11:24:12 | Mittwoch, 26. Januar 2005
St. Pölten
In St. Pölten wartet man gespannt auf die Ernennung eines neuen Regens für das derzeitig geschlossene Priesterseminar. Andeutungen von Bischof Küng vor Journalisten lassen darauf schließen, daß die Tage des gegenwärtigen Regens, P. Werner Schmid, gezählt sind.
(kreuz.net, St. Pölten) Schon seit längerem rätselt man in der Diözese St. Pölten darüber, wer der
neue Leiter des diözesanen Priesterseminars werden soll. Das derzeit geschlossene Priesterseminar soll
im Herbst 2005 wieder eröffnet werden. Auch gewöhnlich gut informierte Kirchenkreise sind sich über
den Namen des zukünftigen Regens nicht einig.
Übereinstimmung besteht eigentlich nur in einem Punkt:
Der erst letztes Jahr von Bischof Krenn ernannte, angesehene Regens, Pater Werner Schmid, wird seine Koffer
wohl wieder packen müssen. Pater Schmid war nach dem von schweren Anschuldigungen begleiteten Rücktritt
von Ex-Regens Ulrich Küchl mit der Leitung des Priesterseminars betraut worden. Seit längerem gibt Bischof
Küng den Anschein, daß er Pater Schmid nicht weiter im Amt haben will. Dies ließ er jedenfalls mehrere
Male vor laufender Kamera verlauten. Pater Schmid ist der aktuelle Leiter der Weltpriestergemeinschaft
St. Josef in Kleinhain bei St. Pölten. Diese Gemeinschaft hat der Diözese zahlreiche, sehr engagierte
Priester geschenkt.
Derzeit kursieren in St. Pölten im Zusammenhang mit einem möglichen neuen Regens
zwei Namen: Anton Leichtfried und Gottfried Glaßner.
Anton Leichtfried (37) ist der gegenwärtige Spiritual
des Propädeutikums in Horn. Spiritual Leichtfried gilt als begabter Intellektueller und ist für seine
sehr liberalen theologischen Ansichten bekannt.
Das Propädeutikum in Horn bei Krems (Niederösterreich)
ist der interdiözesane Vorbereitungslehrgang der österreichischen Diözesen für angehende Priesterseminaristen.
Er wurde auf maßgebliches Betreiben des Wiener Kardinals Christoph Schönborn eingerichtet und soll einer
Förderung der menschlichen, intellektuellen und geistlichen Reifung der künftigen Priesteramtskandidaten
dienen.
Spiritual Leichtfried gilt als einer der engsten Vertrauten des ehemaligen Regens des St. Pöltener
Priesterseminars, Franz Schrittwieser. Der ebenfalls theologisch sehr liberale Schrittwieser war im Herbst
2001 von Bischof Kurt Krenn nach 13 Jahren als Regens abgesetzt worden. Im Herbst 2003 betraute ihn Kardinal
Schönborn mit der Leitung des interdiözesanen Propädeutikums in Horn.
Unter der Ägide von Kardinal
Schönborn, Regens Schrittwieser und Spiritual Leichtfried sollen angehende Priesteramtskandidaten in
Horn immer wieder wegen glaubens- und lehramtstreuer Positionen in Schwierigkeiten gekommen sein.
Spiritual
Anton Leichtfried wurde 1967 geboren und stammt wie Schrittwieser aus Purgstall in der Nähe von Amstetten.
Amstetten befindet sich zwischen Linz und St. Pölten. Leichtfried ist ein Schüler des inzwischen emeritierten
Freiburger Dogmatikers Gisbert Greshake, der vor allem durch kritische Aussagen zum Pflichtzölibat Bekanntheit
erlangte.
Nach seiner Promotion soll Leichtfried zunächst eine Tätigkeit an der Philosophisch-Theologischen
Hochschule seiner Heimatdiözese St. Pölten angestrebt haben. Dies habe Bischof Krenn im Hinblick auf
die von ihm angestrebte Erneuerung der Priesterausbildung und wegen der liberalen Ansichten Leichtfrieds
jedoch stets auf das Entschiedenste abgelehnt. Auch deshalb steht Leichtfried seit langem im Ruf, zu den
schärfsten Gegnern von Bischof Krenn zu gehören.
In Kreisen um den St. Pöltener Diözesanbischof kursiert
der Name eines zweiten Kandidaten für das Amt des Regens: Pater Dr. Gottfried Glaßner OSB. Pater Glaßner
ist Benediktinerpater des niederösterreichischen Stiftes Melk und seit 1998 Dozent für Bibelwissenschaften
des Alten Testaments an der philosophisch-theologischen Hochschule von St. Pölten.
Pater Glaßner (54)
stammt aus dem niederösterreichischen Leopolds bei Kotten, einer Ortschaft im Waldviertel. Er ist seit
29 Jahren Priester. Als Dozent vertritt er angeblich eine gemäßigte historisch-kritische Exegese. P.
Glaßner ist Bibliothekar im Melker Stift und arbeitet zudem in Salzburg bei der „Catholica Unio Österreich“,
eine Institution, die sich für einen Brückenbau mit den Kirchen des Ostens einsetzt.
Aufgrund seines
unauffälligen und moderaten Charakters geben ihm Insider aus dem St. Pöltener Klerus die besten Chancen,
ab Herbst 2005 dem diözesanen Priesterseminar vorzustehen.
Wie der im November von Bischof Küng ernannte
Generalvikar Leopold Schagerl dürfte P. Glaßner dem Regierungsstil des neuen St. Pöltener Bischofs
entsprechen. Auch er ist ein gemäßigter, relativ farbloser Kandidat, den sich niemand wünscht und gegen
den keiner auf die Barrikaden steigen wird.
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#2
Vetter Taferl 18:46:05 | Mittwoch, 26. Januar 2005
#1
Dolfus 12:41:56 | Mittwoch, 26. Januar 2005