte auch bereits Mitte April von einem über 40minütigen Gespräch, das der Papst mit dem damaligen Bischof Mauro Piacenza – dem Verantwortlichen für die kirchlichen Kulturgüter – führte, um ihn zu überzeugen, eine Nominierung zum Sekretär der Kleruskongregation anzunehmen.

Diese Nominierung wurde am Montag öffentlich gemacht.

Mons. Piacenza war früher in der Kleruskongregation tätig.

Glaubenskongregation

Unzufrieden ist der Papst offenbar auch mit der Glaubenskongregation. Es soll Spannungen zwischen dem Präfekten, Kardinal William Levada, und dem Sekretär, Erzbischof Angelo Amato, geben.

Kardinal Levada könnte darum nach New York verschoben werden, wo der gegenwärtige Amtsinhaber, Edward Kardinal Egan (75), seinen Rücktritt eingereicht hat.

Kardinal Egan scheint amtsmüde zu sein und möchte sich künftig der Komposition von Kirchenmusik widmen.

Als Nachfolger in der Glaubenskongregation kursieren die Namen des Oberhirten der liberalen Erzdiözese Wien, Christoph Kardinal Schönborn, des Rektors der Lateranuniversität, Bischof Rino Fisichella oder des Bischof von Chieti und Vasto, Mons. Bruno Forte, ein bekannter italienischer Theologe.

43 neue Ernennung?

Lichteinfall in St. Peter
Lichteinfall in St. Peter
© James Bromberger GNU-Lizenz
Einen neuen Sekretär braucht auch die Bischofskongregation. Das Amt könnte an den gegenwärtigen Nuntius in Neu Delhi, den spanischen Erzbischof Pedro López Quintana (53), gehen.

Der Sekretär der Erziehungskongregation, Mons. Michael Miller (60), ist für den Posten eines neuen Erzbischofs von Vancouver in Kanada im Gespräch. Der gegenwärtige Amtsinhaber leidet an Depressionen und steht offenbar kurz vor dem Rücktritt.

In wenigen Wochen soll der Assessor im Staatssekretariat, Mons Leonardo Sandri, zum Präfekten für die Orientalischen Kirchen erhoben werden.

Der Assessor im Staatssekretariat gilt als vatikanischer Innenminister.

Mons. Sandris Nachfolger soll der gegenwärtig Nuntius in Manila, Erzbischof Fernando Filoni, werden.

Mons. Filoni war während der US-Aggression gegen den Irak Nuntius in Baghdad.

Zu ersetzen ist auch der Erzpriester der Basilika Sankt Paul vor den Mauern, Andrea Kardinal Cordero Lanza di Montezemolo (81).

Der Kardinal ist ein Cousin des gegenwärtigen Präsidenten der Autokonzerne Fiat und Ferrari.

Neuer Erzpriester von Sankt Paul soll der päpstliche Zeremonienmeister, Erzbischof Piero Marini, werden, sofern er sich nicht für eine italienische Diözese entscheidet.

Auf der Abschußliste steht offenbar auch der gegenwärtige Chefredakteur der vatikanischen Tageszeitung ‘Osservatore Romano’, Mario Agnes.

Das Blatt gilt als langweilig und belanglos und bewegt sich seit Jahren auf einem journalistisch völlig unbefriedigenden Niveau.

Insgesamt sind in der nächsten Zeit angeblich 43 vatikanische Posten neu zu besetzen.
      
