St. Pölten
Krenn-Gegner als neuer Regens im Gespräch
In St. Pölten wartet man gespannt auf die Ernennung eines neuen Regens für das derzeitig geschlossene Priesterseminar. Andeutungen von Bischof Küng vor Journalisten lassen darauf schließen, daß die Tage des gegenwärtigen Regens, P. Werner Schmid, gezählt sind.
(kreuz.net, St. Pölten) Schon seit längerem rätselt man in der Diözese St. Pölten darüber, wer der neue Leiter des diözesanen Priesterseminars werden soll. Das derzeit geschlossene Priesterseminar soll im Herbst 2005 wieder eröffnet werden. Auch gewöhnlich gut informierte Kirchenkreise sind sich über den Namen des zukünftigen Regens nicht einig.

Übereinstimmung besteht eigentlich nur in einem Punkt: Der erst letztes Jahr von Bischof Krenn ernannte, angesehene Regens, Pater Werner Schmid, wird seine Koffer wohl wieder packen müssen. Pater Schmid war nach dem von schweren Anschuldigungen begleiteten Rücktritt von Ex-Regens Ulrich Küchl mit der Leitung des Priesterseminars betraut worden. Seit längerem gibt Bischof Küng den Anschein, daß er Pater Schmid nicht weiter im Amt haben will. Dies ließ er jedenfalls mehrere Male vor laufender Kamera verlauten. Pater Schmid ist der aktuelle Leiter der Weltpriestergemeinschaft St. Josef in Kleinhain bei St. Pölten. Diese Gemeinschaft hat der Diözese zahlreiche, sehr engagierte Priester geschenkt.

Derzeit kursieren in St. Pölten im Zusammenhang mit einem möglichen neuen Regens zwei Namen: Anton Leichtfried und Gottfried Glaßner.

Anton Leichtfried (37) ist der gegenwärtige Spiritual des Propädeutikums in Horn. Spiritual Leichtfried gilt als begabter Intellektueller und ist für seine sehr liberalen theologischen Ansichten bekannt.

Das Propädeutikum in Horn bei Krems (Niederösterreich) ist der interdiözesane Vorbereitungslehrgang der österreichischen Diözesen für angehende Priesterseminaristen. Er wurde auf maßgebliches Betreiben des Wiener Kardinals Christoph Schönborn eingerichtet und soll einer Förderung der menschlichen, intellektuellen und geistlichen Reifung der künftigen Priesteramtskandidaten dienen.

Spiritual Leichtfried gilt als einer der engsten Vertrauten des ehemaligen Regens des St. Pöltener Priesterseminars, Franz Schrittwieser. Der ebenfalls theologisch sehr liberale Schrittwieser war im Herbst 2001 von Bischof Kurt Krenn nach 13 Jahren als Regens abgesetzt worden. Im Herbst 2003 betraute ihn Kardinal Schönborn mit der Leitung des interdiözesanen Propädeutikums in Horn.

Unter der Ägide von Kardinal Schönborn, Regens Schrittwieser und Spiritual Leichtfried sollen angehende Priesteramtskandidaten in Horn immer wieder wegen glaubens- und lehramtstreuer Positionen in Schwierigkeiten gekommen sein.

Spiritual Anton Leichtfried wurde 1967 geboren und stammt wie Schrittwieser aus Purgstall in der Nähe von Amstetten. Amstetten befindet sich zwischen Linz und St. Pölten. Leichtfried ist ein Schüler des inzwischen emeritierten Freiburger Dogmatikers Gisbert Greshake, der vor allem durch kritische Aussagen zum Pflichtzölibat Bekanntheit erlangte.

Nach seiner Promotion soll Leichtfried zunächst eine Tätigkeit an der Philosophisch-Theologischen Hochschule seiner Heimatdiözese St. Pölten angestrebt haben. Dies habe Bischof Krenn im Hinblick auf die von ihm angestrebte Erneuerung der Priesterausbildung und wegen der liberalen Ansichten Leichtfrieds jedoch stets auf das Entschiedenste abgelehnt. Auch deshalb steht Leichtfried seit langem im Ruf, zu den schärfsten Gegnern von Bischof Krenn zu gehören.

In Kreisen um den St. Pöltener Diözesanbischof kursiert der Name eines zweiten Kandidaten für das Amt des Regens: Pater Dr. Gottfried Glaßner OSB. Pater Glaßner ist Benediktinerpater des niederösterreichischen Stiftes Melk und seit 1998 Dozent für Bibelwissenschaften des Alten Testaments an der philosophisch-theologischen Hochschule von St. Pölten.

Pater Glaßner (54) stammt aus dem niederösterreichischen Leopolds bei Kotten, einer Ortschaft im Waldviertel. Er ist seit 29 Jahren Priester. Als Dozent vertritt er angeblich eine gemäßigte historisch-kritische Exegese. P. Glaßner ist Bibliothekar im Melker Stift und arbeitet zudem in Salzburg bei der „Catholica Unio Österreich“, eine Institution, die sich für einen Brückenbau mit den Kirchen des Ostens einsetzt.

Aufgrund seines unauffälligen und moderaten Charakters geben ihm Insider aus dem St. Pöltener Klerus die besten Chancen, ab Herbst 2005 dem diözesanen Priesterseminar vorzustehen.

Wie der im November von Bischof Küng ernannte Generalvikar Leopold Schagerl dürfte P. Glaßner dem Regierungsstil des neuen St. Pöltener Bischofs entsprechen. Auch er ist ein gemäßigter, relativ farbloser Kandidat, den sich niemand wünscht und gegen den keiner auf die Barrikaden steigen wird.
      
2 Lesermeinungen
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#2   Vetter Taferl   18:46:05 | Mittwoch, 26. Januar 2005
Dolfus Einschätzung teile ich
P. Gottfried Glaßner ist sehr freundlich und liebenswürdig (zu allen!!), sicher kein liberaler oder konservativer „Revoluzzer“ und passt am besten in ein Konzilskirchenseminar.
Persönlich ist er sehr fromm und es stimmt, er gibt in den Vorlesungen nur das weiter, was ihm weitergegeben wurde.
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#1   Dolfus   12:41:56 | Mittwoch, 26. Januar 2005
Beste Lösung
Pater Gottfried würde die Sache sicher gut machen. Bischof Küng würde mit diesem Benediktiner einen loyalen Mitarbeiter haben.
Er ist diszipliniert und wird als angenehmer Gesprächspartner beschrieben.
Ansonsten ist er nicht einer der vielen Revoluzzers, sondern schlicht ein Ordenspriester, der einfach pflichtbewußt ohne viel Aufsehen seinen Dienst tut, nach den unter dem regierenden Pontifex herrschenden Richtlinien.
Nach meinem sehr unvollständigen Eindruck würde ich den Pater als Prototyp eines Mannes der Mitte beschreiben.
Seine historisch-kritizistische Bibelexegese ist ihm wahrscheinlich nicht zum Vorwurf zu machen, denn er gibt nur das weiter, was ihm in seiner eigenen Priesterausbildung selbst gelehrt wurde, und zwar nach den Vorschriften der seinerzeitigen Bischöfe.
Hochwürden Leichtfried ist mir persönlich nur namentlich bekannt, aber er ist ohnehin in einer verantwortungsvollen Position für sämtliche Priesteramtskandidaten Österreichs. Er wirkt durchaus sympathisch.
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