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Donnerstag, 10. Mai 2007 18:29
Landesbischöfin Käßmann reicht die Scheidung ein
Ehen von evangelischen Pastoren sind besonderen Belastungen ausgesetzt und werden überdurchschnittlich häufig geschieden. Dasselbe gilt für evangelische Landesbischöfe.
Margot Käßmann
Margot Käßmann
(kreuz.net, Hannover) Die protestantische Landesbischöfin von Hannover, Margot Käßmann (48), läßt sich scheiden.

Das gab die Landeskirche in Hannover heute mittag in einer kurzen Presseerklärung bekannt.

Evangelische Landesbischöfe sind normale evangelische Pfarrer mit besonderen Leitungsaufgaben.

In der Meldung der Landeskirche heißt es: „Frau Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann hat dem Kirchensenat in seiner heutigen Sitzung mitgeteilt, daß sie zu ihrem tiefen Bedauern bei Gericht die Scheidung ihrer Ehe beantragt hat.

Der Kirchensenat hat diese Nachricht „mit großer Betroffenheit“ aufgenommen und dann in Abwesenheit von Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann eingehend beraten.

Der Senat erklärt einmütig, Frau Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann in dieser schwierigen Situation zur Seite zu stehen und sie in der bewährten Führung ihres Amtes mit allen Kräften zu unterstützen.“


26 Jahre Ehe und vier Kinder
Die in Marburg geborene Frau Käßmann war 26 Jahre mit Pastor Eckhard Käßmann (52) verheiratet. Aus der Ehe gingen vier Töchter zwischen 15 und 24 Jahren hervor.

Die erste evangelische Landesbischöfin Deutschlands, Maria Jepsen
Die erste evangelische Landesbischöfin Deutschlands, Maria Jepsen
Der Gatte der Landesbischöfin arbeitete in den ersten beiden Ehejahren in Hannover als Hausmann. Danach erteilte er Religionsunterricht. Seit drei Jahren wirkt er als Pfarrer im Landeskirchenamt in Kassel – 150 Kilometer südlich von Hannover.

Nicht die erste
Frau Käßmann amtiert seit 1999 als evangelische Landesbischöfin von Hannover. Damit war Frau Käßmann – nach der Hamburger Kirchenvorsitzenden Maria Jepsen – die zweite evangelische Landesbischöfin Deutschlands.

Sie ist auch die zweite geschiedene Frau in diesem Verwaltungsamt. Ihre Lübecker Amtskollegin Bärbel Wartenberg-Potter war bei ihrer Wahl im Jahr 2000 sogar ein zweites Mal evangelisch verheiratet.

Allerdings hat noch nie eine Landesbischöfin während ihrer Amtszeit die Scheidung eingereicht.

Frau Käßmann bleibt im Amt
Von Rücktritt ist auch nach dem Zerbrechen der Käßmann-Ehe keine Rede.

„Nach einer kirchenjuristischen Einschätzung kann die Bischöfin trotz ihrer Ehescheidung weiterhin im Amt bleiben“ – erklärt die evangelische Gemeinschaft in Hannover auf ihrer Homepage.

Nach protestantischem Kirchenrecht ist Frau Käßmann als Landesbischöfin eine Pfarrerin mit besonderen Aufgaben.

In der hannoverschen Landeskirche müssen Pastoren ihre Dienststelle wegen einer Ehescheidung schon seit Jahren nicht mehr aufgeben.

Schon morgen wird die Landesbischöfin in Hannover am Rat der ‘Evangelischen Kirche Deutschland’ teilnehmen.