15 Lesermeinungen
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#15   No Comment   12:39:41 | Freitag, 11. Mai 2007
Zur Personalpolitik
hat ja auch St. Kulle schon einiges serviert. Abwarten. „Mein“ Tipp: Levada bleibt bis 75 im Amt, Amato muss weichen, falls an den „Spannungen“ was dran ist. Denn dass ein Sekretär einen Präfekten überspielt, das ist sogar Ebf. Bugnini 1969-1975 nicht geglückt.
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#14   wickerl   11:53:15 | Freitag, 11. Mai 2007
Frage
Der Papst hatte auch bei Bischofsernennungen keine gute Hand, hoffentlich ist er wirklich unzufrieden, manchmal fürchte ich dass er sich ins Fäustchen lacht.
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#13   landorganist   08:17:28 | Donnerstag, 10. Mai 2007
Hat dieser Lingen
schon wieder Freigang? :-!
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#12   Christian Hüller   23:06:03 | Mittwoch, 9. Mai 2007
@ Matt 2
„So soll er zweifeln und zaudern, aus der Erfahrung lernen und Personalentscheidungen korrigieren dürfen.
Wer könnte ihm daraus einen Strick drehen wollen? Ist doch besser er hat in sich die zweifelnde Kraft auch Fehlentwicklungen zu erkennen und zu korrigieren, als er ließe sie sinnlos und beharrlich laufen, bis sie der Kirche zum Verhängnis werden.
Dadurch wird er seiner Rolle wohl am ehesten gerecht, als wenn man von vornherein den Anspruch der Unfehlbarkeit auf ihn anlegt.
Wohin so eine Versteigerung eines Menschen führt, kann man ja im Werdegang der Kirche erleben.“
„Multo consentio.“ Unanimous agreement. :)3
Der Vatikanum ist zu wichtig als dass er Pensionsendstation oder Altersteilzeitstelle für weggelobte „Verdienstpersonen“ sein sollte, die in der Heimat obsolet oder sonstwie abkömmlich geworden sind.
Der Papst braucht hier intellktuell die allererste Sahne, die die Dinge durchschauen, beim Namen nennen und durchgreifen können, und keine biegsamen, inspirationslosen Anpassungskünstler, die irgendwann ganz von allein „nach oben“ geflogen sind, „kraft ihres Amtes“ im Rahmen vorgeschalteter „Amtshilfe“.
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#11   Müller   21:58:15 | Mittwoch, 9. Mai 2007
Herr Lingen,
Sie sind ja mal ein unfehlbar lustiger Mensch, oder?
Wissen alles, sind wohl als Einziger Geist-Beseelt?!
Irgendwie erstaunlich, obwohl diese „V2-Sekte“ nur aus Abgefallenen besteht, ist Ihr interesse daran aber groß. wieso äußern Sie sich zu der Kirche überhaupt?
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#10   Pater Lingen   20:22:23 | Mittwoch, 9. Mai 2007
„langweilig und belanglos“
Die Ära Ratzinger wurde kurz nach seiner „Wahl“ von einigen – angeblich – befürchtet als Rückfall in die „konservative“ Schiene. Nun, die Eingeweihten à la Küng waren da wohl nicht „besorgt“, fest angestellte „Pastoralassistenten“ wohl auch nicht, aber womöglich der ein oder andere „einfache Kirchgänger“, der sich sorgte, dass vielleicht nicht mehr so viel Tschingderassabumm in der „Liturgie“ abgezogen würde. Diese „Sorge“ hat sich bis jetzt als völlig unbegründet herausgestellt. Selbst das „Motu proprio“ (womit übrigens auch in Sedi-Kreisen fast schon gerechnet wurde!) für die „alte Messe“ hat noch nicht mal den Status eines zahnlosen Papiertigers erreicht.
Nun, Ratzinger wird defnitiv auch nicht jünger. Und die beiden ersten Begriffe, die sich bei der Betrachtung seines „Durchgreifens“ (i.e. dem kompletten Fehlen desselben) zur Beschreibung seiner Ära anbieten, sind eben diese: langweilig und belanglos.
Insofern muss man den „Osservatore Romano“ gerechterweise auch etwas in Schutz nehmen: Zu so einem Langweiler-Verein fällt es schwer, etwas Besseres zu schreiben, wenn man V2 nicht die Maske vom Gesicht reißen will, ja erst recht, wenn man die V2-Maske immer wieder notdürftig nachschminken muss.
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#9   möchtegern-kathole   20:11:17 | Mittwoch, 9. Mai 2007
da es um die Herrschaft …
… in einem ganzen Staate geht (und nicht dem kleinsten, der Macht nach), wundert es kaum, wenn die halbe Welt dort konspiriert, lügt, Druck ausübt, Hebel ansetzt, Leute positioniert, ausspäht, Wanzen installiert, abhört, mitliest …
Dass der Liebe Gott diese Last jenem aufbindet, der mit diesen Leuten lange per Du war, ist seine Gerechtigkeit. Möge Er ihm auch helfen, sie zu tragen …
Lauf, Benedikt, Du hast noch einen weiten Weg vor Dir …
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#8   Benedikt   17:30:55 | Mittwoch, 9. Mai 2007
Tossati
Hat denn der Vatikanist auch etwas Konkretes zu bieten? Warum ist der Papst mit Hummes nicht einverstanden? Da muss es doch wohl konkrete Vorfälle gegeben haben.
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#7   r.ruhrgebietler   16:34:07 | Mittwoch, 9. Mai 2007
irgendwelche Unfähigkeiten
für die ewig blöden Leser von +.net?
Nein! B-XVI hält seine eigenen Aussagen offensichtlich für überholt, scheint zu viel Adenauer gelesen zu haben (…was interessiert mich mien Geschwätz von gestern…). Ob ein Rücktritt die Sache verbessert? Wohl kaum! Die modernistischen Verschwörer im Vatikan (und um den Vatikan) warten nur auf diese Gelegenheit um noch liberalere Kräfte im Sinne einer Welteinheitsreligion nach dem Strickmuster des kommenden Maitreya zu inthronisieren.
Zu blöd nur, daß die jetzt in Brot und Arbeit stehenden der V-II-Sekte dann gar nichts mehr zu lachen haben.
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#6   Freinsberg   15:07:20 | Mittwoch, 9. Mai 2007
@ nonnobisdomine
Msgr. Marini steht vielleicht auf der Abschussliste von KreuzNet… Er wäre der geeignete Chef der Gottesdienstkongregation.
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#5   nonnobisdomine   13:57:37 | Mittwoch, 9. Mai 2007
Unabhängig davon, was ich persönlich von Marini halte …

er steht doch schon seit Jahren (es sind mal gerade erste zwei) auf der sogenannten „Abschussliste“.
Er muß ersetzt werden, das ist meine Meinung. Aber wie oft ist schon dieses „Gerücht“ aufgetaucht?
Und jetzt darf er sich noch ein Erzbistum aussuchen, wenn er nicht Erzpriester werden will?
Handelt so Rom?
Nein.
Ich empfehle dringenst die Lektüre eines Buches, das die Machenschaften, wie sie in Rom bzw. in der Kurie sich darstellen, beleuchtet.
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#4   landorganist   11:58:43 | Mittwoch, 9. Mai 2007
Wieder ein durchsichtiger Versuch
von Hetznet, dem Papst irgendwelche Unfähigkeiten anzudichten! Für wie blöd hält man die Leser?
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#3   Seminarist   11:27:34 | Mittwoch, 9. Mai 2007
Kardinal sucht Muse
Kardinal Egan scheint amtsmüde zu sein und möchte sich künftig der Komposition von Kirchenmusik widmen.
Das ist doch eine ehrenvolle Tätigkeit. Eminenz hat das neue geistlose Liedgut bestimmt auch satt bis zum Hals.
Man würde sich wünschen, manch deutscher Kardinal würde sich auf gleiche Weise verabschieden.
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#2   matt   11:07:00 | Mittwoch, 9. Mai 2007
Petrus, ein Mensch…
Ich glaube, dass Benedikt nicht zuletzt deswegen Oberhaupt geworden ist, weil er ein organisatorisches Talent und eine Kenntnis vom Personal der Kirche besitzt, die anderen garnicht zuzutrauen ist. Ich glaube da auch eine geistige Flexibilität bei ihm zu erkennen, die vielleicht aus der Heiterkeit und Gelassenheit seiner bayrischen Herkunft hervorgeht, die der Kirche sehr gut tun kann. Er ist nicht so starr, so verbissen, so dogmatisch in seinem Auftreten, wirkt auch nicht emotional oder übermäßig enthusiastisch. Er ist ausgewogen und besonnen und das ist einmal für die Organisation ein sehr wichtiger Stabilitätsfaktor, ein wertvoller Rückhalt.
Sehen wir in Petrus nicht immer bloß den starren Felsen. Lassen wir Petrus doch einmal in seiner Menschlichkeit zur Geltung kommen, für die ihn Jesus aber lieb hatte. So soll er zweifeln und zaudern, aus der Erfahrung lernen und Personalentscheidungen korrigieren dürfen. Wer könnte ihm daraus einen Strick drehen wollen? Ist doch besser er hat in sich die zweifelnde Kraft auch Fehlentwicklungen zu erkennen und zu korrigieren, als er ließe sie sinnlos und beharrlich laufen, bis sie der Kirche zum Verhängnis werden.
Dadurch wird er seiner Rolle wohl am ehesten gerecht, als wenn man von vornherein den Anspruch der Unfehlbarkeit auf ihn anlegt. Wohin so eine Versteigerung eines Menschen führt, kann man ja im Werdegang der Kirche erleben.
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#1   Gunsenum   10:14:23 | Mittwoch, 9. Mai 2007
Angeblichkeit…
Insgesamt sind angeblich,,,,RECHERCHIEREN SIE FAKTEN!!!!
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