Hannover ist mit mehr als drei Millionen Mitgliedern die größte evangelische Landeskirche in Deutschland.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 179 Lesermeinungen:
Montag, 21. Mai 2007 21:12
GerdEric: @Heger
da ist das vorjesuanische Gesetz doch menschlicher als das „katholische“, entsprechend dem Schabbatgebot: Die Ehe ist für den Menschen da, nicht der Mensch für die Ehe, heisst: wenn der Mensch an die Grenzen seiner Fähigkeiten stösst, dann soll er sich nicht bedrücken, damit er nicht weiter fehlt (heisst, wenn es Priester schon schwer haben den Gesetzen zu folgen, wer hat dann das Recht es vom einfachen Gläubigen zu fordern?).
Montag, 21. Mai 2007 15:57
Wolfgang K.: Kein Grund zur Häme
Man kann die gescheiterte Ehe der Landesbischöfin nicht als Legitimation für das Zwangszölibat benutzen. Die Anforderungen dieses Amtes sind mit einem gesunden Familienleben kaum noch mehr zu vereinbahren. Übervolle Terminkalender lassen nämlich keinen Platz mehr für ein Privatleben. Außerdem sind diese Art von Frauen den meisten Männern beruflich und intelektuell derartig überlegen daß schon aus diesem Grund die meisten Ehen scheitern müssen. Wenn ich jetzt böswillig wäre würde ich sagen dass Paulus mit seiner Bemerkung dass die Frau in der Gemeinde zu schweigen hat gar nicht mal so unrecht hatte. Der Wille der Selbstverwirklichung der Pfarrfrauen ist das große Problem in den evangelischen Pfarrfamilien, und daran leidet auch unsere Glaubwürdigkeit.
Aber im Prinzip ist das gut dass die protestantischen Pfarrer und Bischöfe verheiratet sind, die katholische Kirche kann sich Schadenfreude an diesem Punkte sparen. Haben selber genug Probleme mit dem Zölibat in der Vergangenheit gehabt (- Beispiel Alexander VI. und selbige Konsorten). Die haben der Kirche mehr Schaden zugefügt als eine geschiedene Bischöfin.
Samstag, 19. Mai 2007 23:51
Dr. Christoph Heger: @virOblationis: Herzlichen Dank!
MfG
Christoph Heger
Samstag, 19. Mai 2007 12:57
Herr Dr. Heger schrieb:
„Krankheitshalber mußte und muß ich auch weiterhin meine Teilnahme in diesem Forum einschränken.“

Alles Gute und Gottes Segen für Sie!
Samstag, 19. Mai 2007 00:19
Dr. Christoph Heger: Einige Stichworte
Krankheitshalber mußte und muß ich auch weiterhin meine Teilnahme in diesem Forum einschränken. Deshalb hier nur einige Stichworte nach kursorischer Lektüre der Diskussionen hier.

Jesus Christus hat mit seiner göttlichen Autorität die immer schon bestehende sittliche Pflicht zur Einehe eingeschärft und diese Ehe zu einer sakramentalen Interperson (zum Begriff s. Fichte) erhöht. Eine Scheidung mit Wiederverheiratung ist sittlich nicht möglich. Auch eine unglückliche („gescheiterte“) Ehe hat ihren Sinn in sich.

Paulus verlangt von den Bischöfen, daß sie „enthaltsam“ (griechisch: enkrates) seien. Wenn er also an anderer Stelle verlangt, daß der Bischof nur einmal verheiratet sein darf, so deshalb, weil sonst von ihm nicht anzunehmen ist, daß er der Forderung nach Enthaltsamkeit genügen kann.

Das Zölibatsgesetz als eine rechtliche Verschärfung dieser paulinischen Forderung an den Bischof ist spätestens auf dem Konzil von Nizäa erlassen worden. Die lateinische Kirche hat es auf die Priester allgemein ausgedehnt – was nicht bedeutet, daß die Forderung nach Enthaltsamkeit der Priester erst aus dieser Zeit stammt.

MfG
Christoph Heger
Freitag, 18. Mai 2007 13:15
Tayyib: Reif zum Kabrett
Der Kirche als einem Medien- und Unterhaltungskonzern in unserer Gesellschaft fehlt das oppositionelle Kabarett. Dann könnte man die Kritik pointiert vorbringen und müsste nicht so verbissen sein. Dann könnte man wieder darüber lachen, dass Frau Käßmann sich mit einer Deckenbeleuchtung über dem Kopf wie bei DSDS ablichten lässt, als hätte sie einen Heiligenschein (dpa-Photo); dass sie in der Bild-Zeitung als promovierte Theologin Matthäus 16, 19 nicht nur falsch zitiert, sondern auch für ihre Zwecke auslegt: „Was du auf Erden lösen willst (!), das soll auch im Himmel gelöst sein!“; dass sie – Achtung Fortschritt – ihre Vorbildfunktion jetzt in der Wahrhaftigkeit entdeckt (gehörte die nicht eigentlich zu ihrer Standardausrüstung?); dass sie allen Ernstes geglaubt haben will, dass der Kirchensenat – bei den engen und jahrelang gepflegten, persönlichen Verflechtungen in der Landeskirchenleitung – ihr Rücktrittsangebot annehmen könnte; dass sie – wenn man den harmonisierenden Darstellungen auf der Hp der Landeskirche glauben darf – auf dem platten Land von (geschiedenen?) Bauersfrauen getröstet wird, die mit ihr den üblichen Lady-Di-Ikonenrummel veranstalten. Wenn man sich anschaut, wie deutlich das politische Kabarett mit unseren Politikern umgeht (z. B. Merkel, Schäuble), dann fehlt einem wirklich das Pendant zur Kirche. Was Frau Käßmann betrifft: an Stoff würde es nicht mangeln. Sogar sie selbst müsste lachen. Die Frage ist nur, ob auch der liebe Gott noch mitlachen könnte.
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